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Der Gardasee


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Italien mein Sehnsuchtsland - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 10.02.2022

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Bildquelle: Italien mein Sehnsuchtsland, Ausgabe 1/2022

Wer immer von Norden kommt, den Gardasee erreichen alle am besten über zwei Wege: Bei Trient das Etschtal verlassen, die steile Straße hinauf nach Cadine und, vorbei am See von Toblin mit seinem Schloß, die Sarca entlang nach Riva. Oder man nimmt die Straße, die bei Rovereto abzweigt und über den kleinen Pass San Giacomo zum See führt und von der Passhöhe einen ersten, unvergleichlichen Blick über den See gewährt. Hier standen sie alle, die berühmten Reisenden der vergangenen Zeiten auf dem Weg nach Italien, dem Land ihrer Sehnsüchte. Und sie waren überwältigt: „Heute abend hätte ich können in Verona sein, aber es lag mir noch eine herrliche Naturwirkung an der Seite, ein köstliches Schauspiel, der Gardasee, den wollte ich nicht versäumen, und ich bin herrlich für meinen Umweg belohnt“, notierte Goethe, hier stellvertretend für all die Literaten und Romantiker, die nach der beschwerlichen Fahrt ...

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... über die Alpen diesen ersten Blick in den Süden werfen konnten.

Damals wie heute zeigt der Blick die Einzigartigkeit des Gardasees, zunächst zwischen steilen Felswänden, dann sich gegen den Horizont weiten, als wäre er schon ein Teil des Meeres.

Die landschaftlichen und klimatischen Besonderheiten des Sees lockten schon in der Antike erste Touristen an, denn die Römer badeten lieber in den heißen Quellen, die bei Sirmione entspringen. Später, im Mittelalter, war der See ein bequemer Weg für die Handelsherren in den oberitalienischen Städten wie Brescia, Mailand oder Verona. Sie kämpften jahrhundertelang um seinen Besitz, was die vielen Kastelle rund um den See, die wir heute als Sehenswürdigkeiten bestaunen, bestätigen.

Das Ostufer/Via Gardesana Orientale

Torbole ist fest in der Hand der Windsurfer, an den schönen Wochenenden während der Sommermonate umlagern Hafen und Uferstraße Fahrzeuge, die alle etwas gemeinsam haben: aufgeschnallte Surfbretter. Der Strand ist dicht bedeckt von bunten Segeln. Der Ort seit altersher bekannt für seine ungemein frischen Brisen, die plötzlich von der Höhe von Nago über den See fallen. Kommt sie dann, die frische Brise, dann ist der See in Sekundenschnelle mit kreuz und quer rasenden Surfern bedeckt. Bevor es weitergeht, lohnt die Auffahrt zu den Parkplätzen an der Via Bellavista (Nomen est Omen), die einen guten blick über das Nordende des Sees ermöglichen.

Für österreichische und italienische Militärs war der Gardasee nie etwas anderes als eine Möglichkeit, das gut befestigte Etschtal, da ja damals zu Österreich gehörte, zu umgehen. Daher erreichte man damals die Orte am See nur mit dem Boot, erst 1929, als keine Grenze mehr den See teilte, wurde die Gardesana orientale dem Verkehr übergeben. Doch ganz gleich, ob damals über den See oder heute mit dem Auto: dem Reisenden fällt die auf einem Sporn über dem See erbaute Burg von Malcesine sofort in Auge.

Trotz des sommerlichen Rummels ist der Ort relativ intakt geblieben. Recht hübsch ist der Hafen mit den alten Häuserfronten. Ein Gewirr von alten Gassen durchzieht den Ort mit seinem mittelalterlichen Bauten, der sich in weitem Rund um den Burgfelsen legt. Die Burg (in der Geheimrat Goethe beinahe als Spion verhaftet worden wäre) ist schon seit dem 6. Jahrhundert bezeugt und wechselte immer wieder den Herrn, das heutige Aussehen mit den Scaliger-Zinnen bekam sie im 13. und 14. Jahrhundert. Eine Besichtigung lohnt sich, auch wegen der guten Ausstattung.

