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DER PODCAST-TORERO ERZÄHLT AUS DEM NÄHKÄSTCHEN: Die Erfolgsrezepte professioneller Trader


Traders - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 25.03.2021
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Bildquelle: Traders, Ausgabe 4/2021

Mit Stern* markierte Begriffe siehe Schlüsselkonzepte.

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Erfolgreiches Handeln an der Börse ist von außen betrachtet ein simples und ertragreiches Unterfangen. So wie der perfekte Schwung im Golf oder der mühelose Wurf von der Drei-Punkte- Linie im Basketball für den Beobachter so elegant wie selbstverständlich aussehen, so scheint auch der gewinnbringende Trade von außen fast eine Selbstverständlichkeit zu sein. Wenn wir aber einmal hinter die Kulissen schauen, ergibt sich ein anderes Bild – im Sport genauso wie im Trading. Denn was von außen betrachtet so einfach und entspannt wirkt, ...

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... ist in der Praxis das Ergebnis eines andauernden Lern- und Entwicklungsprozesses. Dem, was Unbeteiligten als Erfolg erscheint, gingen immer frustrierende Misserfolge voraus, und der von der Öffentlichkeit bewunderte Volltreffer ist nur deshalb möglich, weil zuvor eben auch ein tiefes Tal der Tränen durchschritten werden musste. Wie tief dieses Tal oftmals ist und wie es danach weiterging, kommt in den Gesprächen zwischen Kollegen im Torero-Trader-Insights-Podcast immer wieder zur Sprache.

Der Blick in den tiefen Abgrund

Markus Gabel gibt unumwunden zu, dass ihn der Weg zum erfolgreichen Trader zuerst an den Rand des Erträglichen und darüber hinaus führte. Erst nachdem es letztlich nicht mehr weiterging und wirklich alles verloren war, kam die Wende und mit ihr das Umdenken. Von Zero zu Hero, könnte man leichtfertig sagen – wenn es nicht so ernst wäre. Denn zuerst kommt eben doch oft genug der umgekehrte Weg – von Hero zu Zero. Und damit umzugehen ist umso schwerer, wenn das eigene Trading noch in den Kinderschuhen steckt.
So hatte Markus Gabel zwar viel Hingabe zum Trading entwickelt, gleichzeitig jedoch schaffte seine Leidenschaft mehr Leiden als Zufriedenheit. So sagt er über sich selbst in dieser Zeit: „Ich habe mich zu einem Menschen entwickelt, wo mir meine Frau damals gesagt hat: Du bist nicht mehr erträglich.“ Das allein aber war es nicht. Es musste erst noch tiefer gehen, bevor es aufwärts gehen konnte. An den Punkt, als alles verloren war, erinnert sich Markus Gabel noch ganz genau: „Und an dem Abend war ich so down und so kaputt.“ Er hatte „alles verloren. Alles. Ganz unten. Mich dann ins Auto gesetzt.“ Und er ergänzt: „Wir haben die Donau und wir haben auch einen Hafen da unten. […] Und dann stand ich da und hab so überlegt: Wenn ich jetzt hier mein Leben abschließe …“.
Auch Tobias Heitkötter wurde anfangs auf dem falschen Fuß erwischt. War der Beginn noch vielversprechend, als er das Handelskonto seines Bruders übernahm und dessen Regeln erfolgreich umsetzte, führte der Handel mit dem eigenen Konto zunächst einmal in die andere Richtung. So sagt Heitkötter selbst: „Ich habe danach wirklich links und rechts um die Ohren bekommen und mein hart erarbeitetes, erspartes Geld für die Mindestkapitalisierung war recht schnell bei einer Summe angekommen, wo ich dann nicht mehr in der Lage war zu handeln.“ Interessanterweise schließt er aber auch mit den Worten: „Das war ein Riesen-Aha-Erlebnis!“

