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Der Moment, in dem ich wusste …


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myself - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 10.11.2021

… ich kündige

Valerie Krämer, 30, Gründerin der Online- Plattform Remi

Artikelbild für den Artikel "Der Moment, in dem ich wusste …" aus der Ausgabe 12/2021 von myself. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Am beruflichen Höhepunkt angekommen merkte Valerie Krämer, dass sie unglücklich war, und ging ? eine Entscheidung, die sie nicht bereut hat.

Zehn Jahre ist Valerie Krämer bei großen Unternehmen wie Twitter für Vertrieb und Marketing tätig, wechselt dann zum Start-up Opinary, das sie mit auf baut. Kurz nachdem sie in die Geschäftsführung aufsteigt, merkt sie: Sie hat alles gelernt, was sie lernen wollte. Und sich auf Dauer um Optimierung und Teammanagement zu kümmern ist ihr zu wenig. Aber: „Ich habe mich dem Unternehmen und meinem Team verpf lichtet gefühlt. Zudem war ich gerade Finanzchefin geworden und wollte nicht den Eindruck erwecken, dass ich der Aufgabe nicht gewachsen bin.“

Der Moment der Entscheidung:

Die innere Zerrissenheit schlägt Valerie Krämer auf die Psyche. „Ich war verkrampft und traurig, alles lag schwer auf den Schultern“, erinnert sich die Betriebswirtin. Hinzu kommen Ängste: Was wird ihre Familie denken, wenn sie eine sichere und gut bezahlte Stelle ...

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... aufgibt? Und wer ist sie eigentlich ohne ihren Job? Den Ausschlag gibt ein Gespräch mit einer Kollegin, die sagt: „Valerie, alles, was du bis hier erreicht hast, bleibt. Das kann dir niemand nehmen. Und wenn du jetzt gehst, ist das kein Zeichen, dass du bestimmte Dinge nicht kannst.“ Da sei der Knoten geplatzt.

Ein rettender Zufall:

Statt sich gleich eine neue Aufgabe zu suchen, nimmt sich die 30-Jährige damals eine Auszeit, was ihr anfangs auch guttut. Nach ungefähr zwei Monaten fällt sie in ein Loch. Ohne Routine und Kontrolle fühlt sich die sonst so zielorientierte Planerin verloren. „Was hast du nur gemacht?“, fragt sie sich. Das Ergebnis der Unzufriedenheit und Unruhe: „Hummeln im Hintern“ – und nach dem eher zufälligen Austausch mit einer Bekannten die Idee, gemeinsam ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Das eigene Ding machen:

Acht Monate nach ihrem letzten Arbeitstag gründet Valerie Krämer mit ihrer Bekannten im März 2021 das Software-Start-up Remi. Corona hat die Arbeitswelt verändert, viele Unternehmen setzen auf remote work. Remi bietet ihnen die Infrastruktur, online Team-Rituale umsetzen und zu pf legen, die das Wir-Gefühl stärken sollen. Noch steckt das Start-up in der Auf bauphase, die laut der Gründerin extrem anstrengend ist: „Dafür gibt es nun aber reichlich neue Herausforderungen.“

Die wichtigste Erkenntnis:

„Es lohnt sich immer, mutig zu sein und auch mal gegen die eigene Natur zu handeln – das eröffnet einem völlig neue Perspektiven. Man sollte nicht nur die Dinge sehen, die einen zurückhalten oder schiefgehen könnten, sondern auch die Chancen, die sich bieten. Was kann denn passieren, außer dass man am Ende vielleicht etwas findet, wofür man wieder wirklich brennt?“

… ich will ins Ausland

Melanie Assauer, 43, Katastrophenhelferin bei der Kinderhilfsorganisation World Vision

Normalen Alltag fand sie noch nie erstrebenswert, sagt Melanie Assauer, die Sozialpädagogik mit Schwerpunkt Migration studiert und danach in Köln eine Organisation mit aufgebaut hat, die Gef lüchtete unterstützt. Als das Projekt 2008 läuft, steigt sie aus. Kurz darauf trennt sie sich von ihrem langjährigen Freund, dann stirbt ihr Großvater, dem sie sehr nah ist.

Der Moment der Entscheidung:

Um Abstand zu gewinnen, reist Melanie Assauer nach Madeira, der Lieblingsinsel des Großvaters: „Ich saß am Strand, merkte, dass es keinen Grund gab, zurück nach Deutschland zu gehen.“ Beim Wandern über die steile Insel denkt sie immer nur an den nächsten Schritt, eine Metapher fürs Leben. Sie beschließt, sich mit ihrer Expertise in Afrika einzubringen.

Ein neues Leben und Arbeiten:

Zwei Monate später ist sie Projektmanagerin an einer Schule in Namibia: „An die Weite und Stille musste ich mich gewöhnen. Bis zum nächsten Brief kasten waren es 50 Kilometer. Später in Simbabwe habe ich gegen die Löwen nachts Steine vor die Tür gelegt.“ Freunde und Familie in Deutschland sind besorgt – sie selbst dagegen erfüllt von ihrer Aufgabe.

