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DER MACHER


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Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 13.04.2022
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Bildquelle: Metal Hammer, Ausgabe 5/2022

Eigentlich sollte er die Werkzeugfabrik seines Vaters übernehmen, doch UDO DIRKSCHNEIDER wählte die Musik – und zählt heute zu den bekanntesten und angesehensten deutschen Künstlern im Heavy Metal und darüber hinaus. Zu seinem 70. Geburtstag am 6. April beschenkte sich der Sänger selbst mit einem neuen Projekt, das – nach Accept, U.D.O., Dirkschneider, U.D.O. & Das Musikkorps der Bundeswehr sowie Dirkschneider & The Old Gang – seinen vollständigen Namen trägt und von der gewohnten Mannschaft bestritten wird. Auf dem Cover-Album MY WAY findet sich eine bunte Palette von Stücken, die das Leben des Künstlers begleitet und geprägt haben. Wie es ihm damit geht, längst selbst als lebende Legende zu gelten, und mit welchem Motto er sein neues Lebensjahrzehnt beginnt, verrät er in einer wie üblich äußerst netten Unterhaltung. Zudem dürfen wir einen Blick auf Bilder aus sieben Jahrzehnten ...

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... Lebensgeschichte werfen.

»ICH GLAUBE, ES IST GANZ WICHTIG, DASS MAN NICHT NUR SCHÖNE SEITEN ERLEBT, SONDERN AUCH DIE ANDEREN. DAS STÄRKT.«

Udo, MY WAY ist eine Cover-Platte. Wie entstand die Idee dazu?

Ich habe schon einige Cover gemacht: Für A TRIBUTE TO JUDAS PRIEST haben wir ‘Metal Gods’ aufgenommen (1997 – Anm.d.A.). Ganz weit zurück liegt ‘Born To Be Wild’ mit Raven (1983 – Anm.d.A.). Dann ist da noch ‘Breaking The Law’ mit Doro (2002 – Anm.d.A.), und es gibt noch einen Song, ich weiß schon gar nicht mehr... Ach ja, ich habe meine alte Band Accept gecovert mit ‘X-T-C’ (Song aus der David Reece-Ära, Cover von 2003 – Anm.d.A.) – okay, das kann man nicht zählen. Die Idee bestand also schon lange, wir haben immer wieder über Songs nachgedacht. Dank Corona hatten wir nun viel Zeit, also probierten wir einfach mal zwei, drei Nummern aus und arrangierten sie um. Danach dachten wir uns: Warum nicht? Es klang nicht so, als würde ich Klaus Meine oder Dio nachmachen wollen. Also erstellten wir eine Liste von Stücken aus den Siebzigern und Achtzigern, die mich begleitet haben, und entschieden uns für die, bei denen meine Stimme am besten zur Geltung kommt. Das Ergebnis ist gar nicht mal so schlecht geworden.

Wie bist du überhaupt zur Musik gekommen, erinnerst du dich an deine erste Berührung damit?

Meine Eltern waren große Rock’n’Roll-Fans. Bei uns zu Hause liefen immer Elvis Presley, Bill Haley et cetera. Irgendwann begann ich, Keyboard zu spielen. Mit 14 bekam ich ein eigenes und machte mit meinem ältesten Freund Michael Wagener zu Hause Musik – er an der Gitarre, ich am Keyboard. Irgendwann hörte ich damit auf, da ich mich nicht für gut genug hielt. Mir sagten aber schon damals viele Leute, ich hätte eine irre Stimme, die man noch nicht oft gehört hat. Also probierte ich das aus. Dann wurde daraus eine Schul-Band, und so entwickelte sich die ganze Sache. Alles Weitere kennt man ja...

Alex Harveys ‘Faith Healer’ verbindest du mit Club-Nächten als junger Erwachsener. Da gibt es bestimmt Anekdoten...