Dass vor dem großen Crash auch gerne einmal der erste große Erfolg steht, erzählt Oliver Najjar. Er habe „in relativ kurzer Zeit sehr viel Geld verdient. Mit einem kleinen Konto – doch das habe ich relativ hoch gehandelt, auf weit über 70.000 Euro. Und habe, so wie sich das gehört, auch alles wieder verloren“. Wie sich das gehört? „Eben. Da habe ich leider keine Ausnahme dargestellt.“ Und tatsächlich blieb es nicht bei diesem einen Mal, wie Najjar unumwunden zugibt: „Wenig später habe ich ein kleines Konto aufgemacht und auch wieder relativ stark hoch gehandelt und auch wieder so, wie es sich gehört. Alles damals eingezahlt …“ Und dennoch sagt er: „Da war ich dann irgendwie angefixt von diesem Thema. Also ich habe gesehen, dass man Geld verdienen kann. Aber die Problematik bestand darin, dieses Geld zu halten.“
Auch André Stagge musste von seinen anfänglichen Gewinnen vor der Jahrtausendwende einiges wieder hergeben, wie er selbst sagt: „Ich habe dann vieles von den Gewinnen bis 2000 wieder abgegeben und bin dann so 2002, 2003 zum eigentlichen Trading gekommen.“

Was kommt nach dem Absturz?

Wer sich mit einer neuen Aufgabe, einer neuen Tätigkeit oder einem neuen Hobby beschäftigt, wird zwar mit großer Euphorie starten, nach anfänglichen Erfolgen aber auch schnell merken, dass die eigene Begeisterung immer wieder auf die Probe gestellt wird. Um das Beispiel Golf wieder aufzunehmen – wer freut sich nicht über den ersten abgeschlagenen Ball, der nicht einen Krater im Rasen hinterlässt? Doch schnell wird deutlich, dass zum erfolgreichen Spiel eben mehr gehört, als nur den Ball von A nach B zu schlagen. Und so kommt schnell Ernüchterung – und die Frage nach der Ernsthaftigkeit liegt auf dem Tisch.
So ist es auch im Trading, wie sich immer wieder zeigt: Meinen Sie es wirklich ernst? Wollen Sie das wirklich? Können Sie auch den Misserfolg aushalten, um letztlich doch erfolgreich zu sein? Wenn wir offen sind, gilt das aber auch in allen Situationen im Leben: Werfen Sie im Beruf das Handtuch, wenn es mal Unstimmigkeiten mit der Chefetage gibt? Ziehen Sie sich zurück, wenn die/der Angebetete nicht sofort anbeißen will? Nein, sicher nicht. Sie müssen sich schon ins Zeug legen, um das Rennen wirklich für sich zu entscheiden. Warum sollte das im Trading anders sein?
Unsere vier Beispiele, die mittlerweile allesamt professionelle Trader und anerkannte Experten sind, machen deutlich, dass der unbedingte Wille die wichtigste Voraussetzung ist, um auch nach einem Absturz weiterzumachen.

