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DER SONNE HINTERHER


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arrive - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 14.10.2022

LIGHTYEAR, APTERA UND SONO MOTORS

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Bildquelle: arrive, Ausgabe 6/2022

LIGHTYEAR 0 – SOL ARAUTO DELUXE

Mit Deluxe ist hier nicht das Interior gemeint, auch wenn das keineswegs minderwertig ist, sondern der Fahrzeug preis insgesamt. Denn die Kosten für die jahrelange Entwicklung und die hochwertigen Materialien müssen irgendwie aufgefangen werden. Die gesamte stromlinienförmige Karosserie besteht aus leichten, aber teuren Kohlefasern und ist mit fünf Quadratmetern modernster Solarzellen überzogen. An jedem Rad sitzt ein hocheffizienter Elektromotor, und im Unterboden liegt ein 60-kWh-Akku. Wer das erste Solarauto der Marke Lightyear besitzen möchte, muss 297 000 Euro parat haben, dafür ist der Strom teilweise kostenlos.

Bis zu 70 Kilometer pro Tag sollen allein durch Sonnenenergie nachgeladen werden. Wer nicht jeden Tag fährt oder nur deutlich kürzere Strecken, wird Monate ohne Ladestopp auskommen. Eine hohe Effizienz und ein niedriges ...

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... Fahrzeuggewicht machen es möglich. Mit 1,5 Tonnen wiegt der Lightyear 0 nur etwas mehr als ein elektrischer Kleinwagen. Das liegt zum einen an der Leichtbauweise und zum anderen am verhältnismäßig kleinen Akku, der trotzdem bis zu 625 Kilometer am Stück ermöglichen soll. Kein anderer Hersteller holt bisher mehr Reichweite aus 60 Kilowattstunden heraus. Zum Vergleich: Die Basisversion des Tesla Model 3 hat einen ähnlich großen Akku und gehört zu den effizienteren Elektroautos auf dem Markt, trotzdem kommt man damit maximal 491 Kilometer weit.

Noch dieses Jahr sollen die ersten Fahrzeuge von Lightyear ausgeliefert werden. Die Stückzahl ist auf 946 Fahrzeuge begrenzt. Mit der Zahl spielt das Unternehmen auf die Geschwindigkeit des Lichts an, das in einem Jahr 9,46 Billionen Kilometer zurücklegt. Außerdem möchte Mitgründer Lex Hoesfloot bis 2035 weltweit genauso viele Autokilometer nur mit Solarstrom möglich machen. Das entspricht der Jahresfahrleistung aller Pkw auf diesem Planeten. Um das zu erreichen, soll es deshalb nicht bei einem hochpreisigen Fahrzeug bleiben. Mit dem Erlös und den Erkenntnissen aus ihrem ersten Serienfahrzeug Lightyear 0 möchte das niederländische Unternehmen in Zukunft deutlich günstigere Solarfahrzeuge bauen und die Solarmobilität zur Massenmobilität transformieren.

TECHNISCHE DATEN

Lightyear 0

Gewicht

1575 kg

Aerodynamik

Cw-Wert 0,17

Maximale Solarleistung

1050 Watt

Maximale Motorleistung

132 kW

Maximale Reichweite

625 Kilometer (WLTP)

Akkukapazität

60 kWh

Einstiegspreis

297 500 Euro

„Unser Ziel ist es, nachhaltige Mobilität für alle zugänglich zu machen, und Lightyear 0 ist das Sprungbrett, das dies möglich machen wird.“

Lex Hoefsloot, Mitgründer und CEO Lightyear

APTERA – SONNENGLEITER AUF DREI RÄDERN

Ein durchgehender Lichtstreifen markiert die Front des Aptera und die beiden Vorderreifen links und rechts der Fahrgastzelle liegen unter separaten Verschalungen. Solarzellen ziehen sich von der Spitze über das Dach bis zum Heck des Fahrzeugs. Sogar die Armatur unter der Windschutzscheibe ist mit Solarzellen bestückt. Mit dem sogenannten „Never-Charge-Solar-Package“ sollen bis zu 60 Kilometer Reichweite am Tag durch die Sonne dazugewonnen werden.

