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DER MARATHON MANAGER


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Draußen! - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 03.08.2021

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Wegemanager im Einsatz: Heute steht bei Felix Knopp unter anderem die Kontrolle der zweiten Natursteig-Etappe von Hennef nach Blankenberg an

Draußen sein. Rotwild, Wildschweine und Schwarzspechte beobachten. Die Ruhe zwischen Buchen und Eichen genießen. Von oben den Blick über grüne Täler schweifen lassen. Regen und Wind, Eis und Schnee ebenso spüren wie die erbarmungslos brennende Julisonne. Felix Knopp arbeitet, wo andere ihre Freizeit verbringen. Er kann die Natur genießen und ist zugleich dafür zuständig, sie mit Augenmaß zu bändigen: Als Wegemanager für die Naturregion Sieg betreut er ein Wanderwegenetz von 600 Kilometern Länge: den Fernwanderweg Natursteig Sieg mit seinen Erlebniswegen. Der 200 Kilometer lange Natursteig Sieg östlich von Bonn folgt dem Fluss in 14 Etappen von Mudersbach bis zur Rheinmündung bei Siegburg. Dabei führt der ausgezeichnete Qualitätswanderweg auf meist schmalen Pfaden durch Wälder, über Wiesen und Felder und mit vielen herrlichen Ausblicken auf die Kuppen der abwechslungsreichen ...

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... Mittelgebirgslandschaft. Burgen und Klöster, alte Kirchen und idyllische Orte säumen den Weg. Die mittelalterliche Stadt Blankenberg zum Beispiel, deren Kern mit Burg und Fachwerk unter Denkmalschutz steht. Dazu bietet die Region 26 Themen-und Erlebniswege. Sie starten meist an einem Wanderparkplatz und sind als Rundwege angelegt. „Da ist für jeden etwas dabei“ sagt Felix Knopp. „Die Strecken sind zwischen fünf und 23 Kilometer lang. Manche eignen sich für Spaziergänger, andere sprechen ambitionierte Wanderer an. Auch Familien mit Kindern finden geeignete Wege.“ Der fünf Kilometer lange Räuberweg bei Wissen etwa führt über Stock und Stein durch das Osenbachtal. An Mitmachstationen können kleine Besucher herausfinden, ob sie das Zeug zum Räuber haben. Der Talsperrenweg bei Siegburg indes umrundet einen Stausee durch anspruchsvolles Terrain, mal bergauf, dann wieder bergab durch einsame Natur.

FELIX KNOPP

arbeitet seit 2009 als Wegemanager für die Naturregion Sieg. Der 49-Jährige lebt mit seiner Familie in Much im Bergischen Land. Er ist passionierter Geländeläufer und hat viele Ultramarathons absolviert. Außerdem liebt er Kajakfahren, bevorzugt im Wildwasser – durch Schluchten und Wasserfälle. Doch auch auf der Sieg paddelt er häufig mit der Familie.

Erfolgreicher Extremsportler „Mit seinen 800 Höhenmetern ist der Talsperren-Trail ein geniales Trainingsareal“, sagt Knopp. Er muss es wissen, denn der 49-Jährige läuft die 23 Kilometer regelmäßig. In seiner aktiven Zeit als Ultramarathonläufer vor gut zehn Jahren war der Weg seine Hausrunde, auf der er fast täglich trainierte. Knopp war damals auf Distanzen von 50, 70 oder 100 Kilometern durch herausfordernde Gegenden mit vielen Steigungen sehr erfolgreich. Er gewann den Rocky-Mountain-Marathon, siegte beim 100-Kilometer-Lauf in Biel, gleich sieben Mal beim Westerwaldlauf und drei Mal beim Grand Défi des Vosges. Inzwischen tritt er kürzer, um mehr Zeit für seine Frau und seine vier Töchter zu haben.

Doch aufgegeben hat er das Extremlaufen nicht und überlegt sogar, mal wieder bei einem Lauf zu starten. Dafür bleibt er in Bewegung – und ist froh, dass er sein Hobby in den Beruf integrieren kann. Denn zur Aufgabe als Wegemanager bei der Kreisverwaltung Siegburg gehören auch Kontrollgänge. Wenn er diese im Trainingstempo absolviert, benötigt Knopp für zehn Kilometer etwa 35 Minuten – und ist damit wesentlich schneller, als wenn er, wie heute, den Talsperrenweg lediglich begeht. „Das Sägezahnprofil der Strecke bietet alles, was man als Extremsportler benötigt, um sich fit zu halten“, erklärt Knopp – und stoppt an einer Birke, die quer über den Weg liegt. Er räumt sie etwas beiseite, damit Wanderer passieren können, und speichert die Position in seinem Handy. Später wird er mit einer Motorsäge wiederkommen, um den Weg komplett zu räumen.

