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DER GROSSE STABILISATOR-TEST


fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 80/2021 vom 09.07.2021

TEST

Artikelbild für den Artikel "DER GROSSE STABILISATOR-TEST" aus der Ausgabe 80/2021 von fotoMAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: fotoMAGAZIN, Ausgabe 80/2021

Olympus arbeitet bei der OM-D E-M1 Mark III mit einem ?Sync IS?. Dabei wird der 5-Achsen-Bildstabilisator am Kamerasensor mit der optischen Stabilisierung im Objektiv kombiniert.

Bevor wir darauf eingehen, welcher Stabilisierungstyp wann am effektivsten ist, erläutern wir einige Grundlagen. Wenn Objektive und Kameras über einen Bildstabilisator verfügen, geben die Hersteller deren Effektivität üblicherweise in Lichtwertstufen (LW) an. Lässt sich die Belichtungszeit um eine Lichtwertstufe verlängern, ist damit eine Verdopplung der Belichtungsdauer gemeint. Ein Beispiel: Als Grundregel geht man davon aus, dass ohne Bildstabilisierung nur dann verwacklungsfrei aus der Hand fotografiert werden kann, wenn die Belichtungszeit nicht länger ausfällt als der Kehrwert der verwendeten Kleinbild-Brennweite. Bei einem 50-mm-Vollformatobjektiv lassen sich also ohne Stabilisierung noch scharfe Bilder mit einer 1/50 s aufnehmen. Bei einem 100-mm-Objektiv wäre diese Grenze bereits bei einer 1/100 s erreicht. Hier kommt der Bildstabilisator mit seinen Lichtwertstufen ins Spiel. Beim ...

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... 50-mm-Objektiv entspricht die Verdopplung der Belichtungszeit von einer 1/50 auf eine 1/25 s genau einer Lichtwertstufe. Schafft ein Stabilisierungssystem laut Hersteller also zum Beispiel fünf Lichtwertstufen, lassen sich mit dem 50 mm sogar noch bei langen 0,6 s scharfe Bilder erzielen. Beim 100-mm-Objektiv sind beifünf Lichtwertstufen noch maximal 1/3 s möglich. Bei Kameras mit kleineren Sensoren wird von der äquivalenten Kleinbild-Brennweite ausgegangen. Bei einem APS-C-Sensor mit einem Verlängerungsfaktor von 1,5 entsprechen 50 mm also einem 75-mm-Kleinbildobjektiv. In dem Fall würde die Berechnung der möglichen Belichtungszeitverlängerung von rund 1/80 s ausgehen.

DIE DOPPELTE BILDSTABILISIERUNG

Nachdem wir nun wissen, wie sich die Bildstabilisierung auf die verschiedenen Brennweiten auswirkt, möchten wir uns die doppelte Bildstabilisierung genauer ansehen, die manchmal auch als Dual- IS oder Hybrid-IS bezeichnet wird. In diesem Fall arbeiten die optische Stabilisierung im Objektiv und der IBIS in der Kamera Hand in Hand. Doch wie werden diese beiden Systeme optimal koordiniert? Wir haben dazu mit Christian Reding, Produktmanager bei Nikon DACH gesprochen: „Die in die Systemkameras eingebauten Bildstabilisatoren (IBIS) arbeiten am effektivsten bei kurzen Brennweiten bis hinein in den leichten Telebereich. Bei stärkeren Tele-Brennweiten ist die Stabilisierung im Objektiv noch effektiver. Das ist der Grund, weshalb viele Hersteller ab einer bestimmten Grenzbrennweite, die auch vom Objektivtyp abhängig ist, mit einer Stabilisierung im Objektiv arbeiten, weil dann einfach auch mehr Masse bewegt werden muss.“ Was heißt das nun für die doppelte Stabilisierung? „Im Weitwinkel wird nahezu ausschließlich über den IBIS stabilisiert“, sagt Reding.

„Bei langen Brennweiten übernimmt dann die optische Stabilisierung im Objektiv die X- und die Y-Achse und der Sensor gleicht die Neige-, Gier- und Drehbewegung aus.“ Im Falle des Nikkor Z 4-6,3/24–200 mm VR bedeutet das zum Beispiel, dass bei 24 mm mit dem IBIS gearbeitet wird und erst bei zunehmender Tele-Brennweite der optische Stabilisator im Objektiv die X- und die Y-Achse übernimmt. „Wichtig ist, dass dem Fotografen dabei immer eine 5-Achsen-Stabilisierung zur Verfügung steht“, erklärt Reding.

