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Der nächste Kahlschlag für das Klima


neue energie - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 03.09.2019

Rodungen, Schädlinge, Stürme, Brände – Klimawandel und intensive Nutzung haben viele Wälder an den Rand des Zusammenbruchs gebracht, auch in Deutschland. Soll ihre Funktion als Lunge und Treibhausgas-Speicher der Erde erhalten bleiben, müssen rasch Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Sonst verliert die Menschheit eine ihrer wichtigsten Existenzgrundlagen – und einen uralten Sehnsuchtsort.


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Bildquelle: neue energie, Ausgabe 9/2019

Besuch im Krisengebiet: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner Ende Juli bei einem Rundgang durch besonders brandgefährdete Wälder bei Treuenbrietzen in Brandenburg.


Holz ist ein einsilbiges Wort, aber dahinter ...

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... verbergen sich viele Märchen und Wunder“, lautet ein vom ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss überliefertes Zitat. Doch dieses Wunder ist akut bedroht. Seit Monaten warnen Förster, dass ein Großteil der Bäume ihre Blätter oder Nadeln abwerfen, die Kronen immer lichter werden.

Das kann dramatische Folgen haben: Wälder wirken ausgleichend auf den globalen Stoffwechsel, dienen als Filter für Schadstoffe, Lärm und Staub – und bieten Lebensraum für viele, auch seltene Tiere und Pflanzen. In mitteleuropäischen Buchenwäldern finden sich 4300 Pflanzenund Pilzarten sowie über 6700 Tierarten, in Tropenwäldern zwei Drittel aller bekannten Tier und Pflanzenarten. Der Wald schützt vor Naturgefahren wie Steinschlag, Erosionen oder Lawinen und verhindert Überflutungen, da Bäume und Boden Wasser aufnehmen und zurückhalten. Dabei wird es gereinigt, gespeichert und in qualitativ hochwertiges Trinkwasser umgewandelt.

Zugleich verdunstet ein Baum durchschnittlich 400 Liter Wasser pro Tag, was Einfluss auf die lokale Temperatur und Luftfeuchtigkeit hat. Wälder sind zudem die wichtigsten Sauerstoffproduzenten. Ein ausgewachsener Baum liefert jeden Tag genug für mindestens 15 Menschen. Wälder fangen Kohlendioxid aus der Atmosphäre und speichern es in Stämmen, Wurzeln und Boden. Sie stellen eine wirksame Senke für CO2 dar und beeinflussen das Klima – global, regional und lokal.

Es heißt, die Deutschen hätten ein besonders inniges Verhältnis zum Wald. In der Romantik wurde er von Künstlern verklärt, bis heute gilt das dichte Grün als emotionaler Rückzugsort. Davon zeugen unzählige Gedichte und Sprichwörter. In seiner Dissertation zur Ideengeschichte des Deutschen Waldes zeigt der Historiker Johannes Zechner, dass um 1800 der Wald zum deutschen Ideal des Natürlichen wurde als Gegensatz zur städtischen Zivilisation Frankreichs, parallel zum Entstehen des deutschen Nationalbewusstseins.

Zugleich war der Wald aber schon immer auch ein Wirtschaftsfaktor und Rohstofflieferant unter Aufsicht von Forstverwaltungen. Das Bundeswaldgesetz regelt gesetzliche Mindeststandards für die Bewirtschaftung.

Welche Bedeutung der Wirtschaftszweig hat, zeigen Zahlen der Bundeswaldinventur 2012: Mehr als ein Drittel der Bundesfläche ist mit Wald bedeckt, elf Millionen Hektar mit über 90 Milliarden Bäumen. Etwa die Hälfte der Wälder ist in Privatbesitz. Fast eine Million Menschen, mehr als in der Automobilindustrie, arbeiten hierzulande in der Forst und Holzwirtschaft, die zusammen jährlich einen Umsatz von über 120 Milliarden Euro erwirtschaften.

Und das könnte sich noch steigern. Weil Holz als nachwachsender Rohstoff klimaneutral ist, bei der Verbrennung nur so viel Kohlendioxid freisetzt, wie zuvor gebunden wurde, spielt es eine immer wichtigere Rolle als Baumaterial oder beim Heizen (siehe Seite 38). Laut Thünen-Institut sind Deutschlands Kohlenstoffvorräte auf einen neuen Rekord gestiegen, in lebender Biomasse und Totholz seien über 1,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert.