Nach Torri del Benaco, dem nächsten Ort am See, sind es von Malcesine 20 Kilometer. Die Burganlage, die so malerisch am See steht, eine verwinkelte kleine Altstadt und die hübsche Seepromenade sind genug Argumente für eine ausgiebigen Pause.

Kaum fünf Kilometer weiter das Kap San Vigilio, das den Beginn der Bucht von garda markiert. Vom kleinen Parkplatz ist ein schöner Badeplatz, aber auch die von hohen Zypressen umgebene Villa Guarienti (1540) mit herrlicher Aussicht über den See und die Bucht von Garda.

In weitem Rund liegt der Ort in mitten der Pracht subtropischer Vegetation von großer Vielfalt: Zypressen, Pinien, Ölbäume, Oleander, Steineichen und Blüten in allen Farben säumen Berghänge, Straßen und das Ufer, dessen helle Kiesstrände mit dem Blau des Sees kontrastieren. Es mutet wie ein Märchen an. Die Schönheit der Bucht und ihr mildes Klima zog schon früh die Menschen an; Unter der Rocca wurden Spuren ein Pfahlbauten-Dorfes gefunden, auf der Rocca ein Keltisches Heiligtum. Hier auf dem steilen Felsen über dem See befand sich vermutlich seit dem 5. Jahrhundert eine Burg, die erst im späten Mittelalter aufgegeben wurde, einige Reste sind noch zu sehen, doch die weite Aussicht über den See ist viel spektakulärer.

Garda wurde unter der Herrschaft der Venezianer zu dem Städtchen, das wir heute noch erleben können. Garda war der Sitz des Statthalters, der im Palazzo del Capitano residierte. Hier ist das Zentrum Garda‘s, hier war einmal der Hafen der Stadt, bis er zu gunsten einer durchgehenden Seepromenade zugeschüttet wurde und Garda einen seiner schönsten Orte beraubte.

Von Garda nach Bardolino ist es nicht weit, zu Fuß wäre es eine knappe Stunde. Das Ortsbild des Ortes ist hübsch und etwas altertümlich, doch hat sich nur wenig Sehenswertes erhalten. Der anziehendste Teil Bardolinos ist der große Platz, der sich vom Hafen, gesäumt von Läden, Cafés und Trattorien quer durch die Altstadt zieht. Hier sich der Wein, der in der Umgebung wächst, probieren und kaufen.

Das wirklich Sehenswerte von Bardolino sind drei Kirchen, klein und doch kunsthistorisch bedeutend. Da ist die Kirche San Severo aus dem 11. Jahrhundert, direkt an der Gardesana gelegen, die in ihrem Inneren die Reste ein noch viel älteren Kirche birgt. Das zweite uralte Kirchlein, St. Zeno, ein strenger karolingischer Bau des 8. Jahrhunderts ist nicht weit entfernt in der Via San Zeno. Und schließlich das dritte Kirchlein befindet sich im weiter südlich gelegenen Ortsteil Cisano. Die Kirche entstand 1130,sehenswert ist nur die Fassade mit ihrer Romanischen Ausstattung.

Auf der Fahrt weiter nach Süden, entlang der immer flacher werden Hügel, auf denen der glutrote, aber selbst gut gekühlte leicht über schätzte Wein wächst, bietet sich bald der Blick auf die Silhouette des noch ganz mittelalterlich anmutende Städtchen Lazise. Die Altstadt um das schmale, weit zwischen die Häuser hineinragende Hafenbecken liegt umschlossen von der noch vollständig erhaltenen Stadtbefestigung, daneben ein Kastell mit steilen Mauern und sechs Türmen. Direkt am Hafenbecken die Dogana, das ehemalige Arsenal der venezianischen Flotte in dem sich heute Ausstellungen befinden, daneben die Kirche St. Nikolaus, die jedoch schon im 14. Jahrhundert profaniert und erst in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts saniert wurde.

