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DER SPRUNG INS FEUER


Basket - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 20.05.2021

ANALYSE

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Bildquelle: Basket, Ausgabe 6/2021

Booker nimmt 2020/21 im Schnitt 5,7 Dreier pro Spiel und trifft sie mit einer Quote von 34,9%.


Der Gewinn einer Championship ist nicht jedem vergönnt. Unter den 30 Teams in der NBA findet sich schließlich stets nur eine Franchise, die am Ende den Thron besteigen darf. Die anderen Mannschaften hingegen müssen sich mit einem mal mehr, mal weniger enttäuschenden Abschied in die Sommerpause begnügen. Mit der Herausforderung, jenen Bann zu brechen, gehen die Mannschaften in der stärksten Basketballliga der Welt unterschiedlich um. Grob lassen sich jedoch drei „Masterpläne“ erkennen: Der ersten ...

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... Kategorie gehören zumeist die Contender an. Jene erhabene Gesellschaft, die sich als potenzieller Finals-Dauergast bezeichnen darf, besitzt faktisch die Qual der Wahl bei der Gestaltung des Kaders. So sehnt sich wohl ligaweit die breite Mehrheit der Spieler nach einem Ring und ist dementsprechend gewillt, Opfer zu bringen. Folglich kann mit strategischen Schachzügen und einer Portion Glück möglicherweise gar die Formierung eines „Superteams“ gelingen. Das komplette Gegenteil zu dieser Philosophie stellt die zweite Sparte dar. In dieser Gruppe befinden sich die „Anti-Contender.“ Dort liegt das Hauptaugenmerk vor allem darauf, das Parkett möglichst oft als Verlierer zu verlassen.

Das Motiv? Ein Vermögen an Picks! So scheint es unter diversen General Managern der neueste Trend geworden zu sein, die Auswahlrechte an Spielern zu sammeln und zu horten. De facto ein „Sammelkartenspiel“ auf professionellem Niveau. Die finale Art der praktizierten Zukunftsplanung kennzeichnet sich durch ihre Treue zum Mittelmaß aus. Ihren Ursprung findet jene Loyalität vermehrt in gescheiterten Rebuilds. Franchises, die sich diesem Vorgehen verschreiben, befinden sich in einem regelrechten Teufelskreis und sind somit dazu verdammt über etliche Jahre im grauen Mittelfeld oder Tabellenkeller zu schmoren. So auch die Phoenix Suns. Denn eines ist sicher: Im letzten Jahrzehnt herrschte eine „Sonnenfinsternis“ in Arizona. Das letzte Mal, dass sich die Sonnenkrieger für die Postseason qualifizierten liegt schon lange zurück, im Jahr 2010: Damals war-Dirk Nowitzki noch kein NBA-Champion, Kobe Bryant hat seine letzte Meisterschaft gewonnen und LeBron James machte Schlagzeilen mit seiner „Decision“. Ein Jahr voller Ereignisse, das zeitgleich auch den Sonnenuntergang im Wüstenstaat markiert. Mit der 2017-2018er Spielzeit gesellte sich ein weiteres Jahr des Misserfolgs in die Teamhistorie. Die Mannen aus Arizona beendeten die Saison mit einer Bilanz von 21 Siegen sowie 61 Niederlagen. Ziemlich ernüchternd!

