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Der phantastische OLED-Gigant


video - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 04.10.2019

Sobald echte Ultra-HD-Auflösung ins Spiel kommt, kann ein Bildschirm kaum groß genug sein. Man muss erstaunlich nah an jedes TV-Gerät treten, um wirklich alle Bilddetails genießen zu können. Die auf den ersten Blick gigantischen 77-Zoll OLED-TVs bieten dann unvergessliche Filmerlebnisse.


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Bildquelle: video, Ausgabe 11/2019

Dies ist die absolute Luxusklasse der Fernsehtechnik. Fast zwei Meter Bilddiagonale in feinster OLED-Technik mit unglaublich satten lokalen Kontrasten und echten DCI-Kinofarben. Allerdings berechnet LG für nur 12 Zoll mehr Bilddiagonale im Vergleich zum 65er sofort dessen 2,3-fachen Preis. Wer nachmisst, kommt dabei ...

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... immerhin auf stolze 40% mehr Bildfläche – und im direkten Vergleich unseres Screeningraums wirken sonst sehr hochwertige 65-Zöller eher unscheinbar. Es ist halt doch die Größe, die zählt – neben der Technik: Mehr Bildfeld im Verhältnis zum Betrachtungsabstand erzeugt das, was man erhöhte Immersion nennt. Wie im Kino wird der Erlebnishorizont erweitert. Und da als Konkurrenz in dieser OLED-Bildgröße nur noch Sony mithält, sind die Preise anständig. Wer rein auf Größe steht, kann durchaus günstiger im LCDSegment punkten, doch für ein Spitzenmodell mit echtem lokalem Dimmen wie einen noch gigantischeren Samsung 8K QLED-TV muss man auch enorm tief in die Tasche greifen. Wer besonders nah an einen besonders großen TV herantritt, braucht allerdings zwei Attribute eines optimalen Bildes ganz unbedingt: einen großen Blickwinkel sowie exzellenten lokalen Kontrast. Aus der Nähe betrachtet sitzt man halt schon im großen Winkel zu den Bildecken. Und wenn etwas Pechschwarzes gleich neben Superhellem erscheinen soll, mindert das Übersprechen im menschlichen Auge nun weniger den Maximalkontrast.

Wir entdecken es dann aus der Nähe eher, wenn Schwarz nicht satt genug ist. Und dies ist ja – wie der verbesserte Blickwinkel – eine der großen Stärken von OLED. Also: Ist der Bildschirm größer, erkennen wir mehr Details und empfinden dazu noch mehr Kontrastumfang sowie letztendlich sattere Farben. Und selbst bei gut produziertem Full-HD, also nicht einmal 4K, passt dieses gigantische Bild für die meisten Wohnzimmer, nämlich drei bis vier Meter Sehabstand (siehe S. 32 Spalte außen).

Der LG OLED77C9PLA ist aber alles andere als einfach nur groß. Seit der koreanische HerstellerO rganischeL ichtE mittierendeD ioden als Paneltechnik etablierte, setzte er alles daran, seine TV-Geräte als Alleskönner zu gestalten – mit extrem viel Einsatz vor allem bei der Bildqualität und smarten Zusatzdiensten. So besitzen die modernen Displays eine besonders moderne Bedienung. Ein Mauszeiger huscht über den Schirm, wenn man die Fernbedienung in der Hand bewegt. Geübte Nutzer erreichen so eine deutlich höhere Bediengeschwindigkeit verglichen mit einem Navigationskreuz. Dennoch lassen sich die Menüs auch klassisch steuern, und der Handsender besitzt gar ein Zehnerfeld zur direkten Stationswahl. Ein Scrollrad, das auch als Eingabetaste fungiert, beschleunigt das Durchsuchen von (Sender-)Listen. Und das eingebaute Mikrofon eröffnet die Welt der Sprachsteuerung. Hier bietet LGs hauseigene Technologie ThinQ schon eine beachtliche Befehlsvielfalt, doch wenn sie auch nicht mehr weiter weiß, kommt sogar Googles Assistant ins Spiel. Und der saugt sich für alles einen klugen Spruch aus dem Netz oder lenkt sogar das kompatible Internetder-Dinge. Somit und über die OCF (Open Connectivity Foundation) wird also sogar das Smart Home eingebunden. Bei Amazons Alexa hört LG zu und reagiert auf einige Befehle.

