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Der große abgeschlossene LIEBES-ROMAN: Mit Herz und Pfote


Das goldene Blatt - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 20.01.2020

Nora hat kein Glück mit Männern. Henry hat nur seine Musik im Kopf. Und bei dem smarten Sven stellt sich heraus, dass er keine Katzen mag - und sich auch sonst übel benimmt … Ausgerechnet ein gebrochener Knöchel bringt die Wende! Und Katze Cookie hat längst entschieden, welcher Mann zu Nora passt


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Artikelbild für den Artikel "Der große abgeschlossene LIEBES-ROMAN: Mit Herz und Pfote" aus der Ausgabe 4/2020 von Das goldene Blatt. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Das goldene Blatt, Ausgabe 4/2020

Nachdenklich nahm Nora den letzten Schluck von ihrem Frühstückskaffee und betrachtete dabei diese Nachricht auf ihrem Handy: Wir spielen am Samstag ein Stück hinter Bielefeld. Lust mitzukommen?

Das war typisch Henry. Knapp und ohne Schnörkel. Und natürlich drehte es ...

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... sich wieder um seine Musik. Immerhin fragte er, ob sie mitkommen wollte! Aber - wollte sie?

Bilder von früheren Auftritten stiegen vor ihrem inneren Auge hoch. Stickige Clubs, eine Diskothek in der Pampa oder mal das Zelt bei einem Dorffest. Das war nicht ihre Welt. Dazu oft stundenlange Fahrten in dem klapprigen Bus, und entweder nachts zurück oder in ein billiges Hotel. Vom großen Durchbruch und satten Gagen träumte die Band noch.

Nora seufzte. „Was würdest du tun?“, fragte sie laut und sah zu ihrer Katze hinüber. Als hätte sie jedes Wort verstanden, hob Cookie den Kopf und blinzelte zu ihr her. Dann schloss sie die Augen und begann genüsslich zu schnurren.

Nora musste lächeln. „Schon klar, Süße. Du hast mit Kerlen ja keine Last“, sagte sie zu der Katze. „Manchmal sind sie auch eine echte Plage. Aber dann wieder …“ … können sie einen schon schwach machen, fügte sie im Geist hinzu.

Wenn Henry sie so ansah, mit diesem schrägen Grinsen und den verwuschelten Haaren, dann klopfte ihr Herz aufgeregt und ihr wurde heiß und kalt gleichzeitig.

Bloß leider war er die meiste Zeit irgendwo auf Achse und hatte wenig Sinn für Romantik oder Zweisamkeit. Und manchmal hat- te sie das Gefühl, sie war für ihn nicht mehr als eine hübsche Politur für sein Ego. „Eine Plage. Ich sag’s ja“, fasste Nora zusammen.

Darauf reagierte Cookie nicht. Und Nora hatte keine Zeit mehr für weitere Betrachtungen, räumte rasch das Geschirr weg und machte sich auf den Weg zur Arbeit.

Im Autohaus herrschte noch kaum Betrieb. Ein älterer Herr flanierte durch den Ausstellungsraum und ließ den Blick über die hochglanzpolierten Neuwagen gleiten, und durch die Glasfronten der Büros konnte man ein paar Kollegen an ihren Schreibtischen sehen.

Nora nahm ihren Platz am Empfangstresen ein und probte schon mal das routinierte Lächeln, das sie über weite Strecken des Tages trug. In diesem Moment betrat Sven den Ausstellungsraum und nickte ihr zu, woraufhin sich das Lächeln fast selbstständig machte. Er sah wieder top aus heute. Genauso glänzend wie all die Autos rundherum.

„Guten Morgen, schöne Frau“, raunte er ihr im Vorbeigehen zu und widmete sich dann dem Kunden. Freundlich, verbindlich, aufmerksam. Er könnte ruhig auch zu ihr etwas aufmerksamer sein!

Eine ganze Weile verbrachte Sven mit der Beratung des älteren Herren. Nora konnte nicht anders, als immer wieder zu ihm hinüber zu schielen. Das honigblonde Haar, die markanten Züge - doch, dieser Mann hatte schon was.

Immer wenn es mit Henry gerade mal wieder nicht so lief, malte sie sich aus, wie es wäre, wenn Svens Plakatlächeln exklusiv für sie strahlen würde. Dann wäre es mit dröhnender Rockmusik und tristen Dorfkneipen vorbei.

Bevor ihre Fantasie sich vergaloppieren konnte, trat ihr Chef heran und wollte ein paar Details für die bevorstehende Veranstaltung durchgehen. Sie planten eine lange Nacht im Autohaus, als Werbung für das neue Modell und ein bisschen auch für sich selbst. Es ging um Dekoration, Catering, die Pressemitteilung, all solche Dinge.

