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Der Sonne entgegen


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daheim - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 15.08.2022

LANDSCHAFT

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Bildquelle: daheim, Ausgabe 5/2022

Kenner sagen, der Blick von der Ölbergkapelle in den Weinbergen von Ehrenkirchen bei Freiburg sei der schönste im südlichen Breisgau

Das Markgräflerland, so sagt man, ist vor allem durch seinen Wetterbericht berühmt geworden. Auf den ersten Kilometern der Badischen Weinstraße, die sich rechts des Rheins 500 Kilometer von Weil am Rhein im Dreiländereck bis nach Laudenbach an der Grenze zu Hessen schlängelt, scheint die Sonne so viele Stunden wie kaum irgendwo sonst in Deutschland. Selbst der Frühling soll hier drei Wochen früher anfangen. Das Wetter also: formidabel, vor allem für den Weinbau.

Gleich neben dem Haus der Bußmanns wächst Müller-Thurgau,„an sechzig Jahre alten Stöcken!“ Werner Bußmann, zwölf Jahre älter als der Wein nebenan, lebt in Ballrechten-Dottingen – 200 Hektar Reben gesamt, 60 Hektar davon an den Steillagen des Castellberges. Dieser Berg, der sich aus Streuobstwiesen erhebt, ist sein Baby. Bußmann zeigt auf ein Stück Hang, das er mit gelb-roten Stangen markiert hat: Dort ließ der Markgraf und spätere ...

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... Großherzog Karl Friedrich von Baden ab 1784 die Tafeltraube Gutedel ziehen.

Wer 200 Jahre alte Mauern erhält, rettet den Weinbau

Das ist eine ganze Weile her, und ohne Werner Bußmann hätte der Weinbau an diesem Ort schwer gelitten. Bußmann, Architekt im Ruhestand, liebt die Natur. Und Wildtiere. Und Geologie und Geschichte und eigentlich alles, was man lernen und wissen kann. Momentan studiert er Biologie in Freiburg.

Irgendwann fiel ihm auf, dass die alten Mauern, welche die terrassierten Flächen des Castellbergs zusammenhalten und die Steilhänge am Abrutschen hindern, nach und nach zusammenbrachen. Einige Winzer hatten ihre Arbeit am Berg schon aufgegeben. Und so kam Bußmann zu einem neuen Projekt: die 200 Jahre alten Trockenmauern retten.

Mit„Vesperbrettle und Gutedel“ seien er und der damalige Bürgermeister des Ortes durch die Ämter gezogen, um ihr Sanierungsvorhaben vorzustellen. Und das erfolgreich:„Teilweise haben wir höhere Fördersummen bekommen als der Kölner Dom“, sagt Bußmann. Er streicht über ein Stück Mauer und sagt fast liebevoll:„Diese Steine hier, die sind schon 1784 da gewesen.“

Nach der Sanierung haben er und seine Mitstreiter es geschafft, den Berg zu einem Projekt der vielen zu machen. Schulklassen haben Patenschaften für Mauerabschnitte übernommen, entfernen wucherndes Efeu und verholzte Pflanzen, damit die Mauern nicht wieder gesprengt werden, und erhalten so ein Paradies für Insekten, Spinnen und andere Tiere. Mauereidechsen gibt es darin, Gottesanbeterinnen, Ringelnattern. Hier leben Fledermäuse und Füchse, Flaumeichen wachsen an diesem Berg und sogar zwei Feigenbäume, die jedes Jahr Früchte tragen.

Jede Jahreszeit hat hier ihren ganz besonderen Reiz

Wenn der Himmel wolkenlos ist, sagt Bußmann, sehe man von hier oben meilenweit.„Schwarzwald links, Vogesen rechts.“ Er lässt den Blick schweifen, herrlich, dann ruft er plötzlich: „Da, schauen Sie, ein Grünspecht!“

Der Vogel breitet die Flügel aus und erhebt sich in den Himmel, der sich azurblau über den Berg spannt. Über die Landschaft mit ihren Hügeln, die zu einer der schönsten in Deutschland gehört und sich rechts und links der Badischen Weinstraße ausbreitet. Sie führt vorbei an der Uni-Stadt Freiburg, an Baden-Baden mit seinen Reichen und Schönen, an Karlsruhe, dem Sitz des Bundesverfassungsgerichts (siehe daheim Mai/Juni 2022). Dazwischen Dörfer mit Fachwerkhäusern inmitten sattgrüner Wiesen und Täler.

