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Der Weg nach Deutschland


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aquaristik - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 07.12.2022

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Bildquelle: aquaristik, Ausgabe 1/2023

In der Nacht sind Rochen auf Nahrungssuche ein für die Fischer bekanntes Risiko.

Das Tor zur Welt für kolumbianische Fische ist Bogotá, die hochgelegene Hauptstadt in den Anden. Alle Fischer, die im Einzug des Río Atabapo aktiv sind, bringen ihre Fänge irgendwann aber erst einmal nach Puerto Inírida, wo es mehrere Sammelstellen gibt und von wo die Fische weitertransportiert werden, bis sie irgendwann bei uns im Handel landen.

Die Logistik hinter den vielen einzelnen Transportwegen und tagelange Wegstrecken, die zurückgelegt werden müssen, sind dabei kein Problem, denn jeder in dieser lokal sehr wichtigen Handelskette hat seine spezifische Aufgabe, auf die er sich vollkommen konzentrieren kann. Dabei hängt die genaue Vorgehensweise von der Art des Fisches ab. Zwar wird immer so wenig Aufwand betrieben wie nötig, aber natürlich soll es den Fischen unterwegs gut ergehen, und mit zum Teil beeindruckendem Fingerspitzengefühl gelingt das den Fischern und Händlern ...

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Wichtigste Einnahmequelle

Der bekannteste Fisch aus Kolumbien ist der Altumskalar (Pterophyllum altum) – und für viele Fischer ist er die wichtigste Einnahmequelle. Rund 100.000 Exemplare werden jährlich über Bogotá in die ganze Welt verschickt. Doch der Handel wird von der Regierung begrenzt und nur zwischen Juli und November gestattet. In den restlichen Monaten müssen die Fischer auf andere lukrative Arten ausweichen und fangen zum Beispiel den Roten Neon (Paracheidoron axelrodi), Harnisch- und Panzerwelse oder andere Buntbarsche.

Die Exporteure aus Bogotá geben ihre Bestellungen an die Zwischenhändler in Puerto Inírida weiter, die sie wiederum an unterschiedliche Fischer verteilen. Dabei bekommt jeder Fischer nur ausgewählte Arten zugeteilt. So kann effektiver und für die Fische schonender gearbeitet werden. Eine gewöhnliche Altumbestellung umfasst dabei zwischen 1.000 und 5.000 Exemplare in verschiedenen Größenkategorien.

Die Gesamtanzahl wird auf mehrere Fischer aufgeteilt, die zeitgleich in unterschiedlichen Gebieten aktiv werden. Für den Fang und die Hälterung bis zur Abgabe an den Zwischenhändler ist der Fänger allein verantwortlich. Oft wird nachts gefischt, wenn die Skalare in großen Gruppen in schwach strömenden Buchten oder Seitenarmen stehen. Die Fische werden von den Fischern mit der Taschenlampe aufgespürt, umkreist und mit großen Netzen behutsam abgesammelt.

Ohne großen Stress

Das geht nur, weil viele Buntbarsche nachts so ruhig werden, dass es möglich ist, sie ohne großen Stress mit einem Kescher zu fangen. Das Vorgehen wird in so vielen Nächten wiederholt, bis die gewünschte Menge erreicht ist. Währenddessen werden die bereits gefangenen Exemplare in Stellnetzen gehältert, die mit Ästen, Steinen und Blättern so strukturiert sind, dass die Fische sich verstecken können. Insbesondere bei Altumskalaren ist es wichtig, dass die Flossen nicht beschädigt werden, denn dann bekommt der Fischer nicht den vereinbarten Preis.

Einige Tage können so vergehen, bis der Zwischenhändler die Fische erhält. Möglichst an einem Dienstag, so kann er am Mittwoch Zustand sowie Größe kontrollieren und sie am Donnerstag nach Bogotá weiterschicken. An keinem anderen Tag der Woche ist die notwendige Luftfracht verfügbar. Man darf nicht vergessen, dass Puerto Inírida kein Verkehrsknotenpunkt ist, und jeder Tag der Hälterung ist für den Zwischenhändler ein Risiko- und Kostenpunkt.

