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Der Große Arber: Warum ein Berg in Niederbayern den Schwaben gehört


Land & Berge - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 12.02.2020

Der höchste Gipfel im Bayerischen Wald ist ein großartiges Naturparadies, in dem es viel zu entdecken gibt. Schaut und hört man mal ein bisschen genauer hin, steckt der Berg dazu voller Geschichten. Eine etwa handelt vom Fürstenhaus Hohenzollern


Artikelbild für den Artikel "Der Große Arber: Warum ein Berg in Niederbayern den Schwaben gehört" aus der Ausgabe 2/2020 von Land & Berge. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Land & Berge, Ausgabe 2/2020

Die untergehende Sonne sorgt auf dem Plateau des Großen Arber für ein reizvolles Licht- und Schattenspiel: Blick vom Seeriegel zum markanten Bodenmaiser Riegel, besser bekannt unter dem Namen Richard-Wagner-Kopf


Vom Gipfelplateau des Großen Arbers schweift der Blick über ein dichtes Meer aus Fichten, Latschen, Tannen, Buchen und Ahorn. Nur dort, wo hin und wieder ...

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... ein Berg die tausend Meter deutlich überschreitet, schlagen die grünen Wogen höher. Kleine Wölkchen über den Spitzen wirken wie weiße Gischt. Sonst rollt das Grün sanft gekräuselt über das Land.

Atemberaubend ist die Aussicht hier oben auf 1456 Metern allemal – und im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlos. „Am Arber verschmelzen die Grenzen“, erzählt Stefan Beywl. „Wir sind hier am höchsten Punkt des Bayerischen Waldes, des Böhmerwaldes, von Niederbayern und der Oberpfalz. Außerdem verläuft mitten durch das Bergplateau die Landesgrenze zwischen Niederbayern und der Oberpfalz.“ Wie oft der stellvertretende Betriebsleiter der Arber-Bergbahn hier oben schon gestanden und die Aussicht genossen hat, kann er längst nicht mehr zählen. Eines aber weiß er gewiss: Die Faszination hat nie nachgelassen. Im Gegenteil. So oft es geht, kommt er auch in seiner Freizeit hierher. Am liebsten mit der Familie. Im Sommer zum Wandern, im Winter zum Rodeln mit seinen beiden Buben.

See-Idylle: Blick über den Großen Arbersee auf das Arberseehaus. Um den eiszeitlichen Karsee verläuft ein dreieinhalb Kilometer langer Rundweg


Andreas Stadler und Stefan Beywl von der Arber-Bergbahn. Die beiden haben den höchsten Arbeitsplatz im Bayerischen Wald


Geadelt mit dem Königstitel

Als höchsten Gipfel der Region haben die Menschen ihm hochachtungsvoll den Titel „König des Bayerischen Waldes“ verliehen. Doch was kaum Erwähnung findet, ist, dass der Arber tatsächlich von adligem Stande ist. Berg samt der Waldungen bis nach Bayerisch Eisenstein befi nden sich im Besitz des Fürstenhauses Hohenzollern-Sigmaringen. Wie es dazu kommt, dass die schwäbischen Aristokraten den Arber ihr Eigen nennen, erklärt Andreas Stadler von der Arber-Bergbahn: „Fürst Karl Anton, also der Ur-Ur-Ur-Großvater des heutigen Fürsten Karl Friedrich, hat 1852 in Böhmen und im Bayerischen Wald investiert und das Land vom damaligen Glashüttenmeister Johann Georg Hafenbrädl abgekauft . Davon gehört den Hohenzollern heute immer noch der Anteil am Arber.“

Während das Fürstenhaus anfangs die Waldwirtschaft und das Jagdrevier im Auge hatte, veränderte sich der Fokus mit den Jahren. Entscheidenden Anteil daran hatte Fürst Friedrich (1891–1965), der als begeisterter Skifahrer am Arber im Jahr 1949 den ersten Sessellift bauen ließ. Damit war der Grundstein für einen neuen Unternehmenszweig gelegt: die Ära Bergbahn, die heute unter dem Titel „Fürstlich Hohenzollernsche Arber-Bergbahn e. K.“ fi rmiert. Ob die Fürstenfamilie aus Sigmaringen heute immer noch zum Skifahren komme? „Ja, selbstverständlich“, nickt Stadler. Aber das geschehe meist im Hintergrund, ganz ohne großes Aufsehen. Und dann seien da ja auch noch die Dienstbesuche, wenn Fürst Karl Friedrich (67) im Betrieb nach dem Rechten schaue. Schließlich beschäft igt die Bergbahn in der Hochsaison bis zu 110 Mitarbeiter, und immer wieder gibt es in dem Unternehmen wichtige Entscheidungen zu treff en, für die der Chef vor Ort sein muss.

