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Der Pround-Contra-Ceed


Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 13/2019 vom 28.03.2019

Augen auf für einen Kompakt-Kombi der besonderen Art. DerKia ProCeed 1.6 T-GDI GT lockt mit 204 PS und sexy Shooting-Brake-Kleidchen. Passt das dem Koreaner?


Artikelbild für den Artikel "Der Pround-Contra-Ceed" aus der Ausgabe 13/2019 von Auto Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 13/2019

Rote Farbtupfer unterscheiden den GT vom GT Line. Und natürlich der 1.6 Turbo mit 204 PS


Kia ProCeed 1.6 T-GDI GT 204 PS ab 31 190 Euro

ER HEISST PROCEED – UND PROVOZIERT CONTRA. Nicht optisch. Da macht der koreanische Kombi mit den schicken CoupéAnleihen alles richtig. So was gibt es in dieser Klasse sonst nur noch bei Mercedes als CLA Shooting Brake. Der startet im September bereits in zweiter Auflage. Deutlich darüber rangiert der Porsche ...

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ER HEISST PROCEED – UND PROVOZIERT CONTRA. Nicht optisch. Da macht der koreanische Kombi mit den schicken CoupéAnleihen alles richtig. So was gibt es in dieser Klasse sonst nur noch bei Mercedes als CLA Shooting Brake. Der startet im September bereits in zweiter Auflage. Deutlich darüber rangiert der Porsche Panamera Sport Turismo, der seit zwei Jahren um AufTurismo, der seit zwei Jahren um Aufmerksamkeit buhlt. Beide kommen ziemlich bis deutlich teurer als der Kia (1.4 TGDI/ 140 PS ab 27690 Euro).


Ist der ProCeed schön? Geschmackssache! Er ist aber anders und nicht artig. Gut so!


DAS BIETET ER: SCHÖNHEIT, DIE NICHT VON INNEN KOMMT
Das Contra lernen wir beim ProCeed kennen, sobald wir einsteigen. Da hat doch einer das Dach flach gedrückt? Richtig, zum Ceed Kombi SW GT fehlen exakt 38 Millimeter. Klingt wenig, macht aber viel aus. Die knapp vier Zentimeter bringen eben nicht nur dieses aufreizend schlanke Profil – die vermissen wir vor allem beim Raumangebot. Große Gäste schubbern schon vorn am Dachhimmel, gehen mit der ultraflachen ASäule unfreiwillig auf Kuschelkurs und müssen den Kopf neigen, wenn sie im Innenspiegel den nachfolgenden Verkehr beobachten wollen.

Das Glasdach für 990 Euro macht die Sache nicht besser. Steigen hinten Fahrgäste über 1,85 Meter Körper größe zu, hagelt es Beschwerden. Die schwungvolle Dachlinie des ProCeed erlaubt es kaum, erhobenen Hauptes zu reisen. Und warum die freie Sicht nach oben auch noch ans NaviPaket (890 Euro) gekoppelt sein muss, wissen wohl nur Kias Marketingexperten.

Im Profil fallen niedrige Dachlinie und flache Scheiben besonders auf


Freie Sicht nach oben, aber wenig Kopffreiheit für große Gäste


Tipp: Auf das Sonnen-Panorama verzichten, Geld sowie Gewicht sparen und entscheidende Zentimeter Luft überm Scheitel gewinnen.

Dank dreigeteilter Fondlehne, mindestens 594 Liter Kofferraum und einer schlauen Unterflurablage fürs Heckrollo können wir dem ProCeed ein gewisses Transporttalent nicht absprechen. Allerdings ärgert die Ladekante innen beim Getränkeeinkauf – da müssen schwere Kisten jedes Mal mühselig drüber gehievt werden. Das ist Gift für die Bandscheibe. Und wer umzieht, muss gegenüber dem SW auf 149 Liter Stauvolumen verzichten.