Nach dem Schmerz kommt das Lernen

Der Mensch lernt aus seinen Erfahrungen, heißt es so schön – und es stimmt. Das Kind merkt, dass die Herdplatte tatsächlich heiß ist, und der Trader, dass der Weg zum Erfolg steinig und lang ist. Die Frage ist immer: Was machen wir mit diesen Erfahrungen? Geben wir auf oder suchen wir nach Lösungen, um doch noch zum gewünschten Ergebnis zu kommen?
Als Trader ist diese Frage leicht zu beantworten. Wer es als Trader wirklich ernst meint, wird das anfängliche Scheitern nicht als Grund zur Aufgabe, sondern zum Lernen und zur eigenen Weiterentwicklung sehen. So sagt André Stagge über diesen wichtigen Schritt, er habe sein „ganzes Leben eigentlich nach der Börse ausgerichtet und mir immer wieder die Frage gestellt: Wie schaffe ich es denn, an der Börse besser zu werden? Wie schaffe ich es, erfolgreich zu sein? Und habe damit meine Karriere aufgebaut und bin jetzt sehr stolz auf das, was ich geschafft habe“.
Markus Gabel sagt über diese Zeit: „Und so habe ich mich damals langsam wieder hochgearbeitet […], habe mich dann hingesetzt, habe im Internet recherchiert, […] hab da mal Bücher gelesen, Indikatoren, den ganzen Quatsch, was kein Mensch braucht. Und ganz am Ende, als ich dann so ganz kurz davor war zu sagen: Okay, das ist nichts für mich, ich kriege es nicht hin, da stieß ich dann auf das Buch von Michael Voigt, ,Das große Buch der Markttechnik’… Und das war das letzte Buch. Ich habe mir damals geschworen, diese 39,95 €, die mir nicht mehr leisten konnte, das ist das letzte Buch, das ich mir kaufe.“ Die immer wieder auftretenden Verluste waren auch für Oliver Najjar Ansporn, sich tiefer mit der Materie zu beschäftigen: Er habe sich „die Frage gestellt, wie macht der Berufshandel das? Ich wusste, es gibt eine professionelle Ebene, die etwas wissen, was ich nicht weiß. Und ich war immer sehr hinterher zu versuchen, an deren Wissen ranzukommen, und mit sehr viel Glück in meinem Leben habe ich dann auch die richtigen Leute kennengelernt“. Leute, die dann sagten: „All das, was du da machst, ist schlichtweg ganz grausam.“ So habe Oliver Najjar das Handwerk Trading „erst einmal grundlegend beigebracht bekommen“. Dennoch habe es dann aber auch noch mal eine Zeit lang gedauert, „dass ich dann auch alle Strippen beieinander hatte“.
Ins gleiche Horn stößt auch Tobias Heitkötter, für den die Verluste ein deutliches Signal zum Umdenken waren: „Ich kann mich nur mit mir beschäftigen, kann nur daraus lernen. Ja, es war ein teurer Fehler, aber es ist erst dann wertvoll, wenn ich wirklich daraus lerne. Und das war ein Aha-Erlebnis. Also, dass es nicht so weitergeht.“ So lässt sich zusammenfassend sagen, dass Erfolg eben doch das Ergebnis harter Arbeit ist. Dabei steht zuallererst natürlich die handwerkliche Arbeit im Vordergrund. Für Markus Gabel und Oliver Najjar war es die Markttechnik in all ihren Tiefen und Ausprägungen, die die Wende gebracht hat. Für André Stagge war es der Wechsel ins Fondsmanagement, das die Basis für den nachhaltigen Erfolg legte, und Tobias Heitkötter hat sich eingängig mit Volatilität und der eigenen Psyche beschäftigt und daraus seine Strategien entwickelt. Gemeinsam haben alle eines: den Ansporn, Niederlagen und Rückschläge als Gelegenheiten zum Besserwerden zu betrachten.

