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DER STILLE STAR


Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 47/2021 vom 25.11.2021

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Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 47/2021

MENSCHEN Ulrich Kranz

„Die Zukunft ist das Auto- Abo. Es befreit Menschen von allem, was am Besitz eines Autos nervt: Kauf, Anmeldung, Wartung und Verkauf.“

Ulrich Kranz

ZUR PERSON Ulrich Kranz

Geboren 1958. Bis 2016 mehr als 30 Jahre bei BMW. Gesamtleiter „Project i“. Für drei Monate Technikchef beim Start-up Faraday Future. Co-Gründer von Evelozcity, das später Canoo heißt. Dort CEO. Seit Sommer 2021 bei Apple.

EIN SONNIGER TAG in Kalifornien, der Pazifik nur ein paar Straßen entfernt. Von dem deutschen Trio, das dasAuto-Start-up Canoo gegründet hat, posieren zwei Männer für die AUTO BILD-Kamera. Der dritte lässt sich entschuldigen; ...

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... er habe zu tun. In einem tristen Großraumbüro ein paar Blocks weiter. Später treffen wir ihn dort. Seine blasse Haut lässt vermuten, dass er viel hier ist und selten am Strand.

Die anderen beiden Canoo-Chefs reden, er, Ulrich Kranz, macht einfach. Entwickelt sein „Skateboard“, die variable Chassis-Plattform. Ein, zwei oder vier Motoren. Großer, kleiner oder mittelgroßer Akku. Alles möglich. Zuverlässig und bezahlbar. Die Zukunft des Autobaus.

Kranz sagt: „Viel kann ich dazun icht sagen.“ Lächelt freundlich.

Das geschieht im März 2019. Heute kann er noch viel weniger sagen. Ulrich Kranz ist jetzt bei Apple. Damit ist er einer der weltweit wichtigsten Deutschen, wenn es um die Zukunft der Mobilität geht. Mit über 60. Bei Apple.

Passt einer wie Kranz da überhaupt hin? Oder ist dieser so bescheidene Ingenieur nicht vielmehr einer, den solche Konzerne gerade wirklich brauchen: Leute mit Erfahrung, die ihr Handwerk in der alten Auto-Welt gelernt haben. Kranz ist drei Jahrzehnte bei BMW, der ehemalige „Gesamtleiter Project i“ gilt als Vater von i3 und i8. Als die Bayern ihren Vorsprung in Sachen E-Antrieb nicht konsequent ausbauen wollen, verlässt der Vordenker wie viele Kollegen seine bequeme Heimat und wagt das Abenteuer US-Start-up.

Faraday Future, Canoo, jetzt also Apple. Es gibt eindeutig schlechtere Aussteiger-Karrieren.

Um das „Apple Car“ (Projektname: Titan) ranken sich seit Jahren Mythen, Gerüchte und Spekulationen. Jüngst angefeuert durch die Personalie, die im Sommer bekannt wird: Kranz, dieser stille Star, geht zu Apple. Wollen die also doch ein komplett eigenes Fahrzeug auf die Beine stellen? Selbst Bleche biegen und Reifen aufziehen? Und nicht nur ein Betriebssystem für andere Hersteller entwickeln? Immer wieder gibt es Computeranimationen, wie so ein iCar aussehen könnte.

Wer nach Cupertino zu Apple geht, verschwindet erst mal von der Bildfläche. So auch der ehemalige Porsche-Entwickler Manfred Harrer, der ebenfalls dort anheuerte. Zuletzt wurde bekannt, dass Christopher Moore, der bei Tesla für den „Autopiloten“ zuständig war, zu Apple wechselt. Kranz, nie ein großer Redner, dürfte Schweigeverpflichtungen leichten Herzens unterschreiben.

Zuletzt trifft AUTO BILD Ulrich Kranz im Februar 2020 in Los Angeles. Erste Erprobungsfahrzeuge rollen US-weit durch Hitze und Schnee. Kranz sitzt zufrieden im

Vorserien-Canoo und erklärt dem deutschen Reporter die Technik und seine Philosophie des Verkehrs der Zukunft: autonome Ride- Hailing-Fahrzeuge; Autos im Abo. Moderne Gedanken für einen Ü60-Ingenieur. Vor allem: eine auffällige Bescheidenheit, Freundlichkeit, Dankbarkeit für das Interesse an seiner Arbeit. Wenige Wochen danach besuchen Apple- Leute Canoo, heißt es …

In der amerikanischen Autoindustrie liegen Aufstieg und Ausstieg nah beieinander. Die beiden Canoo-Gründerkollegen, Stefan Krause und Karl-Thomas Neumann, sind längst weitergezogen. Ulli Kranz, zum alleinigen Boss aufgestiegen, muss gehen, als der neue Aufsichtsratschef kommt und andere Ideen hat. Auch der Boss von Apples Autoprojekt ist wieder weg. Zu Ford.

Ob Ulrich Kranz irgendwann tatsächlich mal Apples „iCar“ präsentiert, ist also fraglich. Sollte er es allerdings schaffen – er würde endgültig aus dem Schatten treten.