Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 9 Min.

DER SCHLÜSSEL IST VERSTÄNDNIS


Feine Hilfen - epaper ⋅ Ausgabe 38/2019 vom 06.12.2019

Viele Probleme zwischen Mensch und Pferd basieren auf Nichtwissen und Unverständnis. Tania Konnerth, Verfasserin des Buches „10 Wege zu meinem Pferd“, zeigt in diesem Interview, worauf es bei einer pferdegerechten Kommunikation ankommt und an welchen Punkten dabei vor allem wir Menschen lernen müssen.


Artikelbild für den Artikel "DER SCHLÜSSEL IST VERSTÄNDNIS" aus der Ausgabe 38/2019 von Feine Hilfen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Feine Hilfen, Ausgabe 38/2019

Anthony und Tania Konnerth waren schon auf vielen Wegen unterwegs. Sie geben sich gegenseitig immer die Chance, neu anzusetzen.


FEINE HILFEN: Frau Konnerth, wie nehmen Pferde uns Ihrer Meinung nach wahr? Wie versuchen sie sich uns mitzuteilen?
Tania Konnerth: Zu dieser Frage gibt es inzwischen einiges an ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 8,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Feine Hilfen. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 38/2019 von Christine Hlauscheck. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Christine Hlauscheck
Titelbild der Ausgabe 38/2019 von Leonie Bühlmann. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leonie Bühlmann
Titelbild der Ausgabe 38/2019 von Klassische REITKUNST. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Klassische REITKUNST
Titelbild der Ausgabe 38/2019 von ATEMBOTSCHAFTEN GEBEN PFERDEN SICHERHEIT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ATEMBOTSCHAFTEN GEBEN PFERDEN SICHERHEIT
Titelbild der Ausgabe 38/2019 von GESPRÄCHE ZWISCHEN WILDPFERDEN: GESPRÄCHE UNTER WILDPFERDEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GESPRÄCHE ZWISCHEN WILDPFERDEN: GESPRÄCHE UNTER WILDPFERDEN
Titelbild der Ausgabe 38/2019 von VON EMPATHIE UND INNEREM FRIEDEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VON EMPATHIE UND INNEREM FRIEDEN
Vorheriger Artikel
GESPRÄCHE ZWISCHEN WILDPFERDEN: GESPRÄCHE UNTER WILDPFE…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel VON EMPATHIE UND INNEREM FRIEDEN
aus dieser Ausgabe

FEINE HILFEN: Frau Konnerth, wie nehmen Pferde uns Ihrer Meinung nach wahr? Wie versuchen sie sich uns mitzuteilen?
Tania Konnerth: Zu dieser Frage gibt es inzwischen einiges an Forschung, und man weiß heute, dass Pferde ganz erstaunliche Fähigkeiten haben. Sie sind als soziale Wesen in der Lage, unsere Mimik, Körpersprache und Ausstrahlung zu deuten, und sie können Stimmungen sehr genau lesen. Auch die Art, wie sich Pferde uns mitteilen, ist ähnlich differenziert: Pferde kommunizieren mit uns ebenfalls durch Mimik, Körpersprache und Ausstrahlung, aber auch durch ihre Reaktionen und ihr Verhalten. So sind sogenannte Widersetzlichkeiten oder Verweigerungen in den meisten Fällen ein Ausdruck des Pferdes zum Beispiel von Unverstehen, Verwirrung, Angst oder sogar Not, und es ist unsere Aufgabe, herauszufinden, was es uns damit zu sagen versucht. Der Ansatz, gerade auch unerwünschtes Verhalten bei Pferden als eine „Mitteilung“ zu verstehen und entsprechend darauf zu reagieren, steht leider noch immer im Gegensatz zu herkömmlichen Umgangsweisen mit Pferden, bei denen jede Form von Ungehorsam mit dem Ziel bestraft wird, diesen zu unterbinden. Eines ist aus meiner Sicht sehr wichtig zu verstehen: Pferde erkennen uns als Beziehungswesen. Nur deshalb können wir eine sehr tiefe Verbindung mit ihnen erleben. Sie sind interessiert an uns, sie nehmen Kontakt zu uns auf und sie teilen sich uns mit. Und das sollten wir nie enttäuschen.