Im Winter legt sich der Schnee wie eine flauschige Decke über dieses Panorama, herrlich im Frühjahr, wenn alles austreibt, im Sommer genießen Hunderte Radfahrer die Gegend und besuchen auf ihren Touren die unzähligen Weingüter und Brennereien entlang der Strecke. Im Herbst, wenn die Abendsonne über den rot und golden gefärbten Weinreben untergeht, ist dieser Landstrich ein Paradies.

Am Kaiserstuhl, einem kleinen, vulkanischen Mittelgebirge, das sich wie eine Insel aus der Landschaft erhebt, schlägt die Badische Weinstraße eine Volte. Seit mehr als 1000 Jahren wird hier an steilen Hängen Wein angebaut. Da schmecke man„die Lage“, sagen Kenner. Zwischen Grauburgunder und Gewürztraminer wachsen wilde Orchideen, mehr als 30 verschiedene Arten, die grüne Smaragdeidechse lebt hier und der Bienenfresser, einer der buntesten Vögel Europas.

Östlich davon, im Breisgau rund um Freiburg, liegt ein Schutzgebiet für Auerwild. Ein bisschen mehr als 100 dieser vom Aussterben bedrohten, imposanten Vögel gibt es noch im Schwarzwald. Zum Vogelschutzgebiet gehört auch das Glottertal. Der Fernsehstar unter den badischen Tälern befindet sich an gleich zwei Ferienstraßen: an der Badischen Weinstraße und der Schwarzwald-Panoramastraße. Wer die„Schwarzwaldklinik“ mochte, wird es lieben. Denn in dieser malerischen Senke wurden die Außenaufnahmen für die Mutter aller deutschen TV-Krankenhausserien gedreht.

Weiter geht’s durch die Ortenau, Heimat von Riesling und Spätburgunder und jeder Menge alter Burgen und Schlösser. In Sasbachwalden oder„Saschwalle“, wie man hier sagt, liegt das kleine Weingut Königsrain von Katja Pfeifer und ihrem Mann. Wie die meisten Weinbauern der Region war Pfeifers Schwiegervater Winzer der Genossenschaft Alde Gott. Sie und ihr Mann aber wollten unabhängig sein und„das ganze Produkt Wein mitverfolgen“ – von der Rebe bis in die Flasche. Katja Pfeifer ist eine zackige, gut gelaunte Frau, die es liebt„mit und von der Landschaft zu leben“. Reben schneiden, Triebe heften, Laubschnitt, Traubenernte, gären, filtrieren, abfüllen. Ein Leben im Einklang mit den Jahreszeiten.

Weingut oder Weltreise? Die Reben haben gewonnen

Sie hat Winzerin gelernt, Weinbau studiert, und als sie ihren Mann kennenlernte, sagten sich die beiden:„Irgend- wann machen wir eine Weltreise. Oder ein Weingut auf.“

Mittlerweile wächst Cabernet Sauvignon hinterm Haus, die Weltreise ist verschoben. Mit 2000 Euro und einem Barriquefass haben sie sich vor zehn Jahren selbstständig gemacht. Heute bieten sie neben Weinen und Sekten Weinverkostungen an, zum Beispiel beim Wandern mit Flammkuchen oder im Heißluftballon.„Ein guter Wein“, sagt Katja Pfeifer,„schmeckt nach dem Schlucken noch fünf Sekunden auf der Zunge. Und bleibt fünf Stunden im Gedächtnis.“

Ein paar Kilometer weiter beginnt einer der ältesten Kulturräume Deutschlands: der Kraichgau, Land der 1000 Hügel, wo sich die Weinbaugebiete Baden und Württemberg treffen. Vor einer halben Million Jahren lebte hier der Homo Heidelbergensis, später kamen Kelten, Römer, Alemannen, dann Grafen und Ritter. Auf Wanderungen kann man die Hohlwege erkunden, welche die jahrhundertelange Nutzung metertief in die Landschaft gegraben haben.

Und dann – ist man fast am Meer. Denn am Fuß der Badischen Bergstraße, wo die Weinstraße sich ihrem Ende zuneigt,„fängt Deutschland an, Italien zu werden“. Soll zumindest der Habsburger Kaiser Joseph II. mal gesagt haben.