Gut sichtbares Wahrzeichen Die beiden Radoms auf dem Bergplateau sind ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges. Noch heute überwachen die Radartürme den Luftraum im Umkreis von 450 Kilometern


Ein Berg mit besonderer Note

Von all dem bekommen die Arber-Besucher freilich nichts mit. Für sie steht ganz klar das Naturerlebnis im Vordergrund. Und damit kann die Region richtig klotzen. Als Teil des größten geschlossenen Waldgebiets in Mitteleuropa ist der Bayerische Wald eines der letzten Rückzugsgebiete für zahlreiche Tierund Pfl anzenarten. Neben seltenen Vögeln fi nden sich Auerhähne, Luchse, Otter sowie mit Ungarischem Enzian, Arnika, Flechten, Moosen oder Bär- und Blutwurz eine ganz spezielle Flora.

Hinzu kommen die klimatischen Besonderheiten. So gibt es, anders als in vielen Regionen der Alpen am Großen Arber, zum Beispiel keine Föhnwetterlage. Stattdessen bläst den gesamten Winter ein rauer, kalter Wind aus Richtung Böhmen. Das wiederum sorgt dafür, dass der Berg ziemlich schneesicher ist und die weiße Pracht oft bis nach Ostern liegen bleibt. Aber nicht nur für Wintersportler sei das außergewöhnliche Klima eine Freude. Auch für Musikinstrumentenbauer, wie Stefan Beywl erzählt. Die fänden hier nämlich bestes Tonholz. Dann erklärt er, womit das zusammenhängt: „Mit seinen knapp 1500 Metern Höhe kratzt der Arber an der Vegetationsgrenze, weshalb die Bäume hier sehr viel langsamer wachsen als in tieferen Lagen. Aus diesem Grund fi nden sich hier oben Fichten, die zwar nur drei oder vier Meter groß sind, die aber schon mehr als 150 Jahre auf dem Buckel haben. Durch das extrem langsame Wachstum ist dieses Holz sehr stabil – und das macht es für den Bau von Geigen oder anderen Holzinstrumenten so interessant“, so Beywl. Zwar habe die Nachfrage in den letzten Jahren etwas nachgelassen, doch es kämen schon noch regelmäßig Anfragen, weiß der Bergbahn-Mitarbeiter.

Bitte umblättern

Wie Musik in den Ohren klingt auch der Name einer der Arbergipfel. Als Berg der Superlative hat „der König“ nämlich nicht nur einen, sondern gleich vier Gipfel zu bieten: den Hauptriegel mit dem Gipfelkreuz, den Großen und den Kleinen Seeriegel sowie den Bodenmaiser Riegel, weitaus besser bekannt als Richard-Wagner-Kopf. Den Namen verdankt der rund 480 Millionen Jahre alte Gneisfelsen seiner markanten Form, die stark an das Profi l des berühmten deutschen Komponisten erinnert. Selbst gesehen hätte Wagner den nach ihm benannten Stein allerdings nicht, meint Andreas Stadler.

Autorin Christina Feser war begeistert von den aussichtsreichen Wandermöglichkeiten am Arber


Begegnungsstätte: In der katholischen Arberkapelle unterhalb vom Hauptgipfel schlägt seit etwa vier Jahren eine Glocke in einer evangelischen Kirche