Mit dem Kopf woanders Obwohl es in der Arbeit viel zu tun gibt, erlaubt sich Nora ein bisschen Träumerei


Das alles sollte Nora so nebenher organisieren, womit sie mehr als gut beschäftigt war. Für Gedankenflüge zu den spannenden Dingen des Lebens blieb da kein Platz.


Als Henry anrief, schmolz Nora dahin. Ja, er kriegte sie!


Bis zum Donnerstag rang Nora mit sich. Sollte sie Henry auf diese Tour begleiten? Lag ihm überhaupt etwas daran? Ein kurzer Anruf war alles, was sie die Tage von ihm gehört hatte. Fast war sie schon soweit, das Wochenende anders zu verplanen, als ihr Handy klingelte, pünktlich zu Feierabend.

Er hätte extra ihren Dienstschluss abgewartet, damit sie flirten könnten, raunte Henry in ihr Ohr, und Nora schmolz dahin. Ja, er verstand es, sie rumzukriegen.

Als sie in ihre Straße einbog stand ihr Entschluss fest. Sie würde mitkommen. Erst ein fetziges Konzert, und dann hoffentlich eine kuschelige Nacht … ein Kribbeln fuhr ihr in die Glieder bei dieser Vorstellung, und da sah sie ihn. Martin! Der kam ihr gerade recht.

Er parkte eben seinen Wagen vor ihrem Haus, und rasch scherte Nora ein Stück daneben ein und winkte ihm zu. Er grinste und blieb stehen, bis sie heran war.

„Prima, dass ich dich treffe“, platzte Nora gleich heraus.

Martins Grinsen wurde breiter. „Schon klar. Brauchst du was?“

Sie lachte und lief neben ihm her zum Hauseingang. „Ertappt. Ich bin am Wochenende wohl unterwegs. Könntest du dich vielleicht um meine Cookie kümmern?“

Einen Moment sah Martin sie prüfend an. Ob er überlegte, was sie vorhatte? Dann lächelte er glatt. „Klar. Kein Problem.“

Martin war ein Segen. Ein stiller, unauffälliger Typ, der zwei Stockwerke unter ihr wohnte. Nora konnte gar nicht sagen, wie lange schon, er war ihr nie aufgefallen. Einmal aber, als sie zwei große Säcke Katzenstreu ins Haus schleppte, hatte er sie angesprochen und seine Hilfe angeboten. So waren sie ins Gespräch gekommen.

Er war auch Katzenmensch, teilte seine Wohnung mit einem Kater, was ihn auf einen Schlag sympathisch machte. Von da war es nur noch ein kleiner Schritt zur gegenseitigen Katzenbetreuung. Wobei das gegenseitige nur in der Theorie stattfand. Meist war es Nora, die seine Dienste in Anspruch nahm. Früher hatte sie öfter mit Freundinnen etwas unternommen, und jetzt eben mit Henry. Dass sie Cookie da in guten Händen wusste, war ihr eine große Erleichterung.

Cookie erwartete sie oben schon, sprang sogleich heran und strich ihr schnurrend um die Beine. Nora nahm die Katze auf den Arm, drückte sie an sich und wühlte die Finger in das weiche Fell. „Na, meine Schöne“, schmeichelte sie. „Hast du mich vermisst?“

Dass Cookie sie am Wochenende nicht vermisste, dafür würde Martin schon sorgen. Er nahm den Katzensitter-Job sehr genau, wie sie wusste, saß manchmal eine Stunde in ihrer Wohnung, um mit der Katze zu spielen.

Sie revanchierte sich dafür meist mit einem Abendessen und Leckerlis für seinen Kater Maxe, was er beides immer gerne annahm.

Der Samstag war ein kalter, trüber Tag. Wäre da nicht die Aussicht auf ein zärtliches Nachspiel nach dem Konzert, Nora hätte es sich vielleicht doch noch anders überlegt und wäre zu Hause geblieben.

Dann aber hing sie den halben Nachmittag im Proberaum herum, während die Jungs ihrem Auftritt den letzten Schliff verpassten, und quetschte sich später auf die Rückbank des klapprigen Kleinbusses. So ging es gut zwei Stunden über Land, bei Gesprächen, die sich um Musik, Musik und Musik drehten.

Sie war die einzige Frau an Bord. Keiner der anderen vier Bandmitglieder war in festen Händen. Das wäre schlecht fürs Image, hatte einer mal flapsig formuliert. Und wenn sie ab und zu Henrys Blick auffing, war sie nicht ganz sicher, ob er nicht genauso dachte.

