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Der magische: Schwan vom Warndtsee


Sonah - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 06.03.2020
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Bildquelle: Sonah, Ausgabe 2/2020

Als der Warndt noch ein riesiger Urwald war, befand sich an eben derselben Stelle, an der heute noch der Warndtweiher ist, ein großer See, umgeben von dunklen Bäumen. Um diesen See rankt sich eine Sage, die heute fast ganz vergessen ist. Demnach soll es auf dem Waldsee, der einsam und abseits der Zivilisation gelegen ward, einen großen weißen Schwan gegeben haben. Allerdings hatten nur wenige Menschen das Glück, die schöne Kreatur zu erblicken, denn der Weg zum See war beschwerlich, führte er doch durch einen dichten Wald. Eines Tages kam ein junger Jäger, der gerade dabei war, einen Hirsch zu ...

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... verfolgen, ans Ufer des Sees und sah den gar herrlichen Schwan in der Mitte schwimmen. Bei diesem Anblick vergaß der Jäger den Hirsch und verspürte den überwältigenden Drang, den Schwan zu besitzen. Also beschloss er, alles zu tun, um die wundersame Kreatur sein Eigen nennen zu können. Um die Mitte des Sees zu erreichen, benötigte er jedoch entweder einen Kahn oder er musste schwimmen - da ein Wassergefährt nirgends zu erspähen war, wollte er sein Glück mit Schwimmen versuchen. Er war gerade im Begriff, ins Wasser zu springen, als ihm ein Zwerg entgegen-trat, der so groß war wie ein zweijähriges Kind. Sein Bart war so lang, dass er sieben Mal um seinen Körper geschlungen war, damit er nicht darüber stolperte. Der Zwerg sprach zum Jäger: „Fremder, lass ab von deinem Begehren! Im See lauert der Tod für dich und den Schwan kannst du nicht erlösen. Nur alle sieben Jahre gibt es eine einzige Stunde, in der der Weg zum Schwan frei ist. Doch nennen kann und darf ich diese Stunde nicht. Eines kann ich dir aber versprechen: Der Schwan wiegt am Ende jede Mühe auf, und sollte es ein siebenjähriger Kampf sein. Also suche und wähle die richtige Stunde!“ Damit war der Zwerg verschwunden und mit ihm der Schwan.

Sieben Tage und sieben Nächte saß der Jäger am Ufer des Sees und hielt Ausschau, denn er wollte den Schwan noch einmal sehen, bevor er sich vom See trennte. In der Morgendämmerung des siebten Tages vernahm er schließlich einen wundersamen Gesang, der vom See herüberwehte. Doch sehen konnte er nichts. Um den Gesang besser zu verstehen, legte er sich dicht an den See. Als er eine Hand ins Wasser hielt, konnte er den Versreim vernehmen: Der Schwanengesang drang dem Jäger tief ins Herz, doch den Schwan konnte er nicht erspähen. Also lag er jedes Jahr in der Walpurgisnacht am See auf der Lauer und hielt Ausschau nach dem Walpurgiskahn und nach dem schönen Schwan, aber stets vergebens. Erst im siebten Jahr fand der Jäger in der Walpurgisnacht den besagten Kahn am Ufer des Sees versteckt unter einer großen Erle. Er bemächtigte sich des schmucken Gefährts, zog es an einer anderen Stelle ans Land und bedeckte es mit Zinnkraut. Er selbst legte sich als Wache daneben. Stürme brausten über den Warndtsee, doch der Kahn blieb unentdeckt und von Walpurgis sah der Jäger nichts. Wenn der wohlwollende Zwerg ihn nicht stetig mit einem Vorrat an Lebensmitteln versorgt hätte, wäre der Jäger elendiglich verhungert. Als nun endlich die Sonnenwende kam, konnte er den Abend kaum erwarten. Als endlich hoch oben in den Baumkronen ein rötlicher Schein das Aufglühen der Sonnenwendfeuer auf den Bergeshöhen ankündigte, war seine Zeit gekommen. Den Schwan hatte er in den sieben Jahren seines Wartens nicht mehr gesehen, aber der zauberhafte Schwanengesang lag ihm immer noch im Blut und er glaubte an die Prophezeiung.

Die Sage vom Schwan des Warndtsees wurde erstmals von Lohmeyer im Jahr 1952 aufgezeichnet. Ursprünglich lag der Sage wohl ein Motiv von Schwan und Kleiderraub zugrunde, wie es sich auch in anderen Sagen findet, etwa der Legende der Schwanenjungfer von Finstingen, einem Dorf im Département Moselle. Diese Sage von Finstingen erzählt davon, wie ein Prinz einen Schwan auf dem dortigen See erblickt, am Ufer jedoch die Kleider einer Jungfrau vorfindet. Die Kleider nimmt er an sich, und plötzlich steht eine wunderschöne Frau vor ihm. Das Schwanengewand hat sie abgeworfen. Die Kleider will der Prinz ihr nur zurückgeben, wenn sie seine Frau werden möchte - die Jungfrau ist einverstanden mit diesem Vorschlag, solange er sie nie nach ihrer Herkunft fragen werde. Über die Jahre soll die Schöne auch nicht gealtert sein und ihr graziles Äußeres bewahrt haben. Der weiße Schwan symbolisiert in diesem Zusammenhang Reinheit. Dieses Motiv von Schwan und Kleiderraub wurde in der Sage vom Warndt-Weiher abgeändert. Dass sich Wesen in Schwäne oder auch andere Tiere verwandeln, ist ein echtes und häufiges Sagenmotiv, nicht nur in unserer Region, sondern etwa auch im rechtsrheinischen, germanischen Raum. In Irland erzählt man sich die Sage von den Kindern Lirs, die von der bösen Stiefmutter aus Eifersucht in Schwäne verwandelt wurden.


„In der Walpurgisnacht bin ich unbewacht, Doch erst zur Sonnenwende reich mir deine Hände. Nimm Walpurgiskahn, der am Gestade ruht, In der Walpurgisnacht in deine sich’re Hut, Wenn dann zur Sonnenwend die großen Feuer lohn Reich mir dann die Händ und führ mich im Kahn davon.“


Also fuhr er in die Mitte des Sees. Kaum hatte er diese passiert, als eine liebliche Stimme hinter ihm sprach: „Schaue dich nicht um, sondern rudere der Sonne entgegen. Erst wenn du festen Boden unter deinen Füßen hast, darfst du rückwärts schauen.“ Der junge Jäger tat, wie ihm geheißen und ruderte zum Ufer. Als er sich dann umdrehte, stand eine schöne Jungfrau vor ihm und auf dem See schwammen die Federn eines Schwanes. Er hatte sie aus ihrer Schwanenform erlöst. Glücklich fielen sie sich um den Hals und küssten sich.


Zeichnungen © Lucas Pfeiffer