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Wege planen, bezeichnen, frei halten Zu seiner Aufgabe kam der studierte Geograf 2009 nicht zuletzt aufgrund seiner Ortskenntnisse. „Ich kannte durch mein Training so gut wie jeden Stein und die Idee, einen Wanderweg entlang der Sieg zu konzipieren, der die Bahnhöfe der umliegenden Orte miteinander verbindet und diese wunderschöne Landschaft in den Fokus rückt, schien mir reizvoll.“ Knopp arbeitete damals bei der Biostation im Rhein-Sieg-Kreis. Mit der Einrichtung eines Natursteigs wollte man den Tourismus in der Region vorantreiben. Knopp bewarb sich auf die Stelle als Wegemanager – und bekam den Job.

Vom ersten Konzept bis zum fertigen Natursteig war es ein beschwerlicher Weg. Rund die Hälfte der anfänglichen Idee zur Wegführung hielt den aufwendigen Prüfungen nicht Stand. Mal war ein Grundstückseigentümer oder Waldbesitzer nicht mit dem Verlauf einverstanden, mal legten Jagdpächter ihr Veto ein, dann war ein Ortsbürgermeister unzufrieden. Darüber hinaus musste Knopp die Vorschriften für die Zertifizierung als Qualitätsweg beachten, die unter anderem verlangen, dass höchstens 20 Prozent der Strecke auf Asphalt verlaufen dürfen.

Er suchte das Gespräch mit den Menschen, berücksichtigte ihre Interessen und plante neu: 2011 wurde der Natursteig schließlich eingeweiht und seitdem mehrfach erweitert.

Damit soll jedoch jetzt erst einmal Schluss sein, denn der athletische Mann mit dem Dreitagebart, der eine natürliche Ruhe ausstrahlt, hat jede Menge damit zu tun, die Wege in Schuss zu halten. Neben der Pflege ist er auch für die Markierung der Trails verantwortlich. Alle 250 Meter sowie an Abzweigen wird ein Hinweis platziert. Früher wurden Metallschilder montiert, inzwischen sprüht Knopp das Erkennungszeichen des Natursteigs Sieg, ein weißes S auf blauem Grund, gut sichtbar an die Bäume – zum Schutz vor Souvenirjägern. Die 26 Erlebniswege sind zur Unterscheidung mit einem weißen S auf rotem Grund gekennzeichnet. Vielerorts übernehmen ehrenamtliche Wegepaten diese Aufgabe und checken zwei Mal im Jahr die Hinweise. Sie helfen zudem bei der Pflege der Wege. „Auch viele Wanderer geben Hinweise, wenn Bäume umgestürzt sind, Hecken zu sehr wuchern, Bänke beschädigt sind oder Tritte wackeln“, erklärt Knopp und stoppt an einem mächtigen Baum, dessen Stamm sich rund zwei Meter über dem Boden in vier Stämme teilt. Ist etwas zu reparieren, macht er das meist selbst. Sprühdose, Schablonen und Werkzeuge gehören zu seiner Grundausstattung. „Ich bin der Einzige bei der Wirtschaftsförderung, der neben Bleistift, Kulli, Block und Anspitzer eine Kettensäge im Büroschrank hat“, sagt er schmunzelnd.

Viel allein – und viel Kontakt

„Es ist wirklich ein einmaliger Arbeitsplatz“, sagt der 49-Jährige und umfasst dabei den Baumriesen mit den Armen. „Ich bin mehr als die Hälfte meiner Arbeitszeit draußen in dieser großartigen Natur unterwegs, bei jedem Wetter. Da kann man wunderbar abschalten. Und trotzdem habe ich Kontakt zu vielen Menschen. Zu Wanderern, mit denen ich mich auf meinen Kontrollgängen oder über E-Mail und die sozialen Medien austausche und über deren Anregungen ich mich freue. Zu Förstern und Ortsvertretern oder den Wegepaten.“ Alle Etappen des Natursteigs, so sagt er, hätten ihre Reize. Besonders liegen ihm aber die zweite, sechste, siebte und elfte am Herzen. Hat er dort zu tun, freut er sich besonders. „Ich weiß nicht, wie oft ich bereits auf der Drachenflugschanze oben am Stachelberg war. Aber hier zu sitzen und ins Tal zu schauen, wird einfach nie langweilig“, sagt Knopp, der heute wieder einmal auf dieser zweiten Natursteig-Etappe zwischen Blankenberg und Hennef nach dem Rechten schaut. Oben angekommen setzt er sich an den Bergrand, hält inne und blickt ins Tal. „Es ist eine faszinierende Landschaft mit langer Geschichte“, erzählt er. „Mancherorts stehen noch Hütten, und im Boden findet man Kohlereste von den alten Meilerplätzen. Es gibt Trinkwasserquellen, Streuobstwiesen und jede Menge Ginster, ein Pioniergewächs, das hier an der Sieg als Nutzpflanze geduldet wird.“