Was die Wende bringt – Die Strategien der Topprofis

André Stagge hat sich im Laufe seiner Laufbahn eine Vielzahl profitabler Trading-Ansätze zunutze gemacht, die er auch immer wieder öffentlich vorstellt.
Eine seiner Lieblingsstrategien ist der „Friday Gold Rush“, bei der es um die Beobachtung geht, dass Gold am Freitag tendenziell eher steigt. Die Gründe dafür – Einkäufe der Schmuckindustrie, Wechsel in den sicheren Hafen et cetera – sind vielfältig. Der Trade ist dabei ganz einfach aufgesetzt. Am Donnerstagabend um 22:00 Uhr erfolgt der Einstieg und am Freitagabend um 22:00 der Ausstieg (siehe Bild 1).
Mit Bollinger-Bändern ist Tobias Heitkötter dem Trading- Erfolg auf der Spur. Während sein Trading-Ansatz gleich geblieben ist, hat er sich im Laufe der Jahre immer wieder auch verändert, wie er im Nachgespräch zu diesem Artikel betont – Trading als kontinuierlicher Entwicklungsprozess. So besteht Heitkötters Ansatz zunächst darin, mit dem Standard-MACD die grundlegende Trendrichtung zu definieren und sie farblich im Chart darzustellen. Mit den Bollinger- Bändern in der veränderten Variante 12,2 lässt er sich anzeigen, ob ein Einstieg sinnvoll erscheint – oder eben nicht.
Da für Tobias Heitkötter die Lebensqualität und nicht nur das Trading im Vordergrund steht, konzentriert er sich auf den 4-Stunden-Chart und einige ausgewählte Forex-Paare (siehe Bild 2). Das konkrete Vorgehen beschreibt Heitkötter im Nachgespräch so: „Zum Einstieg arbeite ich ausschließlich mit Stopporders und platziere diese auf den Wert des äußeren Bollinger-Bandes des zuletzt abgeschlossenen Bars, allerdings nur, wenn der Kurs des Bars innerhalb der Bollinger-Bänder schließt. Sollte es zu einem Einstieg kommen, platziere ich den Stopp-Loss auf den Wert des mittleren Bollinger-Bandes und ziehe diesen Schritt für Schritt nach. Ich trade mit einem CRV* von 2:1, das heißt, wenn ich zum Beispiel (wie im Chart eingezeichnet) ein Prozent meines Kapitals pro Trade riskiere, möchte ich zwei Prozent erzielen. Auf diesen Wert platziere ich dann mein Gewinnziel.“
Oliver Najjar hat sich auf die Markttechnik spezialisiert. Im Kern begibt er sich dabei auf die Suche nach Setups die aus zwei verschiedenen Trendgrößen bestehen – einem übergeordneten und einem untergeordneten Trend (siehe Bild 3). Dabei möchte er immer aus den Korrekturen der übergeordneten Trendgröße in die eigentliche Kernrichtung des Marktes handeln, wie er im Nachgespräch unterstreicht. Den Einstieg in den Trade sowie das gesamte Trade-Management beziehungsweise die Stoppverwaltung bis hin zum Ausstieg verwaltet Najjar auf der untergeordneten Trendgröße.
Im Fokus stehen bei ihm dabei Trade-Möglichkeiten mit hohem Entfaltungspotenzial. Oliver Najjar möchte möglichst dort seine Trades eröffnen, wo er mit einer zügigen Stoppversetzung rechnen kann, um die aufgelaufenen Gewinne fachlich sauber der jeweiligen Handelsausrichtung (Trend-, Bewegungs- oder Ausbruchshandel) entsprechend abzusichern.
Markus Gabel orientiert sich bei seinem Ansatz an der Erkenntnis, dass er mit einem Regelwerk arbeiten muss, das einen profitablen Erwartungswert hat. Aus diesem Anspruch heraus hat er sein „DowHow-Fibo-Setup“, das auf den Regeln der Dow-Theorie* basiert, entwickelt. Sein Regelwerk ist dabei äußerst simpel, so Gabel im Nachgespräch. Zuerst sucht er nach einem möglichst jungen, validen Trend. Ist dieser identifiziert, erfolgt der Einstieg nach einem konkreten Umkehrsignal aus der Korrektur heraus. Im Positionsmanagement realisiert er Teilgewinne und lässt eine Teilposition mit einem nachgezogenen Stopp-Loss im Markt, um wirklich die größtmögliche Strecke der Bewegung mitzunehmen (siehe Bild 4).

Mit Selbstmanagement zum langfristigen Erfolg

Das Herausklettern aus den Kratern des eigenen Versagens, die Entwicklung der richtigen Strategie und der damit verbundene absolute Wille zum Erfolg sind wesentliche Komponenten, um langfristig als Trader erfolgreich zu sein. Doch eine weitere wichtige Komponente fehlt noch: das Selbstmanagement beziehungsweise der gekonnte Umgang mit den psychologischen Herausforderungen im Trading.
Darin sind sich alle Profis einig: Ohne diese persönliche Komponente geht es nicht. Dazu gehören natürlich auch die Bereitschaft des ständigen Lernens und die absolute Hingabe. Willst du es oder willst du es nicht?
So betont André Stagge, dass hier oftmals der Hund begraben liegt: „Ich habe wenige erlebt, die auch wirklich hundertprozentiges Commitment zeigen.“ Und er ergänzt: „Da kann man aber auch schnell sehen, wie sich die Spreu vom Weizen unterscheidet, denn die, die es machen, sind dann auch erfolgreich.“
Für Stagge ist im Umgang mit den psychischen Belastungen die Sache klar: „Ich habe gelernt, mit meinen Emotionen umzugehen. Ich habe die gleichen Gefühle wie vor zehn, 15 oder 20 Jahren auch im Trading. Ich weiß nur, dass ich sie jetzt eben nicht mehr so hochstellen muss. Wenn ich dreimal hintereinander verloren habe, mache ich nicht den vierten Trade aus dem Gefühl heraus, dass ich jetzt doch gewinnen muss. Ich mache dann einfach nichts mehr, weil ich eben gelernt habe, mit diesen Gefühlen umzugehen. Eben weil ich auf mich hören kann.“


