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DER SPÄTBERUFENE


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DrumHeads - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 12.10.2022

Clay Aeschliman / Polyphia

Artikelbild für den Artikel "DER SPÄTBERUFENE" aus der Ausgabe 6/2022 von DrumHeads. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Diesen Oktober erscheint das neue Album „Remember That You Will Die“, der zweite Longplayer von Polyphia, auf dem Clay Aeschliman als Drummer verewigt ist. Noch vor wenigen Jahren hätte der aus Dallas, Texas stammende, studierte Betriebswirt nicht zu träumen gewagt, dass er einmal Profimusiker werden könnte.

Fangen wir ganz vorne an. Erzähl mal, wie du zum Schlagzeugspielen gekommen bist und wie es kam, dass du Mitglied von Polyphia wurdest.

Ich war nie eins dieser Kids, die ein Rockstar werden wollen und verrückt nach Musik waren. Eigentlich hab ich mich mehr für Sport interessiert und wollte Profi-Basketballer werden. Während der High School hab ich aber einige Jahre in der Marschkapelle getrommelt. Das war aber vorbei, als ich ans College gegangen bin. Da hab ich das Drumming wieder vergessen und mich aufs Studium konzentriert. Danach habe ich ein paar Jahre in einem ...

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... Logistikunternehmen gearbeitet. Ich habe den Job gehasst! Irgendwann habe ich gekündigt, sehr spontan sogar. Ich wollte mein Leben verändern. Also hab ich einen Proberaum gemietet und ein Schlagzeug besorgt und nur noch getrommelt. Ein ganzes Jahr lang habe ich jeden Tag acht bis zehn Stunden gespielt. In der Zeit habe ich gar nicht gearbeitet und von meinem Ersparten gelebt.

Hattest du dir das Ziel gesetzt, ein professioneller Drummer zu werden?

Nein. Ich wollte nur etwas tun, das mir Spaß macht. Der Job, den ich gekündigt hatte, war ein absoluter Albtraum gewesen. Ich habe mich jeden Tag 18 Stunden lang kaputtgearbeitet. Danach war ich ausgebrannt und deprimiert. Also wollte ich endlich etwas machen, das mir gefällt. Während dieses Jahres habe ich das Schlagzeugspielen eine echte Leidenschaft entwickelt. Als ich mir zutraute, mit anderen zu spielen, hab ich hier in Dallas für einige Zeit bei lokalen Bands mitgemischt. 2016 half ich bei Shows der Band Invent Animate aus. Dann kam dort eine Anfrage von Polyphia rein, ob ihr Drummer Trey (Celaya; die Red.) nicht einspringen könnte, denn Polyphia hatten ihren Drummer gefeuert. Weil Trey aber schon durch mich vertreten wurde, kamen die Jungs auf den Gedanken, mich zu fragen. Zuerst machte ich ein paar Video-Shootings mit den Jungs. Dann ging ich mit auf die nächste Tour. Und dann bin ich einfach dabei geblieben.

Zu dem Zeitpunkt hatten Polyphia ihr zweites Album „Renaissance“ veröffentlicht. Es muss herausfordernd gewesen sein, diese nicht gerade einfachen Songs so schnell zu lernen.

Ja, die sind wirklich nicht einfach. Ich hatte zu der Zeit ja nicht mal drei Jahre Erfahrung an einem vollständigen Drumkit. Die meiste Erfahrung stammte aus meiner Zeit in der Marschkapelle. Meine Hände waren also nicht das Problem, aber für die Füße war es schwierig. Ich hatte zum Glück meinen guten Freund Bryce Butler von der Band Shadow of Intent zur Seite. Er hat mir geholfen, die Parts zu lernen.

Du hast aber nie Unterricht genommen?

Nein, ich hatte nie richtigen Unterricht. Aber ich schätze, ich war auch so nicht allzu schlecht. Die Kollegen von Polyphia haben mir die Freiheit gelassen, ein paar Parts so zu verändern, dass sie besser zu meinem Spiel passen. Ich habe also einige Fills geändert und sie – meiner Meinung nach – besser gemacht (grinst). Die Grundrhythmen habe ich gelassen, wie sie waren.

Welche Art von Musik hast du gern gespielt und gehört, bevor du zu Polyphia gestoßen bist?

Die Bands, in denen ich war, haben alle Metalcore gespielt. Das war auch die Musik, auf die ich stand. Ich dachte, Metalcore-Drumming mit Doublebass und Breakdowns wäre das höchste der Gefühle. Matt Greiner von August Burns Red war aus meiner Sicht der beste Drummer der Welt. Er ist ja auch großartig. Aber erst später habe ich die richtig herausragenden Drummer entdeckt. Der erste, den ich außerhalb des Metal-Genres kennengelernt habe, war Eric Moore. Dann kamen weitere wie Devon Taylor, Mike Mitchell und Andy Prado Jr. Die haben mich sehr beeindruckt und durch sie habe ich erkannt, was wirklich gutes Drumming ausmacht. Daraufhin habe ich meine Spielweise mehr in Richtung Gospel Chops und Fusion umgeschwenkt, und das Doublebass-Pedal hab ich ausgemustert.

Die Musik von Polyphia hat auch beim Metalcore angefangen und sich inzwischen in eine ganz andere Richtung bewegt. Woher kommen die verschiedenen Einflüsse und wie gelangen sie in euer Songwriting?