AUF DEM PRÜFSTAND

Für unseren großen Praxistest testen wir die Bildstabilisierung aktueller Kameramodelle und Objektive der Hersteller Canon, Fujifilm, Nikon, Olympus, Panasonic und Sony auf ihre Effektivität. Dafür fotografieren wir bei 24 und 200 mm (Kleinbild) aus der Hand und überprüfen anhand von Bilderserien, bis zu welcher Belichtungszeit noch scharfe Bilder möglich sind. Bei den Objektiven haben wir uns Modelle herausgesucht, die über eine eigene optische Stabilisierung verfügen. Zusätzlich beschäftigen wir uns mit der Frage, ob es nach wie vor nötig ist, die Bildstabilisierung bei Aufnahmen vom Stativ aktiv auszuschalten, damit das System nicht versucht, Bewegungen auszugleichen, die gar nicht da sind und auf diese Weise selbst für leichte Unschärfen sorgt. Unsere Ergebnisse finden Sie auf den folgenden Seiten.

DIE TESTKANDIDATEN

BILDSTABILISATOR-TEST BEI 200 mm (KB) MIT 10 SEKUNDEN VOM STATIV

S ie fragen sich, weshalb wir bei einem Bildstabilisator-Test vom Stativ fotografieren? Seit vielen Jahren wird immer wieder darauf hingewiesen, dass man bei Aufnahmen vom Stativ den Bildstabilisator am besten manuell abschaltet, damit es nicht zu ungewollten Verwacklungen kommt, da der Bildstabilisator auch in der festen Position vom Stativ versucht, Bewegungen auszugleichen, die gar nicht da sind. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass das teilweise tatsächlich zu leichten Unschärfen führen kann. Doch ist das eigentlich immer noch so? Das wollten wir genau wissen und haben mit allen Kameras bei 200 mm (KB) zehn Sekunden lang vom Stativ belichtet – und das sowohl bei eingeschaltetem als auch bei ausgeschaltetem Bildstabilisator. Die gute Nachricht: Es scheint überhaupt kein Problem mehr zu sein, wenn man vergisst, den Bildstabilisator zu deaktivieren. Die Stabilisierungssysteme aller Testkameras sind scheinbar intelligent genug, den Bildstabilisator automatisch zu deaktivieren.

So lieferten die sechs Kameras auch bei eingeschalteter Stabilisierung eine hervorragende Schärfe. Die Ergebnisse zeigen wir hier jeweils im direkten Vergleich.

Alle Belegbilder auf dieser und den Folgeseiten sind mit 100 % bei 300 dpi dargestellt.

SO TESTEN WIR

Die Kameras stehen auf dem Stativ. Es wird bei einer Brennweite von umgerechnet 200 mm (KB) im manuellen Belichtungsmodus fotografiert. Die Belichtungszeit beträgt zehn Sekunden. Nach der Aufnahme mit eingeschalteter Bildstabilisierung schalten wir die Stabilisierung manuell aus und wiederholen die Aufnahme.

CANON

FUJIFILM

NIKON

OLYMPUS

PANASONIC

SONY

BILDSTABILISATOR-TEST BEI 200 mm (KB)

CANON EOS R5

Die kamerainterne Bildstabilisierung der EOS R5 ist laut Canon in der Lage, bis zu acht Lichtwertstufen längere Belichtungszeiten zu ermöglich. Der Wert basiert auf Ergebnissen, die mit dem RF 4/24-105 mm L IS USM bei 105 mm erreicht wurden. Wir wollten nun wissen, wie gut der beweglich gelagerte Sensor mit der optischen Stabilisierung des RF 2,8/70-200 mm L IS USM bei 200 mm zusammenarbeitet. Das Ergebnis: Bis einschließlich einer 1/6 s, das entspricht fünf Lichtwertstufen, sind die Bilder knackscharf. Bis einschließlich 0,6 s ist die Unschärfe minimal und das Ergebnis nach wie vor gut. Zwischen einer und 1,3 s (acht Lichtwertstufen) sind die Details in der 100-%-Ansicht nicht mehr scharf genug – in der Gesamtansicht gehen die Bilder aber noch in Ordnung.

