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Der Tunnel ist fertig, jetzt wird drumherum gebaut


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die Stuttgarter - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 04.04.2022

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Bildquelle: die Stuttgarter, Ausgabe 2/2022

Der Leuze-Knoten ist noch lange nicht fertig

Der Rosensteintunnel ist eröffnet. Seit wenigen Tagen fließt der Verkehr vom Neckar unter dem Rosensteinpark und der Wilhelma durch in Richtung Pragsattel und umgekehrt. Acht Jahre ist an dem Tunnel gearbeitet worden, die Stadt bezeichnet ihn gerne als eines der wichtigsten Straßenbauprojekte der vergangenen Jahre. „Stuttgart wird durch den Rosensteintunnel zu einer Stadt mit besserer und flüssigerer Mobilität“, ist sich Oberbürgermeister Frank Nopper sicher. „Aber nicht nur das: Stuttgart wird durch den Rosensteintunnel auch mehr und mehr zu einer Stadt am Fluss und zu einer Stadt mit mehr Lebensqualität.“ Kritiker des Projekts wie beispielsweise der BUND und andere befürchten dagegen, dass durch den neuen Tunnel vor allem mehr Verkehr durch das Stadtgebiet fließen wird, unter anderem weil die Strecke dadurch als Umfahrung des stauträchtigen Leonberger Autobahnkreuzes noch attraktiver wird. Die Kostenexplosion beim Tunnel hatte ebenso zu Protesten geführt wie zuletzt der geplante Abriss von Wohnhäusern an der Pragstraße, die nach Auffassung der Stadt nach Eröffnung des Tunnels wegen erhöhter Schadstoffbelastung der Luft nicht mehr bewohnbar sein sollen. Immer wieder waren sowohl in den Bezirksbeiräten von Stuttgart-Ost, Bad Cannstatt und Zuffenhausen als auch von Umweltschutzverbänden frühzeitige Planungen von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen für die Zeit nach der Tunneleröffnung angemahnt worden. Die Stadt dagegen sieht durch den neuen Tunnel vor allem große Möglichkeiten: „Die Fertigstellung des Tunnels eröffnet viele neue Chancen für dieses Quartier“, heißt es in einer Pressemitteilung. „So können die vorhandenen Verkehrsflächen in der Prag-und Neckartalstraße umgestaltet werden: Es entstehen neue Rad-und Fußwege, neue Grünflächen und damit eine deutlich bessere Anbindung des Neckarufers.“ Vor allem der Stadtbezirk Bad Cannstatt erhofft sich durch den neuen Tunnel eine deutliche Entlastung vom Autoverkehr, in Stuttgart-Ost sind die Erwartungen dagegen sehr gedämpft, weil in den Prognosen zum Tunnelbauprojekt schon vor Jahren kaum von weniger Verkehr im Osten die Rede war. Und: Die Bauarbeiten in dem Bereich gehen zunächst einmal weiter, der Leuze-Knoten ist längst nicht fertig, erst Ende 2024 soll es so weit sein.

Entscheidend für Verbesserungen im Zusammenhang mit dem Projekt Rosensteintunnel sind die damit verbundenen Begleitmaßnahmen, mehr als 20 davon sind in einer Übersicht der Stadt aufgelistet. Die dafür veranschlagten Mittel in Höhe von 6,7 Millionen Euro nehmen sich bei Gesamtkosten von 456 Millionen Euro (Stand April 2021) mehr als bescheiden aus. Jedenfalls ist die Tunneleröffnung eine gute Gelegenheit einmal zu schauen, wie es eigentlich um diese vielen Begleitmaßnahmen steht.

Fertiggestellt

Eine Reihe von Tunnel-Begleitmaßnahmen ist tatsächlich bereits fertig. Dazu gehören etwa eine neue Radwegeführung im Stadtteil Stöckach, für die 20.000 Euro ausgegeben wurden, ein beträchtlicher Teil davon für die Steuerung der Lichtsignalanlage. Ebenfalls als „Fertig“ gekennzeichnet ist der Umbau der Kreuzung Wangener Straße/Talstraße, wobei damit vor allem der Umbau der unteren Talstraße bis zur Kreuzung im Rahmen des Sanierungsgebiets Stuttgart 24-Ost gemeint ist. Ebenfalls fertig ist die „Anpassung der Kreuzung Ulmer Straße/Talstraße“. Dort wurden für 312.000 Euro neue Abbiegespuren angelegt und neue Ampeln aufgestellt. Ursprünglich waren dafür rund 60.000 Euro weniger veranschlagt gewesen, aber erforderliche Maßnahmen zur Absturzsicherug im Bereich des Gaskessels machten das Ganze teurer. Gerade dieses Maßnahmen im Bereich untere Talstraße und Gaisburger Brücke müssten eigentlich im Gesamtzusammenhang mit ursprünglich weiteren geplanten Entlastungs-und Verbesserungsmaßnahmen für den Stadtbezirk Stuttgart-Ost gesehen werden. So hätte beispielsweise an der Ausfahrt von der Uferstraße (B10/B14) aus Richtung Esslingen zur Gaisburger Brücke für 100.000 Euro eine Verkehrsüberwachungsanlage in Form eines Rotlichtblitzers installiert werden sollen. Der Bereich gehört zu einem der Unfallschwerpunkte in Stuttgart, immer wieder wird dort das Rotlicht missachtet. Allerdings stellten Experten fest, dass eine Blitzanlage bei der dortigen komplizierten Verkehrssituation technisch nicht möglich ist. Ebenfalls im Bezirksbeirat Stuttgart-Ost viel diskutiert und von nicht wenigen gewünscht war ein Umbau der Brendle-Kreuzung Zwischen S-Ost und Wangen mit dem Ziel, den von Wangen kommenden Verkehr – oft Pendlerverkehr in den Hauptzeiten – über die Ulmer Straße zur Gaisburger Brücke und damit weg von den Schleichwegen durch Gaisburg und in der Folge Gablenberg zu führen. Auch die Wangener Straße hätte dann bis zur Kreuzung Talstraße zurückgebaut werden können. Für diesen Kreuzungsumbau gibt es aber bis jetzt keine Finanzierung. Aktuell ist beabsichtigt, die Kreuzung teilweise im Zusammenhang mit der Verwirklichung der Hauptradroute 2 umzugestalten. Das soll 2024 geschehen – und dürfte in den einschlägigen politischen Gremien noch ausführlichst diskutiert werden.

