Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 9 Min.

Der Hirsch aus der Kuhle


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 100/2021 vom 10.09.2021

Damwildbrunft

Das Krachen der Schaufeln im Bestand, wenn zwei Hirsche aufeinandertreffen, dazu das unentwegte Schnorcheln der Schaufler, der Ruf der Kraniche und der kalte Morgennebel in der Luft. Ob man nun einen Brunftplatz im Revier hat oder das Geschehen vom Rand erlebt. Die Damhirschbrunft hat ihren ganz besonderen Reiz!

Wo kommen die Hirsche her?

Der kurhessische Landgraf Ludwig IV erhielt vom dänischen König Friedrich II im Jahre 1577 30 Damhirsche, die er seinem Wildpark zufügte. Im Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland ist damit die erste Population belegt. Ende des 17. Jahrhunderts gab es Einführungen in Preußen, um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Pommern und Livland. Interessant zu beobachten ist, dass in den Landesteilen, wo für die herrschaftlichen Jagden genug Rotwild vorhanden war, meistens kein Damwild ausgesetzt wurde. Obwohl in Niedersachsen erst kurz vor dem Zweiten ...

Artikelbild für den Artikel "Der Hirsch aus der Kuhle" aus der Ausgabe 100/2021 von JÄGER. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Das wilde Durcheinander am Brunftplatz, das Aneinanderkrachen der Schaufeln, all das macht die Brunft aus!
Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS 30 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von JÄGER. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 100/2021 von Paarungsverhalten. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Paarungsverhalten
Titelbild der Ausgabe 100/2021 von Neue Studien: Unsere Wälder leiden extrem unter dem Klimawandel. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue Studien: Unsere Wälder leiden extrem unter dem Klimawandel
Titelbild der Ausgabe 100/2021 von Muffel sollen ausgemerzt werden. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Muffel sollen ausgemerzt werden
Titelbild der Ausgabe 100/2021 von Noch mehr Luchse?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Noch mehr Luchse?
Titelbild der Ausgabe 100/2021 von KURZ NOTIERT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KURZ NOTIERT
Titelbild der Ausgabe 100/2021 von KURZ NOTIERT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KURZ NOTIERT
Vorheriger Artikel
Jagd ist Artenschutz
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Das Schwarze Gold
aus dieser Ausgabe

... Weltkrieg Damhirsche eingeführt wurden, ist es heute das damhirschreichste deutsche Bundesland. Wer selbst kein Damwild im Revier hat, hat viele Möglichkeiten in Deutschland gegen Bezahlung eine Jagd und Abschussgelegenheit zu bekommen.

Bis aufs Blut Schaufler beim Kampf

Wo bislang noch Brunftbetrieb herrschte, ist heute oft Stille. Sicherlich tragen alle genannten Faktoren dazu bei.

Die Brunft

Man kann immer wieder beobachten, dass die Hirschrudel in ihrer Zusammensetzung wechseln. Die Wildbiologen Siefke und Stubbe stellten fest, „dass die Rudelzusammensetzungen durch die Bindung der Einzeltiere an ihren Lebensraum bestimmt werden. Der große Familienverband war dabei nicht nachweisbar. Die Hirschrudel wechseln in ihrer Zusammensetzung häufiger als die Kahlwildrudel“. Lange vor der Brunft wechseln die Schaufler in Richtung ihrer Brunftplätze, wenn Ende August die Geweihe gefegt sind und im Laufe des Septembers sich dann die Hirschrudel auflösen. Schreiend ziehen die Damschaufler mit dem Rudel mit, wenn die Wilddichte gering ist, bei höherer Wilddichte bilden sich jedoch meist feste Brunftplätze heraus. Dort wartet der Platzschaufler auf das brunftige Kahlwild. Schreiend umkreist er andauernd das Rudel. Nähern sich Konkurrenten, werden sie vertrieben. Trotzdem versuchen selbst Spießer immer wieder an das Kahlwild heranzukommen. Großbrunftplätze, wie sie früher oft bei sehr hoher Wilddichte in großen Damwildeinstandsgebieten vorhanden waren, sind heute selten. Dort hatte jeder Hirsch sein kleines Territorium mit einer Brunftkuhle. Plätzstellen und Brunftkuhlen an verschieden Orten, Zweige und malträtierte Äste sind ein klarer Hinweis: Hier hat ein Platzhirsch seinen Brunftplatz bezogen. Es gibt Hauptbrunftplätze und Nebenbrunftplätze, in allen sind Brunftkuhlen angelegt. Oft bleiben die Plätze für mehrere Jahre im Einsatz!