Da der Hafen mit dem Arsenal der militärischen Nutzung vorgehalten war, öffnen sich die Häuser am obren Ende des Hafens zu einem weiten Platz, auf dem der Markt abgehalten wurde. Diese beiden, ineinander übergehenden, vollständig von alten Fassaden gesäumten Plätze gehören zu den schönsten Stadtbildern, die sich am Gardasee erhalten haben.

Hinter der Dogana die prächtige Villa Bernini mit einem schönen Park, in dem sich das Kastell befindet (privat, nicht zu besichtigen).

Zwischen Lazise und Peschiera gibt es ein Vielzahl von Freizeitparks, die vorallem in der Hochsaison und am Wochenende stark besucht werden.

Das Westufer Via Gardesana Occidentale

Am schmalen Nordufer des Gardasees haben nur zwei Orte Platz: rechts, östlich des Monte Brione Torbole, links davon Riva del Garda, dem Ausgangspunkt der Westuferstraße. Die heute als Urlaubsort so beliebte Stadt war jahrhundertelang der Haupthafen des nördlichen Gardasees, über den ein Großteil der Handelsgüter aus Venedig und der Lombardei weiter nach Tirol und in den Norden geschafft wurden. Das schon im 19. Jahrhundert viel gerühmte Stadtbild des alten Riva mit seinen historischen Plätzen und Straßen um den Hafen dem alten Kastell ist der Ausdruck der wechselvollen Geschichte der Stadt. Venedig, die Lombardei und der Bischof von Trient stritten sich ein ganzes Jahrtausend um den so verkehrsgünstigen Platz, von 1802 bis zum Ende des 1.Weltkriegs gehörte es gar zu Österreich. Doch ein italienisches Städtchen ist es immer gewesen, doch unterscheidet es sich mit seinem österreichischen Überzug von den anderen Orten am See. Die Altstadt und der Hafen sind einen Besuch wert, ebenso die Kirche dell‘Inviolata, 1603 erbaut, mit ihrem überquellenden Stuck im Inneren. Bevor wir die Stadt Richtung Süden verlassen, ist ein Cappucino am Piazza Erbe Ehrensache. Empfehlenswert ist ein Abstecher zum Varone-Wasserfall im Norden von Riva. Tosend stürzen hier die Wasser des Varone 100 Meter in einen tiefen Schlund. Dieses Naturspektakel erlebt man auf einer Brücke, auf der die Schlucht begehbar wird.

Auf einigen Hundert Metern begleitet die Promenade die Straße, dann öffnet sich der erste Tunnel. Die alte Straße von 1931, die direkt am See entlang führte, ist jetzt nur noch für Fahrradfahrer und Wanderer geöffnet. Doch trotz vieler neuer Tunnel, die in die Felsen der Rochetta gesprengt wurden, ist die Occidentale immer noch eine der großartigsten Straßen in den Süden. Hinter der Ponaleschlucht und der ehemaligen Grenze zwischen Österreich und Italien -heute zwischen dem Trentino und der Lombardei -liegt in einer kleinen Bucht Limone. Früher ein beschaulicher Ort, der in seinem besonderen Klima den Anbau von Zitronen ermöglichten, ist heute, besonders in der Hochsaison ein Zentrum touristischen Lebens. Und nur vereinzelt finden sich noch Limonare, in denen wirklich noch einige Zitronenbäumchen stehen. Auch Campione, auf einem schmalen Delta des gleichnamigen Baches ist dem modernen Tourismus anheimgefallen, doch dafür entschädigt die Strecke. Und wenn sich in einem besonders engen Tunnel zwei nicht so erfahrene Wohnmobilisten begegnen, ist es auch für den Fahrer ungefährlich, die schöne Landschaft zu genießen.

