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DER GROSSE JAHRESRÜCKBLICK: GEWINNER UND VERLIERER


GOLF MAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 17.12.2018

Europas Golfer blicken auf eine Saison zurück, die kaum erfolgreicher hätte verlaufen können. Nicht nur wegen des Sieges gegen die USA im Ryder Cup, sondern weil sichdie Kräfteverhältnisse grundsätzlich verändert haben. Für die meisten deutschen Spitzenspieler war 2018 allerdings eher ein Jahr zum Vergessen


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Bildquelle: GOLF MAGAZIN, Ausgabe 10/2019

Erschöpft, aber glücklich: Francesco Molinari (links) und Tommy Fleetwood beherrschten nicht nur beim Ryder Cup die Schlagzeilen. Beide stehen für die neue Stärke europäischer Golfer.


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Ja, so sieht er aus: Europas Team-Kapitän Thomas Björn ganz versunken mit der Trophäe seiner Sehnsüchte.


Und plötzlich sind die Kameras wieder auf ihn gerichtet: Danny Willett siegte beim Finalturnier in Dubai. Sein erster Erfolg seit dem US Masters 2016.


Zu den faszinierenden Merkwürdigkeiten unseres Sports gehört es, dass sowohl langjährige Profis als auch mittelmäßige Amateurgolfer mitunter auf einen sehr ähnlichen Erfahrungsschatz zurückgreifen können. Und der lässt nur eine Schlussfolgerung zu: Verstehen kann diesen Sport eigentlich niemand, schon gar nicht, wenn es um die eigene Performance, das ständige Auf und Ab auf Fairways und Grüns geht.

Nehmen wir Danny Willett. Er gewann im Frühjahr 2016 das US Masters. Es war ein Triumph, der jeden wettfreudigen Sportsfreund zu einem wohlhabenden Mann gemacht hätte, wenn er denn zuvor auf Willett gesetzt hätte. Der Engländer war krasser Außenseiter, einer, der eigentlich froh sein konnte, überhaupt nach Augusta reisen zu dürfen. Aber was machte Willett? Er nutzte eine unerklärliche Schwächephase des amerikanischen Wunderkinds Jordan Spieth, der sich auf den letzten 18 Löchern einige haarsträubende Fehler leistete, und holte sich das Grüne Jackett. Doch die Konsequenz daraus war nicht etwa, dass seiner herausragenden Leistung ein weiterer Aufstieg oder wenigstens eine Konsolidierung folgten, sondern Willett als Golfer geradezu kollabierte.

So wie ein Handicapspieler, der endlich seine Vorgabe auf unter zehn verbessert hat und danach nichts mehr zusammenbekommt, so sehr verzweifelte auch Danny Willett. Anfang dieses Jahres wäre er sogar fast aus den Top 500 der Weltrangliste gefallen. Ein nicht nachzuvollziehendes Desaster. Nun jedoch ist er wieder obenauf. Willett, der sich erst in letzter Minute für das Finalturnier der besten 60 der europäischen Tour in Dubai 2018 qualifiziert hatte, gewann das mit acht Millionen Dollar dotierte Turnier.

Es war Willetts sechster Sieg auf der European Tour, und es war einer, der ihn zweifellos zu einem der Gewinner der zurückliegenden Saison gemacht hat. Willett sprach noch in Dubai davon, dass er nun „ein besserer Mensch und ein besserer Athlet geworden“ sei, was vermutlich darauf gemünzt war, dass ihm nicht wenige seiner Landsleute in der Folge seines Masters- Siegs vorgeworfen hatten, den Boden unter den Füßen verloren zu haben. Er war als unnahbar, unleidlich und arrogant bezeichnet worden. Nun aber ist das Lächeln in sein Gesicht zurückgekehrt, auch seine Kritiker sind etwas milder gestimmt.

Nach einer langen Saison, die einige einschneidende, kaum für möglich gehaltene Ergebnisse für Europas Golfer gebracht hat, herrscht allenthalben gute Stimmung. Sogar die Tour selbst und ihr Chef Keith Pelley zählen zu den großen Gewinnern des Jahres 2018. Das liegt natürlich am grandiosen Sieg gegen das amerikanische Ryder Cup-Team in Paris. Er war das alles überstrahlende Highlight einer Saison, die in die Geschichte dieses Sports eingehen wird. Vor allem aus europäischer Sicht.

Doch ehe wir den Blick auf diese Veranstaltung werfen, die in dieser Form noch nie so ausgetragen wurde, aber trotz des überragenden Erfolges des europäischen Teams von 17,5:10,5 Anlass zur Kritik gibt, wird im Nachgang vor allem eines in Erinnerung bleiben: Die Tour der Europäer hat trotz deutlich geringerer Verdienstchancen für die Spieler im Vergleich zu den USA annähernd ein Dutzend Profis hervorgebracht, die es mit jedem Gegner dieser Welt aufnehmen können.