Ja, ganz viele! Wir waren auch irgendwann mal jung. (lacht) Innendrin sind wir das irgendwie noch immer, das andere sind ja nur Zahlen! Wir waren gut unterwegs. Damals gab es viele Rockdiscos und -kneipen, wir waren feucht-fröhlich dabei. Dort lief immer ‘Faith Healer’, eine meiner Lieblingsnummern. Ich habe Alex Harvey auch mal live gesehen und war großer Fan. Diese Nummer zu covern, war daher ein Muss. Doch es war nicht leicht – das Original besitzt eine gewisse Atmosphäre. Den Gesang kann man eigentlich nicht nachmachen. Wir haben es härter aufgezogen und dem Ganzen einen eigenen Stempel aufgedrückt – das gilt wohl für das komplette Album.

Tina Turners ‘Nutbush City Limits’ habt ihr angeblich mit Accept im Proberaum gecovert...

Nicht jedes Mal, aber schon oft. Leider gibt es davon keine Aufnahmen, das wäre natürlich sensationell. Ich bin schon sehr, sehr lange Tina Turner-Fan, auch das war ein Muss für mich. Diese Nummer haben wir ebenfalls etwas verändert – Tina Turner nachzusingen, wäre wohl etwas komisch geworden...

Bei Wolfsheims ‘Kein Zurück’ singst du auf Deutsch. Wie war das für dich?

Die Nummer habe ich mal im Radio gehört. Sie hat eine tolle Atmosphäre, mich sprach vor allem der Text an. Darin fand ich ein wenig meine eigene Karriere wieder. Gutes, Schlechtes – doch egal, was kommt: Man sollte nicht zurückschauen, sondern nach vorne. Nicht zurückzugehen, sondern vorwärts – genau das habe ich in meiner Karriere immer gemacht. Zuerst wollten wir den deutschen Text ins Englische übersetzen, das war aber ein Schuss in den Ofen. Also probierten wir es auf Deutsch – für mich war dies das erste Mal, überhaupt in dieser Form deutsch zu singen. In der Muttersprache zu singen, war nicht einfach, muss ich ehrlich sagen – deutsche Sprache, schwere Sprache. Englisch fließt beim Singen mehr raus. Es war interessant, hat aber funktioniert. Für einige Leute wird es eine riesige Überraschung sein, dass Udo auf einmal deutsch singt.

Wäre das auch mit eigenen Liedern denkbar, etwa auf der nächsten U.D.O.-Platte?

Ha, das glaube ich weniger! Es war eine sehr spezielle Geschichte für dieses Cover-Album. Es kamen auch schon Leute und meinten: Mach doch mal ein Album komplett auf Deutsch! Man soll niemals nie sagen. Es könnte passieren, im Augenblick aber eher nicht.

‘My Way’ ist der Titel-Track und ein toller, nostalgischer Song. Was bedeutet dir dieses „My way“, also dein Leben auf deine ureigene Weise anzugehen?

Das war ein wichtiger Punkt. Ich habe mich nie von irgendwem beeinflussen lassen. Im Prinzip bin ich immer meinen eigenen Weg gegangen, und der hat auch gut funktioniert. Diese Nummer musste also auch drauf!

Die Bandbreite der Stücke ist groß: Da sind Hard Rock-und Metal-Legenden wie Judas Priest, Rainbow oder Motörhead, aber auch Arthur Brown, Billy Squier, Frankie Miller und Frank Sinatra. Welches Cover hat dich vor die größten Herausforderungen gestellt?

Da muss ich wieder zu der deutschen Nummer zurückkommen. Die größte Herausforderung war für mich, in meiner Muttersprache zu singen – das war neu. Die anderen waren keine Herausforderung in dem Sinne. Uns war nur wichtig, sie so rüberzubringen, dass es zu mir passt.

Spannend, wenn es im 70. Lebensjahr noch immer Neues gibt!

