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Der Letzte seiner Art


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Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 120/2021 vom 05.11.2021

REPORT | PLÖNER SEE

Artikelbild für den Artikel "Der Letzte seiner Art" aus der Ausgabe 120/2021 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 120/2021

Henrys Tipp: Mit einem freien Haken kann der Hecht den Köder nicht als Hebel nutzen.

Blinker: Henry, seit wie vielen Jahren bist du nun schon am Plöner See aktiv?

Henry: Ich angle seit meinem siebten Lebensjahr und kenne den Plöner See und seine Nebengewässer sehr, sehr gut. Zuerst angelte ich auf Friedfische im Bischofsee, dann lockte mich die größere Seefläche des Plöner Sees. Ich begann dann, dort auf Barsch und Hecht zu fischen.

Seit wann teilst du dein Anglerwissen mit deinen Gästen?

Im Jahr 2004 begann ich nach einer beruflichen Neuorientierung nebenberuflich mit dem Guiding. Der Grund: Ich erhielt immer mehr Anfragen von Freunden und Bekannten, ob ich sie nicht mal mit auf den See nehmen könnte.

Vor einigen Jahren gab es ja einige Angelführer am Plöner See. Bist du heute der einzige, der noch guidet?

Meines Wissens bin ich der einzige, der noch übrig ist. Als die Fischerei Reese am Plöner See ihren Betrieb einstellte, hörten die meisten Guides auf, die bei ...

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... der Fischerei angestellt waren. So war auf einen Schlag alles vorbei.

Ein weiterer Grund: Am Plöner See muss man rudern, um die Gäste zum Fisch zu bringen – Verbrennungsmotoren sind verboten – und das möchte sich keiner mehr zumuten, weil man teilweise weite Strecken zurücklegen muss, um die Fische zu finden.

Kannst du uns eine tolle Geschichte erzählen, die du mit deinen Angelgästen erlebt hast?

Ich war mit Gästen mitten auf dem See. Wir sahen in einiger Entfernung einen vermeintlichen Busch treiben. Bei näherem Hinsehen entpuppte sich dieser dann als ein 14-endiger Hirsch, der den 1,8 Kilometer breiten See durchschwamm. Bislang wusste ich nicht, dass Hirsche so weite Strecken schwimmen können!

In welchen Tiefen bist du auf die Großhechte erfolgreich?

Die Tiefen, in denen ich die Hechte fange, ändern sich mit der Jahreszeit. Im Mai, Juni und Juli befische ich das Flachwasser zwischen einem und sechs Metern. Danach geht es ins Freiwasser in Tiefen zwischen 20 und 40 Metern.

Welche Köder verwendest du, um die Hechte so tief zu befischen?

Ich vertraue meist auf große Gummifische zwischen 22 und 30 Zentimetern. Diese biete ich an Jigköpfen zwischen 30 und 80 Gramm an. Wenn man solche schweren Geschütze einen Nachmittag geworfen hat, ist ein mächtiger Muskelkater am nächsten Tag garantiert.

Die bist ein „Big Bait Man“, also jemand, der auch Riesenköder nicht scheut. Wie verhinderst du, dass sich die Hechte am Köder aushebeln?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich gerade große Hechte an Wobblern häufig losschüttteln. Deshalb verwende ich Gummifische an einem frei schwebenden, schnell auslösenden System. Im Drill hängt der Haken im Maul des Hechtes, der Köder davor. Die Großhechte können das Gewicht des Köders nicht mehr als Hebel einsetzen, um sich loszuschütteln.

Was sind deine erfolgreichsten Methoden auf Großhechte?

Wenn ich gezielt große Hechte fangen will, setze ich zum einen auf das Werfen von Big Baits. Beim Schleppfischen in der Tiefe fange ich eher die kleinen und mittelgroßen Exemplare. Außerdem liebe ich die Aktivität beim Werfen. Das Fitness-Studio kann ich mir nach einem Angeltag sparen.

Hast du auch schon mal probiert, mit toten Köderfischen große Hechte zu überlisten?

