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Der Warmduscher


Reiterjournal - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 24.01.2020

Der dreifache Europameister hat immer gute Laune, aber nicht die größte Geduld. Und dann ist da noch die Sache mit dem kalten Wasser …


Der Erbe

Artikelbild für den Artikel "Der Warmduscher" aus der Ausgabe 2/2020 von Reiterjournal. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Reiterjournal, Ausgabe 2/2020

Der Erbe begeistert mit seinem Bergauf-Galopp.


Der Oldenburger Wallach Der Erbe ist ein Kraftpaket. Ein mächtiges Kaliber mit großer Präsenz im Viereck. Als Rudolf Widmann, der den Dimaggio-Sohn ausgebildet hat, 2018 auf die Familie Schrödter zuging ‒ Widmann ist ein guter Freund von Sabina Schrödter ‒ und meinte ‚Der ist doch was für Janaʻ, war sich die Tochter des Berufsreiterpaares auch schnell sicher: Den will ...

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... ich. Einfach war „Erbe“, wie er genannt wird, allerdings nicht. Aber genau das spornte die damalige Junioren-Reiterin an. Sie wollte zeigen, dass sie ihn bedienen kann, wollte es hinbekommen. Der Erbe war damals zehn, war bereits Drei-Sterne-S platziert. Aber welchen Weg Jana Schrödter und der gewaltige Braune gehen würden, konnte keiner zu diesem Zeitpunkt absehen. Zunächst brauchten die beiden eine Weile, um sich aneinander zu gewöhnen, sich aufeinander einzustellen. Aber als das neue Paar im Viereck vor zwei Jahren in München-Riem Anfang September bei der Deutschen Jugendmeisterschaft im Finale Fünfter wurde, war auch dem Bundestrainer Hans-Heinrich Meyer zu Strohen klar: Die Euro muss das Ziel sein. Aber die Nachwuchsspitze in Deutschland ist eng. Dessen war sich auch Jana Schrödter bewusst. Und das bekam sie in der nachfolgenden Saison zu spüren. Beim Preis der Besten in Warendorf wurden sie Vierte, in Hagen bei den Future Champions, der weiteren wichtigen Sichtung, waren es die Ränge sieben, drei und vier. Ob das reichen würde? Tat es nicht. Zunächst nicht. Schrödter und Der Erbe waren die Reservisten für San Giovanni, die EM in Italien. Doch zwei Wochen vor dem Championat klingelte das Telefon: Die Reiterin aus Leipheim rückte ins Team nach. Und was dann passiert, ist bekannt ‒ und dennoch noch immer wie im Märchen: Jana Schrödter und der Wallach Der Erbe gewinnen drei Mal Gold, zunächst mit dem Team, dann zwei Mal im Einzel. Unter extremsten Bedingungen, bei Hitze und heftigen Niederschlägen. Erbe lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Er performt. Dass der Knoten in Italien so richtig geplatzt ist, kann Jana Schrödter nicht mal sagen. Vielmehr war es die lange Zeit der Eingewöhnung vor Ort, die den De Niro-Enkel wohl noch entspannter und gechillter machte. „Wir hatten vier Tage Zeit zum Üben, das ist natürlich ungewöhnlich“, so die Dressurreiterin. Sonst sei das Kraftpaket schon mal heiß gewesen, aber mittlerweile kennt Schrödter alle Knöpfe, die sie bedienen muss und alle Tricks, seinen Ehrgeiz im richtigen Maß zu haben. Guckig sei Erbe aber ohnehin nicht. Und nie gestresst oder genervt. „Er ist wirklich total lieb“, schwärmt Schrödter, für die nun das erste Jahr der Junge Reiter-Zeit beginnt. „Nur sein Temperament steht ihm manchmal im Weg.“ Gleichzeitig ist dieser Ehrgeiz seine größte Stärke. „Erbe will immer, er hat immer Lust, ist immer gut gelaunt und schaut auch immer fröhlich aus seiner Box“, lacht die Europameisterin. Doch dann korrigiert sich die Besitzerin von Der Erbe. Dann nämlich, wenn er lange ruhig stehen muss, vergeht dem Oldenburger die gute Laune. „Geduld ist nicht seine Stärke“, schmunzelt Schrödter. Doch noch schlimmer ist für Erbe kaltes Wasser. Ob aus dem Schlauch oder ein nasser kalter Lappen auf seinem Gesicht ‒ da kann der Zwölfjährige ungemütlich werden und Reißaus nehmen. Warmes Wasser muss es also sein. Ein Kompromiss, mit dem Jana Schrödter gut leben kann. Vier Goldmedaillen in einer Saison ‒ eine kam noch bei der Deutschen Jugendmeisterschaft in Zeiskam hinzu ‒ sind warmes Wasser wohl allemal wert.


Foto: Nilkens

Foto: Doma