Tanzen, trinken und das Herz in Heidelberg verlieren

Und so liegt Heidelberg also an der „Riviera Deutschlands“. Und im Heidelberger Schloss steht ein riesiges Weinfass mit Platz für mehr als 200 000 Liter, obendrauf, über eine Treppe erreichbar, ein Tanzboden. Na- türlich wurde dort getrunken, was das Zeug hielt, und noch heute ist das Fass die Hauptattraktion des Heidelberger Schlosses. Jedes Jahr wird es von einer halben Million Menschen besucht. Und die hinterlassen Spuren in seinem Holz.„Ich war da“, hat„Tamara“ mal an das Fass geschrieben, das war 1990. „Peter“ war dagegen schon 1985 zu Besuch. Und„Kennedy und Jane“ haben sogar ein gemaltes Herz dagelassen.

TIPPS FÜR DIE BADISCHE WEINSTRASSE

BADISCHER WEINRADWEG

Wer sportlich unterwegs ist oder einen guten Akku am E-Bike hat, kann die Badische Weinstraße prima mit dem Rad erkunden. 460 Kilometer weit führt der Badische Weinradweg von Basel bis Weinheim. Aber Vorsicht: Vielleicht sollten Sie den einen oder anderen Tag extra einplanen, denn am Rand der Strecke liegen nicht nur Weingüter, sondern auch viele Schnapsbrennereien. 

www.badische-weinstrasse.de/ entdecken/weinradweg

HOTEL RITTER DURBACH

Helmut Kohl hat hier schon mit François Mitterrand gegessen, dazu Thomas Gottschalk sowie die Schauspielerinnen Meg Ryan und Jerry Hall. Der 4-Sterne-Genussund Well-nesstempel ist eher nichts für den kleinen Geldbeutel. Dafür gibt’s ein 1200-Quadratmeter-Spa, Leih-Oldtimer und – kein Scherz! – einen hoteleigenen Schamanen.

www.ritter-durbach.de

KORKENZIEHER MUSEUM KAISERSTUHL

Die Weinflasche steht bereit, aber wo ist bloß der Korkenzieher? Bernhard Maurer kennt dieses Problem nicht. Mitte der 1990er-Jahre kaufte er auf einem Flohmarkt den ersten Korkenzieher seiner heutigen Sammlung. Mittlerweile besitzt er mehr als 1000 Stück, quer durch die 350-jährige Korkenzieher-Historie. Einen Teil davon stellt der Sammler im malerischen Vogtsburg-Burkheim aus.

www.korkenzieher.de

SCHLAFEN IM WEINFASS

Im Hotel übernachten kann ja jeder. Aber schon mal im Weinfass geschlafen? In Sasbachwalden bietet die Familie Wild sechs Arrangements mit jeweils 8000 Litern Schlafraum, einem extra Toiletten- und Sanitärfass gleich nebenan samt Bänkchen mit Tisch – mitten in den Reben!

www.schlafen-im-weinfass.de

STRAUSSWIRTSCHAFTEN

Wurstsalat mit Bibbiliskäs und Brägele, dazu ein Viertele direkt ab Hof und das Ganze in gemütlicher, ungezwungener Atmosphäre – am allerbesten nach einer ausgiebigen Wanderung. Entlang der Badischen Weinstraße öffnen im Frühjahr und im späten Herbst Dutzende „Besenwirtschaften“ ihre Türen.

www.badische-weinstrasse.de/ geniessen-erleben/strausswirtschaften

VINOTHEK IM KLOSTER BRONNBACH

Der Weinbau war früher fester Bestandteil des Lebens der Zisterzienser. In dieser Tradition wurde 2007 der ehemalige Vorratskeller des Klosters Bronnbach im Taubertal zu einer Vinothek ausgebaut. Dort gibt es gute Tropfen von 21 Weingütern aus Baden, Württemberg und Franken. Weinprobe und Klosterführung können kombiniert werden.

www.kloster-bronnbach.de/ Besuch-planen/Vinothek.html

ZKM KARLSRUHE

1989 gegründet, um die klassische Kunst ins digitale Zeitalter zu überführen, zählt das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe heute zu den weltweit bedeutendsten Institutionen seiner Art. Im denkmalgeschützten Industriebau vereint das ZKM Forschung, Archiv und Ausstellungen. zkm.de/de

KONTAKT: Badische Weinstraße Schwarzwald Tourismus GmbH Wiesentalstr. 5, 79115 Freiburg Tel. 07 61/89 64 60

www.badische-weinstrasse.de