FUJIFILM X-T4

Fujifilms in der X-T4 integrierte Bildstabilisierung (IBIS) soll in Verbindung mit der optischen Stabilisierung vieler Objektive bis zu sechs Blendenstufen längere Belichtungszeiten ermöglichen. Das klappt auch in Verbindung mit dem im Test verwendeten XF 4-5,6/70-300 mm R LM OIS WR richtig gut. Bis einschließlich einer 1/13 s ist der Text auf dem im Test verwendeten Globus absolut scharf. Bei einer 1/6 s (fünf Lichtwertstufen) und bei 0,3 Sekunden (6 LW) kommt es zu einer minimalen Unschärfe, die aber kaum der Rede wert ist. Deshalb haben wir diese Bilder als „gut“ gewertet. Ab 0,6 s, also 7 LW, werden die Bilder unscharf. Das passt aber zu Fujifilms Angaben.

NIKON Z 7II

Die Nikon Z 7II hat uns positiv überrascht. Laut Nikon ist die kamerainterne Bildstabilisierung in der Lage, gemeinsam mit der optischen Stabilisierung bis zu fünf Lichtwertstufen längere Belichtungszeiten zu ermöglichen. Im Praxistest haben wir mit dem Nikkor Z 2,8/70–200 mm VR S bei 200 mm sogar noch bei 0,6 s, also bei sieben Lichtwertstufen, sehr scharfe Bilder aus der Hand aufnehmen können. Bei einer Sekunde hatten wir zumindest noch eine Aufnahme dabei, die zwar in der 100-%-Ansicht eine leichte Unschärfe zeigt, als Gesamtbild aber noch verwendbar ist. Erst ab 1,3 s (8 LW) war dann Ende.

OLYMPUS OM-D E-M1 MARK III

Das Stabilisierungssystem der OM-D E-M1 Mark III beweist im Praxistest eindrucksvoll, dass es derzeit zu den besten gehört. Olympus bewirbt um bis zu 7,5 Lichtwertstufen längere Belichtungszeiten in Kombination mit dem M.Zuiko Digital ED 4/12‐100 mm IS Pro. Das bestätigen unsere Praxisbilder. Bis einschließlich 1,6 s (5 Lichtwertstufen) sind die Aufnahmen richtig scharf. Ab 0,3 s (6 LW) zeigt sich eine minimale Unschärfe, die aber lediglich in der 100-%-Ansicht zu sehen ist und praktisch keine Rolle spielt. Die E-M1 Mark III ist im Test die einzige Kamera, die sogar noch bei einer Sekunde zu guten Ergebnissen führt. Das entspricht den knapp über sieben Lichtwertstufen. Wie der Test zeigt, gehen aber sogar noch längere Belichtungszeiten.

Wir haben selbst mit zwei Sekunden noch Bilder aufnehmen können, die in der 100-%-Ansicht zwar eine leichte Unschärfe zeigen, in der Gesamtansicht aber noch absolut verwendbar sind.

PANASONIC LUMIX S1R

Der 5-Achsen Dual I.S. der Lumix S1R kann, laut Panasonic, in Kombination mit dem Lumix S Pro 2,8/70-200 mm O.I.S. bis zu sieben Lichtwertstufen ausgleichen. Im Praxistest kamen wir dem zumindest nahe. Im Vergleich zu den anderen Test-Kameras hatten wir das Gefühl, dass hier das Gewicht eine wichtige Rolle spielt. Die S1R und das Telezoom wiegen zusammen etwas über 2,5 kg. Dadurch ließ sich das Duo, vor allem bei zunehmender Belichtungsdauer, schwerer ruhig in der Hand halten. Mit viel Konzentration sind uns bis einschließlich einer 1/6 s, also fünf Lichtwertstufen, sehr scharfe Bilder gelungen. Es wurde allerdings bereits ab einer 1/50 s merklich schwieriger. Bei 0,3 s (6 LW) gelang uns noch eine gute Schärfe. Im Bereich von 0,6 bis 1,3 s ist uns die Schärfe in der 100-%-Ansicht nicht mehr ausreichend. Durch die hohe 47,3-Megapixel-Auflösung wirken die Aufnahmen in der Gesamtansicht dennoch brauchbar, weshalb wir hier noch ein „Okay“ vergeben. Danach wird die Unschärfe zu stark.

SONY ALPHA 9 II

Die Sony Alpha 9 II hat bei uns für erstaunte Gesichter gesorgt. Die kamerainterne Bildstabilisierung soll bis zu 5,5 Lichtwertstufen ausgleichen können. Mit dem FE 2,8/70-200 mm GM OSS haben wir allerdings nur noch bei einer 1/13 s, also vier Lichtwertstufen, ein gutes Ergebnis erzielt. Bei 1,6 s (5 LW) waren die Bilder bereits zu unscharf, um sie noch verwenden zu können. Wir haben daraufhin den Testdurchgang sicherheitshalber wiederholt, kamen aber zu den gleichen Ergebnissen.