Leichter gesagt als getan

Dessen war sich auch Devin Booker bewusst. So ist die verfrühte Sommerpause für den jungen Franchise-Star unlängst zur Routine geworden. Alleine während seinen ersten drei Spielzeiten auf der ganz großen Bühne verlor der begnadete Scorer 178 Begegnungen. Folglich plagte den Star-Guard ein immenser Frust. Jahr ein, Jahr aus sein Bestes geben, sich die Seele aus dem Leib spielen … und das alles nur um wieder gespannt die Draft-Lotterie vor dem TV zu verfolgen? Nein, damit musste jetzt endlich Schluss sein! „Book“ hatte hierbei auch keine Hemmungen dies öffentlich publik zu machen. Voller Selbstbewusstsein verkündete Booker am Ende der Horror-Saison: „Ich habe es satt die Playoffs zu verpassen! Ich meine es ernst. Das ist vermutlich das letzte Jahr, in dem ich die Playoffs verpasst habe. Falls ich mir damit eine Last auferlege, dann werde ich den ganzen Sommer hart an mir zu arbeiten, damit das nicht noch ein-mal vorkommt.“ Leichter gesagt als getan. Das musste sich auch Book eingestehen: „Wenn der Erfolg erst einmal kommt, dann wird er sich noch besser anfühlen in dem Wissen, was wir als Team und junge Spieler durchmachen mussten. Wir werden bisher vom Rest der Liga ziemlich fertig gemacht. Ich denke, dass das eine Motivation für uns sein wird.“ Eine wahre Motivation schien die gewohnheitsmäßige Prügeltracht für ihn und seine jungen Mitstreiter wohl doch nicht zu sein. Denn anstatt sich eine Dauerkarte für die Top acht im Westen zu buchen, sammelte Book erstmal weiterhin fleißig Pleiten. Dementsprechend mangelte es auch nicht an Kritik. So sollte den Anführer der Suns seine Kampfansage noch lange Zeit verfolgen. Insbesondere die größte Stärke des Shooting-Guards wurde ihm dabei erneut angekreidet: Das Scoring. Dieses resultierte nämlich nur allzu selten in Triumphen. Daher wurde Booker auch mit dem „Mann der leeren Zahlen“-Label versehen. Ein Etikett, das sehr stark vom Narrativ beeinflusst wird. Spieler mit vergleichsweise ähnlichen Statistiken, jedoch aber mehr Siegen, würden beispielsweise als Helden proklamiert. Eine unglückliche Gegebenheit.

Über seine Karriere hinweg trifft Booker 45,5% seiner Würfe aus dem Feld.


53,8% der „Zweier“ von Booker finden ihr Ziel – nur 2019/20 traf er in dieser Hinsicht besser!

Neues Motto in Phoenix

Klar, zumeist lastet die größte Verantwortung auf den Schultern des Franchise-Players. Aber die Organisation, der Coaching Staff sowie die Mitspieler und viele weitere Beteiligte bilden das Kollektiv. Beweis hierfür bietet die Spielzeit 2019/20. Um genauer zu sein die Schlussphase in Disneyworld. Hier findet nämlich die Legende der „Bubble-Suns“ ihren Ursprung. Da die Mannschaft als einzige Franchise ungeschlagen blieb, aber dennoch knapp die Postseason verpasste, erreichte sie einen Bekanntheitsgrad, der seinesgleichen sucht. Zwar nicht der Meistermacher, dafür aber „Fast-Playoff-Macher“ hört hierbei auf den Namen Monty Williams. Der Head Coach injizierte den Suns eine Gewinnermentalität. Seit seiner Amtsübernahme gelang es dem 49-Jährigen peu a peu einen höchstens durchschnittlichen Kader mit einer ordentlichen Priese Teamchemie und taktischen Feinschliffen zu einem ernstzunehmenden Playoffanwärter zu formen. Der Mythos der Bubble-Suns diente hierbei als Teaser, der wie eine Woj-Bombe in der NBA „explodierte“. In die Offseason gingen GM James Jones & Co. deshalb voller Zuversicht – zurecht, wie sich schnell zeigte.