Plötzliche Selbstzweifel:

Das Unverständnis im Umfeld wächst, als die Sozialpädagogin 2012 ungeplant schwanger wird. In Simbabwe betreut sie zu der Zeit eine Hilfsorganisation für Straßenkinder. „Ich fragte mich, ob ich dieses Leben weiterführen könnte oder zurück nach Deutschland müsste, um dem Mutterbild der Gesellschaft zu entsprechen“, erinnert sich die 43-Jährige. Drei Monate nach der Geburt von Sohn Simba reist sie mit dem Kleinen zu einer Konferenz in Kapstadt und weiß: Sie wird es hinbekommen.

Die Rückkehr:

Nach fast zehn Jahren in Afrika kehrt Melanie Assauer 2017 doch zurück. Ihr Sohn soll Deutsch an der Grundschule lernen. Sie selbst will nicht immer nur ein einzelnes Projekt unterstützen, sondern global helfen. Seither arbeitet sie für die Kinderhilfsorganisation World Vision, unterstützt in Ländern wie Bangladesch und Äthiopien nach Katastrophen: „Ich bin oft mehrere Wochen unterwegs. Mein Sohn freut sich, dass er dann bei der Oma die Schule besucht.“

Was die Zukunft bringt:

„Ich würde meinen Weg wieder so gehen, sei er noch so unkonventionell. Ich mache meine Arbeit aus Überzeugung. Und solange ich meinen Sohn ausgeglichen und glücklich weiß, ist mir das Gerede von anderen egal. Ich habe jetzt ein Nest gebaut, aber irgendwann werde ich weiterf liegen. Ich bin definitiv ein Zugvogel.“

Wenn es brennt, ist Melanie Assauer da – wie hier im Juli dieses Jahres auf Feldern im Kongo, die nach einem Vulkanausbruch durch Lava zerstört wurden.

Helfen von zu Hause

Eine Aufgabe mit Sinn im Ausland – klingt verlockend. Aber: „Sich täglich mit der Not anderer zu beschäftigen geht nicht spurlos an einem vorbei“, sagt Melanie Assauer. Patenschaften seien eine gute Alternative. Bei World Vision etwa kann man Kindern und deren Familien Hilfe zur Selbsthilfe zukommen lassen.

Aktuell werden so weltweit mehr als 3,4 Millionen Kinder unterstützt (nähere Infos unter world vision.de/abenteuer-patenschaft).

… ich steige doch in das Familienunternehmen ein

Anna Weber, 39, Co-Geschäftsführerin des Babyausstatters BabyOne

Eigentlich will Anna Weber nicht in dem Betrieb ihrer Eltern arbeiten. Deshalb fängt sie nach BWL-Studium und Promotion bei Vodafone im Personalbereich an. Auch ihre Geschwister entscheiden sich für andere Karrieren. Traurig seien ihre Eltern darüber nicht gewesen, „aber im Stillen haben sie sicher gehofft“.

Der Moment der Entscheidung:

Sie habe den Job geliebt und ihr ganzes Herzblut hineingesteckt, sagt Anna Weber über ihre alte Aufgabe. Doch als sie nach der Geburt ihres ersten Kindes aus der Elternzeit zurückkehrt, sind alle Projekte ausgesetzt, die sie angestoßen hat:

„Ich merkte, dass ich ein sehr kleines Rädchen in einem riesigen Konzern war, habe aber den Antrieb, Dinge zu verändern und besser zu machen.“ Im mittelständischen Familienbetrieb ginge das, aber es würde auch eine komplett neue Branche bedeuten.

Ein gemeinsamer Neuanfang:

Nach der zweiten Elternzeit ist sich Anna Weber sicher. Was hilft: „Mein Bruder war zu der Zeit in einer ähnlichen Lebensphase. Die Geschäfte gemeinsam zu führen ist das Beste, was uns passieren konnte“, sagt sie rückblickend. Nach zwei Jahren Einarbeitung übernehmen die beiden 2019 die Leitung. Seitdem kümmert sich Anna Weber um Marketing, Retail, E-Commerce und Personal. Ihr Bruder, früher Rechtsanwalt, verantwortet Einkauf, Finanzen, IT und Recht.

Die Vor- und Nachteile:

„Wenn du jemanden sehr gut kennst, weißt du, wo seine Stärken liegen und wie du ihn verletzen oder ärgern kannst. Mein Bruder und ich haben vereinbart, dass wir abends niemals sauer auf den anderen ins Bett gehen, sondern uns dann noch mal anrufen, um zu klären, was an dem Tag falsch gelaufen ist.“

Das Leben nicht verplanen:

„Den eigenen Weg zu finden ist wichtig. Doch es ist jederzeit möglich und auch okay, wieder abzubiegen, Pläne zu hinterfragen und sie an Lebensphasen anzupassen. Man darf keine Angst vor Heraus forderungen haben, einarbeiten kann man sich in wirklich jeden Themenbereich. Und den einen perfekten Lebenslauf – den gibt es heute sowieso nicht mehr.“

FOTO: HANNA WITTE