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DER SCHÄRFE- TRICK


fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 80/2021 vom 09.07.2021

MAKRO

Artikelbild für den Artikel "DER SCHÄRFE- TRICK" aus der Ausgabe 80/2021 von fotoMAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Perfekte Schärfe des Motivs, unscharfe Vorder- und Hintergründe: gestackte Aufnahme mit dem Laowa 2,8/25 mm Ultra Macro 2.5-5x.

Viele Motive werden selbst bei maximaler Abblendung oder bei Anwendung der Scheimpflugschen Regel nicht durchgehend scharf dargestellt. Die optische Physik setzt hier natürliche Grenzen, innerhalb derer wir uns bewegen müssen. Die Digitalfotografie ermöglicht jedoch mittels der Verrechnung mehrerer Schärfeebenen ein durchgehend scharfes und brillantes Bild. Diese Technik nennt sich Focus Stacking (verkürzt einfach Stacking) und ist in modernen Kameras schon intern machbar oder aber mittels spezieller Ausrüstung.Sie können Stacking bei allen möglichst unbewegten Objekten anwenden.

Bei kamera-internem Stacking haben wir schnell festgestellt, dass die Einstellmöglichkeiten recht rudimentär sind. Außerdem ist ein Objektiv mit einer motorischen Fokussierung aus dem gleichen System nötig. Manche geeignet erscheinende Objektive wie das Canon MP-E 65 mm oder Mikroskop-Objektive können daher für das ...

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... interne Stacking nicht verwendet werden. Da ein AF-Motor auch nur eine sehr begrenzte Strecke zur Verfügung hat, halten wir sehr kleine Schrittlängen, wie sie für größere Abbildungsmaßstäbe notwendig sind, in der nötigen Präzision kaum für realisierbar.

STACKING MIT GERINGEM EINSATZ

Wir zeigen Ihnen, wie Sie auch mit überschaubarem Einsatz an Mitteln und Geld erfolgreich Stacking anwenden können und geben Ihnen einen Ausblick über die Möglichkeiten bei höherem Budget. Sie sollten bereits ein wenig Erfahrung mit Ihrer Ausrüstung haben und diese manuell bedienen können. Auch wenn wir uns im Text vor allem auf die Makrofotografie beziehen – die Technik können Sie auch bei Stilllifes und anderen unbewegten Objekten zur Anwendung bringen und hierfür gegebenenfalls Ihre normalen Objektive nutzen.

WAS BENÖTIGEN SIE FÜR DAS STACKING?

Da nur wenige Fotografen Stacking frei Hand beherrschen – was zudem nur mit kurzen, sehr hochfrequenten Bildserien vonstatten gehen kann – gehört ein stabiles Stativ zur Grundausrüstung. Darüber hinaus raten wir Ihnen zum Einsatz eines Einstellschlittens, statt über das Objektiv manuell zu fokussieren. Dieses Hilfsmittel besteht aus einer Führungsschiene und einer Art Schlitten, der das Aufnahmesystem trägt. So wird eine akkurate Einstellung des Bildfokus gewährleistet, während das direkte Verstellen des Objektivs wenig präzise und für sehr kleine Motive sogar gänzlich ungeeignet ist.

Das Angebot und die Möglichkeiten sind groß, wir nutzen den Novoflex Castel-Q mit optionalem Feinjustage-Griff Cast-Fine. Dessen Präzision werden Sie beim manuellen Stacking zu schätzen wissen. Der Castel-Q (ca. 200 Euro) bietet einen Verstellweg von 12,5 cm, eine komplette Umdrehung des Triebrads bewegt die Kamera nur 15 mm weit. Der optionale Cast-Fine (ca. 40 Euro) bietet über seine Skala die Möglichkeit, die Schrittweiten noch weiter zu verkleinern. Ein Strich auf der Skala des Cast-Fine entspricht dabei einem Verfahrweg von 0,25 mm des Schlittens. Mit einer ruhigen Hand und scharfem Auge können Sie diese Schritte sogar weiter auf Drittel verkürzen – uns gelingen sogar Schritte von ca. 0,083 mm. Die Schrittweiten sind dann sicher nicht mehr zu 100 Prozent homogen, doch eine gute Stacking-Software gleicht das durchaus aus.

Haben Sie ein größeres Budget, wäre ein automatisiertes System, wie zum Beispiel der Novoflex Castel-Micro, die weitaus bessere und komfortablere Alternative. Der Castel-Micro (ca. 1800 Euro) besitzt einen maximalen Einstellweg von 100 mm und eine kleinste, wiederholgenaue Schrittweite von 0,2 μ (0,0002 mm). Die Schrittweiten lassen sich motivabhängig zwischen 0,2 μ und 100 mm einstellen. Ein automatisches System benötigt eine entsprechende Steuer-Software und gegebenenfalls weitere Ausrüstung, die teils mitgeliefert wird. Den Möglichkeiten und den Kosten sind nach oben – wie meistens in der Fotografie – keine Grenzen gesetzt.