Der geschwungene Standfuß wirkt für die nach unten feuernden Lautsprecher als Schallrutsche. So wird mehr Präzision erzielt.


Nicht sonderlich attraktiv, aber sie kann mehr als alle anderen und ist dabei äußerst griffig.


Optimale Einstellungen Bildmodus: isf ExperteBacklight: 80Kontrast: 92Helligkeit: 55Schärfe: 10Farbtiefe: 50Farbtemperatur: Warm2RGB-Gain: 4, 0, 0RGB-Offset: -5, -2, 0Gamma: BT.1886Farbumfang: Autom.


Empfohlener Sehabstand TV: 4,6 m /DVD: 4,1 mHD: 2,7 m /UHD: 1,5 m


Auch das größte OLED-Panel ist phänomenal dünn. Elektronik, Sound und sicherer Stand beanspruchen jedoch etwas Tiefe.


TV-Funktionen

Nebenbei ist der OLED77C9 auch ein guter Fernsehapparat. Er bietet zwei Tunerzüge für die vier verfügbaren Empfangsvarianten. Bei Satellit sind nicht nur DiSEqC und die Einkabellösung JESS, sondern sogar Motorsteuerungen und Blindscan möglich. Mit einer per USB angeschlossenen Festplatte zeichnet er Free-TV auf. Die vier HDMI-Eingänge sind laut Datenblatt in der Lage, die Variante 2.1 zu verarbeiten. Explizit sind die Vorzüge Variable Bildwiederholrate (VRR) und der ALLM, der Auto Low Latency Modus, durch den bei angeschlossenen Spielekonsolen automatisch der schneller reagierende Bildmodus eingeschaltet wird. Wie schon letztes Jahr wird HFR (High Frame Rate), also 120 Hz, über HDMI in Full-HD akzeptiert, über USB gar in 4K. Laut Datenblatt soll auch HDMI diesbezüglich aufgewertet werden, was den echten 2.1-Durchsatz mit erheblich erhöhter Bandbreite, also mehr Farbtiefe und weniger Subsampling in mehr Bildern pro Sekunde bedeuten würde. In Ermangelung einer passenden Quelle können wir dies noch nicht testen. Die drei USB-Anschlüsse werden ergänzt durch einen Kopfhörerausgang und den unvermeidlichen optischen Digitaltonausgang. Letzeren nutzen wohl sehr viele Anwender. Er bietet natürlich eine ordentliche Qualität und ist weit verbreitet, ist aber beschränkt auf ältere Tonformate. Dabei verarbeitet LG durchaus sogar 3D-Sounds in Dolby Atmos oder verlustfreie Blu-ray-Tonspuren. Über den Audio-Rückkanal von HDMI (ARC) gibt er diese beispielsweise an Soundbars oder AVReceiver weiter. Neben dem Kabelnetzwerk beherrscht der LG Bluetooth 5.0 und WLAN-ac und nimmt allerlei Verbindungen zu smarten Geräten auf, nicht nur zu Kopfhörern, Soundanlagen, Heimservern, Smartphones, Mäusen und Tastaturen. Hier gibt es jede Menge auszuprobieren.