Je nachdem, an welchem Ort man lebt und wie viele Kilometer man am Tag fährt, werden Ladestationen überflüssig. Auf der Webseite von Aptera Motors kann man sich das für seinen eigenen Wohnort berechnen lassen. Wer zum Beispiel in München lebt und nicht mehr als 40 Kilometer am Tag fährt, kommt ohne zusätzlichen

Strom aus. Es handelt sich um Durchschnittswerte, die im Winter kaum zu erreichen sind und im Sommer womöglich übertroffen werden. Neben den vielen Solarzellen ist ein weiterer Faktor dabei entscheidend: die Effizienz.

Ein geringes Fahrzeuggewicht, eine außergewöhnliche Aerodynamik und 700 Watt Solarpower sollen bis zu 1600 Kilometer Reichweite ermöglichen. Mit dem größten 100-kWh-Akku wird das Fahrzeug circa eine Tonne wiegen. Ein Audi e-tron mit einem fast genauso großen Akku wiegt mehr als das Doppelte. Das Chassis ähnelt einem Jet und reduziert den Luftwiderstand des Fahrzeugs auf einen Cw-Wert von 0,13. Zum Vergleich: Ein Mercedes-Benz EQS hat einen Cw-Wert von 0,20.

Der Name Aptera ist griechisch und bedeutet flügelloser Flug. Genau so soll sich eine Fahrt mit dem hocheffizienten Solarmobil anfühlen. Durch Flügeltüren gelangt man in den Innenraum zu zwei Sitzen und einem 15-Zoll-Touchscreen. Die Ähnlichkeit zu Teslas Model 3 lässt sich hier nicht wegdiskutieren. Zusätzlich gibt es statt Rück- und Seitenspiegeln Kameras und Bildschirme wie im Honda e. Hinter den beiden umklappbaren Rückenlehnen erstreckt sich der Kofferraum. Mit 4,37 Metern ist der Aptera etwas länger als der VW ID.3 und mit 1,45 Metern etwas höher als ein Mini Cooper SE.

TECHNISCHE DATEN

Aptera

Gewicht

800–1000 kg

Aerodynamik

Cw-Wert 0,13

Maximale Solarleistung 

700 Watt 

Maximale Motorleistung 

100 kW (FWD)/150 kW (AWD)

Maximale Reichweite 

400–1600 Kilometer

Akkukapazität 

25/40/60/100 kWh 

Einstiegspreis 

25 900 Dollar/Euro

Für 25 900 Dollar bekommt man bei Aptera einen 25-kWh-Akku mit bis zu 400 Kilometern Reichweite, ein Dach mit Solarzellen und Frontantrieb. Wer Allradantrieb, Solarzellen auf Heckklappe und Frontschürze und den größeren 100-kWh-Akku wählt, zahlt 50 700 Dollar. Damit sollen dann 1600 Kilometer Reichweite möglich sein. Man kann die Fahrzeuge des US-amerikanischen Herstellers Aptera Motors bereits vorbestellen, die Produktion soll noch dieses Jahr beginnen. Hoffen wir also, dass wir dieses außergewöhnliche Fahrzeug spätestens nächstes Jahr auf den US-amerikanischen Highways sehen werden. Vielleicht schafft es Aptera dann auch, die Flügel(-türen) auszubreiten und zu uns nach Europa zu fliegen.

„Das wird das effizienteste Fahrzeug mit Straßenzulassung. Statt an der Steckdose, kann man es deshalb mit Solarenergie laden und erreicht eine Reichweite von bis zu 1000 Meilen.“

Chris Anthony, CEO und Mitgründer von Aptera Motors

„Jedes Solarfahrzeug, das auf den Markt kommt, hilft uns, weil es Aufmerksamkeit dafür schafft, dass Solarfahrzeuge das nächste große Ding werden.“

Laurin Hahn, CEO und Mitbegründer von Sono Motors

SONO MOTORS – ERSCHWINGLICHER SOLAR-VAN ZUM TEILEN

Kein glänzender Lack und keine Flügeltüren. Bis auf die matte Außenbeschichtung aus Polymeren, unter der die Solarzellen hindurchschimmern, wirkt der Sion wie ein gewöhnlicher Mini-Van. Innen ist er ähnlich unauffällig, mit einer Ausnahme.