FEINE HILFEN: Wie sollten wir uns verhalten, um eine gute Beziehung zu unseren Pferden aufzubauen und zu unterhalten?
Tania Konnerth: Die wichtigste Voraussetzung ist für mich, dass wir bereit sind, Pferde in ihrem Pferdsein zu sehen und zu verstehen. Wir setzen viel zu oft menschliche Maßstäbe an und bewerten daran das Verhalten unserer Pferde. So reagieren wir zum Beispiel unwirsch, wenn ein Pferd an einer Stelle scheut, an der es sonst problemlos vorbeigegangen ist, und erhöhen durch Strafen oder Ungeduld oft noch die Sorge, die das Pferd in diesem Moment hat, weil es dort vielleicht heute anders riecht oder weil es etwas sieht, das uns entgeht. Verständnis für unseren vierbeinigen Partner ist der Schlüssel zu anderen Ansätzen, als ein Pferd mit Druck dazu zu bringen, unserem Willen zu folgen. Je besser wir Pferde im Allgemeinen und unser Pferd im Speziellen verstehen (denn jedes Pferd hat, wie wir auch, eine ganz eigene Persönlichkeit), desto besser wird es uns gelingen, mit dem Pferd so umzugehen und zu arbeiten, dass es sich wohl und sicher fühlt, lernen und über sich hinauswachsen kann und Freude dabei empfindet.

FEINE HILFEN: Wie funktioniert Kommunikation mit dem Pferd? Was verstehen Sie unter pferdegerechter Kommunikation?
Tania Konnerth: Ich erlebe immer wieder, dass wir Menschen vorschnell davon ausgehen, „gut“ zu kommunizieren, also unserem Pferd etwas klar und deutlich zu vermitteln. Tatsächlich ist für Pferde aber unsere Art der Kommunikation oft extrem verwirrend. Sie nehmen zu den sichtbaren auch ganz viele Signale wahr, die wir unbewusst aussenden, und diese Signale können sich massiv widersprechen, sodass viele Pferde schlicht und einfach oft nicht wissen, was wir wollen. Wenn das Pferd dann nicht macht, was wir verlangen, kommen viele von uns gar nicht auf die Idee, dass das Problem in unserer Art der Kommunikation liegt, sondern wir unterstellen ihm vielleicht Bockigkeit oder Faulheit oder auch Dummheit. Typischerweise reagieren wir dann damit, dass wir unsere Signale verstärken. Die traurige Folge davon ist häufig Gewalt. Pferdegerecht ist unsere Kommunikation, wenn uns das Pferd verstehen kann und wir bereit sind, das Pferd zu verstehen. Dafür müssen wir uns mit dem Wesen befassen, das da vor uns steht und nicht einfach nur einen Befehlsempfänger in ihm sehen. Wir müssen uns im Umgang mit Pferden immer wieder selbstkritisch fragen, ob das Pferd einerseits die Signale, die wir geben, überhaupt kennt und wirklich versteht, was damit gemeint ist (Pferde müssen ja erst lernen, was Signale und Hilfen bedeuten), und andererseits, ob das Pferd überhaupt in der Lage ist, in diesem Moment aktiv zu kommunizieren oder ob es vielleicht gerade zu sehr abgelenkt ist oder zu ängstlich, ob es möglicherweise Hunger hat oder Schmerzen usw.