Vielleicht hatte sich da schon abgezeichnet, wie der Abend weitergehen würde, und Nora wollte es bloß nicht wahrhaben. Jedenfalls wurde die Band in dem Lokal von einer Schar weiblicher Fans umringt, und die Männer genossen sichtlich die Aufmerksamkeit.

Henry war ganz vorne dran, versprühte seinen Charme und ging verschwenderisch mit seinem wunderbaren Lächeln um. Nora stand abseits und fühlte sich unter den abschätzigen Blicken der Frauen wie ein dummes Anhängsel.


Nora war restlos bedient - nie wieder, nahm sie sich vor


Später auf der Bühne rockten sie sich die Seele aus dem Leib, und die Fans dankten es mit ‚Zugabe‘- Rufen. Ein paar überdrehte Weiber fingen sogar zu kreischen an.

Danach tauchten die Musiker wieder in die Menge ein, und am Ende saßen alle an der Bar des Gasthofes, wo sie sich einquartiert hatten, und die Kerle betranken sich einer nach dem anderen.

Nora war restlos bedient. Nie wieder, nahm sie sich vor. Und als Henry am nächsten Tag seinen Kater halbwegs überwunden hatte und fragte, ob sie kommendes Wochenende wieder mit dabei wäre, winkte sie nur genervt ab. Es war schon schlimm genug, die Rückfahrt im Dunst von Restalkohol und mit dummen Sprüchen zu ertragen.

Die nächste Woche verging zwischen der Routine im Job und den Vorbereitungen für ihre lange Verkaufsnacht am Freitag.

Für Mittwochabend hatte Nora Martin eingeladen, der nicht nur angenehme Gesellschaft war, sondern ihr Essen jedes Mal sichtlich genoss und außerdem sehr gut zuhören konnte. Schon öfter hatte sie ihm ihr Herz ausgeschüttet oder sich Rat geholt, wie Männer eigentlich tickten. Denn seit sie Henry kannte, war sie oft nicht sicher, ob sie das wirklich verstand.

Auch jetzt erzählte sie von dem Reinfall vom Wochenende und heftete einen ratlosen Blick auf Martin. „Warum sieht er ständig anderen Frauen hinterher, wenn er mich haben kann?“, wollte sie wissen.

Katzenhüter: Als Dank lädt Nora Martin zum Essen ein - und schüttet ihm ihr Herz aus


Martin ließ sich mit der Antwort Zeit, sah sie ganz eigenartig an. „Das weiß ich beim besten Willen nicht“, sagte er schließlich.

Ein kurzer Anruf zwischendurch, mehr hörte sie von Henry nicht. Dafür verbrachte Sven viel Zeit bei ihr. Offiziell, um sie bei der Planung der Veranstaltung zu unterstützen. Aber war das wirklich er einzige Grund?

Manchmal fühlte Nora seinen taxierenden Blick auf sich, und sie merkte, wie sein Interesse ihre Laune hob. Und was war schon dabei? Ein harmloser Flirt, der die Energie befeuerte. Das konnte der Arbeit doch nur zugutekommen!

Tatsächlich wurde ihre lange Verkaufsnacht ein großer Erfolg.

Zahlreiche Leute waren gekommen, schlenderten durch die Ausstellung und zeigten sich sehr angetan. Es gab ein Glücksrad, einen japanischen Show-Koch, sowie Sekt und leckere Häppchen.

Nora hatte sich sorgfältig zurecht gemacht und trug ein figurbetontes Outfit, das seine Wirkung nicht verfehlte. Wobei sie es nicht bewusst danach ausgewählt hatte, Sven zu beeindrucken. Höchstens unbewusst, als kleine, persönliche Rache an Henry. Egal. Es funktionierte. Sven ließ die Augen kaum von ihr, und zum ersten Mal sah sie in seinem Blick - ja, was? Bewunderung? Begehren? Auf jeden Fall mehr als kollegiale Freundlichkeit. Und es fühlte sich gut an.

Das halbe Wochenende verbummelte Nora gemütlich zu Hause und genoss den Nachhall dieses Abends, der ihr Selbstbewusstsein gestärkt hatte. Ein paarmal dachte sie an Henry. Ob sein Konzert gut verlaufen war? Sonntag gegen Mittag wollte sie mal nachfragen.