Ein makrotaugliches Objektiv ist bei entsprechenden Fotos natürlich obligato- risch. Das Aufmacherfoto (S. 48) wurde mit einem Laowa 2,8/25 mm Ultra Macro 2.5-5x (ca. 500 Euro) angefertigt, das einen Abbildungsmaßstab von 2,5 bis 5:1 ermöglicht. Sie können das für Sie und Ihren Zweck passende Objektiv nutzen oder auch ein Balgengerät mit entsprechenden Linsen, bis hin zu Mikroskopobjektiven. Wie immer gilt: Je schärfer das Objektiv, desto befriedigender das Ergebnis. Es empfiehlt sich zudem sehr, mit künstlichem Licht zu arbeiten, um die Aufnahmebedingungen möglichst gleichförmig zu halten. Wir verwenden hier meist entfesselte Systemblitzgeräte, die von Drittherstellern sehr kostengünstig zu erwerben sind. Aber selbst LED-Taschenlampen können zur Ausleuchtung gute Dienste leisten. Unterschätzen Sie nicht, wie stark Sie die Kamera beim normalen Auslösen erschüttern: Ein Fernauslöser schafft hier Abhilfe.

Die Software spielt am Ende den nicht unerheblichen letzten Teil und verrech- net Ihre Bildserie. Damit Ihre vorherigen Bemühungen bei der Aufnahme nicht im Sand verlaufen, benötigen Sie eine gute Stacking-Software, wie beispielsweise Helicon Focus. Diese verzeiht im besten Fall in einem gewissen Toleranzbereich einiges, sowohl leichte Erschütterungen des Aufbaus, nicht ganz präzise Schrittweiten, als auch Schwankungen des Lichts. Das Stacking zum Beispiel mit Photoshop Photomerge würden wir nur bei sehr kleinen Bildserien anwenden, da eine spezialisierte Software genauer arbeitet.

VORBEREITEN UND AUFNEHMEN

Nun gehen wir in die Praxis über. Mit etwas Übung können Sie bei nicht allzu winzigen und möglichst unbewegten Motiven zwar durchaus Stackings mittels einer schnellen Fotoserie in der Natur durchführen – teils sogar frei Hand, wenn Sie sehr routiniert sind.

Es ist dennoch ratsam, erst einmal mit sehr kontrollierten Bedingungen zu beginnen. Auch bei sehr kleinen Motiven ist ein durchgehendes Stacking nur noch unter Zuhilfenahme oben genannter Techniken und Ausrüstung möglich. Kleinsttiere, wie Insekten, sollten dafür bereits tot sein, denn bewegen dürfen sie sich schließlich nicht. Das gilt auch für deren Körperteile wie Fühler oder Beine, die sich bei frischen Präparaten oft noch über eine gewisse Zeit an den Körper heranziehen. Die Präparation und das möglichst lebensechte Aufstellen dieser Motive erfordert einiges an Vorlaufzeit und Feinsinn, sowie spitze Pinzetten und Nadeln. Seien Sie hier kreativ, viele Wege führen zum Ziel.

Wenden Sie diese Technik jedoch zum ersten Mal an, starten Sie lieber mit einfacheren, größeren und absolut starren Motiven und gehen noch nicht in extreme Abbildungsmaßstäbe unter 1:1. So sammeln Sie schnell Erfahrung und erhalten ein Gefühl dafür. Allgemein gilt: Sorgen Sie für einen sehr stabilen Untergrund für das Motiv. Ist es wirklich sehr klein und leicht, vermeiden Sie alles, was es selbst oder den Bildausschnitt während der Aufnahme-Session bewegen könnte.

Das können feine Erschütterungen sein (z. B. Anfassen des Aufnahmetischs oder der Kamera, aber auch Holzböden!), Vibrationen (durch Soundanlage, starker Verkehr), bis hin zu Zugluft. Bereiten Sie das Motiv nach Ihren Vorstellungen vor und sorgen Sie für eine passende Ausleuchtung. Bringen Sie den Einstellschlitten auf dem Stativ an. Daran befestigen Sie die Kamera mit dem angebrachten (Makro-)Objektiv oder auch Balgengerät nach Anleitung des Herstellers.

WEITERE EINSTELLUNGEN

Um Beugungsunschärfe zu vermeiden, sollten Sie die Blende nicht allzu weit schließen. Eine kleinere Blende als f/8 ist im Normalfall nicht empfehlenswert, besser arbeiten Sie sogar mit Blende f/5,6 oder f/4. Diese sind bei vielen Makroobjektiven förderlich für die Gesamtschärfe. Eine offenere Blende erhöht allerdings wegen der geringeren Schärfentiefe die notwendige Anzahl der Bilder – passen Sie dies bei Ihrem Motiv an. Etwas Experimentieren schadet hier nicht. Der Schärfebereich der einzelnen Aufnahmen sollte sich um etwa 20 Prozent überlappen. Faustregel: Beim Abbildungsmaßstab 1:1 und Blende f/8 ergibt sich eine Schärfentiefe von etwa 0,8 mm.

