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DER REUIGE DICHTER UND SEIN HÖLLENRITT GRAZIE, ONKEL DANTE!


Buchkultur - epaper ⋅ Ausgabe 197/2021 vom 25.08.2021

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Artikelbild für den Artikel "DER REUIGE DICHTER UND SEIN HÖLLENRITT GRAZIE, ONKEL DANTE!" aus der Ausgabe 197/2021 von Buchkultur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Buchkultur, Ausgabe 197/2021

»Wer könnte wohl, selbst wenn er Prosa wählte, / Von allem Blut und allen Wunden sagen, / Die ich erblickt, wie oft er’s auch erzählte!«

Dante Alighieri (1265–1321) freilich wählte nicht Prosa, sondern die terzine Versform (in der Übersetzung von Wilhelm G. Hertz 1955 sogar gereimt), als er zu Beginn des 14. Jahrhunderts seine ganz persönliche Lobpreisung an den Herrn in genau einhundert Gesänge, 4.711 Strophen und 14.233 Verse packte. Protagonist seiner »Commedia«, in der es zwar viel zu frohlocken, aber wenig zu lachen gibt, ist der Florentiner Dichter selbst, ein Sünder, der von prominenten Gestalten aus der Vergangenheit auf den rechten Weg zurückgebracht werden soll.

Dieser Weg führt zunächst ins »Inferno«, die Hölle. Dantes Beschreibungen der Flammenketten, Folterungen und verseuchten ...

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... Flüsse, unter denen die in dieser unterirdischen ewigen Strafanstalt hausenden Seelen zu leiden haben, sind hauptverantwortlich für die Bilder, die heutige Christen immer noch mit der Hölle assoziieren. Dante empfindet Mitleid, das ihm sein Leiter und Begleiter, der römische Dichter Vergil, jedoch auszutreiben versteht: Hätten die Übeltäter nur zu Lebzeiten mehr an Gottes Größe geglaubt!

An tückischen Teufelchen vorbei geht es weiter ins »Purgatorium«, das Fegefeuer, das sich hier als schwer erklimmbarer Berg der Läuterung präsentiert. Eine weitere Reihe unglücklicher Gestalten der Geschichte, die sich nach einer Riesenportion Buße aber noch Chancen auf den himmlischen Aufstieg ausrechnen, begegnen den Wanderern und erzählen ihre Werdegänge.

Im himmlischen »Paradies« schließlich arrangieren sich die Seelen der wahren Gottesfürchtigen vor Dante in atemberaubenden Choreografien und singen Lob – gepaart freilich mit bitter-unbarmherziger Kritik am Papsttum und am Niedergang der Kirche. Dante sieht Gott, erkennt, dass dessen Wege für immer unergründlich bleiben werden, und ist’s zufrieden. Deshalb auch »La Commedia«: weil sie schrecklich beginnt und glücklich endet. Der Dichter kehrt auf die Erde zurück, mit der Mission, das Erlebte in den schillerndsten Farben und formvollendeter Sprache zu schildern.

Das ist ihm allemal gelungen. Bei aller undurchschaubaren Dichte an klassischer Bildung lohnt sich die Lektüre der »Göttlichen Komödie« dennoch auch heute: Jeder der hundert Gesänge ist ein einziger, sündhaft schöner Bilderrausch..

Dante Alighieri La Commedia / Die Göttliche Komödie. Italienisch/ Deutsch Ü: Hartmut Köhler Reclam, 3 Bände, 2082 S.

Dante Alighieri Die Göttliche Komödie Ü: Ida und Walther von Wartburg Manesse, 736 S. ET: 30. August

Dante Alighieri Die Göttliche Komödie Ü: Philalethes Nikol, 608 S.

Barbara de Mars, Antonio Maria Storch Eine Reise zu Dante. Zehn Begegnungen zwischen Florenz und Ravenna Corso, 256 S.

Achatz von Müller Dante. Imaginationen der Moderne

RECLAM

Wann hat man schon etwas Siebenhundertstes zu feiern? Dennoch hat sich niemand aus diesem Anlass an eine deutsche Neuübersetzung getraut. Auf den Reclam-Verlag ist immerhin Verlass, was akademische Gründlichkeit betrifft. Er bringt das dreibändige Opus magnum des 2012 verstorbenen Romanisten Hartmut Köhler neu heraus. Köhler seinerseits wählte tatsächlich Prosa, die er den italienischen Originalversen gegenüberstellte. »Was ich nun an Blut und Wunden sehen musste, wer könnte es jemals angemessen sagen, selbst in ungebundener Rede, selbst mehrmals erzählt?« Die ist zwar etwas sperrig, aber dafür im kleingedruckten Kommentar ausführlichst erklärt.

MANESSE

Bilderrausch goes Bibliophilie. Farbige Illustrationen schmücken den Jubelprachtband des Manesse-Verlags. »Wer könnte je auch nur mit schlichten Worten das Blut beschreiben, all die grausen Wunden, die ich jetzt sah, auch wenn er’s wiederholte?«, lautet in Ida und Walther von Wartburgs Übersetzung der Beginn des schon erwähnten Canto 28 im »Inferno«. Sie stammt aus 1965 und ist zwischen ein Kapitel über »Dantes Leben und Werk« und einen Anhang mit Anmerkungen gespannt.

NIKOL

Nicht direkt göttlich, aber immerhin königlich ist die alte Übersetzung, auf die die Neuausgabe des Nikol-Verlags mit, diesmal schwarz-weißen, Illustrationen zurückgreift. »Wer könnt’, auch selbst in ungebundner Rede / Mehrmals erzählend, gnüglich all’ die Wunden / Und all’ das Blut, das ich jetzt sah, beschreiben?« Als sich König Johann von Sachsen, genannt Philalethes, im 19. Jahrhundert zwecks Wörterschmiede auf diverse Schlösser zurückzog, plagte ihn sichtlich das Übermaß an Vokalen, das die deutsche Sprache ihm anbot. Es hilft doch nichts: Das Herz begehrt’s, der Dante spricht’s, der Hertz erklärt’s. Seine Übersetzung in Reimen aus 1955 ist einfach die flüssigste.

DRUMHERUM

Binnen 700 Jahren kann man leicht vergessen, dass Dante vielleicht gar nicht gern auf die »Commedia« reduziert worden wäre. So war er auch ein Mann, der vor sich hinlebte, -reiste und -dichtete, vor allem in Florenz. Der Bildband »Eine Reise zu Dante« von Barbara de Mars und Antonio Maria Storch zeigt und beschreibt auf plastische Art sonnenbeschienene Orte in Italien, die mit dem Maestro assoziiert sind. Weniger kulinarisch geht es bei Achatz von Müller zu. In »Dante. Imaginationen der Moderne« legt er dar, warum Dante für ihn nicht so sehr ein Renaissance-Dichter als eben einer der Moderne ist. Die Monografie ist eher nur Wallstein, 222 S. für Kulturhistoriker/innen von Interesse.