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DER WEG AN DIE BÖRSE: SO GEHT’S


creditshelf - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 22.11.2019
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Entschließt sich ein Mittelständler oder ein junges Wachstumsunternehmen für einen Börsengang, steht ihm ein komplexer Prozess bevor. Strukturierte Planung ist hierbei das A und O. Doch wer gut über die Abläufe informiert ist, die Voraussetzungen erfüllt und auf erfahrene Partner zählen kann, für den ist das Verfahren eine lösbare Aufgabe. Voraussetzungen für das listing an der Börse

Die Deutsche Börse bietet Unternehmen unterschiedliche Wege an den Kapitalmarkt.

Je nach Wahl des Börsensegments müssen Emittenten für ein Listing an der Frankfurter Wertpapierbörse unterschiedliche Einbeziehungsvoraussetzungen erfüllen. In Europa stehen Unternehmen, die sich Mittel auf dem Kapitalmarkt beschaffen wollen, zwei Wege offen: einmal der EU-regulierte Markt und zum anderen der börsenregulierte Markt, auch Freiverkehr genannt.

Im EU-regulierten Markt gibt es den General Standard und den Prime Standard – ein Teilbereich mit erhöhten Transparenzanforderungen.

Im Freiverkehr gibt es das Segment Scale. Die Wahl des Börsensegments ist abhängig von den Zielen, die das Unternehmen mit dem Börsengang anstrebt, den Investoren, die man vorrangig erreichen möchte und auch von dem Maß an Transparenz, das gewährleistet werden soll. Der Prime Standard stellt an der Frankfurter Wertpapierbörse und sogar europaweit das Segment mit den höchsten Anforderungen dar.

So müssen Unternehmen im Prime Standard beispielsweise zwingend einen Konzernabschluss nach International Reporting Standards (IFRS) oder einem von der EU als gleichwertig anerkannten Rechnungslegungsstandard erfüllen.

Zudem müssen sie eine Berichtshistorie von mindestens drei Jahren vorweisen. Nur Unternehmen, die zum Prime Standard zugelassen sind, können in die Auswahlindizes DAX®, MDAX®, SDAX® oder TecDAX® aufgenommen werden. Emittenten im General Standard für Aktien erfüllen die gesetzlichen Mindestanforderungen des EU-regulierten Marktes. Für ein Listing in Scale, dem Segment, das sich besonders für kleine und mittlere Unternehmen anbietet, ist hingegen eine Rechnungslegung nach Handelsgesetzbuch (HGB) ausreichend. Unternehmen, welche ein Listing in Scale anstreben, müssen außerdem drei von fünf weiteren Zulassungskriterien erfüllen (mehr dazu in der Infobox, Seite 8).

Um die Zulassungsfolgepfl ichten zu erfüllen, ist es für viele Unternehmen notwendig, die Organisationsstruktur anzupassen. Dazu zählen unter anderem effi ziente Controlling- Instrumente, die Umstellung auf internationale Rechnungslegungsstandards (im Prime Stan- dard), ein effektives Risikomanagement sowie die Qualifikation der Fach- und Führungskräfte.

Die drei Phasen bis zum Handelsstart
Die Vorbereitung auf einen Börsengang bringt strukturelle und regulatorische Anforderungen mit sich. Doch eine gute Planung und frühzeitige Aufstellung eines Zeitplans helfen, mit der Komplexität umzugehen und den entstehenden Aufwand meist innerhalb eines Jahres zu bewältigen. Das Initial Public Offering (IPO) – wie der Börsengang in der Fachsprache heißt – umfasst in der Regel mehrere Phasen: Planung und Vorbereitung, Strukturierung, Realisierung und letztlich die Preisbildung am Tag des Handelsstarts.

1 Planungs- und Vorbereitungsphase

Zuerst werden die grundlegenden Voraussetzungen für den IPO geschaffen. In einem Erstgespräch mit der Deutschen Börse ist Raum für die Fragen des zukünftigen Emittenten. Unternehmen erfahren dabei, wie die Deutsche Börse und ihre Capital Market Partner sie auf dem Weg an die Börse unterstützen – etwa bei börsenrechtlichen und gesetzlichen Aspekten oder mit Banken-Roadshows und IPO-Workshops. Es folgt der Beauty Contest, bei dem sich Banken präsentieren, die den IPO des Unternehmens begleiten möchten. Dieser erleichtert die Auswahl der sogenannten Konsortialbank, die insbesondere bei der Platzierung der Wertpapiere unterstützt.