Vor circa 40 Jahren habe ich es tatsächlich mal probiert, und zwar mit Kaulbarschen als Köder, die damals noch lebend angeboten wurden. Die Kaulbarsche waren sehr schleimig und hatten einen eigenen Geruch. Den mochten die Hechte. Seit diesen Versuchen habe ich aufgehört, mit Köderfischen zu angeln. Außerdem imitieren Gummifische einen echten Fisch heute manchmal bis ins Detail.

Inwieweit verlässt du dich auf die Technik, zum Beispiel ein Echolot, beim Fang großer Räuber?

Man darf nie Sklave der Technik sein und seinen Angelinstinkt verlieren. Ein Echolot hilft mir, Strukturen im See zu erkennen, aber man darf sich vom Echolot nicht täuschen lassen. Heute steuere ich interessante Strukturen im See oft auch ohne Echolot an und fange meine Fische trotzdem.

Kann man am Plöner See auch Meterhechte vom Ufer fangen, oder braucht man zwingend ein Boot?

Meterhechte lassen sich nur in ganz wenigen Bereichen vom Ufer fangen. Zum Beispiel in der Plöner Stadtbucht. Da ist das Wasser schon in Wurfweite bis zu 15 Meter tief. Leider sind die meisten Uferstreifen am See in Privatbesitz und dürfen nicht betreten werden. Oder das Uferwasser ist so flach, dass man nicht an die Fische herankommt.

Hast du ein paar Tipps, was Neulinge am Plöner See beim Bootsangeln beachten sollten?

Leider gibt es nur einen Bootsverleih im Ascheberger Teil des Sees, sodass man sich ein Ruderboot rechtzeitig organisieren sollte, bevor man ohne dasteht. Ganz wichtig, um nicht zu sagen überlebenswichtig: Auf dem See sollte man unbedingt Wind und Wetter im Auge behalten. Bei Windstärken ab 4 bft oder aufziehendem Gewitter sollte man schleunigst ans Ufer rudern. Kein noch so großer Hecht ist es wert, dass man in Seenot gerät.

Mehr zum Thema

Der Große Plöner See, im Norden schlicht nur Plöner See genannt, ist der größte See in Schleswig-Holstein und der zehntgrößte See in Deutschland. Der Plöner See liegt sich südwestlich der Stadt Plön und hat eine Fläche von rund 29 Quadratkilometern und hat eine mittlere Tiefe von 14 Metern.

Der direkte Draht zum Guide:

Wenn Sie einmal am Plöner See mit einem Guide fischen möchten, können Sie Henry Michalski so erreichen:

Tel.: 04521/71353

Mobil: 0173/6829735

E-Mail: info@angelguiding-oh.de

Web: www.angelguiding-oh.de

„Man darf nie seinen Angelinstinkt verlieren!“

In den letzten Jahren war es sehr trocken, die ersten Auswirkungen des Klimawandels wurden auch bei uns deutlich sichtbar. Hat sich das auch auf die Hechte ausgewirkt?

Die mit den heißen Sommern verbundenen hohen Wassertemperaturen machten die Hechte extrem träge. Sie bissen in den Sommermonaten dann nur noch in extrem kleinen Zeitfenstern, und das auch nur in den späten Abendstunden.

Was war dein bislang längster und schwerster Hecht?

Mein größter Hecht hatte eine Länge von 1,27 Metern und wog geschätzt rund 13 Kilogramm. Eine richtige Bombe!

Gleichzeitig war das auch mein kuriosester Fang. Er nahm den Köder beim Eisangeln, einen kleinen Barschpilker an einer 0,20er Monofilen. Ich brauchte eine gute Viertelstunde, bis wir zum ersten Mal erkannten, was für ein Hecht dort am Haken hing. Entsprechend mussten wir das Eisloch vergrößern, um den Fisch überhaupt landen zu können, was aber schließlich gelang.

Gibt es noch weitere Fischarten, für die es sich lohnt, am Plöner See angeln zu gehen?

Ja, auf jeden Fall gibt es noch Barsche, und zwar Fische von 50 Zentimetern und sogar darüber. Wer viel Geduld mitbringt, kann auch versuchen, eine der Seeforellen zu fangen, die ebenfalls im Plöner See vorkommen.