Doch diese natürlichen Reservoire sind bedroht. Orkanartige Stürme wie Xavier, Herwart und Friederike wie auch die sehr lange Trockenphase in diesem und dem vergangenen Jahr haben erschreckende Spuren in Deutschlands Wäldern hinterlassen. Der Grundwasserspiegel ist vielerorts so weit gesunken, dass die Baumwurzeln nicht genug Wasser ziehen können. Bei Dürre verschließen sich die Poren auf Blättern und Nadeln. Doch über diese Kanäle nimmt der Baum auch CO2 auf und reguliert den Wasserund Nährstofftransport. Sind sie geschlossen, fehlt dem Baum der Grundstoff für die Photosynthese.

Die Folge: Er wirft einen Großteil seiner Blätter ab – fehlen über 25 Prozent des Laubs, können Bäume ihre Schäden nicht mehr gut regenerieren, fehlen mehr als 60 Prozent, kommt das einem Todesurteil gleich. Heftige, aber kurze Regengüsse, wie sie immer häufiger auftreten, können daran nichts ändern. Einmal geschwächt, steigt die Anfälligkeit der Bäume für Krankheiten und Schädlinge. Die Esche ist durch das Eschentriebsterben, einen Pilz aus Asien, in Mitleidenschaft gezogen. Der Eichenprozessionsspinner vermehrt sich in den letzten Jahren stark. Nicht zuletzt in städtischen Parks sorgen die giftigen Härchen der Raupen für Ärger. Im Frühjahr rückte deshalb im Unesco-Welterbe „Gartenreich Wörlitz“ (Sachsen-Anhalt) ein Hubschrauber aus, um Biozide zu versprühen.

Gesundheitsgefahr: Die Härchen des Eichenprozessionsspinners enthalten ein Nesselgift, das bei Menschen Atembeschwerden und juckende Hautentzündungen verursacht.


Auch Borkenkäfer-Populationen wachsen explosionsartig und zerstören dabei massenhaft Fichten. Die Larven fressen sich durch die Stammschichten und unterbrechen den Nährstofftransport von der Wurzel in die Krone. Ein gesunder Baum kann sich gegen einige wenige Borkenkäfer wehren, indem er mehr Harz produziert. Bei geschwächten Bäumen, zu vielen Käfern und vor allem fehlender Feuchtigkeit funktioniert das nicht mehr.

Laut Bundeslandwirtschaftsministerium sind 2018 über 32 Millionen Kubikmeter „Kalamitätsholz“ angefallen, kranke und beschädigte Bäume. 120 000 Hektar Wald in Deutschland sollen laut Bund Deutscher Forstleute (BDF) mittlerweile abgestorben seien, gut ein Prozent der gesamten Waldfläche. „Von Mecklenburg über den Harz ins Sauerland bis zur Schwäbischen Alb sieht man sterbende Bäume aller Art. Sowohl in Nationalparken und normal bewirtschafteten Wäldern. Fichten, Kiefern, Buchen, Eichen – alle wesentlichen Baumarten sind betroffen“, sagt BDF-Vorstand Ulrich Dohle. Es sei eine nationale Katastrophe. Vor allem die Wälder im Norden und Osten würden vertrocknen.

Zusätzlich hat die Dürre das Brandrisiko deutlich erhöht. Während 2017 das Jahr mit den wenigsten Waldbränden seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen 1977 war, gehört 2018 zu den Rekordhaltern. Beim größten Waldbrand in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns Ende Juni 2019 auf dem Truppenübungsplatz bei Lübtheen waren über 3000 Feuerwehrleute eine Woche lang pausenlos im Einsatz, um die Flammen zu bekämpfen.

Rund 80 Prozent der deutschen Wälder sind angegriffen, mehr als in den 1980er Jahren. In der Zeit des großen „Waldsterbens“ nahmen die Schäden so dramatisch zu, dass Forscher und Umweltschützer vor einer flächendeckenden Entwaldung warnten. Ursache waren Schadstoffe aus Industrie und Verkehr, durch die sich saurer Regen bildete, der den pH-Wert im Boden veränderte.

Schweres Gerät: Mit Räumpanzern haben Soldaten Anfang Juli die Feuerwehr beim Kampf gegen den Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lübtheen unterstützt.


Damals leitete die Politik schnell wirksame Gegenmaßnahmen ein. Durch den Einbau von Filtern in Kraftwerken wurden die Emissionen von Schwefel und Stickstoff reduziert, bei Autos Katalysatoren und bleifreies Benzin verpflichtend eingeführt. Auch der Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft trug dazu bei, dass die Luft sauberer wurde. Ganz beseitigt ist das Problem allerdings noch nicht. Bis heute wird der Wald massiv gekalkt, um die Säure im Boden zu neutralisieren.

