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Der Geheimcode des Gesichts


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 01.03.2019

Falten, Mimik & Gesichtszüge verraten viel über uns. Wer andere genau ansieht, erfährt einiges über deren Charak ter, Gesundheit und Lebensstil. Ein kleiner Kurs inMenschenkenntnis


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Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 10/2019

Beginnende Wut


Nette Kontaktaufnahme


Echte Überraschung


Innere Gewissheit


Vieles erkennen wir intuitiv. Etwa die Grundgefühle Fröhlichkeit, Wut, Ekel, Furcht, Verachtung, Traurigkeit und Überraschung. Weltweit und in allen Kulturen werden sie von Menschen ähnlich ausgedrückt und identifiziert. Wer sein Gegenüber aufmerksam anblickt, bekommt sofort mit, wie ernst jemand das meint, was er sagt. Am besten verstehen wir die Sprache ...

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... der Augen. Durch sie blicken wir vielleicht nicht gleich in die Seele des anderen, doch sie verraten uns eine Menge: Ist der andere aufmerksam, oder geht sein Blick in die Ferne, so als wäre er lieber woanders? Unterbricht er dauernd den Blickkontakt, so als würde er sich unwohl fühlen, ja vielleicht sogar etwas verbergen? Es lohnt sich, andere immer bewusst zu betrachten. HÖRZU verrät, was man dabei über den Geheimcode des Gesichts wissen sollte.

Unsere Falten erzählen mehr Positives, als wir ahnen

Wer die Bedeutung von Mimik, Falten und Gesichtsfarbe kennt, erhält wichtige Hinweise auf Wertvorstellungen, Verfassung und Gesundheit eines Menschen. Spezialisten wie die Bestsellerautorin Tatjana Strobel können sogar die Weltsicht und typische Handlungsmuster aus Falten ablesen. Ihre Technik erläutert sie auch in ihrem aktuellen Ratgeber „Der Blick hinter die Maske. Was uns Gesichter verraten (Knaur, 208 Seiten, 9,99 Euro). Jeder Mensch verfügt im Gesicht über 26 Muskeln, die am jeweiligen Gesichtsausdruck beteiligt sind. Sogenannte Gesichtleser unterscheiden Lach-, Grübel- und Kummerfalten sowie Traurigkeitslinien.

„Jeder Gedanke wird in Millisekunden in Impulse verwandelt, diese zeigen sich in Mimik“, erklärt Strobel. „So tragen kleinste Gefühlsäußerungen zur Faltenbildung bei.“ Nicht umsonst sagt eine Redensart: „Es steht dir auf der Stirn geschrieben.“ Bei Wut senken wir die Augenbrauen und verkleinern so das Sichtfeld, die Lippen werden schmaler. Die Mundwinkel streben nach unten, werden aber wegen gesellschaftlicher Normen oft nach oben gezogen. Ergebnis: ein falsches Lächeln, das auf niemanden anziehend wirkt.

Vor allem Falten sind verräterisch. Überraschenderweise erzählen sie jedoch oft Gutes. Da ist etwa die gefürchtete Zornesfalte. Dermatologen bestätigen, dass sie von ihren Patienten am störendsten empfunden wird. Bei Tatjana Strobel heißt sie „Willensfalte“, denn die Expertin sieht sie als Indiz dafür, dass jemand das, was er sich in den Kopf gesetzt hat, wirklich umsetzt. Nimmt die Falte zwischen den Augen die Form eines Ypsilons an, ist der betreffende Mensch laut Strobel „kreativ, spontan und möchte gern allein etwas erreichen oder verändern“. Probleme löse er oft innovativ und einfallsreich.

Quer über der Nase liegt die Chef- oder Befehlsfalte: Ihr Träger liebt das Risiko und hat Mut. Ebenfalls viel besser als ihr Ruf sind Falten in den Mundwinkeln, die für höchste Ansprüche an sich selbst stehen.

Sagt die Kinnform wirklich etwas über den Charakter?

„Es gibt mehr als 330 Merkmale allein im Gesicht, die auf den Charakter schließen lassen“, behauptet Gesichtleserin Tatjana Strobel. Basis ist die alte Lehre der Physiognomik, die bereits in der Antike populär war und im Mittelalter wie die Alchemie zu den okkulten Künsten zählte. Doch der Versuch, aus der körperlichen Erscheinung auf Temperament und Persönlichkeit eines Menschen zu schließen, ist umstritten. Schließlich ist unser Gesicht auch geprägt durch unsere Erbanlagen. Es ist genetisch festgelegt – aber trotzdem veränderbar.