Sie wählte sein Handy an, ließ es ewig klingeln. Vergeblich. Vielleicht war er auf der Rückfahrt und gerade im Funkloch? Als sie es später erneut versuchte, musste sie nicht so lange warten. Doch es war nicht Henry, der abnahm. Eine Frauenstimme, gurrend, leicht überdreht. „Hey. Wer stört?“

Nora sah irritiert auf das Display, ob sie sich verwählt hatte. Doch es war Henrys Nummer. Im Hintergrund hörte man Musik, und dann wieder die Frau. „Was ist?“

„Wo ist Henry?“, fragte Nora gepresst. Pause. Dann ein Kichern. „Für dich, Tiger. Irgendeine Tussi.“

Tiger! Noras Magen krampfte sich zusammen. Sie starrte das Gerät an, hörte ein Rascheln, ein lautes Atmen, dann unterbrach sie die Leitung und ließ das Telefon fallen, als hätte es zu glühen begonnen.

Bittere Erkenntnis: Nach dem Anruf war klar: Henry scheint Nora längst ersetzt zu haben


Als wenig später der Rückruf kam, drückte sie ihn weg und schaltete das Handy gleich ganz aus. Danach saß sie lange wie versteinert da, unfähig, irgendwas zu tun oder zu denken. Sie fühlte noch nicht einmal etwas. In ihr drinnen war alles wie schockgefrostet.

Am Montag bei Arbeitsbeginn trug Nora ein Lächeln wie die Sphinx. Die Augen blitzten. Hinter ihr lag eine emotionale Achterbahn und ein paar Anrufe von Henry, die sie nicht angenommen hatte. Danach verlegte er sich auf Textnachrichten. Im Showbusiness wäre man eben aufgeschlossen, stand in einer. Alle Stars täten das.

Showbusiness! Ha, das war zum Lachen! Bis auf die Allüren hatte Henry nichts von einem Star.

So hatte Nora die Texte gelöscht, ihren Frust in Energie umgewandelt und war nun fest entschlossen, mit Sven da weiterzumachen, wo sie am Freitag aufgehört hatten - und der ließ sich nicht lange bitten.

Ein tiefer Blick hier, ein Lächeln da, eine scheinbar zufällige Berührung. Bald flirrte die Luft zwischen ihnen vor Spannung.

„Schon was vor heute Abend?“, fragte er in einer ruhigen Minute. Dabei lehnte er sich an den Tresen des Empfangs und beugte sie zu ihr herüber, so nahe es eben ging.

Nora lächelte fein. „Und wenn nicht?“, fragte sie zurück.

„Dann würde uns zwei Hübschen bestimmt etwas einfallen“, erwiderte er mit eindeutigem Unterton.


Dass Sven seinem Jagdinstinkt folgte, ahnte Nora nicht


Sie ließ etwas Zeit verstreichen, überschlug dabei im Geist die Optionen. Sich von Sven trösten zu lassen, war eine reizvolle Vorstellung. Und dass er schon an ihrer Angel zappelte, war offensichtlich. Trotzdem wäre es vielleicht angebracht, sich noch ein bisschen rar zu machen. Und dann, wer weiß, Henry gegen einen Nachfolger auszutauschen, dem mehr an ihr lag.

Hätte sie in diesem Moment seine Gedanken gelesen, sie wäre hart auf dem Boden der Tatsachen aufgeschlagen. Dass ihr Auftritt am Freitag nur seinen Jagdinstinkt geweckt hatte. Und den sportlichen Ehrgeiz, diese schicke Braut abzuschleppen. Pfeif auf die Verwicklungen einer Affäre am Arbeitsplatz. Sie legte es ja darauf an.

Das alles ging Sven durch den Kopf, während er ihr unverändert lächelnd tief in die Augen sah. Bis Nora bedauernd die Schultern hob. „Sorry“, meinte sie. „Heute klappt nicht.“ Und nach einer winzigen Pause fügte sie hinzu. „Morgen?“

Sven zwinkerte ihr zu. „Prima. Morgen. Zu dir oder zu mir?“

Lieber zu ihr, hatte sie entschieden. Dann hatte sie aufgeräumt, eine Flasche Sekt kalt gestellt und die schicke neue Bluse zur schmalen Hose angezogen. Sie erhoffte sich viel von diesem Abend - doch dann kam alles ganz anders.

Gleich als Sven zur Tür herein war, erhielt die Stimmung den ersten Dämpfer. Neugierig und mit hochgerecktem Schwanz wollte Cookie den Besucher begrüßen, doch Sven nahm gar keine Notiz von der Katze. Als sie dann herankam und ihm um die Beine strich, stieß er sie beiseite. Mit dem Fuß!

„Vorsicht“, entfuhr es Nora.

Sven lachte kehlig. „Keine Sorge. Ich bin ganz vorsichtig“, murmelte er, zog sie mit einer raschen Bewegung zu sich heran und biss spielerisch in ihren Hals.

