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DER TRUCK FÜR ALLE FÄLLE


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Off Road - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 12.07.2022

MAN HX60

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Bildquelle: Off Road, Ausgabe 8/2022

Auf den ersten Blick sieht die MAN HX-Serie ihrem Urahnen, dem MAN GL, im Volksmund auch KAT genannt, zum Verwechseln ähnlich. Doch in Bezug auf die Bodengruppe unterscheiden sich diese beiden Modelle erheblich. Anfang der 2000er entwickelte MAN einen technisch weniger komplexen Militär-Lkw, der preislich attraktiver und warwändig gelagerter Starrachsen mit Schraubenfedern verwendet die HX-Reihe einfache Blattfedern.

GEBRAUCHTE MAN HX60 NUR ALS RECHTSLENKER

Den ersten und größten Rüstungsauftrag für die HX-Reihe schloss MAN mit der britischen Armee bereits im Jahr 2004. Rund 7500 neue Lastwagen – made in Germany – sollten die betagte und unzuverlässige Fahrzeugflotte wieder auf Vordermann bringen. Rund drei Jahre später wurden die ersten Fahrzeuge nach Großbritannien verschifft und in Dienst gestellt, den sie zuverlässig verrichteten. Doch schon nach kaum ...

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... mehr als 10 Jahren verschleuderte das britische Verteidigungsministerium die ersten Exemplare für einen Bruchteil des Neupreises. Da man durch den nahenden Brexit nicht mehr an europäische Ausschreibungsgesetze gebunden war, änderte das Ministry of Defence auch seine langfristigen Beschaffungsstrategien.

Diesem Umstand hat die Expeditionsmobil-Szene nun ein weiteres robustes Basisfahrzeug zu verdanken, das mit einem kleinen Haken versehen ist: Das Lenkrad ist auf der „falschen“ Seite. Zwar haben auch andere Länder mit Rechtsverkehr wie Deutschland, Österreich und Dänemark Fahrzeuge bei MAN bestellt, doch deren Nutzungsdauer ist meist mit rund 30 Jahren beziffert. Und ein weiterer Knackpunkt kommt noch dazu: Da der MAN HX60 nur die Abgasnorm Euro 4 besitzt, können lediglich bis zum Jahr 2010 in den Verkehr gebrachte Modelle auf offiziellem Wege zugelassen werden. Da die MAN HX der British Army keine EU-Zulassung besitzen, steckt hier der Teufel im Detail. Wer einen vermeintlich günstigen Truck ohne Zulassung beim Händler kauft, erlebt unter Umständen ein böses Erwachen.

Trotz aller Widrigkeiten haben findige Tüftler und Betriebe inzwischen mehr als nur eine Handvoll MAN HX60 in Deutschland zugelassen. Gleich mehrere dieser für deutsche Straßen umgerüsteten Exemplare sind in den fähigen Händen von Björn Gittrich gelandet. Zusammen mit Paul Meyer, einem befreundeten Unternehmer aus der Caravan-Szene, will er den soliden Militär-Truck in ein unverwüstliches Expeditionsmobil verwandeln. Björn, der zehn Jahre im Dienst von Mercedes-Benz stand, kennt sich bestens mit der Nutzfahrzeugtechnik aus. Paul ergänzt das Know-how um den Bereich Camping- und Innen-Ausbauten. Er selbst designt Möbel-Bausätze, mit denen sich Kastenwagen und Vans nachträglich zum Reisemobil umbauen lassen, und vertreibt allerhand Zubehör für Selbstausbauer. Als Björn mit seiner Idee an Paul herantrat, entstand die gemeinsame Geschäftsidee.

Bevor der Umbau zum Expeditionsmobil losgehen konnte, holte Björn einen weiteren Experten ins Boot. Steffen Graczyk aus Krakow am See hat bereits mehrere MAN HX60 auf eine Linkslenkung umgerüstet. Dafür muss eine ganze Reihe an Modifikationen vorgenommen werden: Angefangen beim Lenkgetriebe über die Pedalerie bis hin zur gesamten Lenkradeinheit einschließlich Elektrik für Tacho und Co muss alles versetzt werden.

KURZERHAND AUF LINKS GEKREMPELT

An dieser Stelle ist besonderes Fachwissen gefragt, denn beim freundlichen MAN-Händler um die Ecke bekommt man bei solchen Fragen nur ein ratloses Schulterzucken zu sehen. Auch wenn jede Menge ziviler MAN-Technik im HX60 steckt, ist das Fahrzeug offiziell ein „Rheinmetall MAN Military Vehicle“ oder kurz RMMV. Das sorgt beim Auffinden von speziellen Ersatzteilen gern für Verwirrung. Zum Glück gibt es Experten wie Stefan Graczyk, der sich mit den Zuordnungen der passenden Ersatzteile-Nummern bestens auskennt.