SO TESTEN WIR

Die Aufnahmen für diese Testreihe wurden im manuellen Belichtungsmodus aufgenommen und die Objektive auf eine Kleinbild-Brennweite von 200 mm eingestellt.

Bei der Fujifilm X-T4 und der Olympus OM-D E-M1 Mark III haben wir bei der Wahl der Brennweite die jeweils entsprechenden Verlängerungsfaktoren mit einberechnet.

Für den Test haben wir mit den Kameras und den Objektiven aus der freien Hand einen kleinen Globus fotografiert, der auf einem Tisch stand. Dabei saß der Tester auf einem Stuhl, hatte die Arme am Körper angelehnt und bei den Aufnahmen zusätzlich kurz die Luft angehalten. Nach den ersten Testaufnahmen mit einer 1/200 s wurde die Belichtungszeit jeweils verdoppelt, um herauszufinden, um wie viele Lichtwertstufen länger belichtet werden kann. Zum Ergebnis: Die Note „Sehr gut“ besagt, dass zumindest ein Bild aus der Serie mit dieser Belichtungszeit knackscharf war. „Gut“ steht für eine nur minimale Unschärfe, die lediglich in der 100-%-Ansicht am Monitor sichtbar ist. Für die Bewertung „Okay“ haben wir uns entschieden, wenn die Details in der 100-%-Ansicht zwar nicht mehr so richtig scharf sind, das Bild aber durchaus noch zu gebrauchen ist, wenn man es in der Gesamtansicht betrachtet und nicht hineinzoomt.

BILDSTABILISATOR-TEST BEI 24 mm (KB)

CANON EOS R5

Für den Test im Weitwinkel haben wir mit dem RF 4/24-105 mm L IS USM bei 24 mm auf das Gelenk einer Stehlampe fokussiert. Dabei zeigt sich die Bildstabilisierung der Canon EOS R5 sehr effektiv. Erst bei 2,5 s, also bei sechs Lichtwertstufen, hatten wir erstmals bei einer der Testaufnahmen eine minimale Unschärfe im Bild. Bei den vorhergehenden Belichtungszeiten waren alle Bilder durchgehend scharf. Es ist aber durchaus möglich, auch mit 2,5 s und sogar mit langen fünf Sekunden sehr scharfe Bilder aus der Hand zu fotografieren. Bei fünf Sekunden muss man sich als Fotograf nur sehr konzentrieren, die Kamera ruhig zu halten.

FUJIFILM X-T4

Das Bildstabilisierungssystem der Fujifilm X-T4 macht in Verbindung mit dem XF 4/16-80 mm R OIS WR einen sehr guten Job und lässt im Weitwinkel erst bei 2,5 s, also bei fünf Lichtwertstufen, eine erste leichte Unschärfe zu. Mit etwas Konzentration seitens des Fotografens ist noch mehr drin. Wir haben sogar bei langen fünf Sekunden (7 LW) noch sehr gute Ergebnisse erzielen können.

NIKON Z 7II

Die Nikon Z 7II kommt in diesem Testlauf mit dem Nikkor Z 4-6,3/24-200 mm VR zum Einsatz. Auch hier fotografieren wir die verschiedenen Belichtungszeiten bei 24 mm. Dabei erreichen wir bis einschließlich vier Sekunden Aufnahmen mit einer sehr guten Schärfe. Das entspricht knapp unter sieben Lichtwertstufen. Bei fünf Sekunden, also den vollen 7 LW, haben wir es dann aber auch bei mehreren Versuchen nicht mehr geschafft, ein scharfes Bild hinzubekommen.

OLYMPUS OM-D E-M1 MARK III

Das Stabilisierungssystem der OM-D E-M1 Mark III arbeitet auch bei umgerechnet 24 mm enorm effektiv. Wie beim Testlauf im Telebereich verwenden wir für die Aufnahmereihe im Weitwinkel das M.Zuiko Digital ED 4/12‐100 mm IS Pro. Das Ergebnis ist beeindruckend: Schon bei halb durchgedrücktem Auslöser agiert die Stabilisierung so effizient, dass wir im Display beinahe ein Standbild sehen. Wie der Test ergab, sind Belichtungen mit fünf langen Sekunden für die E-M1 Mark III kein Problem. Wir haben in dem Fall sogar sechs Sekunden ausprobiert und erhielten auch hierbei ein scharfes Bildergebnis.