„Nur wer wirklich will und bereit ist, auch seine Hausaufgaben zu machen, wird letztlich weiterkommen.“


Das man manchmal aber auch nicht auf die innere Stimme hören darf, macht Markus Gabel in einem Beispiel deutlich: „Da ist eine innere Stimme, die dich Angst haben lässt, dich nicht weiterkommen lässt, die dich immer in deiner Komfortzone halten möchte. Hauptsache nicht verändern, nur nicht verändern. So – was ich gemacht habe: Ich habe dieser inneren Stimme einen Namen gegeben. Und zwar einen Namen, den ich anschreien kann. Das war gut. Also nicht irgendsoeinen, sondern einen richtigen Namen.“ Und er ergänzt: „Die Wissenschaft, habe ich auch vor kurzem gelesen, hat herausgefunden, dass du jeden Tag 50.000 Wörter mit dir selbst wechselst. Stell dir vor, da redet irgendeine Stimme den ganzen Tag, labert das Ding auf dich ein …“ Und genau dieser Stimme gebietet Markus Gabel bewusst Einhalt: „Ja, ich habe es gehört. Hinsetzen. Klappe halten! Ich sage, was passiert. Ich weiß, dass diese Stimme ihre Berechtigung hat. Aber ich entscheide. Wenn du diesen Schritt mal gemacht hast, hat es einen immensen Einfluss auf das Selbstbewusstsein.“
Was sind die wichtigsten Eigenschaften eines Traders? Für Tobias Heitkötter ist die Frage eindeutig: „Anpassungsfähigkeit, Entwicklungsfähigkeit. Der Markt ist derjenige, der dir sagt, was möglich ist, wann es möglich ist und wie es möglich ist. Und du kannst und solltest auch nur darauf reagieren. In dem Moment, wo du anfängst zu versuchen, das Ganze zu diktieren, wird es langfristig schwierig bis unmöglich.“
Eine Aussage, die Oliver Najjar bestätigt: „Ich habe keine Meinung. Ich bin da sehr, sehr – ich möchte sagen – zurückhaltend. Ich sitze auf meinen Händen, schaue mir den Markt an und weiß, an bestimmten Stellen muss ich aktiv werden. Dann auch mit einer gewissen Aggressivität oder Zurückhaltung – je nach zeitlicher Größe und Trendgröße. Und das ist, glaube ich, der große Unterschied zwischen mir und dem Anfänger.“

Der wichtigste Tipp zum Abschluss

Der wichtigste Tipp, den André Stagge besonders auch erfahrenen Tradern mitgibt, ist folgender: „Da gibt’s ja diesen Spruch: Wer aufhört, besser zu werden, hört irgendwann auf, gut zu sein. Ich denke, gerade für uns im Trading ist Ausbildung extrem wichtig. Ich gebe jedes Jahr fünfstellig für Weiterbildungen und Coachings aus. Ich war sehr viel im psychologischen Bereich und ich glaube, das wäre auch ein Tipp für jemanden, der seit zehn Jahren schon erfolgreich handelt. Guck dir mal eine psychologische Ausbildung an. Es muss ja nicht unbedingt immer ein direkter Trading-Coach sein …“
Für Trading-Einsteiger hat Tobias Heitkötter einen konkreten Tipp parat: „Lass dich nicht blenden. Wir kennen leider auch beide die Leute in der Branche, die dir mit Rolex und Lamborghini vorgaukeln, was Trading ist. Lass dich davon bitte nicht blenden. Lass dich aber auch nicht blenden davon, dass es megakompliziert ist.“ Und er ergänzt: „Mach mal wieder einen kurzen Check für dich. Wo stehst du gerade? Verfolgst du noch immer das Ziel, dass du damit Geld verdienst?“
Eine fundierte Ausbildung ist für Markus Gabel der Schlüssel zum Erfolg: „Mach bitte zuerst eine Ausbildung, und zwar in persönlicher Hinsicht – und nähere dich dem Thema langsam. Ohne Erwartungshaltung. Mit einem Demokonto meinetwegen, unter Anleitung, auch mit einem kleinen Echtgeldkonto. Aber bitte tu es nicht alleine. Nimm deine Community mit, bei der du dich wohlfühlst. Nimm dir einen Coach, einen Mentor. Ja, es kostet Geld, aber jede Ausbildung kostet Geld und kein Pilot und kein Arzt ist ohne einen Cent dort, wo er heute ist.“
Der wichtigste Tipp von Oliver Najjar kann auch gut und gerne auf das gesamte Leben ausgeweitet werden. So betont er: „Die Börse wird aus meiner Sicht an vielen Stellen sehr unseriös kommuniziert. Und dem Anfänger sei einfach nur geraten, gesunden Menschenverstand an den Tag zu legen und eben nicht zu schnell zu reagieren. Sich zu informieren, sich ausgiebig zu informieren – und dass er nicht alles so ungefiltert einfach aufnimmt und als gegeben hinnimmt.“