Gottfried Heer, ist Betriebswirt und jagt mit der Flinte, wie mit der Büchse rund um den Globus. Die Jagd in entlegenen, unberührten Revieren und insbesondere die Pirschjagd sind dabei seine Leidenschaften. Für den JÄGER schreibt er über einzigartige Jagden auf verschiedene Schalenwildarten. Er lebt und jagt in Nordrhein-Westfalen.

Altersansprache und Unterteilung nach Geweih-Entwicklungsstadium

1. Lj. Kalb

2. Lj. Spießer

3. Lj. Knieper

4. Lj. Löffler

Ab dem 5. Lebensjahr reden wir vom Halbschaufler und ab dem 8. Lebensjahr vom Schaufler!

Als reifer Hirsch gilt ein Schaufler ab dem 8. bzw. 9. Kopf. Hegegemeinschaften bewerten zudem unterschiedlich in die Klassen 1 bis 3 und in diesen Klassen noch einmal in a und b. Dort werden Spießer und Knieper, manchmal auch Löffler in die Jugendklasse 3 zusammengefasst, Halbschaufler in Klasse 2 (unterteilt in 2a und 2b) und der Erntehirsch in Klasse 1. Dabei gibt es unterschiedliche Abschusskriterien unter anderem auch die Veränderung in der Geweihform betreffend. Ältere Damhirsche werfen etwa in der zweiten Aprilhälfte ab, Spießer dagegen später, ungefähr in der zweiten Maihälfte, manchmal sogar erst Anfang Juni.

Letzteres führt dazu, dass man im Juni manchmal zwei „Spießerjahrgänge“ beobachten kann, da schwache „Schmalspießer“ oftmals bereits im Mai und Juni fegen! Es gibt keine Schalenwildart bei der so viele Geweihformen beschrieben werden wie beim Damwild. Mit typisch deutscher Gründlichkeit hat man bei den erwünschten Formen, die Karoform, die seltenere Fischbauchform, die Vollform, die Brettform und die Keilform. Natürlich gab es und gibt es die unerwünschten Formen wie die Schlitz-V- Form, Schlitz-O-Form, Sektglasform und die „zu schmale-Form“. Kurzum eine sehr spannende Wildart mit eben so interessanter Trophäenentwicklung.

Manche Hirsche suchen zwar jährlich das gleiche Brunftgebiet auf, aber nicht immer denselben Brunftplatz. Andere behalten während der gesamten Brunft den selben Platz, wieder andere wechseln die Plätze. Die Einen erscheinen immer nur Nachts, andere Hirsche ziehen sich während der Brunft zeitweise zurück, kommen dann erholt auf ihren alten Brunftplatz zurück. Es ist eben alles möglich. Selbst der Wechsel des Brunftplatzes über mehrere Kilometer an einem Tag ist möglich! Besonders labil sind die Hirsche mit passiver Brunftteilnahme. Es gibt Brunftreviere in denen Damwild nur während der Brunft steht und es gibt Reviere wo das Damwild zwar während des Jahres steht, aber die Schaufler zur Brunft eben in diese Brunftreviere abwandern. Wer also in einem solchen „Nichtbrunftrevier“ einen starken Hirsch erlegen will, sollte das tunlichst vor Beginn der Brunft tun und, sich bietende, Gelegenheiten nutzen! Ob ein Schaufler nach der Brunft wieder zurückkehrt, steht in den Sternen, nicht zuletzt, weil schließlich auch in den Brunftrevieren gejagt wird. Gerade kapitale Schaufler sind auch da durchaus gefragt.