Klar, das hat lange gedauert, aber... Ich sage es mal so, und das ist nicht arrogant gemeint: Ich muss keinem mehr irgendetwas beweisen! Ich tue im Prinzip, was mir Spaß macht. Wenn wir ein U.D.O.-Album realisieren, kann man sagen: Wo U.D.O. draufsteht, ist auch U.D.O. drin – mal härter, mal melodiöser. Ich kann aber auch andere Sachen umsetzen, wie mit Dirkschneider & The Old Gang. Das war nicht geplant, sondern eine Charity-Geschichte zugunsten von Band und Crew. Aber es war klar: Wenn Herr Baltes, Herr Kaufmann und Herr Dirkschneider das machen und dann auch noch mit meinem alten Gitarristen Mathias Dieth zusammenarbeiten, werden Stimmen laut und fragen, ob irgendwann ein Album kommt. Never say never, aber sicher nicht sofort. Wir sind alle relativ beschäftigt. Es kann sein, dass wir ein ganzes Album machen, wenn mal genügend Songs beisammen sind. Und es ist toll, das überhaupt machen zu können! Bei Dirkschneider & The Old Gang musste ich auf nichts Rücksicht nehmen: Wir haben einfach die Songs gemacht und mussten nicht groß darüber nachdenken – genau wie jetzt bei dem Cover-Album. Ich habe es einfach so umgesetzt, wie ich es für richtig hielt. Die Möglichkeit, so etwas zu tun, ist toll!

Auf dem Album finden sich Künstler, die dich geprägt haben, die du verehrst. Wie geht es dir damit, selbst eine Legende zu sein?

Ach Gott... Ich bin nicht der typische Rock-Star. Natürlich ist man stolz, wenn Leute sagen, man sei eine lebende Metal-Legende. Das ist toll zu hören und sagt einem, dass man in seiner Karriere etwas richtig gemacht hat. Ich habe mittlerweile auch mitbekommen, dass ich in musikalischer Hinsicht für viele ein Vorbild bin – offenbar auch früher schon bei Accept. Das erfuhr ich erst, als ich nicht mehr dabei war. Später kamen Leute auf mich zu, die wegen BREAKER oder RESTLESS AND WILD mit dem Gitarrespielen angefangen haben. Es ist toll zu hören, dass man Leute beeinflusst – auch Musiker, die heute bekannt sind! Das macht mich schon stolz.

»ICH WILL NICHT UM IRGENDETWAS HERUMREDEN. WENN ICH ETWAS ERZÄHLE, DANN SO, WIE ES WIRKLICH WAR, UND DAS KÖNNTE TEILWEISE SEHR HEFTIG WERDEN.«

UDO DIRKSCHNEIDER

Um noch mal auf das Thema Rock-Star zu kommen: Du bist weder für Exzesse noch Drogengeschichten bekannt, dein Sohn spielt in deiner Band. Woher kommt diese Bodenständigkeit?

Ich war eine Zeit lang dem Alkohol sehr nahe, Anfang bis Mitte der Siebziger. Doch ich merkte für mich selbst: So nicht! Ich habe Musiker kennengelernt, die blendend aussahen und über Nacht zu Rock-Stars wurden – anderthalb Jahre später glaubte ich, meinem eigenen Großvater gegenüberzustehen... Ich wusste schnell: So möchte ich nicht sein. Es hängt auch viel damit zusammen, dass es für mich immer zwei wichtige Dinge gab: Musik, Bühne – und das Zuhause. Tür zu, Familie. Daher rührt wohl, dass ich so bodenständig bin. Das war mir wichtig, und so halte ich es nach wie vor. Wenn mich jemand privat trifft, der nicht weiß, was ich mache, hält er mich meist für einen ganz normalen Bürger. Wenn mich Leute fragen, was ich beruflich mache, und ich antworte, dass ich Heavy Metal-Sänger bin, reagieren sie oft erstaunt. Ich bin privat sehr bodenständig, fast konservativ. Ich habe mich bei meinen Kindern um Kindergarten und Schule gekümmert, so weit ich konnte, wenn ich nicht auf Tour war. Mir war wichtig, dass meine Kinder vernünftig aufwachsen – und ihnen beizubringen, dass Drogen komplett verkehrt sind. Das hat gut funktioniert.

In der Szene genießt du großes Ansehen und viel Respekt. Du hast den Metal hierzulande quasi mitbegründet und geprägt. Wie empfindest du dein Ansehen in der Kulturlandschaft außerhalb der Rock-und Metal-Welt?

