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DER NH90 IN DEN NIEDERLANDEN: » VOM PIONIERPROJEKT ZUM EINSATZHELI «


ROTORBLATT - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 05.02.2019

Als der Vertrag über 20 NH90 NFH im Jahr 2000 unterschrieben wurde, sollte es noch zehn Jahre dauern, bis die Niederlande als erstes NATO-Mitglied den Lynx-Nachfolger erhalten sollte. Die Maschinen waren zwar flugtauglich, aber noch lange nicht fit für den Einsatz.


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Bildquelle: ROTORBLATT, Ausgabe 1/2019

Um in den Niederlanden NH90- Pilot zu werden, beginnt man seine Laufb ahn exakt wie spätere Fighter Jet-Piloten: auf einer PC- 7. Das erste Mal mit einem Hubschrauber in Kontakt kommen die niederländischen Flugschüler übrigens in Deutschland: „Bückeburg ist eines der modernsten internationalen Ausbildungszentren für Hubschrauber”, erklärt ...

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... Captain Gerwin von der 860. Staff el Hollands. Anschließend kommen die Flugschüler zurück und beginnen ihr Type Rating für das Muster NH90 NFH (NATO Frigate Helicopter) in der Heimat.

So wohl organisiert und strukturiert die Ausbildung auch ist, die Einführung des NH90 NFH in den Niederlanden war alles andere als einfach und ist nach wie vor nicht vollständig abgeschlossen. Den NH90, der in Deutschland als Nachfolger der Bell UH1-D betrachtet wurde, verband man im globalen Gefüge mit der Idee von einem gemeinsamen NATO-Hubschrauber. Dies führte zu einer sehr engen Zusammenarbeit und auch heute noch sind die Niederlande zusammen mit Frankreich die Führungsnation bei diesem Projekt.

„Wir tauschen alle möglichen Daten aus, von der Wartung bis hin zu Verfahrensweisen, wie wir beispielsweise mit Sensoren umgehen, wie wir diese einstellen und wie man das Optimum aus dem Radar, das unter dem Hubschrauberrumpf vorne verbaut ist, herausbekommen kann”, sagt Commander Kleingeld. Auch mit Belgien arbeitet man eng zusammen, und zwar bei den Ersatzteilen – denn Belgien betreibt dieselbe N5-Version des NH90. Und das ist nur eines der Auswüchse, die das Projekt „NH90” für die beteiligten Länder mit sich brachte. Denn fast jedes Land hat die Basis des NH90 für die jeweiligen nationalen Einsatzzwecke für sich weiterentwickelt. Das führte beispielsweise zu einer großen Zahl unterschiedlicher Sensoren, die nun für den NH90 aus Deutschland, Frankreich oder auch Italien erhältlich sind. Jeder Sensor kann etwas anderes und alles wurde zum Schutz der eigenen nationalen Luft fahrtindustrie in Eigenregie entwickelt. Dabei spielte es auch keine Rolle, dass alle diese Industriepartner Teil des gemeinsamen NHIndustries-Konsortiums sind und demnach an einem Strang ziehen müssten. Die nationalen Interessen überwogen alles andere.

AUSTAUSCH DES LYNX-HUBSCHRAUBERS

Der Westland Lynx-Hubschrauber, der bis dahin der Royal Netherlands Navy treue Dienste geleistet hatte, wurde im Jahr 2010 ausgephast. Die ersten NH90, die damals vor neun Jahren geliefert wurden, waren lediglich MOC, das bedeutet „Meaningful Operational Capable” und man könnte es eigentlich eher mit „grundsätzlich flugbereit” umschreiben. Denn die Einsatzausstattung war nicht vollständig vorhanden oder gar entwickelt. Jeder Staat macht seine Sache selbst. Wobei sich das Rad der Zeit unermüdlich weiterdreht und einige Features mussten im Rahmen von Retrofit-Programmen aufwändig nachgerüstet werden, um die Maschinen überhaupt auf den Stand zu bringen, der zehn Jahre zuvor bei Vertragsunterzeichnung vereinbart worden war.

Die Niederlande entschieden sich, den Hubschrauber dennoch einzuführen, „um frühstmöglich Erfahrungen zu sammeln, auch mit dem Wissen, dass sowas Konsequenzen haben kann”, beschreibt Gerwin die Situation.

Eine dieser Konsequenzen war Korrosion. Die Einsätze über dem off enen Meer, der Hochsee – es gibt keine stressvollere Einsatzumgebung für die hochsensible Hubschraubertechnik. Und die Niederlande waren auch das erste Betreiberland überhaupt, das einen NH90 für einen langen Zeitraum an Bord eines Schiff es stationierte.

Diese Herausforderungen liegen inzwischen hinter den holländischen NH90. Das Rostproblem ist gelöst und ebenso steigen nun die Flugstunden schneller an und der Klarstand der Maschinen verbessert sich kontinuierlich. Um dort hinzukommen, waren immer wieder strikte Entscheidungen der Maintenancer notwendig, die oft mals einen Flug untersagten und unzählige Anrufe und Nachfragen beim Hersteller NHIndustries zur Folge hatten. „Wir wissen nun ganz genau, wie wir den Hubschrauber behandeln müssen, was wir beim Betrieb beachten müssen und vor allem, wie wir Korrosion vermeiden können”, erklärt Captain Th ijs.