Wieder einmal waren die US-Golfer als Favoriten nach Paris zum Kontinentalvergleich angereist. Tiger Woods und sein Comeback hatten die Schlagzeilen im Vorfeld beherrscht, doch allein der Blick auf die Namen der besten europäischen Spieler offenbarte bereits einen fast dramatischen Wandel gegenüber der Niederlage im Ryder Cup zwei Jahre zuvor: Die, die für Europa antraten, hatten sich bis auf wenige Ausnahmen wie Tyrrell Hatton oder Thorbjørn Olesen schon lange einen international klangvollen Namen erarbeitet. Ob nun der Schwede Henrik Stenson als Sieger der Jahreswertung 2013 sowohl in den USA als auch in Europa, der Italiener Francesco Molinari, der Aufsteiger des Jahres 2018 schlechthin, Tommy Fleetwood aus England, der 2017 das Race to Dubai gewonnen hatte, oder der Masters-Sieger von 2017, der Spanier Sergio Garcia. Und natürlich der Nordire Rory McIlroy; sie alle sind heute respektierte Größen im Wanderzirkus der Golfer.


„Ich glaube, ich bin ein besserer Mensch und auch Athlet geworden!“


– Danny Willett freute sich nach seinem Sieg in Dubai mit gesetzten Worten

Den Pokal, den es für den besten Golfer der European Tour gab, durfte Francesco Molinari präsentieren. Der Italiener hatte 2018 unter anderem die Open gewonnen.


Da konnte Danny Willett an der Seite seiner Frau Nicole schon wieder lachen: Nach dem Sieg in Dubai war er zunächst in Tränen ausgebrochen.


Mitglieder eines perfekten Teams: Die Herren (von links) Ian Poulter, Sergio Garcia, Jon Rahm, Tyrell Hatton, Justin Rose, Rory McIlroy und Henrik Stenson bei der Eröffnungszeremonie des Ryder Cups in Le National bei Paris.


Tommy Fleetwoods Stern war bereits 2017 aufgegangen, als er das Race to Dubai gewann. In diesem Jahr war nur Molinari besser.


Der Engländer Justin Rose etwa, der es am Anfang seiner Karriere so schwer hatte, dass er womöglich ohne seinen inzwischen verstorbenen Vater als Beistand hingeworfen hätte, hat unterdessen sogar mehrfach die Spitze der Weltrangliste erklimmen können. Zu seinen Meriten gehört, dass er mit der US Open das vermutlich schwerste Golfturnier überhaupt bereits gewonnen hat. Rose ist ein Kind der europäischen Tour. Der Brite ist in Europa zu einem ganz Großen geworden, zu dem der Spanier Jon Rahm sehr bald werden könnte.

Rahm, der sich allerdings als Collegespieler an die Verhältnisse in den USA gewöhnen konnte, hat seine sportlichen Wurzeln zwar nicht in Europa, aber auch er verfügt unterdessen über einen klangvollen Namen. Jeder Turnierveranstalter darf sich freuen, wenn Rahm antritt. Er zählt längst zu den Sieganwärtern, ganz egal, wo er seine Schläger schwingt.

Europas beste Golfer stehen nicht mehr im Schatten ihrer großen und international meist bekannteren Kollegen aus den USA. Und das zeigen sie auch durch ein unübersehbares Selbstbewusstsein. Das ist eines der bemerkenswerten Ergebnisse der zurückliegenden Saison.

Sonst wäre ein weiterer Triumph wohl kaum möglich gewesen, wie ihm der Italiener Francesco Molinari gelang. Nur wenige Wochen vor seinem Sieg bei der Open in Carnoustie schien es so, als ob er seine Spielberechtigung für die US Tour verlieren könnte. Vielleicht war es gerade diese Sorge, die dann eine spektakuläre Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung einleitete. Eine, die vermutlich seine gesamte Karriere positiv beeinflussen wird. Ende Juni gewann der Italiener in Potomac sein erstes Turnier in den USA, und vier Wochen später folgte dann der erste Erfolg eines Italieners bei einem Major-Turnier.

Francesco Molinari ist inzwischen 36 Jahre alt, und zugegeben, es hat ein Weilchen gedauert, bis er sein höchstes Level erreichen konnte. Aber was es bedeutet, Rückenwind zu spüren und ohne Selbstzweifel auf den Platz zu gehen, zeigte er dann beim Ryder Cup. Sowohl Molinari als auch der Engländer Tommy Fleetwood waren die überragenden Spieler der Europäer. Sie waren die Garanten des Sieges. Molinari holte fünf von fünf möglichen Punkten, Fleetwood vier. Und beide machten keineswegs zufällig auch das Race to Dubai unter sich aus, die Jahreswertung der europäischen Tour.