Nora wand sich aus seinem Griff. „Jetzt mal langsam“, sagte sie. „Möchtest du etwas trinken?“

Er folgte ihr in die Küche und lehnte sich lässig neben die Spüle. Als Nora den Kühlschrank öffnete, sprang Cookie erwartungsvoll auf die Arbeitsplatte und maunzte laut.

Sven zuckte richtig zusammen. Dann fegte er die Katze mit einem Handstreich zu Boden. „Hau ab, du Vieh“, presste er dabei hervor.

Nora fuhr herum. „Hey“, meinte sie. „Sachte. Sie darf das.“ Und als Sven sie entgeistert ansah fügte sie hinzu: „Magst du keine Katzen?“

„Pffft“, kam es undefinierbar zurück. Sven schüttelte sich. Dann setzte er wieder sein Verführerlächeln auf, zog sie an sich und vergrub das Gesicht in ihrem Haar. „Ich mag dich“, raunte er in ihr Ohr. „Komm. Lass das hier.“

Enttäuschung: ln der Küche zeigt Sven sein wahres Gesicht, er benimmt sich übel


Bei diesen Worten schob er sie vor sich her nach drüben ins Wohnzimmer, drückte sie aufs Sofa und beugte sich drängend über sie.

Eine Hand hatte er um ihre Taille gelegt, die andere glitt schon unter ihre Bluse, während seine Lippen sich forsch und fordernd an ihrem Hals nach oben arbeiteten.


Cookie sprang auf die Sofalehne und lief zu ihnen herüber


Das ging ihr dann jetzt doch zu schnell. Nora fühlte sich ziemlich überrumpelt, und die Anziehung, die Sven eben noch auf sie ausgeübt hatte, verpuffte unter diesem rüden Ansturm. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Cookie auf die Sofalehne sprang und darauf entlang zu ihnen herüberspazierte.

Sven war wie im Tunnel, schwer atmend, der Griff immer drängender, als er irgendwann doch den neugierigen Zuschauer neben sich wahrnahm. Und prompt reagierte. Mit dem Ellenbogen versetzte er der Katze einen derben Stoß, der sie durchs halbe Zimmer katapultierte, und fiel dann gierig gleich wieder über Nora her.

Das war er, der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Nora stieß ihn ebenso derb von sich, rappelte sich hoch und blitzte ihn zornig an. „Hey!“, maulte Sven überrascht. „Geht’s noch?“

„Nein“, sagte sie frostig. „Aber du gehst jetzt besser.“

„Hallo? Was?“, machte Sven ungläubig. „Spinnst du jetzt?“

Nora holte tief Luft und sah ihm fest ins Gesicht. „Sagen wir einfach, das war ein Irrtum“, sagte sie steif. „Du weißt ja, wo die Tür ist.“

Einen Moment starrte Sven sie noch entgeistert an. Dann sprang er wortlos auf, stürmte aus dem Zimmer und riss seine Jacke vom Haken. „Blöde Zicke“, hörte sie ihn murmeln. Gleich darauf krachte die Tür ins Schloss.

Nora konnte nicht sagen, wie lange sie dann noch so saß, bleiern, wie eingefroren. Ihr war zum Heulen zumute. Irgendwann landete Cookie mit einem weichen Satz neben ihr, stieg auf ihren Schoß und stupste schnurrend die Nase gegen ihr Gesicht. Nora musste lächeln und vergrub die Hände in dem weichen Fell. „Ach, du Süße“, flüsterte sie. Dann ließ sie den Tränen endlich freien Lauf.

Sie tat kaum ein Auge zu in dieser Nacht. Rabenschwarze Gedanken trieben sie um und hielten sie wach. Und immer wieder die Frage - warum passierte ihr das?

War das mieses Karma? Erst der Reinfall mit Henry, und jetzt das. Sie schien wirklich eine unselige Hand zu haben und immer die falschen Männer zu wählen.

Dass sie den Wecker überhört hatte, war ihr noch nie passiert. Auch das noch! In Windeseile machte Nora sich am nächsten Morgen fertig, fütterte rasch die Katze und hastete aus dem Haus.

Mit dem Kopf war sie schon voraus, bei der Arbeit und der Frage, wie sie Sven gegenübertreten sollte - und da passierte es. Eine dünne Schneeschicht hatte die gefrorene Pfütze überdeckt. Als Nora schwungvoll den Fuß darauf setzte, rutschte sie weg, ihr Bein wurde nach oben gerissen, und gleichzeitig knickte sie mit dem anderen Fuß um und landete krachend auf dem Boden. Ein stechender Schmerz im Knöchel nahm ihr für einen Moment den Atem.

Nora schrie auf und versuchte sich in eine Lage zu bringen, in der nichts wehtat. Vergeblich. Der Fuß sah auch irgendwie verdreht aus.