Praktisch ohne Verzicht kommen wir dafür bei der Ausstattung zurecht. Der ProCeed spendiert grundsätzlich jede Menge Nettigkeiten. LED-Scheinwerfer, Querverkehrswarner, beheiztes Lederlenkrad, Rückfahrkamera, Sitzheizung und, und, und. Viel fehlt hier nicht mehr zum großen Glück.

Und da kommt unser Testwagen ins Spiel. Weil der von uns gefahrene Topmotor immer als GT vorfährt, lässt sich die Liste mit den serienmäßigen Goodies nahtlos fortsetzen. Sowohl innen als auch außen strahlen rote Akzente mit schwarzen Glanzeffekten um die Wette. Obendrauf gibt es 18-Zoll-Aluräder, die elektrische Heckklappe, eine Heizung für die Frontscheibe, kabelloses Laden fürs Handy und einen (eher überflüssigen) Klappenauspuff. Auch die Sportsitze gehören immer zum GT. Auf den Leder-Veloursleder-Polstern reißen wir auch längere Strecken locker ab, nur auf der letzten Rille gefahren fehlt uns etwas Seitenhalt.

Funktionales Cockpit, abgeflachtes Lenkrad und Alupedale schon ab GT Line


Bei aufrechter Fondbank passen 594 Liter Gepäck ins Heck. Nicht schlecht!


SO FÄHRT ER: ENERGISCH, EIFRIG – ERFRISCHEND
Und jetzt zu den zahlreichen angenehmen Seiten des ProCeed. Fangen wir an mit dem 1,6-Liter-Turbo. Muntere 204 PS schickt er Richtung Vorderräder. Und verwandelt den Pro-Ceed damit in einen ziemlich schnellen Kompakt-Kombi. Bis etwa 1800 Touren holt der Kia kurz Luft, dann semmelt er fröhlich brummelnd davon. Das macht Laune und liest sich ziemlich beeindruckend: In 7,3 Sekunden knackt der ProCeed die Tempo-100-Marke, rennt bis zu 230 km/h schnell und lässt beim Überholen ordentlich die Muskeln spielen. In der präzise geführten Sechsgang-Box ein-, zweimal runterschalten, Blinker links und wusch, vorbei. Die schon ab 1500 Touren nach Arbeit gierenden 265 Nm Drehmoment schieben kräftig an. Dabei gilt: Finger weg von der Sporttaste! Sie animiert den Klappenauspuff zum ebenso lautstarken wie künstlich wirkenden Proll-Posaunen.

Kurvenhungrige Piloten sitzen im ProCeed dennoch richtig. Natürlich kann auch Kia das Untersteuern nicht ausschalten, der ProCeed fräst aber willig und lange spurstabil ums Eck, bremst mit 33,7 Metern brutal gut. Das straffe Fahrwerk hält die Fuhre dabei weitgehend ruhig, stolpert aber schon mal über fiese Frostaufbrüche.

DAS KOSTET ER: FÜR EINEN KIA TEUER – ABER AUCH BESONDERS
Bei 31190 Euro startet der ProCeed 1.6 T-GDI GT. Doch bevor Sie schnaufend mit den Augen rollen – dafür wird auch einiges geboten. Eine exklusive Karosserieform, pralle Ausstattung und immerhin 204 PS, die mit 8,1 Litern noch nicht mal schlimm saufen. Und sieben Jahre Garantie gibt es natürlich auch. Macht am Ende womöglich doch mehr Pro als Contra.

FAZIT
GERALD CZAJKA DENNIS HEINEMANN

Ja, die vernünftige Wahl heißt Ceed SW. Der ist aber auch langweiliger. Nicht nur optisch, sondern auch motorisch – 204 PS gibt es im SW (noch) nicht. Der ProCeed holt die Individualisten ab. Und belebt den Verkehr!

Hat da wer Porsche gesagt? Aber nein! Es heißt doch: Ja mei, is der Po schee …


FOTOS: C. BRRIES (2), HOLGER KARKHECK, S. HABERLAND