EQUIPMENT

Tama Starclassic Maple

22” Kickdrum

10,12” Rack Toms

16” Floor Tom

14” S.L.P. G-Walnut Snare

BECKEN Meinl

14” Classic Custom Dark hi hats

12” Classic Custom Trash Stack

10” Pure Alloy Splash

8”/10” Gen X Stack

18” Byzance Dual Crash

18” Pure Alloy Crash

21” Byzance Dark Ride

20” Byzance Traditional Medium Crash

Garstka Fat Stack

18” Classic Custom Trash Stack

HARDWARE

Iron Cobra Power Glide Double Pedal

FELLE Evans

HD Dry snare head

UV 2 Tom heads

EMAD floor Tom head

EMAD kick head

STICKS

Vic Firth X55A

Aktuelles Album

Das vierte Studioalbum der amerikanischen Band ist stilistisch äußerst divers. Aufhorchen lassen die vielen Kollaborationen, etwa mit Chino Moreno (Deftones), Steve Vai oder dem Rapper $not. Vom früheren Metalcore gibt es nur noch blasse Spuren. Die Drumgrooves sind elektronischen Beats nachempfunden, das zugleich perkussive und melodiereiche Gitarrenspiel ist mittlerweile ein starkes Markenzeichen.

Als ich zur Band gekommen bin, hatte ich für die Tour noch viel zu lernen, das sich nach Metal anfühlte. Die ersten Aufnahmen, die ich dann mit der Band gemacht habe, waren Re-Recordings ihrer ersten zwei EPs, bei denen ich meinen eigenen Stil einbringen konnte. Die wurden bis jetzt noch nicht veröffentlicht. Die Stilentwicklung der Band ist aber nicht mein Verdienst. Die hängt vor allem davon ab, was Tim (Henson) und Scott (LePage, beide Gitarre; die Red.) während einer Albumproduktion gerade hören. Zur Zeit von Muse (2014) standen sie auf Popmusik, auf der EP „The Most Hated“ (2017) gab es starke elektronische Einflüsse und im Moment sind Hiphop und Trap hoch im Kurs. Außerdem ist das Songwriting bei Polyphia vermutlich einzigartig. Tim oder Scott legen ein Riff vor und arbeiten es zusammen weiter aus. Dann senden wir den Entwurf zu verschiedenen Produzenten aus unserem Bekanntenkreis, die alle ihre eigenen Versionen des Songs erstellen. Anschließend stückeln die Jungs die besten Teile der verschiedenen Versionen zusammen. Diese Rohversion bekommen dann Gober (Clay Gober, Bassist) und ich, um Drums und Bass darüber zu spielen. Das heißt, wenn die Songs bei mir ankommen, sind die Gitarren schon da, oft auch der Bass und meistens ein programmierter Beat. Das mag ein ganz einfacher, bloßer Platzhalter sein oder auch ein ausgefeilter, aber überladener und völlig unspielbarer Beat. Also kann ich entweder ganz frei spielen, was ich will, oder muss versuchen, der Vorlage möglichst nah zu kommen. Ich habe übrigens oft das Gefühl, dass ich dazu bestimmt bin, bei Polyphia zu spielen. Durch meinen Hintergrund in der Marching Band habe ich diese gründliche, auf Rudiments basierte Ausbildung. Die komplexen, schnellen Hi-Hat-Patterns, die ich oft vorgelegt bekomme, sind also genau meine Spezialität und machen mir besonders viel Spaß.

Gibt es Drum-Equipment, auf das du nicht verzichten kannst?

Wenn ich so drüber nachdenke: Mit Polyphia brauche ich ausnahmslos alle Teile meines Equipments. Von meinem Setup benutze ich jeden Bestandteil in jedem Song. Ich habe ziemlich viele Becken – alle von Meinl. Darunter sind vier Stacks, die ich liebend gern nutze. Genau wie meine Snaredrums. Meine Lieblings-Snaredrum ist die Tama S.L.P. G Walnut in 14 mal 6,5 Zoll. Die knallt gut, ich stimme sie recht hoch. Meine Iron Cobra Powerglide Pedale sind die allerbesten. Bevor ich Tama-Endorser wurde, hatte ich zwei Modelle von anderen Herstellern und kann sagen, dass die Iron Cobras ihnen weit überlegen sind. Im Ganzen finde ich mein Setup einfach perfekt. Wenn ich es auf der Bühne stehen sehe, will ich mich immer einfach dahinter setzen und es spielen, genau so, wie es ist.

Habt ihr bei den Aufnahmen für das neue Album „Remember That You Will Die“ noch andere Trommeln und Percussion genutzt?

Oh ja. Zum Beispiel ein Tamburin, Woodblocks, Shaker, Claves – und eine Triangel hab ich auch gespielt. Außerdem so eine Taiko-ähnliche Trommel und Bongos. Wir haben also eine Menge zusätzliche Ebenen hinzugefügt, bei vielen Songs.

Sind auf diesem Album irgendwelche elektronischen Beats zu hören?

Nein, auf diesem Album sind die Drums ausschließlich echte Instrumente, die wir selbst aufgenommen haben.

Wie wird die Musik von Polyphia sich in absehbarer Zeit weiterentwickeln?

Wir haben jetzt schon viele Features auf dem neuen Album, davon fünf Vocal-Features. Es wird zukünftig wahrscheinlich noch mehr und größere Features geben, mit bekannten Künstlern. Vom Schreiben und Tracking für dieses Album ist sehr viel Material übrig, das schon fast für ein weiteres Album reichen würde.

› Daniel Schmitt