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DER MYSTERIÖSE ALPINA VON BLACKY FUCHSBERGER


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 18/2022 vom 05.05.2022

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Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 18/2022

Dekorstreifen, Heck-und Frontspoiler ? sieht alles aus wie beim 1974 eingeführten Alpina B2S auf Basis des BMW 525. Aber in Wahrheit ist dieses Auto ein Versuchsträger ...

ALS HARALD KOLLER vor vier Jahren über einen Oldtimer-Markt in Süddeutschland schlendert, stutzt er. Dort steht, mit handgemaltem Verkaufsschild („Bei Interesse Zettel einwerfen“), ein schwarzer Alpina. Drumherum eine kleine Menschentraube. „Der Besitzer argumentierte um sein Leben“, sagt Koller heute. Denn die Leute zweifeln an dem, was der ältere Herr dort anpreist: einen BMW Alpina von 1974, ein angebliches Einzelstück. Erstbesitzer Alpina-Gründer Burkard Bovensiepen. Zweitbesitzer TV- Star Joachim „Blacky“ Fuchsberger. Drittbesitzer der ältere Herr, der ihn 42 Jahre lang hegte, pflegte – und nun altersbedingt an einen Liebhaber abgeben will.

Koller greift zu. Und recherchiert. Heute weiß der BMW-Fan aus der Nähe von Salzburg, dass er in seiner Oldtimer-Garage etwas ganz Besonderes stehen hat. Und zwar keinen Alpina B2S, wie es auf dem Heck steht und wie ...

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... er damals serienmäßig als Exportmodell verkauft wird. Sondern einen Prototyp, nur einmal gebaut. Einst mit Geheimmotor ausgestattet. „Das Auto war ein Versuchsträger von Bovensiepen“, sagt Koller. Und das kam so:

BMW liefert den Wagen im Dezember 1974 an Bovensiepen aus. Als gewöhnlichen 525 der Serie E12, dem ersten Fünfer und Nachfolger der „Neuen Klasse“. Koller hat noch den Lieferschein. 145 PS, 2,5-Liter-Sechszylinder, Gürtelreifen, zweistufiger Scheibenwischer – und „Zigarrenanzünder“, so heißt das damals noch. Kaum Sonderzubehör (Automatikgurte im Fond, Verbandskasten, Warndreieck). Lackfarbe Schwarz, schwarze Polster, alles sehr dezent.

Doch dann nimmt sich Bovensiepen des Autos an. Modifiziert alle möglichen Teile, baut Spoiler an und einen Versuchsmotor ein. „Vermutlich einen Vorläufer des Turbo“, sagt Koller.

Kurze Zeit später möchte „Blacky“ Fuchsberger einen Alpina bestellen. Weil Bovensiepen aber nicht liefern kann, verkauft er dem TV-Star seinen Versuchsträger. „Gebraucht wie besichtigt unter Ausschluß jeder Gewährleistung“ steht auf dem Lieferschein. Und als Typ: BMW 525 Alpina. Bovensiepen ist damals noch Tuner, selbst zum Hersteller wird er erst 1978.

Bereits 1976 gibt Fuchsberger den Wagen weiter. An den Drittbesitzer, einen Tankstellenpächter aus München. Alpina-Chef Bovensiepen stellt den Kontakt her. Er kennt den Tankstellenmann.

Eine Probefahrt gestattet Fuchsberger dem Käufer nicht. Und „Blacky“ sagt, es brauche noch ein paar Tage, bis er den Wagen übergeben könne. Der mutmaßliche Grund für beides: Erst einmal muss ein neuer, serienmäßiger Motor rein.

Was genau vorher dringesteckt hat, weiß Harald Koller bis heute nicht. „Das hat mir Alpina nicht verraten“, sagt er.

Fortan ist der Prototyp jedenfalls mit einem Dreilitermotor mit offiziell 230 PS unterwegs, dem Serienmotor des Alpina B2. Allerdings kommen in diesem Fall noch unzählige konstruktive Veränderungen hinzu. „Das Auto ist kein klassischer Umbau jener Zeit“, sagt Koller. Und gerät ins Schwärmen: „Er hat eine verstärkte Kupplung aus dem BMW E3 3.0 Si, das Alpina-Sportgetriebe mit fünf Gängen, der erste Gang ist hinten, sehen Sie?“ Er wirft den Motor an, es rumpelt. „Die Rennsport-Schmiedekolben sind im Kaltlauf laut und werden bei Betriebstemperatur leiser.“

Koller könnte auch noch etwas über das erweiterte Kühlerpaket mit dem mehrblättrigen Lüfterrad, die Solex-Rennsport-Doppelvergaser oder das höhenverstellbare Fahrwerk erzählen – und macht es auch, während seine Augen leuchten. „Die Hinterachse stammt aus dem E9, daher sind die Antriebswellen gekürzt.“ Zu erwähnen wären auch noch der Alpina-Krümmer, das Alpina-Hosenrohr und die Alpina-Abgasanlage.

Jedenfalls: Bis heute hat der Wagen erst 146 000 Kilometer runter. „Inklusive der etwa 50 000 Kilometer, die Fuchsberger mit dem ersten Motor gefahren ist“, sagt Koller.

Derzeit überlegt er, ob er den Wagen wieder in den Originalzustand zurückversetzt. Also nicht den Motor, aber rein äußerlich. Der Tankstellenbetreiber hat ihn nämlich nachträglich optisch getunt. „Erst hat er ihn in Schwarzmetallic lackieren lassen. Dann den Heckund Frontspoiler vom B7 angebaut.“ Alpina versprach damals ein Geschwindigkeits-Plus von 5 km/h dadurch. Und einen geringeren Spritverbrauch. Über Letzteres kann Koller nur schmunzeln. „Wenn man den richtig schnell fährt, verbraucht er 30 Liter.“

Auch der B2S-Schriftzug wurde nachträglich angebracht. Und selbst andere Dekorstreifen ließ der Drittbesitzer aufkleben. „Von Hand ausgeschnitten, man sieht das an den Kanten“, sagt Koller und zeigt auf die nicht ganz perfekte Folierung. „Aber alles bei Alpina gemacht.“

Den ursprünglichen Frontspoiler hat ihm Alpina inzwischen geschickt, eine Einzelanfertigung. Das moderne Radio hat Koller bereits gegen ein zeitgenössisches BMW Bavaria S getauscht. Und im Motorraum hat er eine optimierte Airbox eingebaut, jetzt leistet das Auto 249 PS, so hat es die Prüfstandsmessung ergeben. Noch im ungereinigten Originalzustand befindet sich der Aschenbecher. „Vermutlich sind da noch die Überreste von Fuchsbergers Zigarettenasche drin“, sagt Koller.

Joachim Karl „Blacky“ Fuchsberger ist 2014 mit 87 Jahren in München-Grünwald gestorben. Seine Witwe Gundula lebt bis heute. Koller hat sie angeschrieben, bislang aber keine Antwort erhalten.

PS: Ein Tuning-Teil hat Harald Koller übrigens gleich nach dem Kauf eigenhändig zurückgebaut. „Der Vorbesitzer hatte ein Hufeisen am Kühlergrill montiert.“ Vermutlich von einem Rennpferd.