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DER WALD, DEIN GLÜCK


greenup - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 13.05.2020

Unser Wald ist lebenswichtig und beeinflusst uns psychisch wie physisch im positivsten Sinne. Doch angesichts strapaziöser Bewirtschaftung in Zeiten des Klimawandels wird er immer mehr zum Patienten. Wie lauten Diagnose und Therapie? Was schätzen wir an unseren Wäldern und wie wollen wir sie (vor uns) schützen?


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Bildquelle: greenup, Ausgabe 8/2020

Märchen, Sagen und Mythen ranken sich um ihn, vielfach wurde er besungen und in Verse gekleidet. Zur Zeit der Romantik sah man ihn als Sehnsuchtslandschaft schlechthin: den deutschen Wald. Kaum ein Naturkosmos übt so viel Faszination aus, ist von solch großer Lebensvielfalt und von so enormer ...

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... ökologischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Dabei ist der Wald heutzutage bei weitem nicht mehr das, was er einst war: Ein dichter grüner Teppich, bestehend aus Buchen. Ein Laubwald, der nahezu unser ganzes Land bedecken würde – wären da nicht, tja wären da nicht wir. Im Mittelalter, dem hölzernen Zeitalter, verschlangen der Siedlungsbau, die Salzgewinnung und der Bergbau riesige Holzmengen. Im 17. Jahrhundert herrschte in den deutschen Fürstentümern akute Holznot. Aus dieser Verknappung heraus entstand der durch den Oberberghauptmann geprägte und rein ökonomisch gedachte Begriff Nachhaltigkeit: Es solle nur so viel Holz dem Walde entnommen werden, wie durch planmäßige Auff orstung nachwachsen könne. Die Geburtsstunde der modernen Forstwirtschaft. Dass durch großflächige Rodungen ein Engpass entsteht, kann uns heute nicht mehr passieren. Dafür sorgen das Bundeswaldgesetz und die Waldgesetze der Länder mit ihren erweiterten, umfassenden Nachhaltigkeitsgrundsätzen, die auch auf die Erhaltung des Waldes als Ökosystem abzielen. Hier geht es darum, die vielfältigen Funktionen des Baumreichs in Einklang zu bringen. Im Einzelfall sind die Interessen des Gemeinwohls mit den ökonomischen Einzelinteressen gegeneinander abzuwägen. Und doch werden heutzutage nahezu 100 Prozent des Waldes bewirtschaftet, das heißt Holz wird geschlagen und verkauft, überwiegend schnell wachsende Fichten und Kiefern. Knapp zwei Prozent der Fläche werden einer ungestörten Entwicklung überlassen. Gemäß der Zielsetzung der Bundesregierung sollten es im Jahr 2020 schon fünf Prozent sein. Davon sind wir weit entfernt. Groß ist die Nachfrage nach Holz und der Druck, Profite zu erwirtschaften, sowohl für die Verwaltungen der Staatsforste und Kommunalwälder als auch für die Privatwaldbesitzer. Größere Flächen langfristig aus der Nutzung zu nehmen und daraus eine Wildnis entstehen zu lassen, scheint angesichts des steigenden Holzbedarfs unwahrscheinlich. Immerhin gibt es vielerlei Bemühungen, Wälder naturverträglicher zu bewirtschaften und eine größere Baumartenvielfalt zu erzielen.


Die Liebe zum Wald gehört zur Identität der Deutschen


Die Wunder unseres Waldes bringen uns zum Staunen und geben uns gleichzeitig Rätsel auf. Man stelle sich nun vor, es gäbe noch jene ausgedehnten Urwälder, die vor 2.000 Jahren ganz Deutschland bedeckten …


FICHTE UND KIEFER: NICHT HEIMISCH

Zwei Baumarten haben laut Bundeswaldinventur einen Anteil von fast 50 Prozent am deutschen Wald. Fichten und Kiefern wachsen schnell und meistens kerzengerade, was die Holzindus-trie besonders schätzt. Das Holz der Fichte ist zudem vielseitig verwendbar, vor allem im Bausektor. Während Buchen und andere Laubbäume zum Aufwachsen ältere Bäume als Schattenspender dringend brauchen, gedeihen die Jungpflanzen dieser Nadelgehölze auch auf kahlen Flächen. Somit gelingt ein Wiederauff orsten freier Flächen unkompliziert. Aufgrund dieser Eigenschaften wurden Fichten und Kiefern seit Jahrhunderten in Deutschland kultiviert und führten zum heutigen Waldbild. In Zeiten des sich verändernden Klimas machen sich die Nachteile bemerkbar. Weder die Fichte noch die Kiefer sind heimische Baumarten. Sie sind ursprünglich in einem kühlen und feuchten, taigaähnlichen Klima zu Hause. Diese Baumarten geraten in besonders trockenen Jahren, wie 2018 und 2019, unter Stress. Die flachwurzelnde Fichte leidet unter der Dürre und kann sich nicht mehr durch ausreichende Harzabsonderung gegen Schädlinge zur Wehr setzen. Der Borkenkäfer nutzt das aus und raff t ganze Bestände dahin. Infi- zierte Bäume müssen gefällt werden. In Sturmjahren, wie beispielsweise 2007, knicken die Bäume hektarweise um. Die Folge: Langsam aber sicher schrumpfen die Bestände. Angesichts dessen stellt sich die Fichte heute als Anbaufehler dar. Ersetzt werden könnte sie in Teilen durch die ertragreiche Küstentanne und Douglasie, sie sollen den Klimawandel besser verkraften. Aber wäre das nicht dasselbe in Grün, ein fremdländisches Nadelgehölz in unseren Breiten im großen Stil anzusiedeln?