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Der Rosenstein- tunnel ? noch ganz ohne Autos einige Wochen vor der Eröffnung

Auch der Stadtbezirk Zuffenhausen erhofft sich durch den Rosensteintunnel eine Entlastung vom Durchgangsverkehr, wofür eine Reihe von Begleitmaßnahmen bereits realisiert wurden. So wurde dort die Kreuzung Haldenrain-/Schozacher Straße für 17.000 Euro „angepasst“ und auch eine Bushaltestelle barrierefrei gemacht. Für mehr als 630.000 Euro wurde die Kreuzung Schozacher Straße/Tapachstraße/Roter Stich umgebaut, ebenso die Zabergäustraße, auch die Ampelschaltung an der Kreuzung Ludwigsburger Straße/Zabergäustraße wurde geändert.

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Die Uferstraße (B10/B14), hier bei der Auf- und Abfahrt Gaisburger Brücke, soll 2024 lärmmindernden Asphalt bekommen. Der Verkehr wird dadurch nicht weniger, aber vielleicht leiser

Für deutlich mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit als diese zum Teil kleinen Einzelmaßnahmen hat ein anderes Begleitprojekt zum Tunnelbau gesorgt: die Städtebauliche Machbarkeitsstudie „Stadt am Fluss“. Sie hat knapp 118.000 Euro gekostet, beinhaltet viele reizvolle Ideen, deren Realisierung aber an der Bundeswasserstraße Neckar oft nicht einfach ist und zum Teil noch viel Zeit brauchen wird – wenn sie überhaupt realisiert werden können. Darüber wurde hier bereits berichtet und die Stadt am Fluss wird für „die Stuttgarter“ auch weiter ein wichtiges Thema bleiben.

Geplant

Die größten Veränderungen wird es im direkten Umfeld des Rosensteintunnels möglichst bald nach der jetzt erfolgten Inbetriebnahme geben. In der dann hoffentlich weniger befahren Prag-und Neckartalstraße werden zunächst interimsweise Fahrbahnen reduziert, bevor beide Straßen bis 2024 komplett umgestaltet werden sollen, inklusive Umbau der bestehenden Kreuzungen wie etwa der Kreuzung Prag-/Quellenstraße. Auch die Wilhelmastraße wird bis 2024 einen Fahrstreifen verlieren. Der Stadtbezirk Bad Cannstatt erhofft sich durch die Wegnahme eines Fahrstreifens in der Schönestraße und durch deren Umgestaltung deutlich weniger Durchgangsverkehr. Allein dieses Projekt ist mit 2,7 Millionen Euro veranschlagt. Allerdings soll es nach jetzigem Stand dort zunächst nur eine provisorische Lösung geben. Der Gemeinderat soll noch vor der Sommerpause 2022 darüber informiert werden.

Andere Begleitprojekte werden nicht ganz so schnell angegangen: Für die Kreuzung Löwentorstraße/Am Wolfersberg gibt es noch keine abgestimmte Vorplanung, umgebaut werden kann die Kreuzung frühestens ab 2024 oder 2025. Für eine Umgestaltung der stark belasteten Talstraße im Bereich zwischen Wagenburgstraße und Kreuzung Wangener Straße gibt es noch keine Finanzierung, aber immerhin eine erste Variantenprüfung. Mittel dafür können frühestens im Doppelhaushalt 2024/2025 bereitgestellt werden. Große Hoffnungen setzen die vom Verkehrslärm geplagten Menschen in der näheren und weiteren Umgebung der B10/B14 (Uferstraße) auf einen lärmmindernden Asphalt auf der vielbefahrenen Strecke. Im Jahr 2024 soll es so weit sein, dann sollen die Fahrbahnen der autobahnähnlichen Straße so einen Lärm schluckenden Asphalt bekommen. In Zuffenhausen ist die Kreuzung Schwieberdinger Straße/Marconistraße zwar bereits 2017 für mehr als 900.000 Euro umgebaut worden, die Umgestaltung der Schwieberdinger Straße wird allerdings noch etwas dauern, weil die bisherige Planung überarbeitet werden muss. Die Arbeiten sollen möglichst 2024 beginnen. Auch der Umbau der Ludwigsburger Straße wird noch etwas auf sich warten lassen.

Erhofft

Die Wilhelma hat in den vergangenen Jahren immer wieder unter dem Tunnelbauprojekt gelitten, zeitweise war der Zoologisch-Botanische Garten regelrecht umzingelt von Baustellen, sogar unterirdisch. Trotzdem verbindet die Wilhelma auch große Hoffnungen mit dem jetzt endlich fertiggestellten Tunnel. Jetzt kann hoffentlich bald mit dem Rückbau der Neckartalstraße und anschließend mit der Umgestaltung des Rosensteinufers begonnen werden. Und dann will die Wilhelma sich in Richtung Neckar ausdehnen – mit einer für alle kostenlos zugänglichen Anlage für Zwergflusspferde. Bis es soweit ist, werden noch ein paar Jahre vergehen. Aber die Pläne dafür sind schon weit fortgeschritten.

Jürgen Brand

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