FEINE HILFEN: Wie erkenne ich, was mein Pferd mir sagen möchte?
Tania Konnerth: Da Pferde nicht mit Worten sprechen können, müssen wir immer interpretieren. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass unsere Interpretationen auch fehlerhaft sein können. Viele Menschen empfinden sich Pferden gegenüber immer im Recht und sind sich gar nicht bewusst darüber, wie oft sie das Verhalten ihres Tieres missverstehen und wesentliche Botschaften gar nicht wahrnehmen. Die Folge davon sind frustrierte, eingeschüchterte oder verängstigte Pferde, die irgendwann aufgeben, sich dem Menschen mitteilen zu wollen. Tatsächlich greifen viele unserer Interpretationen zu kurz, weil wir nicht genau genug hinschauen und nicht bereit sind, uns in das Pferd hineinzuversetzen. Ich denke, dass wir Pferdeverhalten nicht losgelöst vom Gesamtkontext sehen dürfen, sondern immer das größere Ganze im Hinterkopf haben müssen, um die Signale verstehen zu können. Wenn ein Pferd beim Hufe-Auskratzen ständig den Huf wegzieht, sollte ich das nicht einfach bestrafen, sondern ich muss mich fragen, ob es vielleicht unsicher ist, weil es allein angebunden ist, ob es Balanceprobleme oder Schmerzen hat, ob es Stress oder Angst vor dem Schmied hat usw. Bin ich nicht bereit, die Ursachen für ein Verhalten zu erkennen, werde ich schnell ungerecht und verspiele nicht nur die Chance, zu einer guten Lösung zu kommen, sondern ich kann auch das Vertrauen des Pferdes verlieren. Natürlich gibt es Situationen, in denen man schnell reagieren muss und nicht erst stundenlang über die tiefere Bedeutung nachgrübeln kann. Aber hier geht es um die grundsätzliche Bereitschaft, Pferdeverhalten als Kommunikation zu verstehen und immer achtsamer und einfühlsamer zu werden.

FEINE HILFEN: Welche Fehlentwicklungen kann es in der Kommunikation mit dem Pferd geben, und wie vermeide ich diese?
Tania Konnerth: Die größte Fehlentwicklung ist, dass der Mensch dazu neigt, seinen Willen mit Gewalt durchzusetzen. Wir haben so viele Sachen entwickelt, mit denen wir die uns eigentlich an Körperkraft weit überlegenen Tiere irgendwie unter Kontrolle bringen können – von harmlosen Varianten bis zu perfiden und brutalen Mitteln, die Pferden viel Schmerz und Leid zufügen. Gewalt ist aber immer nur Machtausübung und kennt allein eine Antwort: dass der andere macht, was ich will. Sie resultiert ganz oft aus Unwissenheit, Hilflosigkeit, Ohnmacht oder Angst – alles Faktoren, die auf unserer Seite liegen und die wir für uns angehen müssen, um sie aufzulösen. Damit wir eine gute Kommunikation mit Pferden entwickeln können, braucht es deshalb aus meiner Sicht vor allem eines: die Bereitschaft und die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Ich muss bereit und in der Lage sein, mein eigenes Verhalten zu hinterfragen. Nur dann kann ich Irrtümer und Fehler erkennen, nur dann kann ich entscheiden, in welchen Bereichen ich mehr Wissen oder Fähigkeiten brauche, und nur dann kann ich mir Hilfe suchen, wenn sie nötig ist. Konkret auf die Kommunikation mit dem Pferd bezogen, heißt das, sich immer wieder zu fragen: Kann ich mir wirklich sicher sein, dass mein Pferd mich gerade versteht? Hier sind wir Menschen oft sehr denkfaul und unflexibel: Das Pferd reagiert auf den Schenkelimpuls nicht, also gebe ich ihn stärker. Reagiert es immer noch nicht, folgen die Gerte oder die Sporen. Dabei übersehe ich aber, dass ich vielleicht selbst einen Fehler mache, weil ich nicht so gut sitze, wie ich denke, und meine Hilfe zu grob oder falsch ankommt oder dass ich zwar mit meinem Schenkel „Vorwärts“ sage, aber innerlich aus Angst das Pferd bremse.

Die meisten Pferde sind bereit, uns Menschen immer wieder eine Chance zu geben. Dreamer erwartete nichts Gutes mehr von Menschen. Doch selbst ihm war es möglich, neu Vertrauen zu fassen.