2 Strukturierungsphase

Je nach gewünschtem Listing-Segment schafft das Unternehmen nun Strukturen, die die rechtlichen Voraussetzungen beispielsweise bei Rechnungswesen und Controlling erfüllen. In der Strukturierungsphase wird zudem ein detaillierter Projektplan erarbeitet, welcher Unternehmens- und Finanzierungsstrategien zusammenführt. Der Projektplan sieht die Entwicklung einer Equity Story und des Emissionskonzepts vor, welche die Erfolgsfaktoren und weitere Informationen zum Unternehmen zusammenfassen. Außerdem wird die Due Diligence durchgeführt. Dies ist eine Prüfung zur Wertfindung des Unternehmens. Sie liefert Informationen, die anschließend in das zentrale Angebotsdokument, den Wertpapierprospekt, einfließen.

Realisierungs- und

3 Preisbildungsphase

Nachdem die BaFin den Wertpapierprospekt gebilligt hat, veröffentlicht der Emittent ihn und wirbt bei Analystengesprächen und einer Investoren-Roadshow für seinen Börsengang. Die Aktien werden bei institutionellen Investoren und über die Zeichnungsfunktionalität DirectPlace der Deutsche Börse AG bei privaten Investoren platziert. DirectPlace erreicht Investorengruppen wie Family Offices, Vermögensverwalter und Privatanleger.

In der Zeichnungsphase entscheiden die Investoren, ob und zu welchem Preis sie investieren möchten. Der Emittent und die Bank bestimmen anhand der Angebote den Emissionspreis. Die Zuteilung an Investoren erfolgt.

Nun steht der Börsengang unmittelbar bevor: Bei der IPO-Ceremony auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse wird der erste Kurs festgestellt. Damit beginnt der fortlaufende Handel auf den Handelsplätzen Xetra® und/oder Börse Frankfurt.

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Externe Partner bieten Unterstützung
Ein Börsengang ist meist einmalig und hochkomplex. Er erfordert daher eine optimale Vorbereitung. Unternehmen brauchen vor und nach dem Börsengang kompetente Experten, die sie unterstützen – externe Partner wie Banken, Kommunikationsagenturen, aber auch Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Das Capital Market Partner-Netzwerk der Deutschen Börse bietet einen Pool von Kapitalmarktexperten, um Unternehmen auf ihrem Weg an den Kapitalmarkt zu begleiten und auch im Nachgang beratend zur Seite zu stehen.

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Wie unterstützt die Deutsche Börse noch?
„Wir merken immer wieder, dass es gerade bei kleinen und jungen Unternehmen wichtig ist, sie sehr eng zu begleiten. Ein frühzeitiger Kontakt zu nicht-börsennotierten Unternehmen ist uns deshalb besonders wichtig“, sagt Nicole Maares, Leiterin Issuer Services der Deutschen Börse. Mit dem Deutsche Börse Venture Network ® möchte die Deutsche Börse einen spürbaren Unterschied für die Finanzierungssituation von jungen, aufstrebenden Unternehmen in Deutschland erreichen – für Gründer und Investoren. Die Deutsche Börse richtet damit ihre Expertise auf einen vorbörslichen Bereich, um auch hier Unternehmen den Zugang zu Kapital zu erleichtern und Innovationen zu unterstützen, die das Wachstum in Deutschland und Europa langfristig prägen können. Das Deutsche Börse Venture Network® unterstützt Wachstumsunternehmen beispielsweise bei Finanzierungsrunden und bei der Erweiterung ihres Netzwerkes. „Sehr wichtig sind uns auch die Executive Trainings. Am Kapitalmarkt noch unerfahrene Unternehmer können sich damit auf eine effektive und nachhaltige Unternehmensführung vorbereiten. Diese verbessert, unserer Erfahrung nach, die Chance auf einen langanhaltenden Erfolg am Kapitalmarkt signifikant“, sagt Maares.

KRITERIEN FÜR KMU, DIE DAS SEGMENT SCALE ANSTREBEN

Von diesen Aspekten müssen Unternehmen mindestens drei erfüllen:
• Umsatz von mindestens 10 Mio. EUR
• Jahresüberschuss (positiv)
• Bilanzielles Eigenkapital (positiv)
• Mitarbeiterzahl des Emittenten von mindestens 20 Personen
• Kumuliertes, eingesammeltes Eigenkapital von mindestens 5 Mio. EUR

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Nicole Maares
Leiterin Issuer Services Deutsche Börse AG
E-Mail: issuerservices@deutsche-boerse.com
Telefon: +49 69-21118-888
www.deutsche-boerse-cash-market.com

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