Zwei Displays und viel Kunststoff warten im Innenraum. Teile der Armatur bestehen aus recyceltem Plastik, und der Zehn-Zoll-Bildschirm in der Mitte lässt sich via Touch bedienen. Der Rest wirkt simpel und aufgeräumt, nur das Belüftungssystem zieht Aufmerksamkeit auf sich. Grünes Moos quillt unter der Armatur hervor und filtert die Luft, die in das Fahrzeug strömt. Es kann in unterschiedlichen Farben angestrahlt werden und verleiht dem sonst eintönigen und dunklen Innenraum einen erfrischenden Farbakzent.

Das Solarauto von Sono Motors lädt sich selbstständig auf, es lässt sich via App mit anderen Menschen teilen, und es dient als mobile Stromquelle. Sobald man aus dem Schatten herausfährt, speist das Solardach Strom in den Akku. Mit allen Solarpaneelen zusammen sind bis zu 1200 Watt möglich. Das wären umgerechnet bis zu 245 Kilometer Reichweite pro Woche nur durch die Sonne. Sono Motors hat zusätzlich eine App für privates Carsharing entwickelt. Sie soll es ermöglichen, den Sion mit der Community zu teilen. Gleichzeitig funktioniert die App auch als Mitfahrzentrale und Ladestromanbieter. Der Sion kann bidirektional laden und Strom an andere elektrische Fahrzeuge oder Geräte abgeben. Über den Haushaltsstecker oder den Stecker Typ 2 mit bis zu elf Kilowatt. Wie viel Strom an wen gehen soll, das kann über die App festgelegt werden. Insgesamt bietet der kobaltfreie 54-kWh-Akku (Lithium-Eisenphosphat) bis zu 305 Kilometer Reichweite. Die Solarreichweite kommt noch obendrauf.

Über 20 000 Fahrzeuge wurden bereits vorbestellt und über 50 Millionen Euro über Crowdfunding eingesammelt. Vorerst wird es nur eine Variante des Sion geben, und der Preis liegt bei knapp unter 30 000 Euro. Im Juli hat das Münchener Start-up das finale Produktionsdesign vorgestellt, und nächstes Jahr sollen die ersten Fahrzeuge an Kund:innen ausgeliefert werden.

FAZIT

Jedes der drei vorgestellten Fahrzeuge hat ein komplett anderes Konzept. Zwar setzen sowohl Aptera als auch Lightyear auf Aerodynamik und Leichtbau, aber sie sind in völlig unterschiedlichen Preis- und

Fahrzeugklassen aufgestellt. Beim Sion von Sono Motors spielt der Luftwiderstand aus Kostengründen eine untergeordnete Rolle, Praktikabilität und Carsharing sind hier wichtiger. Preislich kann nur das Einstiegsmodell von Aptera mit dem Sion mithalten. Selbst wenn sich nicht alle drei Start-ups auf dem Markt behaupten kön- nen, so haben sie bereits jetzt ihre Spuren hinterlassen. Bei Hyundai, Genesis und Toyota gibt es schon heute optionale Solardächer in Serienfahrzeugen. Es könnte der Beginn einer neuen Ära sein, denn die Elektrifizierung unserer Fahrzeuge ist nur der erste Schritt. Im zweiten Schritt wird der Fokus auf Aerodynamik liegen, damit endlich die Frage nach der Reichweite obsolet wird. Als dritter Schritt könnte Solarintegration zum Standard werden und uns von der Preispolitik globaler Energiekonzerne befreien. Das nennen wir mal sonnige Aussichten!

TECHNISCHE DATEN

Sono Motors Sion

Gewicht 1730 kg

Aerodynamik

Cw-Wert > 0,20

Maximale Solarleistung

1200 Watt

Maximale Motorleistung

120 kW

Maximale Reichweite

305 Kilometer (WLTP)

Akkukapazität

54 kWh (LFP)

Einstiegspreis

29 500 Euro