Auch bei den klassischen TVApps lässt sich LG nicht lumpen. Alle von uns als wichtig erachteten Streamingdienste werden unterstützt, zuletzt kam Apple Airplay2 als Brücke zu den iGeräten hinzu. Die Bedienung wurde dabei etwas komfortabler gestaltet, indem jetzt die konfigurierbare Leiste der Apps am unteren Bildrand schlanker ist, dadurch mehr Auswahl sichtbar wird, und wie bei einem großen koreanischen Mitbewerber passende Inhalte in einer Zeile darüber erscheinen, wenn eine Quelle selektiert wurde. Dieses Jahr ist auch das Menü für die Schnellsteuerung auf die linke Seite gewandert und wir erfreuen uns immer wieder an den gut sortierten Einstellungen, die wir mit dem Mauszeiger der Magic Remote schnell im Griff haben. Übrigens: Wer bei LG schneller ins Einstellungsmenü gelangen will, drückt die Tools-Taste (Zahnrad) einfach etwas länger.

LG hat LG Channels, ein Zusatzangebot vieler internationaler „IPTV-Sender” zusammengestellt, die über eine Netzwerkverbindung gestreamt werden können.


Apps und Streaminginhalte gibt es bei LG en masse. Mit allen wichtigen Anbietern, sogar Sky und Google, gibt es Kooperationen.


Auch unser Labor nutzt die Software Calman für Farbmessungen und zur TV-Kalibration.


Bild-und Tonqualität

Jetzt haben wir bereits oft die Worte „faszinierend”, „fantastisch”, „immersiv” und „gewaltig” genutzt, aber genau das beschreibt das Erlebnis mit dem 77er OLED vom ersten Augenblick an. Dabei wird das Gerät im Sparmodus aufgesetzt, der für unsere Begriffe gerade Tunerbilder zu stark von Details befreit und glattbügelt. Durch die Übergröße fällt beispielsweise der Verlust an Feinzeichnung in entfernten Gesichtern deutlicher auf als auf 55-Zöllern. Das gilt für Full-HD und 720p-Sender. Bei noch schlechteren Quellen, wo Details echt nur aus Blockfehlern bestehen, ist die Weichzeichnung korrekt eingesetzt. Vielleicht ist LGs Prozessor „alpha 9 Gen.2” einfach noch zu jung, um deutsche TV-Programme zu kennen. Laut LG (und unserer Laboreinschätzung) ist er extrem leistungsfähig und seine Algorithmen wurden durch Deep Learning optimiert. Wenn man dem Mutterprogramm in Korea mehr TV-Material aus unserer Heimat zuspielt, könnte er sich also durchaus besser auf verschiedene Quellen ein stellen. Ein entsprechenes Firmwareupdate könnte die Qualität also noch verbessern. Da wir auch gerne analytisch sehen wollen, was die Sender liefern, bevorzugen wir den neutralen „isf-Experte”-Modus mit zurückgefahrenen Bildverbesserungen. Wir sehen und messen dann, dass hier das Panel nahezu das liefert, was die Studio-normen verlangen. Nicht umsonst werden OLEDs von LG auch in vielen professionellen Installationen als Korrekturmonitor genutzt. Hierzu sind die Geräte auch exzellent abstimmbar (siehe Kasten unten).

Besonders gut kalibrierbar

Damit ein TV-Gerät ein naturgetreues Bild produziert, müssen die digitalen Pegel der Filmdaten ganz bestimmte Helligkeiten und Farbzusammensetzungen auf dem Display erzeugen. Nicht nur eine Bildphilosophie des Herstellers, sondern auch die ganz gemeine Serienstreuung kann aber die Ergebnisse verfälschen – sie ändern sich sogar im Lebenszyklus eines Fernsehers. Immerhin handelt es sich letztendlich bei der elektrischen Erregung einer OLED-Zelle wie auch der Steuerung eines LCD-Ventils um analoge Vorgänge, die präzise abgeglichen werden müssen. Dieser Kalibration eines TV-Gerätes widmen wir beivideo viel Zeit und Energie, nicht zuletzt, indem wir in der isf (Imaging Science Foundation) organisiert sind. LG möchte gern in den Referenzmodi seiner OLED-TVs möglichst präzise Farben liefern und gibt dazu mehr Steueroptionen preis als jeder andere Hersteller. Man übergibt der professionellen Kalibra-tionssoftware Calman über Netzwerk (DDC, Direct Display Control) die Kontrolle über einfache Bildparameter, aber auch den 20-stufigen Abgleich von Gamma, RGB-Balance und Farbraum. Sogar eine einzigartige automatische Reprogrammierung des 33³ 3D-Lookuptables mit seinen fast 36.000 Stellpunkten ist möglich. Damit alles schneller und präziser vonstatten geht, hat LG jetzt auch einen Testbildgenerator in die TVs integriert, der vollautomatisch über Calman gesteuert werden kann. Ein Profi erzeugt so absolute Studioqualität.