Das deutsche Wort Waldsterben wurde damals zu einem international geläufigen Begriff. Ende Juli warnte der Naturschutzverband BUND nun vor einem „Waldsterben 2.0“. Die globale Erwärmung verändere das Ökosystem grundlegend, weltweit seien die Wälder in Gefahr. In Schweden wüteten 2018 wochenlang Wald und Moorbrände, das seit jeher von Bränden geplagte Kalifornien erlebte die schlimmsten Feuer seiner Geschichte. Dieses Jahr brennt es in Sibirien und Alaska ungewöhnlich lang, fast drei Millionen Hektar Wald sind bereits vernichtet. Und die Feuer am Amazonas haben inzwischen ein so verheerendes Ausmaß angenommen, dass ihre Bekämpfung sogar Thema beim G7-Gipfel Ende August im französischen Biarritz war.

Wo es nicht die Erderwärmung ist, betreibt der Mensch Raubbau und Zerstörung. 2018 wurden rund zwölf Millionen Hektar Tropenwälder durch Waldbrände, aber eben auch Rodungen, zerstört. Daten der Universität Maryland und Global Forest Watch zeigen, dass jede Minute 30 Fußballfelder Wald verloren gingen. Die Abholzung von 3,6 Millionen Hektar Primärregenwald fällt besonders ins Gewicht, da die teils hunderte Jahre alten Bäume mehr Kohlenstoff speichern als jüngere.

Doch die Urwaldgebiete am Amazonas werden weiterhin großflächig für Sojaplantagen und Rinderfarmen umfunktioniert. Brasiliens Präsident Bolsonaro hatte bei seinem Amtsantritt angekündigt, keine neuen Schutzgebiete auszuweisen, sondern mehr Rodungen zuzulassen (neue energie 05/2019). Offiziell verspricht er zwar, die illegale Abholzung abzuschaffen und wieder aufzuforsten – doch das Gegenteil ist bislang der Fall.

In den letzten 50 Jahren sollen etwa 17 Prozent des ursprünglichen Amazonas walds verschwunden sein. Laut einem amerikanisch brasilianischen Forscherteam, könnte die 20-prozentige Entwaldung des Amazonas-Gebiets an einen Kipppunkt führen. Dann würde sich eine gewaltige Savanne ausbreiten und Milliarden Tonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre freisetzen – was die Erderwärmung verstärken würde.

Es wird deutlich: Obwohl neu angelegte Wälder CO2-Senken sein könnten, schrumpft der globale Bestand. Anfang August wurde im Sonderbericht des Weltklimarats IPCC zur Landnutzung auf die schwindenden Wälder und Moore hingewiesen, gleichzeitig ihre Bedeutung beim Stopp der Erderwärmung unterstrichen (siehe Seite 23). Es gilt also, auf international höchster politischer Ebene voranzukommen. Auch in Deutschland, wo die Wälder laut dem Öko-Institut bei ökologischer Bewirtschaftung bis zu 48 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr binden könnten, zwei Drittel weniger bei konventioneller Nutzung (neue energie 04/2018). Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) forderte deshalb im Juli eine CO2-Abgabe als „Honorierung der Klimaschutzfunktion“ der Wälder. Für sie bedeutet das derzeitige Baumsterben letztlich riesige Vermögensverluste.

Das kaputte Holz muss möglichst schnell aus dem Wald verschwinden, damit sich Schädlinge nicht weiter ausbreiten und die Brandgefahr nicht steigt. Allein der Abtransport könnte nach Schätzung der AGDW über zwei Milliarden Euro kosten. Wobei angesichts der vielen maroden Bäume der Holzpreis in Mitteleuropa so stark gesunken ist, dass die Kosten für das Fällen kaum gedeckt sind – und schon gar nicht für das Nachpflanzen.

Die Warnungen der Förster und Forderungen der Umweltorganisationen werden lauter: Der BDF hat den Klimanotstand für den Wald ausgerufen. Greenpeace fordert eine „Waldwende“. Der BUND will mit einem Zehn-Punkte-Plan für mehr Mischwälder sorgen. Der Nabu Hessen schlug die Einrichtung von acht großen Klimaschutzwäldern im hessischen Staatswald vor. Und die unionsgeführten Forstressorts wünschen sich einen „Masterplan für Deutschlands Wälder“. Ihre „Strategien gegen das drohende Waldsterben“: nachhaltige Bewirtschaftung, Waldumbau, Forschung und Aufklärung von Waldbesuchern über die nötigen Maßnahmen.