Ein kantiges Kinn mag männlich wirken, für Durchsetzungsstärke steht es nicht unbedingt. „Erst wenn vier, fünf Merkmale in dieselbe Richtung weisen, gibt es Anhaltspunkte“, mahnt Strobel. „Wenn ein kantiges Gesicht, ein nach vorn stehendes Kinn und ein großer unterer Gesichtsbereich zusammenkommen, deutet das auf schnelle Handlungsbereitschaft.“ Der rationale Typ hat nach Erfahrung der Expertin oft eine schmale Nase, angewachsene Ohrläppchen, waagerechte Brauen und eine breite Stirn. Auf emotionale Menschen deuten ein harmonisches Gesicht, große Augen und geschwungene Brauen hin. Oft auch eine Gemütsfalte: „Sie steht links der Nasenwurzel und zeigt, dass jemand schwerwiegenden Lebensereignissen ausgesetzt war, die ihn stark berührt haben.“

Weshalb ein Arzt immer auch das Gesicht ansehen sollte

In der Medizin kennt man das Gesichtlesen als Antlitzdiagnostik. Die Lehre entwickelte sich lang, bevor Ärzte Blutproben analysieren oder röntgen konnten. In Asien geht sie zurück bis ins zweite Jahrtausend vor Christus. In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist die Betrachtung des Gesichts neben Puls-und Zungendiagnose ein wichtiges Kriterium. Der Erfinder der Schüßler-Salze, Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler (1821 – 1898) beobachtete später, dass sich der Mineralstoffbedarf eines Menschen in dessen Gesicht widerspiegelt: Blässe ist oft die erste Botin eines Unwohlseins. Hält sie an, zeugt das von Eisen- oder Vitaminmangel. Warme Röte steht für Fieber. Augenschatten verraten, dass ein Mensch an seine Grenzen geht. Begleitet von Hohläugigkeit können sie auf Eisenverlust hinweisen, vor allem wenn der Betreffende zudem zum Morgenmuffel wird. An dauerhaft wässrigen Augen kann man ablesen, dass Trauer, Sorge oder Desillusionierung das emotionale Gleichgewicht ins Wanken brachten. In den Augen, genauer der Iris, zu lesen ist eine eigene Disziplin, die Irisdiagnostik heißt und mitunter von Heilpraktikern angewandt wird.


75 % der Menschen empfinden ein faltiges Gesicht als ausdrucksstark und schön


Hände im Gesicht verraten Lüge oder Wahrheit

Bedeutsam kann auch sein, was wir mit den Händen oder einzelnen Fingern im Gesicht tun: Gehen sie zu den Augen, kann das eine verschleiernde Geste sein, denn so wird der Augenkontakt abgebrochen. Wer an Nase, Mund oder Haaren nestelt, möchte etwas verbergen. Bewegen sich einzelne Finger übers Kinn, oder reibt die komplette Hand das Kinn, prüft der Betreffende, was er gerade hört: Passt es zu seinem Wertesystem, seinen Ansichten? Geht die Hand zum Hals, will man meist seinen Blutdruck senken. Das Herz schlägt einem vielleicht sprichwörtlich bis zum Hals, die Berührung soll beruhigen. Sie ist Ausdruck von Sorge, Betroffenheit, großer Emotion.

Gesichtserkennung: ein Blick in die Zukunft

Nasenform, Stirn, Wangenpartie, Mund, Augen: Jedes Gesicht ist ein Unikat. Einzigartig – und wiedererkennbar. Das machen sich Programme zur Gesichtserkennung zunutze, etwa „Deep Face“ von Google oder das FBI-System „Next Generation Identification“. Aus 67 wichtigen Punkten ermitteln sie einen biometrischen Gesichtsabdruck. Mit ihm kann man Gesuchte in großen Menge identifizieren – oder via Gesichtsscan die eigene Wohnungstür öffnen. Die chinesische Firma CloudWalk, die auf Gesichtserkennung spezialisiert ist, entwickelte laut „Financial Times“ bereits den ersten Algorithmus, der Gefühlslage und Verhaltensmuster von Personen interpretiert. So soll er Verbrechen vorhersagen – und verhindern.


FOTOS: S. 8-9: WARTENBERG/GETTY IMAGES (5); S. 10-11: WARTENBERG/GETTY IMAGES (2), IMAGO