Beim Thema HDR war LG starker Partner von Dolby, implementierte man doch als Erster Vision und Atmos. HDR10 war ja die Basis, die jetzt um eine gute Interpretation der statischen Metadaten erweitert wurde. Hybrid Log Gamma (HLG) kam auch sofort und sieht dieses Jahr besser aus denn je. Dann führte LG Advanced HDR von Technicolor ein, einen Standard, der kaum Verbreitung findet. HDR10+ wurde andererseits vom ärgsten Mitbewerber entwickelt und daher aus politischen Gründen erst einmal nicht eingebaut. Technisch wäre es das geringste Problem, aber man muss erst einmal abwarten, wie wichtig der Standard in Zukunft wird. Bei Netflixfilmen freuen wir uns jedenfa l ls immer über die „Vision+Atmos”-Anzeige, die 3DSounds und eine verbesserte HDRDurchzeichung verspricht.

Dass Atmos stets Tonkanäle beinhaltet, die von oben kommen, ist übrigens ein weit verbreitetes Missverständnis. Im Soundtrack sind vielmehr differenzierte Objekte enthalten, die am Ende präziser auf das jeweilige Soundsystem verteilt werden können. LGs TV besitzt hier erstaunlich dynamische und schnelle Stereolautsprecher mit hörbarer Bassunterstützung. Durch die Atmos-Schaltung werden sie normal, musikalischer oder in virtuellem Raumklang bespielt, was erstaunliche Atmosphären erschafft, solange man mittig sitzt. AI-Sound (es gibt auch AI-Bild) passt das Szenario automatisch der analysierten Tonquelle an, und OLED-Surround erschafft noch mehr Raum. Kombiniert ist für jeden eine passende Klangsynthese dabei – wenn man die Richtige findet.

Fazit

Besonders bei hochwertigen Ultra-HDTV-Geräten ist es die Größe, die über die Faszination entscheidet. 55 Zoll sind für 4K-Filme fast langweilig, 65 Zoll toll und 77 Zoll einfach der Hammer. Mehr geht bei OLED nicht.

Je größer der TV, desto schmaler der verhältnismäßige Rand. Passform und Gestaltung des Displayrahmens sind beim 77C9 hochwertig.


Riesen-OLED Die Form der Subpixel des 77ers unterscheidert sich stark von den 65-Zöllern. Natürlich haben beide eine weiße Zusatzfläche.


• = ja // – = nein *Abkürzungen für Smart-TV-Dienste: A=Amazon, Ap=Ampya, D=Deezer, G=Google, M=Maxdome, Mg=Magine, N=Netflix, R=Rakuten-TV, S=Sky, Sv=Save.TV, So=Sony E.N., Sp=Spotify, Vc=Videociety, Vl=Videoload, W=Webbrowser, Y=Youtube, Z=Zattoo

AUS DEM MESSLAB OR

Bildmessung HDTV Mit 300 Nits erscheint der 77er etwas schwächer als sein 65”-Bruder, jedoch bietet er 40% mehr Bildfläche. Die Abstimmung der Farben ist sehr gelungen, die Abweichung zur Studionorm ist mit gemittelten 1,2 vernachlässigbar.


Bildmessung HDR Die erreichbare Buntheit des LG umfasst mit 99% DCI nahezu alle Kinoproduktionen. Die Anpassung der Helligkeitskurve (EOTF), deren Messung hier deckungsgleich mit dem Soll ist, an Metadaten klappt gut.