Von elementarer Bedeutung für einen guten Brunftverlauf sind, wie bei allen Schalenwildarten, intakte Sozialstrukturen und ein gesunder Altersaufbau. Ist kaum Kahlwild vorhanden und stimmen die Altersstrukturen bei den Hirschen nicht, bestimmen schwache Stücke den Brunftverlauf und den Beschlag. Genauso wenig, wie schwache Schmaltiere für den Beginn der Brunft maßgeblich sein sollten, sollten sich ausschließlich schwache Knieper vererben. Eine Kahlwildbejagung während der Brunft verbietet sich also.

Wer noch einen guten Damwildbestand hat darf sich in der kommenden Zeit jedoch auf eine spannende Jagd mit traumhaften Erlebnissen freuen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Waidmannsheil bei der Jagd auf den reifen Hirsch.

Die Bretterhirsche

Bretterhirsch, so nannte mein Großvater die ihm eigentlich kaum bekannten Hirsche. Er meinte die Schaufeln auf den Köpfen der Damhirsche, die ihn offensichtlich ein wenig an die Bretter des Schreiners erinnerten. Kämpfende Bretter die Bezeichnung für die Brunftkämpfe von Dama dama. Und ein wenig hört es sich so an, wenn die Geweihe der Damhirsche aufeinander treffen. Ich hatte eine Einladung, eine Einladung in ein Revier mit starkem Damwildbestand. Nach meinem ersten Besuch Ende August und einigen Kennenlern-Pirschgängen in dem Revier, mit seinen lichten, offenen Laubwäldern, mit dicken, alten Randeichen die reichlich Mast bieten, war ich dann neugierig, ja sogar noch mehr. Die Jagdlust, die Lust auf ein neues Erlebnis war da. Rundherum Felder und Wiesenflächen mit einem wildromantischen Tümpel. Auf einer Wiese mit lichtem Baumbestand steht das erste große Rudel, und ein paar kapitale Schaufler stehen auch dabei. Sie werden bald von diesem Platz verschwinden, denn die Brunftplätze liegen nicht hier, wie mir der Jagdherr versichert. Ich hätte schießen können. Kahlwild sowieso, aber auch einen der Schaufler. „Es ist gar nicht sicher, dass du die am Brunftplatz siehst“ munterte mich der Jagdherr auf, zu schießen. Aber ich wollte die Brunft erleben, auch wenn keine Trophäe am Ende dabei heraus käme.

Es ist Mitte Oktober und inzwischen kenne ich mich schon etwas aus. Eine geschlossene Kanzel mit reichlich Expansionsplatz ist mein erstes Domizil. Leichte Handschuhe habe ich angezogen wegen der Mücken. Es soll Jäger geben, die Handschuhe anziehen, weil das Damwild so gut äugt. Es ist später Nachmittag, Ein Rudel erscheint, Alttier, ein paar Schmaltiere, Kälber und noch zwei weitere Alttiere. Das Alttier verhofft, starrt in die Fensterluke.

Nun, ich war nicht besonders vorsichtig, bin ja noch mit Einrichtungsarbeiten beschäftigt. Ich habe gehört, dass das Damwild nicht besonders intelligent ist.

Hier zeigt sich aber eine mir sehr bekannte Strategie: Sie schieben sich ganz eng zusammen. Dämmerung setzt ein und dann höre ich den ersten Schrei eines Hirsches. Von links kommt er. Ich sehe nichts, dafür höre ich um so mehr. Dann steht ein schreiender Kapitalschaufler offen auf der Fläche und ruft in Richtung Rudel. Der Hirsch setzt sich in Bewegung, schreit unentwegt. Der Schrei ist nicht so laut wie beim Rothirsch und auch nicht so weit zu hören. Es sind eher Grunzlaute, die mal lauter oder leiser in einer eintönigen Klangfarbe einige Jäger an Schnarrchen oder Rülpsen erinnern. Aber mit schwindendem Büchsenlicht verschwindet auch das Rudel im Altholz. Das war ein guter Anfang, denke ich, als ich mit der Taschenlampe zwischen den Zähnen abbaume. Am nächsten Morgen will ich eine Kanzel am Rande des Altholzes beziehen.