Ich war öfter auf „Echo“-Veranstaltungen oder Ähnliches eingeladen. Es ist immer interessant, Leute zu treffen, die mit Rock und Metal nichts zu tun haben, zum Beispiel Pop-Musiker. Ich habe sehr interessante Gespräche mit den Prinzen und Thomas Anders geführt. Sie wussten, wer ich bin, und es kam viel Anerkennung dafür, was wir machen und wie viel wir in der Welt herumkommen. Mit Thomas Anders hatte ich auch ein gutes Gesprächsthema, er ist schließlich in Russland und der Ukraine nicht gerade unbekannt, auch wenn er dort auf einer anderen Ebene unterwegs ist als ich. (Anm.d.A.: Das Gespräch wurde vor Kriegsausbruch geführt.) Bei solchen Veranstaltungen trifft man natürlich auch Business-Leute von Plattenfirmen und unterhält sich über Aktuelles und die Zukunft der Musik, das ist ebenfalls interessant. Überrascht wurde ich davon, dass ich am 25. Mai beim Oberbürgermeister von Wuppertal eingeladen bin und empfangen werde. Als Sohn der Stadt geehrt zu werden, hätte ich nicht erwartet. Man hat offenbar etwas getan, das wahrgenommen wird. Das ehrt einen. Ich hoffe, dass ich das noch lange machen kann. Ich werde oft gefragt, wann ich in Rente gehen will. Doch ich erlebe gerade ein halbes Rentendasein, und das macht mich verrückt. Ich bin kein Typ, der nur dasitzen kann; ich weiß dann nicht viel mit mir anzufangen. Doch es funktioniert alles – die Stimme funktioniert, ich bin gesund und habe noch viele Ideen! Demnächst fangen wir ein neues U.D.O.-Album an. Machen ist die Devise! Mir fehlt nur das Touren, ich bin nach wie vor gerne auf Tournee.

Welche ist die Lieblingsanekdote aus deinem Leben als Musiker?

Ganz wichtig war mit Sicherheit die erste Tournee mit Kiss in Amerika! Das bleibt hängen und war eine neue, tolle Erfahrung. Kiss waren für uns riesig! Sie haben uns viel über Entertainment in Amerika beigebracht – solche Sachen bleiben wirklich hängen. Sie standen fast jeden Abend am Bühnenrand und gaben uns Tipps, was in Amerika angesagt war und was wir anders machen sollten. Das hat viel gebracht, um später auf großen Festivals klarzukommen – eine sehr, sehr wichtige Erfahrung!

Was siehst du davon abgesehen als deine Karrierehöhepunkte an?

Das ist sicher die Nummer eins! An zweiter Stelle die Judas Priest-Tournee durch Europa 1981, das war unsere erste richtige Erfahrung mit größeren Sälen und Hallen, da haben wir auch viel gelernt. Als drittes... Vielleicht, dass ich die Sache mit U.D.O. durchgezogen habe – speziell das zweite Mal, als ich nach der Reunion mit Accept wieder mit U.D.O. angefangen habe. Damals dachte ich zum ersten Mal darüber nach, ob ich wirklich weitermachen will. Es war verdammt schwer, wieder Fuß zu fassen. Im Endeffekt haben wir uns fürs Durchziehen entschieden – und sind noch immer da!

Wie sieht dein Verhältnis zu Accept heute wirklich aus – und was würdest du dir wünschen?

Ich habe nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis zu Stefan Kaufmann, wir arbeiten auch viel zusammen. Peter Baltes ebenfalls, seitdem er bei Accept raus ist – vorher gab es nicht viel Kommunikation, das hing aber mit anderen Umständen zusammen. Ich habe auch ein sehr gutes Verhältnis zu David Reece und Herman Frank. Es gibt eigentlich nur eine Person, zu der ich null Kontakt habe und eigentlich auch keinen möchte, und das ist Wolf Hoffmann. Das hat viele Gründe. Man muss nicht böse reden, es passt einfach nicht zusammen. Deshalb wird es nie wieder eine Accept-Reunion geben. Wolf ist für mich nach wie vor ein hervorragender Gitarrist und sie machen auch gute Alben. Die Frage ist nur: Accept nur noch mit Wolf Hoffmann? Damit tun sich einige Leute schwer. Aber, okay, es funktioniert. Wir tun uns gegenseitig nicht weh – er macht sein Ding, wir machen unser Ding, für jeden Glückauf!