Fleetwood allerdings hätte in Dubai schon gewinnen müssen, um den Italiener noch vom Thron zu stoßen. Doch die Helden waren müde geworden am Ende einer langen Saison. Molinari holte sich die begehrte Trophäe auf eher unspektakuläre Weise (Platz 26) durch einen Platz im Mittelfeld, sein großer Gegenspieler und Freund aus England (Rang 16) hatte nie eine Chance, in Dubai zu siegen. Der spätere Gewinner, Danny Willett, war für sie schon nach drei Runden nicht mehr in Reichweite.

Er war die Überraschung aus amerikanischer Sicht: Brooks Koepka verteidigte erst den Titel bei der US Open und gewann dann mit der PGA Championship sein zweites Major im Jahr 2019.


Mit dem Open-Sieg hatte Francesco Molinari sein formidables Jahr schon im Juli gekrönt. Dann folgte sein Superauftritt beim Ryder Cup.


„Ich versuche noch ’mal mein Bestes, bin aber ziemlich platt!“


– Selbst einem Supermann wie Francesco Molinari ging beim Finalturnier in Dubai die Puste aus

So folgte auf den Sieger der Jahreswertung 2017, Tommy Fleetwood, gerechterweise der Erfolg in dieser begehrten Wertung durch Molinari. „Die Saison hat ihren Preis gekostet“, hatte der erschöpfte Italiener schon vor dem Turnier gesagt. „Ich versuche, noch einmal mein Bestes zu geben, aber es steckt jetzt nicht mehr so viel in mir.“ Es reichte trotzdem für ihn, wobei es vermutlich eher die mentale als die physische Erschöpfung war, die ihm da zusetzte. Zu emotional war der große Erfolg gegen die USA im Ryder Cup. Paris war für alle Spieler ein Höhepunkt, und zwar in jeder Hinsicht: sportlich, moralisch und von der Gefühlsebene sowieso. Träume wurden in den Tagen von Paris wahr – jedenfalls aus der Sicht der Europäer.

Tiger Woods, Phil Mickelson, Justin Thomas, Jordan Spieth oder der Masters- Sieger dieses Jahres, Patrick Reed, und der zweimalige Major-Sieger Brooks Koepka (US Open und PGA Championship), sie wirkten zunächst wie ein unbezwingbarer Berg, wie der Mount Everest im Schneesturm für Bergsteiger.

Doch nichts konnte das Team Europa irritieren, keine Felswand war zu steil für sie. Dazu trug auch die Inszenierung der Veranstaltung bei. Schon am ersten Tee waren riesige Tribünen errichtet worden, und die Zuschauer dort sorgten für Wonneschauer auf der Haut der Spieler – und ganz sicher auch bei ihnen selbst.

Vor allem die europäischen Golfer wurden, begleitet von frenetischer Begeisterung, über den Platz getragen. Darüber durfte man als objektiver Betrachter mit ein wenig Distanz ein wenig staunen. Denn wer in Paris dabei sein wollte, musste enorm tief in die Tasche greifen. Die Tickets kosteten ab 169 Euro pro Tag und endeten erst jenseits der 1.000 Euro. Wer den Wunsch verspürte, etwas zu essen oder zu trinken, kam sich wie in einem Sterne-Restaurant vor – jedenfalls was die geforderten Preise anging. Die kleine Dose Bier gab es am Stand für sieben Euro, die große (0,5 Liter) für neun Euro. Dieses Mal noch ging die Veranstaltung ohne ein vernehmbares Murren des Publikums über die Bühne. Ob das aber so bleibt?

Der Kommerz hat die alles überstrahlende Golfveranstaltung der Welt inzwischen fest im Griff. Die europäische Tour will und muss Geld verdienen, um ihre Turniere zu erhalten, keine Frage. Denn wo ein Sponsor fehlt, tritt mitunter die Tour selbst ein, um ihren eigenen Turnierplan zu retten. Und, na klar, um auch der dominierenden US Tour die Stirn zu bieten. Dazu soll die Rolex-Serie beitragen, acht besonders hoch dotierte Turniere, bei denen es jeweils um mindestens sieben Millionen Dollar Preisgeld geht. Dieses Geld muss erst einmal verdient werden, ehe es die Tour verteilen kann. Doch ausgerechnet diejenigen müssen die Zeche zahlen, die den Ryder Cup erst zu einem so bedeutenden und unvergleichlichen Wettbewerb machen: die Zuschauer vor Ort.

Resignieren wird Marcel Siem sicher nicht, auch wenn ihm oft genug der Sinn danach stand: Tourkarte verloren und bei der Qualifying School gescheitert. Siem wird 2019 auf Einladungen angewiesen sein.