„Der Hirsch zieht langsam aber schreit ständig, der Zielstachel fährt mit”.

Der erste Nebel hebt sich gerade wie ein Theatervorhang mit dem aufsteigenden Sonnenlicht. Wie bestellt, steht dort das ganze Brunftpersonal versammelt. Zwei Hirsche, beide kapital, nehmen einander maß. Das Kahlwild äst. Ein Spießer und ein Löffler flitzen am äußeren Rand hin und her. Ein weiterer Hirsch schreit. Wer ist denn hier der Platzhirsch. Eigentlich sollte man ihn an der Größe erkennen, denke ich. Da die Hirsche in der Brunft kaum äsen, kann der Platzhirsch leicht einmal bis zu 25 Kilogramm Körpergewicht verlieren. Die Sonne steigt höher und jetzt rappelt es.

Die Kontrahenten prallen aufeinander, es knallt und brettert. Ein Spießer versucht inzwischen ein Alttier auf seine Seite zu treiben. Das andere Kahlwild ist immer noch mit äsen beschäftig und tut immer noch so als wenn sie das alles nichts angeht. Ich habe mich auf einen langen Ansitz eingerichtet, denn das Damwild kann man meistens ja auch am Tag bejagen. War es am Anfang noch sehr frisch, ja sogar ziemlich kalt, wärmt jetzt die aufgehende Sonne. Und unten geht die Brunft munter weiter. Einer der Hirsche hat den Kampf verloren und verschwindet wieder im Altholz, der Sieger schreit triumphierend hinterher. Aber bevor der sich nun an die Arbeit macht, erscheint ein anderer Schaufler auf dem Platz. Der Knieper scheint zum Zuge gekommen zu sein, er schaut zufrieden hinter dem Alttier her. Das ist auch so eine Laune der Natur, auch Abstauber kommen zum Zuge. In Gegensatz zum vielbeschäftigten Platzhirsch, steht er ausgeruht zur Verfügung und wartet auf seine Chance. Dieser hat nun den neuen Eindringling auf dem Navi und schießt mit voller Geschwindigkeit auf diesen los.

Wieder knallt es, so als wenn sich zwei Schreiner mit Brettern bekämpfen. Wieder bleibt der Platzhirsch Sieger. Aber man sieht deutlich, das Kämpfen hat ihn ordentlich mitgenommen. Mittags zieht er sich in eine Brunftkuhle zurück, schreit aber unentwegt, während der Knieper draußen sich weiter um das Kahlwild kümmert. Er nutzt sehr geschickt den Waldrand, sodass er mal sichtbar, mal verschwunden ist. So langsam sollte ich mir Gedanken machen, ob ich einen der Akteure aus dem Spiel nehmen will. Ich bin unsicher, kann mich nicht entscheiden. Die Brunft ist noch nicht zu Ende. Nachdem sich das Rudel in den schatten der Bäume verzogen hat, baume ich schließlich ab. Am dritten Tag bin ich wieder auf der ersten Kanzel. Auf dem Brunftplatz steht ein Hirsch: Breite Schaufeln, weit ausgelegt, U-Form nach den Regeln, seine Decke ist dunkel. Ein Prachtexemplarvon einem Schaufler.

Zudem ein Hirsch, den ich zuvor noch nicht in Anblick hatte. Der Atem stockt, alles passiert wie in Zeitlupe. Langsam lege ich die Waffenauflage in das Fenster der Kanzel, lege die Waffe auf, der Hirsch zieht langsam aber schreit ständig, der Zielstachel fährt mit, der Hirsch verhofft, jetzt ! Der Hirsch wirft sich herum . Mein Brunftschaufler liegt im Feuer und eine wirklich spannende Woche mit Höhen und Tiefen geht zu Ende.