Wieder führt die Straße durch viele Tunnel, ein kleiner Parkplatz erlaubt eine kurze Pause und das Fotografieren. Nach einem letzten recht langen Tunnel treten die Felswände zurück und plötzlich, viel überraschender als auf der östlichen Seite, öffnet sich die Welt des Südens.

Gargnano ist der erste Ort des südlichen Gardasees und zugleich der nördlichste Punkt der um die Jahrhundertwende weltberühmten Brescianer Riviera, jenes Küstenstreifens von Salo bis Gargnano, den sich die vornehme Welt von Mailand und Brescia als Standort ihrer prunkvollen Villen inmitten einer mediterranen Natur ausgeguckt hatte. 1872 wurde deshalb eine erste Straße von Süden aus bis Gargnano gebaut, um die Anreise der feinen Herrschaften zu erleichtern, das gemeine Volk fuhr, wie zu allen Zeiten, mit dem Schiff.

Gargnano ist ein altes Fischerdorf mit einem verwinkelten Ortskern, einigen Hotels und dem Luxushotel Villa Feltrinelli. Besuchenswert ist Kirche und Kloster San Francesco im Süden der Altstadt, die Kirche ist ein romanischer Bau des 13. Jahrhunderts, der, besonders im Inneren, in der folgenden Zeit umgebaut wurde. Rechts neben der Kirche hat sich aber der Kreuzgang erhalten; und der ist ein Kleinod romanischer und gotischer Architektur. Gleich hinter Gagnano das Dorf Bogliaco mit seinem großen Schloss des Grafen Bettoni (Privat) mit schönem Garten, dann nähert man sich einer großen Landzunge, die der Wildbach Toscolano im Laufe der Zeit gebildet hat und die so groß ist, dass der ganze Doppelort Maderno-Toscolana darauf Platz hat. Der Ort ist touristisch gut erschlossen, einige gute Hotels stehen zur Auswahl. Kunsthistorisch interessant ist die Kirche Sant‘Andrea in Maderno, 1130-1150 während der Glanzzeit der Stadt (da war sie Verwaltungssitz der Visconti aus Mailand) erbaut. Sie ist eine der schönsten romanischen Landkirchen Oberitaliens. Weiter nach Salo, das im Schutz eines großen Moränenhügels in einer geschützten Bucht liegt. Interessant ist die gotische Pfarrkirche St. Maria Annunuziata mit ihrem Renaissance-Portal. Und wer Zeit hat, der spaziere gemütlich über die schöne Uferpromenade, dem Lungolago. Der von Salo war der erste seiner Art, als nach einem verheerenden Erdbeben 1901 die Stadt einem Trümmerhaufen glich. Die Altstadt wurde auf ihren Fundament wieder errichtet, doch fügte man entsprechend den gerade erwachenden touristischen Bedürfnissen der „Brescianer Riviera“ eine Neuerung hinzu: Es entstand entlang der ganzen Seeseite von Salo der prächtige Lungolago Guiseppe Zanardelli. Die Uferpromenaden mit ihren Cafes, Geschäften und Palmen sind überall am See zu finden, doch hier in Salo entstand zweifellos das großzügigste Exemplar dieser Gattung.

In Salo teilt sich die Hauptstraße: Die SS 45 b führt weiter nach Brescia, die SP 572 windet sich nun die Moränen hinauf und führt in einem weiten Bogen durchs Landesinnere, um den See erst wieder kurz vor Desenzano zu erreichen und schneidet dabei einen langen, hügeli- gen Küstenstreifen ab, an dem sich jedoch einige der schönsten Uferpartien des Gardasees befinden. Es sind die Endmoränen des Gardagletschers, die Valtenesi, die, in einem weiten Bogen bis zur Mincio-Mündung bei Peschiera, eine überaus reizvolle Hügellandschaft bilden, ja fast ein toskanisches Bild zeigen: Zwischen Weingärten, Olivenbäumen und Zypressenhainen liegen kleine Dörfer auf den Hügelkuppen, doch es ragen einige Felsen aus der Moränenlandschaft hervor.