FEINE HILFEN: Wie ist das denn nun eigentlich mit der Dominanz?
Tania Konnerth: Leider wird noch immer oft gesagt, dass wir Pferden gegenüber „dominant“ auftreten sollen, weil das „natürliches Pferdeverhalten“ sei. Dabei zeigen zahlreiche Beobachtungen vom Miteinander wild lebender Pferde immer wieder eindrücklich, dass die Vorstellung einer festen Rangordnung einfach nicht zutrifft, sondern dass Pferde ein hochkomplexes soziales Miteinander pflegen (hierzu empfehle ich die wirklich erhellende Arbeit von Pferdefilmer Marc Lubetzki). Pferde sind auf ein soziales Miteinander angewiesen. Kommt es zu einem Streit um Ressourcen, findet dieser allenfalls punktuell statt, aber es konnte in freier Wildbahn nie beobachtet werden, dass es Pferden darum geht, ein anderes Pferd grundsätzlich zu beherrschen. Inzwischen ist sogar wissenschaftlich bewiesen, dass die Idee von der Dominanz dem menschlichen Denken entspringt und nicht pferdegerecht ist – sie schadet deutlich mehr, als sie nutzt, denn sie verhindert Vertrauen. Statt dominant zu sein, sollten wir an unserer Führungskompetenz arbeiten. Dafür braucht es Empathie und Authentizität. Auch da müssen wir bei uns anfangen, nicht beim Pferd.

FEINE HILFEN: Was schätzt das Pferd besonders an Artgenossen? Lässt sich das auf uns übertragen?
Tania Konnerth: Hin und wieder kann man lesen, dass wir uns nur „wie ein Pferd“ verhalten müssen, wenn wir richtig mit einem Pferd kommunizieren wollen. Aber jetzt mal ehrlich: Das ist unmöglich, und kein Pferd der Welt wird je einen Menschen für ein Pferd halten! Für mich ist dieser Gedanke nicht nur absurd, sondern vor allem ein trauriges Beispiel dafür, für wie dumm Pferde gehalten werden. Als Herdentiere sind Artgenossen für Pferde enorm wichtig. Sie bedeuten Schutz, Gemeinschaft, Versorgung, Kontakt, Kommunikation, Nähe, Familie, Freundschaften und vieles mehr. Wir Menschen können ihnen das nicht ersetzen. Und das müssen wir auch nicht, denn wir können auch so etwas im Leben unserer Pferde werden, das sie sehr zu schätzen wissen. Aber dafür müssen wir ihnen als Mensch begegnen und mit dem, was uns Menschen im besten Fall ausmacht: dass wir lernen und reflektieren können, dass wir fühlen und verstehen können und dass wir Brücken bauen können.

Was sehen wir, wenn wir den Mut haben, in den Spiegel zu schauen?


FEINE HILFEN: Welche Grundprinzipien nutzen Sie, um Mensch und Pferd erfolgreich und glücklich miteinander kommunizieren zu lassen?
Tania Konnerth: Ich bin mit Grundprinzipien immer etwas vorsichtig, da es im Zusammensein von Mensch und Pferd um Individuen und Persönlichkeiten geht. Der Wunsch nach klaren Vorgaben ist verständlich, aber gerade in ihm liegt oft schon das Problem. Bei so einem komplexen Thema wie Kommunikation verbauen wir uns damit schnell den Weg, eine eigene Sprache mit unserem Pferd zu finden. Genau die macht aber Sinn und führt zu echtem Verständnis. Ein entscheidender Punkt ist dabei immer wieder, dass wir selbst Klarheit über das brauchen, was wir von unserem Pferd möchten, und da hakt es sehr oft. Wie soll jemand einem Pferd die korrekten Hilfen zum Schulterherein geben, wenn er selbst gar nicht genau weiß, wie ein Schulterherein geht? Wie kann ich einem Pferd Sicherheit geben, wenn ich selbst ängstlich bin? Auch hier geht es erst einmal wieder um Selbstreflexion.

