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Der große Unterschied


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 37/2021 vom 10.09.2021

GESUNDHEIT

Artikelbild für den Artikel "Der große Unterschied" aus der Ausgabe 37/2021 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 37/2021

GLEICHGEMACHT Im Wartezimmer sitzen Männer und Frauen, doch bei der Behandlung spielt das Geschlecht bis heute oft keine Rolle

Es liegt in der Natur der Sache, dass viele Krank heiten vom Geschlecht abhängen. Hodenkrebs etwa. Oder Endometriose, also Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut. Aber auch Erkrankungen, die sowohl Frauen als auch Männer betreffen, äußern sich bei den beiden Geschlechtern unterschiedlich oder wirken sich anders aus. So genügt ein Blick in die Todesstatistik, und es wird klar: Stecken sich ein Mann und eine Frau mit dem neuen Coronavirus an, hat der Mann die schlechteren Karten. Überall auf der Welt erkranken Männer

nicht nur häufiger schwer an Covid-19, sie sterben auch öfter daran. Die Forschungsinitiative Global Health 50/50 zeigt anhand von Daten aus mehr als 20 Ländern, dass die Verteilung bei den Sterberaten sogar bei einem Drittel zu zwei Dritteln liegt. Männer leben offenbar gefährlicher. Nicht überraschend, findet Dr. Margarethe Hochleitner. Die Professorin für Gendermedizin an ...

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... der Universität Innsbruck beschäftigt sich seit Jahren mit dem Einfluss des Geschlechts auf die Gesundheit. „Wir wissen schon lange, dass es bei Infektionskrankheiten ausgeprägte Unterschiede gibt. Das gilt für die Grippe genauso wie für einige andere Virusinfektionen.“

Östrogen stärkt die Abwehr

Eine wichtige Rolle dürfte dabei spielen, dass das weibliche Immunsystem aktiver ist. Frauen haben die Fähigkeit, schneller und schlagkräftiger auf Krankheitserreger zu reagieren. Dazu tragen auch ihre Hormone bei: Während das weibliche Ge ­schlechtshormon Östrogen das Immunsystem stimuliert, hat das männliche Hormon Testosteron genau den gegenteiligen Effekt. Und noch etwas hilft der Körperabwehr von Frauen: ihre Genetik. Auf dem X-Chromosom liegen besonders viele Gene, die für Abwehrprozesse im Körper verantwortlich sind. Und Frauen haben eben gleich zwei X-Chromosomen.

Einen Nachteil hat das Ganze jedoch auch: Frauen entwickeln sehr viel häufiger Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem überreagiert und sich gegen den eigenen Körper richtet – als wäre er der Feind, den es zu bekämpfen gilt. An Multipler Sklerose etwa, der häufigsten entzündlichen Erkrankung des Nervensystems, leiden doppelt so viele Frauen wie Männer. Auch entzündliche Darmerkrankungen machen Frauen besonders häufig Probleme. Das gleiche Bild zeigt sich bei Unverträglichkeiten und Allergien.

Rauchen Frauen, werden ihr Herz, ihre Gefäße und ihre Lunge stärker geschädigt, vor allem bei jungen Frauen steigt das Risiko für Herzerkrankungen und Lungenkrebs stärker als bei Männern. Frauen sind außerdem häufiger von Magen ­schleimhautentzündungen und Schilddrüsenerkrankungen betroffen. Sie bekommen doppelt so häufig Gallensteine und haben ein höheres Risiko für Demenz. Bei Krebs dagegen sind Männer im Nachteil. Sie erkranken nicht nur häufiger. „Haben sie den gleichen Tumor, trägt der Mann das höhere Risiko, daran zu sterben“, sagt Hochleitner. Wie groß die Unterschiede sind, ist den meisten Menschen gar nicht bewusst. Dabei sind die Ungleichheiten weniger überraschend, wenn man sich einmal klarmacht, wie sehr sich schon die Körper von Frau und Mann unterscheiden.

Frauen sind meist nicht nur kleiner und leichter als Männer, sie haben im Schnitt weniger Muskelmasse und einen höheren Körperfettanteil. Ihre Haut ist um 15 Prozent dünner, ihre Organe werden unterschiedlich stark durchblutet, und ihr Herz schlägt schneller, weil ihr Lungen- und ihr Herzvolumen kleiner sind. Ihre Bronchien sind empfindlicher, und sie haben einen anderen Nährstoffbedarf.

Die Liste der bekannten Geschlechterunterschiede wächst zwar stetig, trotzdem ist das meiste noch kaum verstanden. Jahrhundertelang praktizierte die Medizin die therapeutische Gleichstellung der Geschlechter, wobei der Mann die Norm war. Der kleinere weibliche Körper mit seinen Besonderheiten wurde allenfalls als Abweichung wahrgenommen, aber kaum anders behandelt. Sehr deutlich wird das bis heute bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Infarkte von Frauen werden oft zu spät diagnostiziert, weil sich der Verschluss der Herzkranzgefäße manchmal weniger typisch zeigt, nämlich durch Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen. Studien zufolge landen sie rund eine Stunde später in der Notaufnahme als Männer.

Medizin muss präziser werden

Männer hingegen bekommen eine ähnliche Art der Benachteiligung zu spüren. „Lange Jahre kamen sie in keiner Broschüre und keiner Kampagne für Osteoporose vor, obwohl auch viele von ihnen daran erkranken“, sagt Prof. Hochleitner. Das führt dazu, dass sie oft viel später behandelt werden. Das Gleiche gilt für Depressionen, die bei Männern seltener erkannt werden. Die Ursache: Statt Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit zeigen sie häufiger Gereiztheit oder Aggressivität. Daher arbeitet die Gendermedizin auch daran, Männer und Frauen unterschiedlich anzusprechen, beiden Geschlechtern passende Angebote zu machen. „Das ist anstrengend“, resümiert Prof. Hochleitner, „aber wir werden nicht darum herumkommen, Medizin präziser zu machen.“

NICOLE SIMON

Medizin für Mann & Frau

Auf viele gängige Mittel reagieren männliche und weibliche Patienten ganz unterschiedlich. Der Überblick: von Dosis bis Nebenwirkungen

ACE-Hemmer, Betablocker,

Digitalis Frauen brauchen wahrscheinlich niedrigere Dosen als Männer.

Aspirin Während der Inhaltsstoff Männer vor einem Herzinfarkt schützen kann, verhindert er bei Frauen eher das Auftreten eines Schlaganfalls.

Antidepressiva Serotoninwiederaufnahmehemmer scheinen vor allem bei Frauen sehr gut zu wirken.

Medikamente gegen

Herzrhythmusstörungen Anders als bei Männern können sie bei Frauen manchmal die Störung nicht unterdrücken, sondern lösen sie ganz im Gegenteil eher aus.

5-Fluorouracil Von diesem Chemotherapeutikum ist seit Langem bekannt, dass es bei Frauen häufiger Nebenwirkungen auslöst.

Gerinnungshemmer Auch NOAK genannt. Ältere Substanzen lösen bei Frauen häufig mehr Schlaganfälle oder Blutungen aus, neuere werden auch von Frauen gut vertragen.

Morphin Der weibliche Körper spricht stärker auf das Schmerzmittel an als der männliche.

Impfungen Frauen entwickeln nach einer Impfung oft eine stärkere Abwehrreaktion, haben aber auch häufiger mit Nebenwirkungen zu kämpfen.