Platz für Picknick

Klar, dass der Natursteig auch viele idyllische Rastplätze bietet, oft mit imposanten Ausblicken auf die Siegtäler. Geheimtipps, so sagt Knopp, werde er aber keine geben: „Jeder soll für sich seine Lieblingsorte entdecken. Wenn ich etwas empfehle, sind rasch alle dort. Das schadet mehr, als dass es nützt.“ In der Corona-Krise erlebten auch die Wege entlang der Sieg einen wahren Ansturm an Erholungssuchenden. Und Felix Knopp bekam die Folgen zu spüren. Einerseits hatte er weniger zu tun, weil die Wege durch die vielen Wanderer nicht zuwucherten. Doch zugleich fühlten sich Anwohner gestört, achtlos weggeworfener Müll wurde zum Problem. Viele Waldneulinge hielten sich nicht an die Regeln, liefen oder fuhren mit E-Mountainbikes abseits der Wege. Sorge bereitet Knopp zudem der Klimawandel. Der Borkenkäfer hat den Fichtenbestand weiträumig zerstört, die Buchen leiden unter Sonnenbrand. „Es ist eine große Aufgabe, der Trockenheit mit den richtigen Aufforstungskonzepten zu begegnen“, sagt Knopp, der sich über dieses Thema mit Förstern und Waldeigentümern austauscht und schon an manch gerodeter Stelle einen Pfahl einschlagen musste, um die Wegemarkierungen an gefällten Bäumen zu ersetzen. „Doch wenn ich sehe, wie an einst kahlen Stellen ein neuer, junger Wald entsteht, blicke ich trotz aller Probleme mit Zuversicht in die Zukunft.“

Feuchte Freizeit: Kajakfahren Positive Energie tankt Knopp bei seinem zweiten großen Hobby, dem Kajakfahren. In seiner Freizeit zieht es ihn immer wieder auf die Sieg, oft gemeinsam mit der Familie, die seine Begeisterung für den Wassersport teilt. Felix Knopp liebt auch hier das Extreme, fährt am liebsten in wilden, rauen Gewässern, durch Schluchten und Wasserfälle. Doch auch auf der Sieg macht der Sport ihm Spaß. Besonders gern paddelt er mit der Familie von Eitorf nach Blankenberg. „Dort ist es landschaftlich sehr reizvoll, es gibt viele Brücken und immer wieder kann man Drachenflieger beobachten“, sagt Knopp, der auch heute im Kajak seinen Tag ausklingen lässt. Auf der Sieg kann er abschalten und Distanz gewinnen zu den Problemen, die ihm im Wald begegnen. Das gleichmäßige Paddeln entspannt ihn und hilft zugleich dabei, alles aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Vom Wasser aus auf die Wälder, Täler und Berge blickend sieht er kommenden Herausforderungen entspannt entgegen. Felix Knopp jedenfalls kann sich keinen schöneren Ort zum Leben und Arbeiten vorstellen als diese Region.

RICHTIG ATMEN

„Im Laufe der Jahre wurde mir klar, wie wichtig es ist, bewusst Sport zu treiben. Das richtige Schuhwerk sollte einen möglichst weiten Vorfuß und 0 mm Sprengung haben, sodass der Fuß arbeiten kann und man mehr unter dem Körperschwerpunkt aufsetzt. Hilfreich sind Übungen auf einem Balance Board und Rumpfmuskulaturtraining. Auch die richtige Atemtechnik ist so ein Punkt. Dabei gilt der Grundsatz: ‚Wer in sich hineinhorcht, atmet ganz von selbst richtig.‘ Also: Durch die Nase einatmen, ein O formen und langsam ausatmen. Wer es nicht mehr schafft, durch die Nase einzuatmen, ist zu schnell unterwegs und sollte das Tempo anpassen.“

Website:

Alle aktuellen Infos zum Natursteig unter naturregion-sieg.de