„Nora! Was ist passiert?“ Das war Martin, der plötzlich neben ihr stand und besorgt auf sie heruntersah.

„Ich weiß nicht. Mein Fuß. Ich bin ausgerutscht.“ Sie hob den Kopf zu ihm hoch und hatte auf einmal mit den Tränen zu kämpfen.

Martin ging neben ihr in die Hocke und betrachtete den Fuß. „Kannst du aufstehen?“, fragte er.

„Glaub nicht.“

„Okay.“ Er nickte ein paar Mal und schien nachzudenken. „Verstehe. Komm, wir fahren ins Krankenhaus. Ich helf dir hoch.“

Behutsam zog er sie auf die Beine, nahm sie auf die Arme und trug sie zu seinem Wagen. Nora war völlig konfus. Tausend Dinge schossen ihr wild durch den Kopf. Und irgendwann dieser Gedanke. Sie sah ihn von der Seite an. „Jetzt kommst du zu spät zur Arbeit.“

Martin drehte kurz den Kopf und lächelte ihr zu. „Und wenn schon.“

In der Notaufnahme wich er nicht von ihrer Seite, bis Nora die niederschmetternde Diagnose erhielt: Knöchelbruch! Und man wollte sie sofort operieren!

„Das geht nicht“, stammelte sie hilflos. „Ich kann nicht einfach …“


„Du machst dir jetzt keinen Kopf!“, sagte Martin entschieden


Der Arzt machte ein ernstes Gesicht. „Wenn die Schwellung erst fortschreitet, macht das den Eingriff unnötig kompliziert. Außerdem sind die Bruchkanten verschoben. Das erfordert rasches Handeln.“

Schlimm gestürzt Im Krankenhaus wird Noras Fuß untersucht - der Knöchel ist gebrochen


„Du tust jetzt, was für dich wichtig ist“, setzte Martin entschieden hinzu. „Mach dir mal keinen Kopf. Ich kümmere mich um Cookie. Und um alles andere auch.“

Sie warf ihm einen dankbaren Blick zu, und der Arzt nickte zufrieden. „Na bitte. Und später kann Ihnen Ihr Mann bestimmt noch die notwendigen Sachen vorbeibringen für die nächsten Tage.“

„Klar“, sagte Martin schnell. Er unterdrückte ein Grinsen.

Nora musste trotz der widrigen Umstände schmunzeln. „Okay“, lenkte sie ein. „Meinetwegen.“

Die Operation war reibungslos verlaufen. Das erfuhr Martin später, als er mit einer gepackten Tasche auf Krankenbesuch kam. Nora konnte schon wieder lächeln und streckte ihm den bandagierten Fuß entgegen. „Hast du Schmerzen?“, fragte er teilnahmsvoll.

„Geht eigentlich“, antwortete sie. „Ich bin aber auch bis obenhin voll mit Schmerzmitteln.“

„Na dann.“ Er grinste, wurde aber rasch wieder ernst. „Ich hab mit dem Arzt gesprochen. Eine Woche musst du hierbleiben.“

Nora zuckte die Schultern. „Ja, das hat er mir auch gesagt.“

„Auf deiner Arbeit hab ich Bescheid gegeben“, fuhr Martin fort. „Und zu Hause läuft auch alles. Sorg du dich jetzt nur um dich.“

Nora schenkte ihm ein warmes Lächeln. „Danke, Martin. Du bist wirklich ein echter Freund.“

Was war das für ein seltsamer Ausdruck, der bei diesen Worten über Martins Gesicht glitt? Einen Moment nur, zu schnell, um ihn zu interpretieren. Dann lächelte er wieder glatt. „Klar. Kein Problem.“

So jäh aus ihrem Alltag gerissen hatte Nora unversehens viel Zeit mit sich selbst. Es gab im Krankenhaus keinen Handyempfang, und nach dem ersten Unmut darüber fand sie diesen Umstand gar nicht so schlecht. Auf diese Weise hatte sie reichlich Gelegenheit zum Nachdenken. Über sich, über ihr Männerbild, über die Frage, warum sie immer danebengriff. War sie zu sehr auf Äußerlichkeiten fixiert?

Martin kam sie jeden Tag besuchen. Eine Stunde verging dabei wie im Flug, oft auch zwei, während sie redeten und lachten und vom Hundertsten ins Tausendste kamen. Sie hatten sich zuvor noch nie so intensiv unterhalten.

Jetzt entdeckte Nora einen klugen, spannenden Menschen hinter der unauffällig freundlichen Fassade, mit vernünftigen Ansichten und einem köstlichen Humor.