PANASONIC LUMIX S1R

Bei Panasonic kommt die Lumix S1R mit dem Lumix S 4/24-105 mm Makro O.I.S. bei 24 mm zum Einsatz. Dabei gelingen dem 5-Achsen Dual I.S. auch bei einer Belichtungszeit von langen fünf Sekunden sehr scharfe Bilder. Das entspricht sieben Lichtwertstufen. Interessant ist dabei, dass wir parallel auch das nicht stabilisierte Lumix S Pro 4/16-35 mm zur Hand hatten und damit ebenfalls einen Testlauf bei 24 mm durchgeführt haben. Das klappt zwar ebenfalls sehr gut, was für die Effektivität der sensorbasierten Stabilisierung spricht – bei fünf Sekunden war die Schärfe mit dem Lumix S Pro 4/16-35 mm aber nur noch „okay“. Hier kamen wir mit dem stabilisierten Lumix S 4/24-105 mm Makro O.I.S. zu den besseren Ergebnissen.

SONY ALPHA 9 II

Während wir beim Testlauf im Telebereich mit der Sony Alpha 9 II nicht ganz die angekündigte Kompensierung von bis zu 5,5 Lichtwertstufen erreichen konnten, sieht das Ergebnis im Weitwinkel deutlich besser aus. Als Test-Objektiv haben wir uns hier für das FE 4/24-105 mm G OSS entschieden. Die Kombination führt bei 24 mm zu sehr guten Bildern bis zu einer langen Belichtungszeit von einschließlich vier Sekunden. Das entspricht knapp unter sieben Lichtwertstufen und übertrifft damit die von Sony genannten 5,5 Lichtwertstufen. Fünf Sekunden sind der Bildstabilisierung etwas schwerer gefallen. Dennoch war zumindest ein Bild dabei, das nur eine leichte Unschärfe in der 100-%-Ansicht zeigt und als Gesamtbild noch absolut zu gebrauchen ist.

»Es ist wirklich klasse, was moderne Stabilisierungssysteme heutzutage leisten.«

FAZIT

Thomas Probst, freier Autor und Fototechnik-Experte

Unser Praxistest belegt, wie effektiv die 5-Achsen-Bildstabilisatoren moderner Systemkameras inzwischen arbeiten. Vor allem im Weitwinkelbereich ergeben sich dadurch hervorragende Möglichkeiten, auch bei schwachem Licht noch scharfe Aufnahmen mit Belichtungszeiten über einige Sekunden hinweg aus der Hand aufzunehmen. Im Telebereich ist die Herausforderung etwas größer. Hier liefert Olympus die besten Ergebnisse. Platz 2 teilen sich die Canon EOS R5 und die Nikon Z 7II. Einzig Sonys Alpha 9 II kann die Erwartungen nicht ganz erfüllen. Bei Aufnahmen vom Stativ haben alle Testkandidaten auch bei eingeschaltetem Bildstabilisator sehr scharfe Ergebnisse geliefert.

SO TESTEN WIR

Das Test-Prozedere bei 24 mm ist nahezu identisch mit dem bei 200 mm. Auch hier arbeiten wir im manuellen Belichtungsmodus, der Tester sitzt bei den Aufnahmen auf einem Stuhl, lehnt die Arme am Körper an und hält beim Auslösen kurz die Luft an. Alle Test-Objektive wurden auf eine Kleinbild-Brennweite von 24 mm eingestellt. Bei Fujifilm und Olympus haben wir den Verlängerungsfaktor, der durch die kleineren Sensoren entsteht, mit einberechnet. Gemäß der Kehrwert-Regel startet wir die Testreihen in diesem Fall bei Aufnahmen mit einer 1/25 s und verdoppeln dann kontinuierlich die Belichtungszeiten, um herauszufinden, was die Bildstabilisatoren im Weitwinkelbereich leisten können. Dass wir in der Testtabelle bei fünf Sekunden aufhören, hängt damit zusammen, dass diese Belichtungszeit bereits so lang ist, dass wir die Kameras kaum noch ruhig halten konnten. Umso beeindruckender sind die Ergebnisse. Die Benotung ist wie beim Test mit 200 mm: Die Note „Sehr gut“ besagt, dass wir aus mehreren Versuchen zumindest ein knackscharfes Bild aufnehmen konnten. „Gut“ steht für eine nur minimale Unschärfe, die lediglich in der 100-%-Ansicht am Monitor sichtbar ist. Die Bewertung „Okay“ besagt, dass die 100-%-Ansicht durchaus eine leichte Unschärfe zeigt, das Bild in der Gesamtansicht aber dennoch absolut brauchbar ist.