FEINE HILFEN: Was hat unsere innere Haltung mit der Kommunikation mit dem Pferd zu tun?
Tania Konnerth: Unsere innere Haltung bildet tatsächlich immer die Basis dafür, wie wir mit Pferden umgehen. Das Fiese daran ist, dass wir uns dieser inneren Haltung oft nicht bewusst sind. Wir können Pferde lieben, aber dennoch Ansichten über sie haben, die dazu führen, dass wir mit ihnen auf eine Weise umgehen, die ihnen nicht gerecht wird oder auch an ihren Bedürfnissen vorbeigeht. Wer beispielsweise ein Pferd als Mittel zum Zweck sieht, wird anders mit ihm umgehen als jemand, der es als eine Art Familienmitglied empfindet. Genauso wird jemand, der Pferde für eher dumme Tiere hält, anders mit ihnen kommunizieren als jemand, der Pferde für intelligent hält. Und auch ob jemand eher Angst vor Pferden hat oder sich mit ihnen sicher fühlt, wird sich unmittelbar auf sein Kommunikationsverhalten den Tieren gegenüber auswirken. Und damit sind wir wieder bei der Selbstreflexion.

FEINE HILFEN: Menschliche Sprache führt häufig zu fatalen Missverständnissen, die Pferde ausbaden müssen. Ein schönes Beispiel ist das Wort „Respekt“, das häufig im Zusammenhang mit dem Pferd verwendet wird, aber gerade in diesem Zusammenhang in unterschiedlichster Weise gebraucht und verstanden wird. Was bedeutet es für Sie? Welche anderen Beispiele dieser Art kennen Sie, und wie schaffen Sie für Ihre Schüler Klarheit in der menschlichen Sprache für einen verständnisvollen Umgang mit dem Pferd?
Tania Konnerth: Ja, wir Menschen sind schnell dabei, dass wir Pferden „Respekt beibringen wollen“ und meinen damit, dass es brav zu sein hat und kuschen soll. Genau damit benehmen wir uns dann aber selbst ganz schön respektlos. Respektlosigkeit machen viele an den eigenen Ansprüchen fest: Funktioniert das Pferd und macht es, was man will, ist es ein respektvolles Pferd. Widersetzt es sich, hat es nicht genug Respekt, lautet die zunächst logisch klingende Schlussfolgerung. Dass wir Menschen aber immer wieder alles Mögliche von Pferden verlangen, das kein bisschen artgerecht ist, dass wir sie nach (unserer!) Lust und Laune nutzen wollen und dass wir ganz oft all die vielen kleinen Zeichen übersehen, mit denen sie Unwohlsein oder Schmerzen, Unsicherheit oder Angst, Verwirrung oder auch pures Nichtverstehen signalisieren, wird gerne verschwiegen. Genau damit aber sind wir es, die respektlos sind. Respekt ist keine Einbahnstraße, sondern funktioniert nur in beiden Richtungen. Und da wir Menschen es sind, die etwas von Pferden wollen (und zwar meist ganz schön viel), müssen wir in Sachen Respekt sogar zunächst in Vorleistung gehen. Ein ähnliches Beispiel ist die Sache mit dem Lob: Dass es eine gute Idee ist, ein Pferd für richtiges Verhalten zu loben, sehen die meisten ein. Nur: Was ist eigentlich ein Lob genau? Und wer entscheidet das? Wird, nur weil der Mensch in einem Halsklopfen ein Lob sieht, das Pferd das auch so empfinden, selbst wenn es dabei zusammenzuckt? Wir gehen zu oft davon aus, dass unsere Sicht der Dinge, unsere Maßstäbe und unser Verständnis auch jene der Pferde sein müssen – und liegen damit oft ziemlich daneben. Hier müssen wir umdenken, und dazu versuche ich mit meiner Arbeit auf allen Ebenen anzuregen.

TANIA KONNERTH

… lebt seit 40 Jahren mit Pferden und vermittelt in „10 Wege zu meinem Pferd“ persönliches Erfahrungswissen. Mit Babette Teschen betreibt sie eine eigene Website, auf der beide gemeinsam zeigen, wie effektiv und bereichernd ein wirklich pferdegerechter Umgang in Ausbildung und Umgang ist.

www.wege-zum-pferd.de

BUCHTIPP:
Tania Konnerth
10 Wege zu meinem Pferd
Kosmos Verlag
ISBN 978-3-4401-5491-5, 24,99 €


(Foto: Horst Streitferdt / Kosmos)

(Foto: Horst Streitferdt / Kosmos)

(Foto: Horst Streitferdt / Kosmos)