Martin Kaymer droht, seine Ziele aus den Augen zu verlieren. Seit dem Sieg bei der US Open 2014 wartet er nun schon auf seinen nächsten Turniererfolg. Erst im letzten Moment hatte er sich wenigstens für das Finalturnier in Dubai qualifiziert.


Ein Schwergewicht wie Ex-Boxweltmeister Wladimir Klitschko (links) ist Maximilian Kieffer nicht. Auch 2018 reichte es für den 28-Jährigen nicht zum ersten Tour-Sieg.


Eine ähnliche Entwicklung wie der Ryder Cup haben bereits die Olympischen Spiele genommen; im Fußball ist der Weg ebenfalls schon lange geteert in eine alles andere als positive Zukunft. Der nächste WM-Austragungsort liegt in der Wüste, in Qatar. Und der Ryder Cup wird in vier Jahren in Italien ausgetragen. Der ausschlaggebende Grund für die Vergabe nach Rom: Die hohen finanziellen Zusagen rund um die Veranstaltung aus dem noch höher verschuldeten Land, das beim Ryder Cup auf jegliche Steuern verzichtet.

Vier Jahre sind eine im Sport kaum zu berechnende Periode. Doch Francesco Molinari ist in einem Alter, das ihm noch eine lange und erfolgreiche Karriere ermöglicht. Molinari könnte also zum Anker werden für das einheimische Publikum, ein eher schüchterner, in sichgekehrter, bescheidener Mann und Sportler. Niemand sollte daran zweifeln, dass 2022 in Italien der Kommerz und die Vermarktung des Ryder Cups eine noch größere Rolle spielen dürfte als zuletzt in Paris.

Ein Schatten liegt über der Euphorie um diesen Wettbewerb, an dem dieses Mal kein deutscher Profi beteiligt war. Einzig Bernhard Langer, dem 61-Jährigen (!), wäre es vielleicht zuzutrauen gewesen, auf dieser Bühne mithalten zu können. Maximilian Kieffer, dessen beste Resultate ein fünfter Platz in Valderrama und ein dritter beim Nordea Masters waren, hat am Ende seine Tourkarte (87.im Race to Dubai) recht souverän verteidigt; zu seinem ersten Toursieg hat es auch 2018 wieder nicht gereicht.

Bernd Ritthammer legte bei der Qualifying School einen souveränen Auftritt hin. Er darf seine Karriere 2019 auf der Tour fortsetzen.


Max Schmitt gehört 2019 zum Quartett deutscher Pros (Kaymer, Kieffer, Ritthammer) auf der European Tour.


Stephan Jäger hatte sich für 2018 die begehrte Tourkarte erspielt, sie mit konstantem Spiel auch für die neue Saison verteidigt. Dazu gewann er ein Turnier auf derweb.com -Tour.



„Also, das kriegen wir schon gebacken 2019“


– Marcel Siem beruhigt bei Facebook seine Fans, weil er im kommenden Jahr noch bei rund 20 Turnieren der European Tour antreten darf

Kaum besser ist es um Martin Kaymer bestellt. Es war fast schon eine Saison zum Vergessen für den einstigen Weltranglistenersten. Ein vierter Platz in der Türkei, Zweiter bei der BMW Open und Achter bei der Italien Open waren seine besten Resultate, die ihm wenigstens die Reise nach Dubai eröffneten. Kaymer, der nur Platz 54 im Race to Dubai belegte, ist am Scheideweg angelangt. Die kommende Saison, in der er noch einmal in den USA starten darf, könnte entscheidend für seine Zukunft werden. Seit 2014, seit dem US Open- Triumph, wartet er auf einen Turniersieg.

Seine Probleme liegen längst nicht mehr nur bei der Ausführung der Schläge, also der Technik. Wer zwei Majors gewonnen hat, hat Erwartungen an sich selbst. Der Mann aus Mettmann konnte sie, auch durch mehrere Verletzungen, nicht erfüllen. Auf die Anspannung dürfte auch die Trennung von seinem langjährigen Caddie zurückzuführen sein. Doch ein Wechsel im Team kann helfen. Danny Willett hat davon profitiert, als er den ehemaligen Trainer von Tiger Woods, Sean Foley, engagierte.

Schlimmer als Kaymer und Kieffer ist es Marcel Siem ergangen: Startberechtigung futsch, die Qualifikation nicht geschafft. Siem aber bleibt positiv, weil er auch „2019 immer noch rund 20 Turniere“ auf der European Tour spielen kann.

Für Lichtblicke sorgten Bernd Ritthammer und Max Schmitt. Sie schafften es, sich die Spielberechtigung für die European Tour in der Qualifikation zu sichern. So werden es immerhin vier Deutsche sein, die 2019 regelmäßig auf der Tour spielen.

Nach den internationalen Erfolgen durch Europas Topprofis und der damit verbundenen Aufwertung der gesamten Tour ist das schon eine Auszeichnung.


FOTOS: GETTY IMAGES

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