Bald gingen ihr den ganzen Tag Dinge durch den Kopf, die sie mit ihm teilen wollte, und sie konnte es kaum erwarten, bis er abends kam, um ihm davon zu erzählen.

Der Knöchel heilte gut. Nach einer Woche gaben die Ärzte grünes Licht für ihre Entlassung. Martin hatte versprochen sie abzuholen, und so saß Nora lange vor der Zeit auf gepackten Sachen und wartete auf ihn. Doch dann kam ein anderer zur Tür herein. Henry!

Nora musterte ihn überrascht. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie schon lange nicht mehr an ihn gedacht hatte. Aber sofort kam ihr wieder ihr letzter Kontakt in den Sinn. Die Tussi am Telefon. Der Tiger …

„Hallo“, sagte sie reserviert.

„Hallo“, grinste Henry und starrte auf den Plastikschuh an ihrem Fuß. „Wow, heftig! Es war nicht leicht, dich zu finden. Aber ich hab’s geschafft.“ Er lächelte stolz.

Nora sah ihm ins Gesicht. „Toll“, sagte sie mit deutlichem Spott.

Henry warf ihr einen scharfen Blick zu. „Bist du etwa immer noch sauer wegen dieser blöden Sache letztens?“, wollte er wissen.

Ihre vage Kopfbewegung deutete er wohl als ein Nein. Jedenfalls begann er großspurig zu erzählen, von den letzten Proben, dass sie eine Tour in Aussicht hätten, vielleicht sogar einen Vertrag …

Neue Sichtweisen Als Nora Henry wiedersieht, fragt sie sich, was sie eigentlich an ihm fand …


Er redete sich in Fahrt, selbstgefällig grinsend. Nora betrachtete ihn dabei aufmerksam. Er sah verdammt gut aus. Sie konnte verstehen, dass sie so auf ihn abgefahren war. Aber er interessierte sich nur für sich selbst. Wie immer eben.


Nora sah Henry an und empfand nichts als Verwunderung


Wenn man sich von der Fassade nicht blenden ließ, war dieser Umstand nur allzu offensichtlich.

Tatsächlich stellte sie überrascht fest, dass die fiebrige Anziehung verflogen war. Es packte sie nicht mehr, das wurde ihr plötzlich klar. Eigentlich empfand sie gar nichts. Außer vielleicht Verwunderung, dass sie all das nicht früher erkannt und sich so lange verbogen hatte.

Irgendwann brach Henry ab. Schweigen breitete sich aus. „Ist irgendwas?“, fragte er irritiert.

Nora sah ihn stumm an. Sie wusste nicht genau, warum ihr auf einmal zum Lachen zumute war. Vielleicht weil es sich gut anfühlte, einen Fehler zu korrigieren.

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, Henry. Alles gut. Mach du dein Ding. Aber mach es ohne mich.“

„Was meinst du?“, fragte er.

Als Nora jedoch schwieg und ihm nur weiter geradewegs ins Gesicht sah, kam die Botschaft anscheinend an. Das Grinsen wich einem unwilligen Zug um den Mund. Sein Blick wurde hart.

„Du musst es ja wissen“, sagte er knapp. Einen Moment schien es, als wollte er noch mehr sagen, schnalzte dann aber nur mit der Zunge und wandte sich ab. Zackig. Harte Schritte voll mühsam unterdrücktem Ärger. Als er schwungvoll die Tür aufriss, wäre er um ein Haar mit Martin zusammengeprallt, der eben eintreten wollte.

„Mach’s gut, Henry“, schickte Nora ihm liebenswürdig hinterher, doch er war schon draußen.

Martin sah ihm verwundert hinterher und warf Nora dann einen fragenden Blick zu. „Alles okay bei dir? Bist du fertig?“

Sie strahlte ihn an. „Ja. Alles bestens. Wollen wir los?“

Auf zwei Krücken und einem Bein kam Nora erstaunlich gut voran. Martin trug ihre Tasche und lief neben ihr her, bereit, sie zu stützen. Er sah sie ein paarmal forschend von der Seite an, doch Nora lächelte nur leise vor sich hin.

Er hatte direkt vor dem Eingang geparkt, half ihr beim Einsteigen und fuhr los. Nora lehnte sich in ihrem Sitz zurück und ließ diese letzte Viertelstunde noch einmal Revue passieren. Sie hatte tatsäch- lich all die Tage in der Klinik nicht an Henry gedacht. An Sven übrigens auch nicht. Ihr verunglücktes Date war in ihrer Erinnerung verblasst und hatte keine Spuren hinterlassen. Auch Henry würde wohl keine Spuren hinterlassen.