Ein intakter Wald erfüllt viele Aufgaben, die für Millionen Lebewesen lebenswichtig sind. Unsere Aufgabe ist es, seine Funktionsfähigkeit auf Dauer zu sichern. Dafür brauchen wir einen naturnahen Umgang, weniger Baumplantagen und mehr Waldwildnis


DÜRRE, KÄFER, STURM – EIN GEFÄHRLICHER COCKTAIL

Es stellt sich die Frage: Wie gesund ist unser Wald heute überhaupt? Blicken wir nach Nordrhein-Westfalen. Der Waldzustandsbericht 2019 des bevölkerungsreichsten Landes bescheinigt nur jedem fünften Baum gute Gesundheit und ist insgesamt besorgniserregend. Die Experten haben auf die Baumkronen geschaut, denn deren Zustand gilt als wichtiger Vitalitätsfaktor. 42 Prozent aller Bäume weisen eine erhebliche Kronenverlichtung auf, bei der Buche sind es über 80 Prozent, was im Wesentlichen auf die Trockenheit zurückzuführen ist. Noch schlimmer sieht es bei der Eiche aus: Kaum ein Blattwerk, das nicht durch Dürre, Stürme, Pilzbefall oder Insektenfraß angeschlagen ist. Die durch den Borkenkäfer verursachten Schadholzmengen bei der Fichte waren 2019 viermal so hoch wie 2018, insgesamt 12,7 Millionen Festmeter. Laut Bericht konnten sich die gefräßigen Insekten im Jahr 2019 in warmen Gebieten sogar über drei Käfergenerationen vermehren. Einigen seltener vorkommenden Baumarten, wie Eschen und Ulmen, machen ohnehin seit Jahren verschiedene Käferarten und Schadpilze schwer zu schaff en.

WALDPLAGEN: BORKENKÄFER

Die Arten Buchdrucker und Kupferstecher raff en ganze Fichtenwälder dahin. Sie werden bis zu sechs Millimeter groß und durch den Geruch schwacher Bäume angelockt. Die Insekten bohren sich unter die Baumrinde und legen dort ein System an Gängen an. Die geschlüpften Larven ernähren sich von Holz und Rinde. Über Duftstoff e rufen Borkenkäfer ihre Kumpels herbei. Der Baum stirbt schnell, wenn er durch andere Stressfaktoren wie Trocknis vorbelastet ist. Die Schäden für die Forstwirtschaft sind riesig, bekämpft wird der Schädling u. a. mit Insektiziden. Lärchenborkenkäfer, Eichenprachtkäfer, der Kleine Buchenborkenkäfer oder der Große Waldgärtner (Kiefer) machen sich über andere Baumarten her.

KLIMAWANDEL: WALD IM WÜRGEGRIFF

In den anderen Bundesländern sieht es nicht besser aus. Im Waldzustandsbericht 2019 des Landes Niedersachsen erklingt die verzweifelte Erkenntnis, dass die „multifunktionalen Wirtschaftswälder mit der Dynamik des Klimawandels nicht Schritt halten können.“ Auch in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern zeigen sich massenhaft lückenhafte Blätterdächer, abgeplatzte Rinden, abgestorbene Jungpflanzen und lichte Waldstücke. In Hessen liegt der Anteil starker Schäden mit sieben Prozent um das Doppelte höher als das Mittel der letzten 35 Jahre (Waldzustandsbericht Hessen 2019). Besonders betroff en ist Brandenburg: Hier kommen zur drastischen Verschlechterung der Baumgesundheit noch Schäden durch Waldbrände mit Großereignissen von bis zu 300 Hektar hinzu. An den halb vertrockneten Kiefern hat sich zudem die Nonne, eine gefräßige Raupe, gütlich getan, gefolgt von parasitischen Pilzen. (Waldzustandsbericht Brandenburg 2019). Das weckt Erinnerungen an die frühen 1980er Jahre, als der Saure Regen ganze Waldgebiete mit mehreren Baumarten großflächig dahinraff te. Die Politik reagierte, Autos bekamen Katalysatoren und die Industrie Emissionsfilter verordnet. Der Wald konnte sich wieder erholen. Heute ist die Situation eine andere. Die Erderwärmung lässt sich nicht aufhalten, mit weiteren Trocknisund Sturmextremen ist zu rechnen. Wie sollen wir uns da wappnen?


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Fotos: Shutterstock.com – Baumgrafiken: Kolonko, Polter: ideyweb, Waldarbeiter: Visual Generation, Erde: Black_Rhino, Baumscheibe: Triff, Zweig: Fablok

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