Gibt es Dinge, die du heute anders machen würdest?

Natürlich gibt es immer Sachen, die man anders machen würde. Vor allem in Bezug auf Verträge, also die Business-Seite. Mit dem heutigen Wissen würde ich einiges anders machen. Aber sonst würde ich alles noch mal so machen, glaube ich. Ich habe viel gelernt, es gab Rückschläge und nicht so tolle Zeiten, aber auch aus denen lernt man. Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man nicht nur schöne Seiten erlebt, sondern auch die anderen. Das stärkt. Man versucht, aus vielleicht gemachten Fehlern zu lernen und sie nicht zu wiederholen.

Hast du je darüber nachgedacht, dein Leben in einer Autobiografie festzuhalten?

Ja, ich bin bereits dabei! Ich habe jetzt etwa hundert Seiten, tue mich aber ein bisschen schwer damit. Ich möchte diese Biografie nicht herausbringen, solange ich noch im Business tätig bin. Wenn ich so etwas mache, möchte ich auch Sachen schreiben, die einem zum Nachteil werden könnten, wenn man noch aktiv ist. Vermutlich kommt sie erst, wenn ich komplett aufhöre, dann ist mir das egal – oder mein Sohn bringt sie raus. Ich will nicht um irgendetwas herumreden. Wenn ich etwas erzähle, dann so, wie es wirklich war, und das könnte teilweise sehr heftig werden. Da kommen dann Sachen auf den Tisch, von denen die Leute noch gar nichts wissen. Das ist auch gut so im Augenblick. Ich werde weiter daran arbeiten, und mal sehen – irgendwann höre ich ja vielleicht doch mal auf...

Hoffentlich nicht so bald! Schreibst du die Autobiografie selbst, oder hast du einen Co-Autor?

Im Augenblick schreibe ich sie wie einen Aufsatz in der Schule einfach runter. Irgendwann werde ich mich mit jemandem hinsetzen und das in eine geordnete Form bringen. Dann muss man die ganze Sache noch rechtlich absichern, da muss man aufpassen. Man kann zwar Dinge vermuten, aber nichts behaupten, wofür man keine Beweise hat. Das Ganze wird irgendwann kommen, aber noch nicht so schnell.

Im April feierst du deinen 70. Geburtstag. Wie gehst du generell mit dem Älterwerden um – neigst du zu Nostalgie?

Nein. 70 ist für mich nur eine Zahl. Ich denke nicht ständig darüber nach, dass mir die Zeit davonrennt. Ja, sie rennt – im Moment habe ich tatsächlich ein bisschen damit zu kämpfen, dass uns zwei Jahre geklaut wurden. In meinem Alter, wenn man 70 wird, sind zwei Jahre ganz schön viel. Aber sonst bin ich für ein ständiges Zurückblicken viel zu agil: Machen, tun! Also denke ich auch gar nicht darüber nach. Ich gebe mein Bestes, um gesund zu bleiben. Mal sehen, wie lange die ganze Geschichte noch geht.

Vor deinem 60. hast du mit dir selbst ausgemacht, jeden Tag zu genießen. Mit welchem Vorsatz beginnst du die Zeit nach deinem 70.?

Weiterhin alles genießen, so lange wie möglich! (lacht) Es ist ja nicht so, als würde ich morgens um sieben aufstehen und nachmittags um vier von der Arbeit zurückkommen. Ich führe ja ein komplett anderes Leben. Ich versuche wirklich, jeden Tag zu genießen und freue mich über jeden Tag, den ich da bin. Man könnte morgen tot umfallen oder von einem Auto überfahren werden. Ich weiß nicht, wie lange es noch geht, also versuche ich, so viel Spaß wie möglich zu haben. Das Leben zu genießen, hält einen auch wach. Ich versinke hier nicht in Depressionen. Das Motto lautet: Machen!

KATRIN RIEDL