So angelten sich die Suns mit Chris Paul und Jae Crowder zwei Veteranen, welche die neue Ausrichtung im Wüstenstaat verdeutlichen: Jetzt wird gewonnen! Diese Devise ist nach Bookers empfinden wohl zwei Jahre zu spät eingetreten, aber wie heißt es so schön: Besser spät als nie! Die Neuzugänge fügten sich nahtlos in den bestehenden Roster ein und sorgten für die ein oder andere Ergänzung im Offensivspiel der Suns. Die wohl größte Auffälligkeit ist, dass mit Chris Paul ein relativ balldominanter Spielermacher die Regentschaft im Angriff übernimmt. Dies ist aber keinesfalls eine negative Eigenschaft. Schließlich gibt es kaum einen so spielintelligenten wie erfahrenen Point Guard, wie CP3 es ist. Nicht grundlos wurde er daher schon von dem ein oder anderen zum „Point God“ getauft. Mit dem Point God auf der Eins befindet sich der Spalding seltener in den Händen Bookers. Um genau zu sein hat der 24-Jährige diesen durchschnittlich 4,0 Minuten pro Begegnung im Besitz. Kleiner war dieser Wert zuletzt vor knapp vier Jahren während der 2016-2017er Saison (3,3 Minuten). Das entlastet Book, da er sich nun „gemächlich“ seine Sweet-Spots auspicken darf. Mit den zwei All-Star-Guards in der Regie haben die Phoenix Suns einen Top-Seed im Westen und damit einen Playoffspot erobert. Ein unbekanntes Territorium für die Mehrheit der Arizona-Baller. Im Speziellen Jungspund Booker ist in der Hinsicht im wahrsten Sinne des Wortes ein Baby. Ein Playoff-Säugling, der sich ausgewachsenen Männern gegenübergestellt sehen wird. Der Unterschied zwischen der regulären Saison und „den Spielen, die wirklichen zählen“ ist hierbei wie Tag und Nacht. So ist in den Playoffs das Spiel langsamer, die einzelnen Partien bedeutender, der Gegner besser eingestellt. Dieser Feuertaufe musste sich bisher jeder NBA-Star unterziehen. Es steht in den Sternen – oder in der Sonne, je nachdem wie man es nimmt – wie Booker in den Playoffs performt. Es ist damit zu rechnen, dass die Defense am offensiven Dreh- und Angelpunkt der Suns kleben wird, was vermutlich mit einer ineffizienteren Trefferquote einhergeht. Allerdings spricht auch vieles für eine rosige Zukunft. Denn Booker ist gereift.

Neue Ära in Arizona

Mittlerweile ist er trotz seines jungen Alters in seiner bereits sechsten Profisaison und an den permanenten Druck gewöhnt. Schließlich ist er faktisch seit Stunde Eins der Go-to-Guy in Phoenix. Zudem haben die Sonnenkrieger seit der Ankunft Pauls den Fuß vermehrt vom Gaspedal genommen. Während die Mannen von Monty Williams vergangene Spielzeit mit einer Pace von 101,74 Angriffen pro Duell über den Court schlitterten, ist der Wert aktuell auf 98,12 gesunken. Nur fünf Teams agieren derzeit langsamer! Folglich wird Book indirekt auf den Sprung ins kalte Wasser vorbereitet. Oder um es kurz auf den Punkt zu bringen: Er ist ein anderer Spieler. Auch GM James Jones weiß, dass eine neue Ära in Arizona begonnen hat und sich diese in ihrem Anführer widerspiegelt.

„Der klassische Devin Booker würde sagen: Meine Mannschaft ist am verlieren. Lass mich jeden Wurf nehmen, lass mich versuchen jedes Play zu übernehmen, damit ich mein Team zum Sieg führe.“ Weiter führt er aus: „Bookers Game kennzeichnet sich diese Saison dadurch aus, dass er ein Spieler ist, der versteht, wann er die primäre und wann die sekundäre Option sein muss. Ich denke, dass er sich diese Mentalität zu Herzen genommen hat.“ Genau jene Erkenntnis muss Book auch in der Postseason zu seinen Gunsten ausnutzen. Und wer weiß, vielleicht startet jetzt endlich der Lauf, vor dem uns einst die hellste Sonne in Arizona versuchte zu warnen…

Booker hat sich als Playmaker verbessert, begeht „nur“ 3,2 TO pro Spiel – sein bester Wert seit 2016/17.

Chris Paul (r.) stand bislang in 109 Playoff-Partien auf dem Parkett – Booker gibt 2020/21 sein Debüt.

„FÜR ALLES GIBT ES EIN ERSTES MAL“

So performten aktuelle und ehemalige NBA-Stars

während ihren ersten Playoffs (ausgewählte Liste)

BASKET-INFO: Nimmt sich Booker ein Beispiel am Playoffdebüt seines Teamkollegen Chris Paul, stehen die Chancen auf ein Weiterkommen für die Suns gut.

AKTUELLE SUNSSPIELER MIT PLAYOFF-ERFAHRUNG:

BASKET-INFO: Paul ist zwar der erfahrenste Suns-Spieler, viel Erfolg hatte er aber in den Playoffs nicht. 53 Siegen stehen 56 Niederlagen entgegen.


Fotocredit: Getty Images