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Der Hoch-Risiko-Kurs der Bayern-Bosse


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 16.03.2022

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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 11/2022

Torjäger Robert Lewandowski weiß aktuell nicht, woran er ist: Mit dem Verein gibt es keine Gespräche über den 2023 auslaufenden Vertrag. Trainer Julian Nagelsmann (r.) hofft auf eine Einigung

Der Blick auf die Speisekarte sorgte bei Julian Nagelsmann (34) für gute Laune. Nach dem 7:1 im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Salzburg, dem bisher wichtigsten Sieg in dieser Saison, gab es im klubinternen Restaurant „Casino“ die „Lieblingsessen unseres Trainers“ zur Auswahl: Garnelen mit Salat sowie Bio-Hackbraten mit Spätzle.

Nervennahrung kann der Bayern-Trainer derzeit gut gebrauchen. Denn durch den Hoch-Risiko-Kurs der Bosse ist er nicht nur als Trainer, sondern bei vielen Themen auch als Kommunikator, interner Ruhestifter und externer Außenminister gefragt, der sich sogar zu Sponsoring-Deals wie „Qatar

Airways“ geschickt positioniert.

Im Mittelpunkt steht nach wie vor die offene Zukunft der Stars, deren Verträge 2023 auslaufen. Neben Kapitän Manuel Neuer (35) und Thomas Müller (32) geht es vor allem um Robert Lewandowski (33). Zweieinhalb Wochen ist es her, dass der ...

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... Fifa-Weltfußballer bei Sky sagte, dass er „zum ersten Mal“ davon höre, dass der Klub mit ihm verlängern will. Weder

Sportvorstand Hasan Salihamidzic (45) noch Vorstandsboss Oliver Kahn (52) haben bis Anfang dieser Woche das Gespräch mit dem Polen gesucht und auch nicht verhandelt.

Die Lewandowski-Seite empfindet das als Respektlosigkeit, geht aber auch nicht davon aus, dass sich die Haltung der Bosse in den nächsten zwei, drei Wochen ändern wird. Ein Vorgehen, das viele im und rund um den Verein nicht verstehen können.

„Der FC Bayern kann sich glücklich schätzen, dass Robert

Für die Abwehr hat Bayern ein 16 Jahre altes Talent von PSG im Blick

Lewandowski so einen super Charakter hat und ein Vollprofi ist. Er lässt sich nicht gehen“, sagt Sky-Experte Lothar Matthäus (60) zu SPORT BILD: „Den Umgang mit ihm verstehe ich nicht. Wenn man bis jetzt nicht mit Lewandowskis Seite Kontakt aufgenommen hat, finde ich das respektlos. Das wäre unter Uli Hoeneß oder Kalle Rummenigge undenkbar gewesen. Man hätte sicher miteinander gesprochen! Und selbst wenn es dabei nur um die Erklärung gegangen wäre, dass man aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Situation noch abwarten muss. Aber der Spieler hätte damit gewusst, woran er ist. Das Zwischenmenschliche ist nicht mehr so vorhanden wie früher!“

Nagelsmann sagte im Bezug auf die offene Situation bei Müller und Lewandowski zuletzt fast hilfesuchend: „Ich hätte beide gerne noch lange.“ Und weiter: „Mein Job ist getan, ihnen zu signalisieren, dass ich mehr als bereit bin, den Weg weiter mit ihnen zu gehen. Ich hoffe, dass es auf Gegenseitigkeit beruht und dass wir das auch hinbekommen.“

Knackpunkt bei Lewandowski ist die Laufzeit. Immer wieder ist aus dem Verein die Frage zu hören: Wie lange kann der Super-Stürmer noch auf Weltklasse-Niveau spielen? Und: Ist eine Gehaltserhöhung zu rechtfertigen, wenn diese Lewandowski noch mehr als die aktuell geschätzt 24 Mio. Euro Gehalt pro Jahr einbringt, selbst wenn er 2025 stolze 36 Jahre alt ist? Das Problem: Darüber wird weder mit dem Stürmer noch mit seinem Management gesprochen.

Matthäus vermisst bei den Verantwortlichen „eine klare Linie: Ich wundere mich, dass nichts vorangeht. Man sollte nicht alles in die Schublade stecken und abwarten.“

So steigt der Druck weiter, zumal Manchester United bei Lewandowski-Berater Pini Zahavi (78) sein grundsätzliches Interesse hinterlegt hat.

Die Frage der Führung im Verein beschäftigt die Münchner schon traditionell. Jahrelang ging es darum, wer beim Duo Rummenigge/Hoeneß wie den Ton angibt, ob sich beide gerade an einem gemeinsamen Gegner abarbeiten oder intern Reibung erzeugen. Vorstandsboss Kahn versucht aktuell, Prozesse anzutreiben, u.a. mit der Hilfe von Beratern. Das soll im Verein genauso wie bei Ex-Mitarbeitern Unmut verursachen: Muss wirklich alles geändert werden? Zudem vermeidet es Kahn oftmals, sich öffentlich klar zu positionieren. Der Titan von einst muss seinen Weg finden. Klare Statements in der Öffentlichkeit, ob zur Katar-Frage oder zum Ukraine-Krieg, gibt es viel häufiger von Nagelsmann.

Mit dem Vorstandsvorsitzenden und Salihamidzic ist der Trainer in regelmäßigem Austausch. Auch, wenn es um die wohl wichtigste Frage geht – die zukünftige Qualität der Mannschaft!