Heute mit ihm Schluss zu machen war spontan aus dem Bauch heraus passiert. Weil ihr auf einen Schlag bewusst geworden war, was sie nicht wollte. Diese Oberflächlichkeit nämlich. Und ständig das Gefühl, nur ein hübsches Anhängsel zu sein. Von einem ebenso hübschen Kerl zwar, aber Äußerlichkeiten waren eben nicht alles.

Viel zu oft hatte sie sich blenden lassen von einer schicken Hülle. So wie bei Sven. Äh - Sven wer?

Nora musste schmunzeln und sah verstohlen zu Martin hinüber. Er bemerkte ihren Blick, lächelte ihr kurz zu, schwieg aber. Als hätte er einen feinen Draht dafür, dass sie gerade tief in Gedanken war.

Wahrscheinlich hatte er den tatsächlich. Und er hatte noch so viel mehr … warme, braune Augen, einen klugen Kopf und ein ganz süß-verschmitztes Lächeln. Das ihn auf seine Art ziemlich attraktiv machte. Warum war ihr das eigentlich noch nie aufgefallen?

„Alles okay?“, fragte Martin noch einmal, als er vor ihrem Haus parkte. Sie hatten fast die ganze Fahrt nicht gesprochen. Und wie ein Puzzleteil fiel auch dieser Umstand in das Bild, das sich in Noras Innerem formte. Wie ungezwungen sie mit ihm schweigen konnte.

Jetzt nickte sie ihm lächelnd zu und wiederholte: „Ja. Bestens.“

Vor ihrer Wohnungstür packte Nora ein süßes Glücksgefühl. Cookie! Sie freute sich riesig, die Samtpfote endlich wieder zu sehen. Nur ein Katzenmensch konnte dieses Gefühl nachvollziehen.

„Cookie freut sich bestimmt riesig, dich endlich wieder zu sehen“, sagte Martin in diesem Moment.

Tatsächlich kam Cookie sogleich angelaufen, beäugte neugierig Noras Krücken und strich ihr um die Beine. Frauchens seltsame Art, sich fortzubewegen, irritierte die Katze, doch als Nora ins Wohnzimmer gehumpelt war und sich auf dem Sofa niederließ, sprang sie neben sie.


„Warum tust du das für mich, Martin?“, wollte Nora wissen


Gleich darauf setzte sich auch Martin dazu, und prompt kletterte Cookie hinüber auf seinen Schoß und maunzte ihn leise an.

Er streichelte sie automatisch und lächelte Nora zu. „Ich hab eingekauft“, sagte er. „So für die nächsten Tage. Damit du nicht gleich wieder nach draußen musst.“

Nora nahm dieses Bild tief in sich auf, Martin und ihre Katze, so selbstverständlich und innig. Dazu sein sanftes Lächeln, die Wärme in seinem Blick … „Warum tust du das alles für mich?“, fragte sie.

Martin sah ihr ins Gesicht. Er ließ sich mit der Antwort Zeit, und plötzlich klickerten in Noras Denken die letzten Puzzleteilchen an ihren Platz. Als hätte ihr jemand den Code in die Hand gedrückt verstand sie plötzlich, was ihr Herz schon die ganze Zeit funkte.

Szenen dieser letzten Woche blitzten vor ihr auf, Martins tägliche Besuche, ihre langen Gespräche und dieses Gefühl, bei ihm ganz sie selbst sein zu können.

Aufregung packte sie, während Martin immer noch nach den richtigen Worten zu suchen schien. Nora konnte ihr überschäumendes Lächeln kaum bändigen. „Martin?“, fragte sie sanft. „Warum?“

Er holte tief Luft. Gab sich einen Ruck. „Weil du - etwas ganz Besonderes bist“, sagte er schließlich.

Er wollte noch mehr sagen, rang sichtlich mit sich, und Nora überspülte unversehens eine Welle von Zärtlichkeit. Dieser stille, kluge Mann war nicht auf den ersten Blick attraktiv. Auf den zweiten aber umso mehr. Von jener wahren Schönheit, die aus dem Herzen kommt und alle Äußerlichkeiten überstrahlt. Auch sie strahlte, selig, glücklich, und sah, wie langsam die Anspannung aus seinen Zügen wich. Vielleicht als bei ihm ankam, was ihr Herz so laut funkte. „Du auch“, erwiderte sie.

Hatte sie sich hinübergelehnt, war er es? Oder zog es sie einfach magnetisch zueinander hin, das Gefühl, die Liebe, was auch immer? Jedenfalls kamen sie sich immer näher, die Blicke fest ineinander verschmolzen, bis ihre Lippen sich trafen. Und während sie sich behutsam und sanft küssten, streckte Cookie sich laut schnurrend quer über ihre Beine aus.

ENDE

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REISE-KRIMI


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