Worum geht es nun also im Trading?

Unsere vier Trader haben im Gespräch aus gutem Grund kein Blatt vor den Mund genommen. Trading ist nichts, was man leichtfertig anfangen sollte, nur weil man der Meinung ist, es unbedingt tun zu müssen. Wir haben gesehen, dass gerade der Beginn einen Trader an die Grenzen des Erträglichen führen kann – und mitunter darüber hinaus. Das ist der Moment, in dem die Frage nach dem eigenen Warum elementar wird. Wer an dieser Stelle keine tiefergehende Antwort als „Geld verdienen“ hat, wird zerbrechen und scheitern. Nur wer wirklich will und bereit ist, auch seine Hausaufgaben zu machen, wird letztlich weiterkommen.
In der Entwicklung zum professionellen Trader müssen viele Hürden überwunden werden. Ob es die eigene innere Stimme ist, die den Erfolg verweigert, oder eine gewisse Nachlässigkeit, ist fast schon unerheblich. Letztlich wird jeder vom Markt und dem Beruf auf die Probe gestellt. Wir können die Fragen förmlich hören: „Bist du stark genug? Willst du es wirklich? Meinst du es ernst?“ Die einzig richtige Antwort kann hier nur ein beherztes „Ja!“ sein. Nun sollte sich jeder Leser selbst diese Fragen einmal in Ruhe stellen – und vor allem auch beantworten. Ein weiterer Punkt kommt immer wieder offen oder versteckt zum Tragen: Trader müssen eigenständig sein, ein gewisses kritischen Wesen besitzen. Kurzum: Erfolgreiche Trader stehen auf eigenen Füßen!
Vier Trader, vier Ideen und Ansätze. Kompliziert ist keiner der vorgestellten Ansätze. Ganz im Gegenteil, sie sind einfach umsetz- und handelbar. Warum? Weil es das ist, was den Erfolg bringt. Trading ist nicht komplex – der Trader ist es. Eine so einfache wie auch wahre Erkenntnis.
Da liegt es natürlich nahe, dass auch die Tipps für Interessierte ins gleiche Horn stoßen. Das an sich Arbeiten, sich selbst Hinterfragen, immer wieder lernbereit sein: Das sind die Schlüsselfaktoren für den Trading-Erfolg – nicht der nächste Indikator oder Geheimtipp.
Eine Erkenntnis, die offen gesagt auch etwas Tröstliches an sich hat. Denn das bedeutet auch, dass wirklich jeder selbst für seinen Erfolg sorgen kann, unabhängig von den sonstigen Voraussetzungen. Ein wenig regelmäßige Arbeit an sich selbst und den eigenen Ein- sowie Vorstellungen kann da mehr bewirken, als es die neueste Strategie mit dem exotischen Indikator jemals könnte. Eigentlich doch eine schöne Erkenntnis.

Wieland Arlt

Wieland Arlt, CFTe, blickt auf rund 15 Jahre Erfahrung im Trading zurück. Er ist Präsident der IFTA und Mitglied im Vorstand der VTAD e. V. Er ist Autor mehrerer Bücher und gibt in seinem Podcast „Torero Trader Insights“ regelmäßig Einblicke in den Werdegang bekannter professioneller Trader. Sein umfangreiches Wissen und seine langjährige Praxiserfahrung gibt Wieland Arlt in seiner Torero Traders School an Interessierte weiter.
wieland-artorero-traders-school.com