Die N5-Variante, die die Niederlande angeschafft hat, wird in zwei verschiedenen Einsatzrollen verwendet. Zwölf NH90 sind als NFH ausgerüstet. Sie tragen alle Systeme an Bord, die für den maritimen Einsatz und das Kampfgeschehen auf hoher See notwendig sind. Acht weitere Helikopter fliegen in der TNFH-Variante. Diese taktische Transportversion fliegt sowohl über See als auch über Land. Das Sonar ist hier entfernt, ebenso die Kontrollstation dafür. Stattdessen erhielt diese Variante ein Warn- und Abwehrsystem gegen anfliegende Flugkörper, unterm Strich ergab sich jedoch eine Gewichtsersparnis. Je nach Einsatzszenario kann der NH90 auch in eine Amphibienversion umgerüstet oder für den Kampfeinsatz auf See ausgestattet werden. Diese Vielfältigkeit geht in Bezug auf die Kampff ähigkeit über die Möglichkeiten des Vorgängers Lynx hinaus. „Wir fliegen Einsätze in der Seeaufklärung, schützen See-Handelsrouten und führen Anti-Pirateneinsätze durch. Wir sind in der Lage, auch gegen U-Boote und Drogenschmuggel vorzugehen, übernehmen SAR-Einsätze und transportieren interne und externe Lasten sowie Truppen. Es ist ein sehr vielseitiger Hubschrauber, die Einzigartigkeit liegt aber klar in seinen Kampfmöglichkeiten”, resumiert Kleingeld.

HILFE IN DER NOT

Wie einsatzfähig der NH90 in Katastrophenfällen ist, zeigte sich im Herbst 2017, als der Hurrikan Irma die niederländische Insel Sint Maarten in der Karibik traf. „Unser Schiff war 100 Meilen weiter südlich auf See und wir flogen nachmittags, um die Lage vor Ort mit einem speziellen Kamerasystem zu dokumentieren. Auf Basis unserer Bilder wurde dann eine exakt auf den Bedarf abgestimmte internationale Hilfsaktion gestartet. Ein Zeichen dafür, dass man etwas bewegen kann. In weiteren Einsätzen flog die Crew Medikamente, Lebensmittel und vor allem Wasser auf die Insel. Weitere Flüge fanden bei Nacht statt. „Es kam zu vermehrten Fällen von Plünderungen. Wir waren vor Ort und haben unsere Suchlichter und Sensoren dafür eingesetzt, die Lage zu beruhigen und aus der Luft für Sicherheit zu sorgen. Es war auch einfach das Gefühl, dass die Einwohner spüren, dass sie sicher sind und dass sich jemand um sie kümmert”, erklärt Th ijs.

In der Karibik sind Drogen nach wie vor ein Problem und hier übernimmt der NH90 ebenso eine führende Rolle. „Mit unseren Sensoren können wir eine sehr große Fläche auf dem Wasser scannen und mit der Reichweite des NH90 können wir sogar ausgemachte Ziele anfliegen und aus der Luft aufk lären. Darin sind wir sogar den US-Maschinen voraus. Wir fliegen eine Menge Seeaufk lärung und wir haben auch keine abwartende Haltung in dieser Sache. Es sind diese drei Dinge, die den NH90 über Wasser unschlagbar machen: Das Schiff als Homebase und schwimmendes Helipad, der kampfb ereite Hubschrauber selbst und das Boarding Team, welches sich im Fall von Drogenschmuggel auch abseilt und direkt an Bord eingreift “, sagt Kleinfeld weiter.

MID-LIFE UPDATE

Er betrachtet den NH90 auch in der fernen Zukunft: „Der NH90 wird niemals vollständig entwickelt sein. Dafür ist das Tempo moderner Technologien viel zu hoch. Intern gehen wir von einem Mid-Life Update für den NH90, wie wir ihn heute betreiben, im Jahr 2025 aus.Wir müssen bereits jetzt nachdenken und anfangen zu planen. Wir müssen schauen, ob wir weitere Länder ins Boot holen können, um die Kosten zu reduzieren. Es ist ein sehr langer Prozess mit der Industrie, denn es muss ja alles erst entwickelt und gebaut werden. Die Niederlande und Belgien sind bereits vorne mit dabei. Wir wollen schauen, ob wir auch Deutschland, Norwegen, Frankreich und Italien mobilisieren können, um eine Art Block-Upgrade für den NH90 zu arrangieren, um diesen Hubschraubertyp auch jenseits des Jahres 2025 für künft ige Einsätze mit neuster Technologie fit zu halten.” Der NH90 hatte zweifelsfrei keinen einfachen Start in den Niederlanden. Aber nach den typischen „Schluckaufs” jeder Anfangsphase, zeigt der Hubschrauber nun jeden Tag, was er kann und wofür er gebaut wurde.