Je kürzer die Belichtungszeit, desto geringer die Gefahr von Verwacklern während der Aufnahme. Die Empfindlichkeit (ISO) ist möglichst gering zu wählen, um unschönes Rauschen zu vermeiden. Bei einer Spiegelreflexkamera sollten Sie zudem die Spiegelvorauslösung nutzen. Wie immer gilt: Im Raw-Format haben Sie deutlich mehr Datenreserven für die anschließende Bildbearbeitung.

Suchen Sie nun über den Einstellschlitten mit der Kamera die Position, bei der Sie beginnen wollen. Es ist meist nicht von Bedeutung, ob Sie vorne am Motiv anfangen oder hinten, bestenfalls folgt man der Schwerkraft. Bedenken sollten Sie allerdings, dass es unter Umständen bei einem Setting zu „matschigen“ Stellen kommen kann, wenn Sie nicht genügend Umfeld vor und hinter dem Objekt mit aufnehmen oder der Schärfebereich der Einzelbilder nicht ausreichend überlappt. Sollten Sie das Motiv ohnehin freistellen wollen oder hat es einen weiten Abstand zum Vorder- und Hintergrund, gilt ersteres nicht und Sie können einfach direkt am Objekt beginnen. Nun fahren Sie das Motiv mit dem Einstellschlitten in der gewünschten Schrittweite möglichst gleichmäßig ab und fertigen bei jedem Stopp ein Foto an. So ergeben sich schnell mehrere Dutzend bis tausende Einzelbilder. Nehmen Sie also auch auf die Leistungsfähigkeit Ihres Computers Rücksicht.

Achten Sie dabei zwingend darauf, Ihren Aufbau keinesfalls stark zu erschüttern und lassen Sie den Blitzen zwischen den Aufnahmen genügend Zeit, nachzuladen und nicht auf Dauer zu überhitzen. Gerade letzteres gilt für die Arbeit eines automatischen Einstellschlittens, um zu vermeiden, dass einzelne Bilder falsch belichtet werden, während Sie gemütlich einen Kaffee trinken gehen.

ÜBER DIE BILDBEARBEITUNG ZUM FINALEN ERGEBNIS

Die so entstandene Bilderserie kontrollieren Sie vor der Bearbeitung noch auf mögliche Fehler. Sind alle Bilder korrekt belichtet und hat die Kamera stets ausgelöst? Hat sich der Bildausschnitt zu den Bildseiten hin verschoben, z. B. durch Erschütterungen? Dass die Größe des Motivs im Bild sich während der Aufnahmen ändert (also durch die wandernde Schärfe/ Unschärfe größer oder kleiner wird) ist indes normal und der Physik geschuldet. Fehlen hingegen Aufnahmen, sind Belichtungen nicht fehlerfrei oder hat sich Ihr Aufbau oder Motiv stark bewegt, müssen Sie oftmals leider von vorne beginnen.

Sind alle Fotos vollständig und korrekt, bearbeiten Sie diese als Stapel in einem Programm Ihrer Wahl und geben diese im Wunschformat aus, z. B. als TIFFs oder JPEGs. Sie können in manchen Stacking-Softwares auch Raw-Daten laden, doch die Resultate bezüglich Helligkeit, Farben und Kontraste sind der Erfahrung nach nicht immer optimal. Daher empfehlen wir Ihnen, die Bilder vorab optimal einzustellen und auszugeben. Öffnen Sie anschließend Ihre Stacking-Software, in diesem Beispiel Helicon Focus, und importieren Sie die bearbeitete Bildserie via entsprechender Reiter oder Drag & Drop.

Sie können zu Beginn die voreingestellte Verrechnungsmethode testen. Doch wir raten dazu, mit diversen Einstellungen und Methoden zu experimentieren, um ein Gefühl für die jeweiligen Resultate zu erhalten. Je kleiner das Motiv und je mehr Fotos die Bildserie aufweist, desto geringer ist der Erfahrung nach die Chance, dass eine einzelne Verrechnungsmethode alleine ein perfektes Ergebnis liefert. Gerade auch bei sehr tiefen Motiven kommt es durch ungünstige Überlagerungen im Motiv selbst zu unschönen Stellen, die manchmal noch der Retusche bedürfen. Der jeweilige Hersteller der Software bietet Ihnen oft Impulse, welche Einstellungen vorteilhaft sind.

Wenn Sie feststellen, dass eine einzelne Verrechnungsmethode nicht zum gewünschten Ergebnis führt, können Sie verschiedene Verrechnungen testen, ausgeben und dann mit Photoshop zusammenbauen. Das erhöht zwar den Arbeitsaufwand, führt jedoch oft zu weitaus befriedigenderen Ergebnissen, da Sie hier gezielt die jeweils als optimal empfundenen Bildbereiche miteinander verschmelzen können.

Für ein Motiv wie das Aufmacherbild benötigen wir mit der Präparation des Tiers, der Schaffung des Settings, Aufnahmen bei vollständig manuellem Betrieb und der notwendigen Bildbearbeitung etwa zweieinhalb bis drei Stunden.