Fotos: Christina Feser

Dieser Gipfel verbindet

Am Ende unserer Gipfelrunde legen wir einen letzten Halt an der Arberkapelle ein, und Stefan Beywl hat zu dem kleinen Gotteshaus eine nette Anekdote parat: „Wegen seiner verbindenden Lage wird der Arber auch ,Berg der Begegnung‘ genannt. Jetzt will es der Zufall, dass im Herzen dieser katholischen Kapelle seit 2016 eine evangelische Glocke schlägt“, so Beywl. Zurückzuführen sei das auf den Herzenswunsch des protestantischen Pfarrers Heiko Hermann. Da seine Kirche in Bayerisch Eisenstein schließen musste, wollte er wenigstens die beiden Glocken retten und hatte den Leiter der Arber-Bergbahn darum gebeten, sie in der Begegnungsstätte am Arber unterzubringen. Kurzerhand wurden die Glocken umgetauft und eine in der Arberkapelle und die zweite im Arberseehaus angebracht. So schlagen nun die beiden Glocken weiterhin pünktlich um zwölf und um 18 Uhr im Gemeindegebiet.

Weitsicht am Gipfel: In 1456 Meter Höhe verschwimmt so manche Grenze


Letzter Urwald am Fuße des Berges

Das Naturerlebnis Großer Arber besteht bei Weitem nicht nur aus dem Gipfelplateau. Zu einem Besuch am Arber gehört unbedingt auch der Große Arbersee an der östlichen Flanke des Berges. Da der Ort von den „Waldlern“ – wie sich die Bewohner

des Bayerischen Waldes selbst nennen – mit unerklärlichen Vorkommnissen und unheimlichen Erlebnissen in Verbindung gebracht wurde, lag er lange Zeit abgeschieden. Heute kann man an der sagenumwobenen Arberseewand einen Blick auf einen der letzten natürlichen Urwälder erhaschen. Bis vor Kurzem sei hier auch noch ein Wanderweg gewesen, da das Gebiet jedoch ein wichtiges Vogelbrutgebiet sei, habe man sich aus Naturschutzgründen dazu entschlossen, diesen zu schließen. „Es gibt aber noch so viele andere schöne Touren auf und um den Berg, dass das gar nicht ins Gewicht fällt“, so Stadler. Allein der dreieinhalb Kilometer lange See-Rundweg, der zum Teil über Holzbohlen verläuft , gibt einen guten Vorgeschmack. Zu guter Letzt verrät Andreas Stadler noch: Im Sommer stehen hier am See öft er mal Alphornbläser. Ob einer allein spielt oder ob sie in der Gruppe musizieren– „das sind dann schon echte Gänsehautmomente“, schwärmt er.

Christina Feser

INFO Die Arber-Bergbahn hat samt ihrer sechs Gastronomiebetriebe an 365 Tagen im Jahr geöff net. Dank eines modernen Aufzugs ist der Berg barrierefrei und somit für jedermann zugänglich. Weitere Informationen unter www.arber.de

Unterhalb des Gipfels lädt die Eisensteiner Hütte zur Einkehr mit Aussicht


Moderne Gondeln bringen die Ausfl ügler barrierefrei auf den Berg


Gipfelrundweg

Für den ein Kilometer langen, gut präparierten Wanderweg rund ums Arber-Gipfelplateau muss man keine Kondition mitbringen und wird trotzdem mit einem atemberaubenden Panorama belohnt. An klaren Tagen reicht der Blick bis zu den Alpen

Viele Wanderwege führen hinauf zum „König“

● Vom Ort Bodenmais gibt es gleich mehrere Möglichkeiten hinauf zum Großen Arber. Äußerst reizvoll ist die gut 15 Kilometer lange Wanderung über die Rißlochfälle, dem höchsten Wasserfall des Bayerischen Waldes.

● Eine zwölf Kilometer lange Runde startet am Großen Arbersee über den Mittagsplatzl oberhalb der Aberseewand weiter zur Bodenmaiser Mulde zum Gipfelplateau des Großen Arber.

● Die Große-Arber-Runde ist eine 20 Kilometer lange Wald- und Panoramawanderung über bequeme Waldund Forstwege. Die Tour startet in Bayerisch Eisenstein und verbindet die Naturperlen rund um den „König“, darunter die beiden Arberseen sowie das Gipfelplateau.

● Eine besonders aussichtsreiche, aber auch äußerst anspruchsvolle Höhenwanderroute ist die „8-Tausender-Tour“ vom Eck zum Großen Arber. Die 16 Kilometer lange Strecke ist eine Etappe auf dem insgesamt 660 Kilometer langen Goldsteig- Fernwanderweg.


Foto: lookphotos/Wohner Heinz