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Der Mauerfall enthüllte die ganze Wahrheit – und veränderte das Le ben dieser Menschen


Super TV - epaper ⋅ Ausgabe 45/2019 vom 31.10.2019

Zwei bewegende Schicksals-Beichten


Die Grenze konnte unsere Freundschaft NICHT ZERSTÖREN

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DOKUMENT
Diese Karte schickte Stefanie 1977 auf Reisen – mit ungeahnten Auswirkungen


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BUCH ZUR GESCHICHTE
Stefanie Wally schrieb in „Akte Luftballon“ (Elisabeth Sandmann Verlag, 19,90 Euro) alles genau auf


Anke und Steffi sind heute unzertrennlich

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GEMEINSAM
Anke (l.) und Stefanie blättern in Erinnerungen, freuen sich, dass sie heute keine Mauer mehr trennen kann


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DER SCHOCK
Was gibt es Schlimmeres, als vom besten Freund verraten zu werden?


Eine der wohl schönsten Ost-West-Geschichten beginnt 1977 auf einem Volksfest in Dossenheim bei Heidelberg. Stefanie Wally (heute 47) lässt einen gelben Luftballon in den Himmel steigen. Daran befestigt ist eine Postkarte mit folgendem Text: „Bin sechs Jahre alt, habe zur Zeit das Bein gebrochen, würde mich freuen, wenn ich Antwort bekäme.“ Nach drei Tagen und über die schwer bewachte Mauer hinweg landet der Ballon rund 450 Kilometer entfernt zwischen Leipzig und Dresden. Dort wohnt die sechsjährige Anke Behrendt. Sie schreibt zurück: „Liebe Stefanie! Mein Opa fand den Luftballon heute, am 23.3.77, auf einem Feld (…). Ich wohne in Dennschütz bei Lommatzsch.“ Das war der Beginn einer Freundschaft, von der beide heute sagen: „Die hält lebenslang.“ Es entsteht ein Briefwechsel, der Grenzen überwindet und das Leben beider Mädchen verändert …

Ganz offen. Stefanie versteht zuerst nicht, warum sie die Freundin nicht besuchen darf. Ihre Mutter versucht ihr zu erklären, dass Deutschland geteilt ist und nicht mal kleine Mädchen sich besuchen dürfen. Also schreiben sich die Kinder weiter, schicken Pakete. Es gibt keine Tabuthemen. Aus Mädchenbriefen über die Schule wird ein tagebuchartiger Austausch junger Frauen über ihren Alltag in ihren so verschiedenen Welten. Und die Stasi liest alles mit.

Drohung. Eine SED-Parteisekretärin lässt Anke wissen, dass sie ihren Traumjob nur bekäme, wenn sie die Verbindung zu ihrer Freundin Stefanie in Westdeutschland abbreche. Anke entscheidet sich gegen die von ihr zunächst gewünschte Ausbildung. Denn ihre Freundschaft will sie sich von nichts und niemandem nehmen lassen.

„Beim Kennenlernen strömten wir über vor lauter Glück“

Elf Jahre nach ihrem ersten Briefkontakt lernen sich die beiden Freundinnen endlich in Ost-Berlin kennen. Stefanie erinnert sich, „dass wir überströmten vor Glück“. Und sie erzählt, wie sie beide Fluchtpläne schmiedeten. „Ich dachte an einen doppelten Boden im Auto bei Ferien in Ungarn.“ Doch die Geschichte war schneller. Rund ein Jahr nach ihrem ersten Treffen fiel die Mauer. Diesen Tag feiern die beiden seither jedes Jahr gemeinsam. Mal in Leipzig und mal in Karlsruhe, wo Stefanie heute lebt. Eine Freundschaft für die Ewigkeit.

Mein bester Freund hat mich AN DIE STASI VERKAUFT

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Manfred hat dem Spion verziehen


Eine der wohl traurigsten Geschichten über Freundschaft erlebte Manfred Haferburg (70). Er studierte zu DDR-Zeiten in Dresden Kernenergetik und arbeitete im Kernkraftwerk Greifswald. Für Super TV schrieb er auf, was er erlebte … „Ich hatte einen Freund in Greifswald. Die Zeiten waren nicht die besten. Mein bester Freund Jörgli und ich hatten beide Segelboote, auf denen wir auf dem Greifswalder Bodden umherschippern durften. Jörg zeigte mir seine Tricks bei der Bootspflege. Ich ließ ihn in meiner Wohnung duschen, weil er kein Badezimmer hatte. Ich hatte eine Gitarre an Bord, er ein Banjo. Wir feierten zusammen und erzählten uns die frechen politischen Witze – wenn wir unter uns waren. Da war nicht nur Vertrautheit. Da war tiefes Vertrauen zueinander, eine seltene Währung in jenem kranken Land.“

Jörgli machte ihm durch seinen Verrat das Leben zur Hölle

Erst viel später fand Haferburg heraus, was sein Freund Jörgli alias IM „Förster“ seinem Stasi-Führungsoffizier alles aufs Band diktierte: „Unsere Freundschaft besteht nach wie vor. Allerdings ist die politische Einstellung des Manni zu unserem Staat sehr negativ … Es gibt eigentlich nichts im Staat, was er akzeptiert.“ Und: Er traue ihm zu, „dass er unter gewisser zielgerichteter Beeinflussung durch gewisse Leute, zu denen er aufschaut, in der Lage wäre, im Kernkraftwerk den verkehrten Hebel zu ziehen.“ Haferburg: „Es war das Ende meiner beruflichen Karriere. Bald stand ich auf allen schwarzen Listen meines Vaterlandes. Ich wurde als ,feindlich negatives Element’ zersetzt. So nannte die Stasi die vollständige Vernichtung ihrer Gegner.“
Jörgli war nach außen hin immer noch „mein lieber Freund“, so der Ingenieur. „Er war es auch noch, als ich in Hohenschönhausen von der Stasi misshandelt und ein paar Tage vor dem Mauerfall mit verbundenen Augen aus einem fahrenden Auto auf eine regennasse Straße in Berlin Köpenick geworfen wurde. Er war mein Freund, bis zu dem Moment, als ich die Stasi-Akten las.
2015 hat mir Jörgli einen Brief geschrieben und mich um Verzeihung gebeten. Er hätte es doch nicht böse gemeint und wäre vom System betrogen worden. Er hätte selbst sehr gelitten …

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TIEFE EINBLICKE
Im Roman „WOHN-HAFT“ (Kuuuk-Verlag, 32 Euro) schildert Manfred Haferburg sein Leben in der DDR


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ERINNERUNG
Der Ingenieur zu DDR-Zeiten auf seinem Segelboot. Mit seinem besten Freund machte er oft Ausflüge


Fotos: Elisabeth Sandmann Verlag/Akte Luftballon (3), Istock, KUUUK Verlag, laif, privat

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