An einem Kreisverkehr weißt ein Schild nach San Felice del Benaco, einer weit verzweigten Gemeinde im oberen Teil der Valtenesi. Der kleine Abstecher wird mit zwei Kirchen belohnt: Da ist zum einen die Kirche SS Felice, eine barocke Anlage im Zentrum des Ortes und Santa Maria del Carmine am südlichen Ortsrand, ein spätgotische Saalkirche mit interessanten Fresken.

Den unteren Teil der Küsten-Valtenesi nimmt die in mehrere Dörfer zerstreute Gemeinde Manerba ein, es folgen Moniga und Padenghe. Von besonderer Schönheit ist die Küste bei der Halbinsel Belvedere. Überragt wird die Halbinsel von der Rocca di Manerba, auf deren Spitze einst eine mächtige Festung stand. Sie und die Stadt Manerba wurden 1276 zerstört, die Einwohner vertrieben und nie wieder aufgebaut. Lediglich eine romanische Kirche blieb erhalten, die Pieve Vecchia von 1145, markiert noch die Stelle, an der das alte Manerba stand, auf der Fahrt von San Felice del Benaco nach Manerba ist die Kirche leicht zu erreichen.

Durch sichtlich gepflegte Weingärten gelangt man rasch nach Moniga mit seinem gewaltigen Kastell, in dem sich nun ein Dörfchen befindet. Das ganz gleiche Bild ergibt in der nahegelegenen und noch viel größeren Festung von Padenghe, die be- herrschend auf einem Hügel thront; innen befindet sich ebenfalls ein altes Dorf. Der heutige Ort Padenghe gruppiert sich zu Füßen des Burgberges rund um die barocke Pfarrkirche.

Desenzano, an der großen Straße N 11, die von Turin bis nach Triest ganz Norditalien durchzieht, lohnt einen Aufenthalt. Drei Dinge sind besonders interessant: Das Ortsbild einer Handelsstadt -denn von hier aus verschifften die Venezianer ihre Waren hinauf nach Riva. Die Pfarrkirche mit dem Gemälde „Das Abendmahl“ von G. Tiepolo und die Mosaiken in der römischen Villa. Auch die Promenade mit einem römischen Sarkophag verdient einen Besuch, bevor man weiter nach Sirmione fährt.

„Salve, o venusta Sirmio“ (sei gegrüßt, o du herrliches Sirmione) dichte Catull, der römische Dichter, wenn er auch nicht die nach ihm benannte Riesenvilla am Nordende der Halbinsel bewohnte, sie wäre ihm zu teuer gewesen.

Schon die Lage im See ist bemerkenswert, Sirmione liegt an der Spitze einer vier Kilometer weit in den See ragenden Halbinsel, die sich an ihrem Ende weitet und dort mit drei felsigen Hügeln aus dem Wasser emporsteigt. Die Römer liebten diesen Platz, sie bauten zwei Kastelle, eine Siedlung, Häfen, und als sie noch in den Uferfelsen eine heiße Schwefelquelle entdeckten, jene riesige Villa auf dem Felsen am äußersten Rand der Insel. Nach den Römern siedelten die Langobarden auf der Insel, dann folgten die Scaligeri aus Verona, die das Kastell erbauten und dann kamen die vielen Reisenden der Romantik, die Landschaft, die schon die Römer begeisterte, hatte sich mit Ruinen der Antike und des Mittelalters angereichert. Und nun hat sich der Ort zum Flaggschiff des Gardasee-Tourismus entwickelt. An Feier-und Ferientagen wird es schier überrannt von den Invasoren unserer Zeit. Doch es gibt sie noch, die stillen Zeit in Sirmione und am Gardasee, etwa im zeitigen Frühjahr, wenn die Sonne schon wärmt, oder an einem föhnigen Tag im Spätherbst, wenn die Luft klar und der Himmel dunkelblau ist. Dann zeigt der See sich, wie es früher einmal war, früher, als Geheimrat Goethe auf seine „Italienischen Reise“ den See besuchte.