Das Beispiel Zakaria wirkte auf die sportliche Führung desillusionierend

Wie sehr der Kader aktuell auf Kante genäht ist, zeigte sich mal wieder in Hoffenheim: Beim 1:1 wechselte Nagelsmann in der 81. Minute (!) erstmals. Und das in einer englischen Woche. Bei der Aufstellung geht er ohnehin Risiko: Da ihm in der Zentrale sowie im Defensivbereich, speziell auf der Außenbahn, die Alternativen fehlen, spielt er mit allen Offensivstars: Sané, Gnabry, Coman, Musiala, Müller und Lewandowski standen zuletzt gleichzeitig auf dem Feld. Das Problem: Die Anzahl an Gegentoren ist viel zu hoch. Im Schnitt kassiert Bayern diese Saison 1,1 Treffer pro Spiel.

Nagelsmann hat konkrete Vorstellungen für den Kader der Zukunft. Allein: Wie viele seiner Ideen werden auch wirklich umgesetzt?

Desillusionierend wirkte nach SPORT BILD-Informationen das Beispiel Denis Zakaria (25). Der Ex-Gladbach-Profi hätte perfekt ins Profil gepasst und nur etwas mehr als fünf Mio. Euro Ablöse gekostet. Er ging zu Juventus Turin, obwohl er sich einen Wechsel nach München gut hätte vorstellen können. Der als Wunsch-Abwehrspieler auserkorene Chelsea-Profi Andreas Christensen (25) will sich dem FC Barcelona anschließen, nicht Bayern. Bei Gladbachs Matthias Ginter (28) gibt es keine volle Überzeugung, Freiburgs Shootingstar Nico Schlotterbeck (22) würde Ablöse kosten.

Ins Visier geraten ist nun ein anderer Verteidiger, der allerdings keine Soforthilfe ist, sondern ein Projekt für die Zukunft: Nach SPORT BILD-Informationen ist Bayern sehr an El Chadaille Bitshiabu interessiert. Das erst 16-jährige Talent spielt in der U19 von PSG.

Matthäus sagt zur Kader-Planung: „In den vergangenen zwei Jahren wurde es versäumt, mit einigen Spielern rechtzeitig zu verlängern, die dann ablösefrei gingen. Siehe Alaba, Boateng, Süle, voraussichtlich auch Tolisso. Eigentlich sollte man aus diesen Fehlern lernen.“

Und weiter: „Der letzte Abwehrchef spielt nun mit David Alaba bei Madrid, der aktuell konstanteste, sicherste Innenverteidiger ist Niklas Süle – und er geht ebenfalls ablösefrei, zu Borussia Dortmund. Zwei Chefs der Defensive wurden leichtfertig verloren.“

Das ist auch in der Kabine ein Thema: Alaba pflegt nach wie vor gute Kontakte zum Team. Er wurde beim spektakulären 3:1-Sieg von Real Madrid über PSG im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League zum Anführer, der seine Kollegen nach vorne peitscht. Ein Spieler mit Mentalität, den die Abwehr der Bayern aktuell gut gebrauchen könnte.

„Ich glaube, meine Position, meine Spielweise und auch meine Art bringen es mit sich, Verantwortung auf dem Platz zu übernehmen. Das habe ich beim FC Bayern gemacht, und das mache ich auch bei Real. Dafür bin ich hier“, sagt Alaba über seinen Wechsel nach Madrid nun zu SPORT BILD und wünscht sich in der nächsten Runde ein Duell mit den Ex-Kollegen: „Das wäre natürlich ein Traum. In die Allianz Arena zurückzukehren wäre auf jeden Fall sehr speziell für mich.“

Süle wirkt wie befreit, seit sein Wechsel zum BVB im Sommer feststeht: Über Monate hatten ihn die internen Vorwürfe zu seiner fehlenden Professionalität und zu vielen Pfunden genervt. Er entschied sich für einen Schlussstrich und performt wieder außergewöhnlich gut.

„Wenn du keinen Bock hast, kannst du auch wieder reingehen!“

Nagelsmann im Training zu Sané

Nagelsmann muss viele Jobs vereinen, für Ruhe sorgen, planen – und wieder neu planen. Gegenüber der Mannschaft zog er zuletzt die Zügel an. SPORT BILD erfuhr: Vor dem 1:1 gegen Leverkusen vor zwei Wochen und wenige Tage vor dem Salzburg-Rückspiel holte Nagelsmann seine Spieler im Kreis zusammen. Dann knallte es: Dem Trainer hatten die Leistungen von Leroy Sané (26) zuvor nicht gefallen.

„Leroy: Wenn du keinen Bock hast, kannst du auch wieder reingehen“, blaffte Nagelsmann den Stürmer vor versammelter Mannschaft an. Sané blieb, trainierte gut und zeigte gegen Salzburg eine bärenstarke Leistung.

Fazit: Solange Bayern in der Champions League so erfolgreich bleibt und der Vorsprung auf Verfolger Dortmund nach zuletzt nur zwei Siegen in fünf Spielen nicht noch weiter schrumpft, bleibt es an der Säbener Straße noch ruhig. Wenn nicht – werden die Diskussionen um den Kurs der Bosse erst richtig laut.

BAYERN – UNION

Samstag, 19. März, 18.30 Uhr live bei Sky, Highlights direkt nach Abpfiff auf BILD.de, Sportbild.de und inderSport BILD-App.