Auch die Bundesregierung hat den Ernst der Lage erkannt. Anfang Juli forderte Agrarministerin Klöckner das „Mehrere-Millionen Bäume-Programm“. Über 1,5 Milliarden Euro müssen demnach in den kommenden Jahren für Aufforstung und Klimaanpassung aus dem Energie und Klimafonds (EKF) aufgebracht werden. Am 25. September will Klöckner einen nationalen Krisengipfel einberufen, mit den Landesforstministern, Verbänden und Wissenschaftlern.

Fünf Tage vor dem Waldgipfel soll das Klimakabinett tagen, wo es um das Klimaschutzgesetz, den Erneuerbaren-Ausbau und die CO2-Bepreisung gehen wird, alles Mittel, die helfen könnten, den Wald zu retten – über den ebenfalls diskutiert werden soll. Das hat Kanzlerin Merkel vor der parlamentarischen Sommerpause in der Bundespressekonferenz angekündigt.

Auch in ihrem Video-Podcast war zu hören, dass es um eine langfristige Anpassung an den Klimawandel und zunehmende extreme Wetterereignisse gehe. Es bedürfe umweltschonender Bearbeitungsverfahren für Böden und resistenter Pflanzen, die besser auf den Klimawandel reagierten. „Dazu sind Forschung und Innovation wichtig“, so Merkel. Die Bundesregierung setze sich für eine nachhaltige Waldwirtschaft ein: „Deshalb werden wir gerade den Waldbauern auch in besonderer Weise unter die Arme greifen.“

Entwurzelt: Der Orkan Friederike hat Anfang 2018 in den Wäldern Mitteldeutschlands große Schäden angerichtet.


Beschlossene Sache ist bereits, die Waldeigentümer unter anderem über Steuererleichterungen zu fördern. Auch einen Waldklimafonds aus dem EKF zur Anpassung an den Klimawandel sowie Forschung und Monitoring gibt es seit 2013. Ende dieses Jahres soll nun ein Waldschadensbericht erstellt werden und die vierte Bundeswaldinventur im April 2021 starten.

Was wohl unvermeidlich sein wird: Der Wald muss umgebaut werden (siehe Seite 30 und Interview Seite 33). So gut wie alle deutschen Wälder werden mehr oder weniger intensiv bewirtschaftet. Ein zentrales politisches Ziel lautet dabei, dass bis 2020 fünf Prozent der Waldfläche aus der forstlichen Nutzung genommen und sich selbst überlassen werden soll. Das entspricht ziemlich genau dem, was die Grünen Anfang August mit ihrer „Urwaldoffensive“ forderten. „Fünf Prozent der Waldfläche wollen wir der Natur überlassen, sodass dort Natur wieder Natur sein kann, ohne menschliche Eingriffe“, sagte Grünen-Fraktionschefin Göring Eckardt. Bislang liegt der Anteil von Naturwäldern laut Bundesamt für Naturschutz lediglich bei 2,8 Prozent.

Vor allem in den Staatsforsten wurde bereits vor Jahren damit begonnen, die anfälligen Fichten-Monokulturen in stabilere Mischbestände umzubauen. Welche Baumarten mit Blick auf den Klimawandel geeignet sind, ist noch offen. Am besten wäre es, die globale Erwärmung so schnell wie möglich abzubremsen. Mitte August brachten die großen deutschen Umweltverbände ein gemeinsames Programm für mehr Klimaschutz heraus, in dem sie einen deutlichen Ausbau der Windkraft forderten – ohne Waldflächen einzubeziehen wird das kaum umsetzbar sein (siehe Seite 42).

Doch es gibt auch gute Nachrichten. Weltweit werden zwar riesige Flächen abgeholzt – aber gleichzeitig auch aufgeforstet, in zahlreichen geförderten Projekten und mittels privater Initiativen (siehe Seite 33). Angesichts der Dürren und Brände setzt bei immer mehr Menschen ein Bewusstseinswandel ein. Der Wald der Zukunft muss ein anderer, ein abwechslungsreicherer sein. Dabei zählt jeder Baum.


Fotos: Julian Stratenschulte, picture alliance / Carsten Koall

Fotos: imago / Blickwinkel, image / Michael Trammer

Foto: picture aliance / Klaus-Dietmar Gabbert