Das fertige Ergebnis des umgebauten Basisfahrzeugs kann sich sehen lassen: Alle nachträglich verbauten Komponenten sehen so aus, als wären sie schon immer an Ort und Stelle gewesen. Also rein ins Fahrerhaus, wir drehen eine Runde. Zurückhaltend und kultiviert startet der 6,9 Liter große Reihensechser, der 326 PS auf die Kurbelwelle stemmt. Das bewährte, automatisierte Schaltgetriebe von ZF verfügt über 12 Gänge und hält die Drehzahl immer im optimalen Bereich. Die Fahrerkabine ist um Welten besser gedämmt als beim alten KAT und der Geräuschpegel ist angenehm leise – trotz mächtiger Militärbereifung. Zudem hält eine Klimaanlage im Sommer das Fahrerhaus angenehm kühl. Schwingsitze dämpfen das etwas ruppig arbeitende Blattfederfahrwerk auf ein bequemes Level. Längere Strecken sind mit dem HX kein Problem, MAN hat dem Soldaten Manieren beigebracht. Die Fahrerkabine wurde zusätzlich von Paul Meyer mit Filz verkleidet. Ein wohlklingendes Radio und ein hochwertiges Rückfahrkamera-System runden das Technik-Paket ab und holen das Gelände-Urgestein noch ein Stückchen weiter in die Neuzeit.

Beim Kabinenbau kann Björn seine Metallbaukenntnisse voll ausschöpfen. Da die Ladeplattform des MAN HX bereits sehr verwindungssteif ist und über sogenannte Container-Locks verfügt, erhält sein Aufbau einen festen Metall-Rahmen. In diesen werden dann die äußerst robusten Sandwich-Paneele eingelassen. Hinter der GFK-Deckschicht sind diese Spezialpaneele noch mit einer Anti-Einschlag-Schicht versehen, die selbst bei gröbster Misshandlung des Kofferaufbaus die Bildung von Rissen in der Glasfaser verhindert. Die Berechnung der Statik des Aufbaus erfolgte nach der Computergestützten FEM-Methode. Die Kältebrücken des Metallrahmens sind obendrein bestens isoliert. In allen Ecken des Aufbaus befinden sich Warmluftkanäle, die hinter einer hochwertig gefertigten Verkleidung mit Ausströmöffnungen verlaufen. Gleich zwei Planar-Heizungen bringen den Innenraum schnell auf Temperatur und sorgen für Redundanz, sollte ein Gerät ausfallen.

DIE VERARBEITUNGSQUALITÄT DER NEWCOMER IST SUPER

Der CNC-gefräste Möbelausbau entspringt Pauls Feder und ist sehr exakt gefertigt. Die Beleuchtung ist dezent hinter den Schränken und unterhalb der Arbeitsplatten eingelassen. Mit elegant ins Holz eingebrachten Tastern lassen sich die verschiedenen Lichtfunktionen dimmen und schalten. Selbstverständlich ist auch der großzügig bemessene Stauraum unter dem Heckbett vollständig beleuchtet. Ein robuster Aluminium-Rahmen stützt die Bettkonstruktion und fixiert die innenliegenden Kunststoff-Wassertanks für Frisch- und Brauchwasser an Ort und Stelle. Über zwei große Außenklappen lassen sich auch größere Gegenstände wie Tische und Stühle problemlos im beheizten Laderaum unterbringen, der sich über die gesamte Breite von knapp 2,4 Metern erstreckt. Weitere abschließbare Staukästen finden sich im Außenbereich. Diese werden von einem massiven Flankenschutz aus Stahl verdeckt, der gleichzeitig auch als Unterfahrschutz für den Tank dient.

Bei der Dimensionierung der elektrischen Anlage wurde großer Wert auf eine ausreichende Batteriekapazität gelegt. Die Lithium-Batterien aus dem Hause Victron Energy stellen über 5000 Wattstunden elektrischer Energie bereit. Ein 5-kW-Spannungswandler samt Solaranlage sorgt auch im Outback für eine stabile 230-Volt-Versorgung. Das ermöglicht es, auch unterwegs zuverlässig einen Induktionsherd mit zwei Zonen sowie den großen Kühlschrank zu versorgen.

OHNE SONNE REICHT DER STROM FÜR 6 TAGE

Bei normalem Gebrauch mit eingeschaltetem Kühlschrank, Licht und zweimaligem Kochen pro Tag, ist ohne zusätzliche Solarenergie oder Motorlauf eine sechstägige, autarke Standzeit möglich. Der Victron-Quattro-Laderegler füllt die leeren Batterien zudem im Rekordtempo von unter zwei Stunden mit einem Ladestrom von enormen 120 Amperestunden. Die 24-Volt-Batterien verkraften sogar weit über 200 Ampere Ladestrom. Alle elektrischen Parameter lassen sich mittels Touchpanel überwachen und bei Bedarf ebenso per Bluetooth-Verbindung über das Smartphone steuern.

Bei den Fenstern und Türen setzen Björn und Paul auf die hochwertigen Produkte der Marke Sideway. Die Eingangstür verfügt außen über ein weit unten angesetztes Türschloss, das sich auch ohne Betreten einer Einstiegsleiter benutzen lässt. Da der MAN HX60 bei unserem Foto-Termin noch nicht komplett fertig gestellt war, konnten wir die gesamte Kabine samt Fenstern noch nicht vor die Linse nehmen. Der Truck für alle Fälle wird aber in voller Pracht bei der Adventure-Northside-Messe ausgestellt, wo Björn und Paul ihr Fahrzeug auf einem großen Stand präsentieren werden. Die Redaktion blickt gespannt auf das endgültige Resultat.