Altumskalare werden in extra hohen, teils gemauerten Teichen gehalten, die mit ständiger Frischwasserzufuhr und eigener Filterung ausgestattet sind. Wenn kein Flusswasser zur Verfügung steht, wird der pH-Wert künstlich gesenkt und dem Bottich werden Blätter und Äste aus der Umgebung zugegeben.

Immer vorrätig

So klar strukturiert verläuft der Fang und Transport aber nicht bei allen Arten. Ebenfalls großen Anteil am Zierfischhandel haben Harnischwelse, und Kolumbien ist reich an weltweit beliebten Arten, die beinahe ganzjährig exportiert werden können. Insbesondere L 91 (Leporacanthicus triactis), L 240 (L. aff. galaxias) und L 200 (Baryancistrus demantoides bzw. Hemiancistrus subviridis) gehören zu den Dauerbrennern und sind auch bei den Zwischenhändlern immer vorrätig, um auf Bestellungen schnell reagieren zu können.

Für die Hälterung stehen große runde Wannen bereit, die nur zu einem knappem Drittel gefüllt sind. Jede Lieferung der Fischer kommt nach Arten getrennt in eine eigene Wanne, sodass diese zwischendurch immer wieder leer sind und mit Ethanol gereinigt werden können. Bei neuen Lieferungen wird dem Wasser stets Natriumchlorid zugesetzt (pro 100 l ungefähr 500 g). Diese Behandlung soll bakteriellem Befall und damit einhergehenden Verpilzungen oder Entzündungen vorbeugen.

Die Händler wissen genau, wieso sie diesen Extraaufwand betreiben: Denn im Gegensatz zu Altumskalaren werden Harnischwelse nicht behutsam mit dem Netz gefangen, einzeln umgesetzt und vorsichtig zwischengehältert. Beim Fang aus Steinspalten und Astlöchern brechen öfter mal Flossenstrahlen ab oder es kommt zu Abschürfungen. Zwar sind Harnisch- und Panzerwelse ausdauernde Fische und stecken solche Verletzungen meist gut weg, aber die Enge in den Transport- und Hälterungsbehältnissen birgt das Risiko, dass sich Krankheiten rasend schnell ausbreiten.

Prächtige Exemplare

Deswegen hat jede Wanne einen eigenen, ungefähr 20 l großen Außenfilter. Zusätzlich gibt es in den Wannen einige Sprudelsteine, die für eine ausreichende Sauerstoffzufuhr sorgen. So unterschiedlich die Ansprüche der Fische auch sind, so gut verstehen es Fischer und Händler, auf diese einzugehen, um nur möglichst gesunde Fische in den Handel zu bringen.

Die Anlieferung von Fischen bei einem Zwischenhändler ist ein Erlebnis und als Aquarianer staunt man nicht schlecht, was für prächtige Exemplare in einfachsten Tüten und Eimern angeschleppt werden. Junge Rochen, Hechtbuntbarsche mit Unterarmlänge und Hunderte von Panzerwelsen werden von den Fischern in den Transporttüten aufgereiht. Während man selbst kaum die Augen von einem oder zwei Exemplaren nehmen kann, wandern so viele Fische in ihre Aquarien und Wannen, dass die Aktion schneller vorbei ist, als dass man alle Fische hätte ausgiebig begutachten können.

Ein adulter Atabapo-Hechtbuntbarsch (Crenicichla lugubris) bekommt sein eigenes Aquarium, während die 300 Panzerwelse (Corydoras delphax) alle gemeinsam in eine ungefilterte Wanne kommen, in der sich kaum 50 l Wasser befinden. Aber auch das hat seinen Grund, denn so kann schneller und damit öfter das Wasser gewechselt werden.

Während des ersten Tages wird in den Panzerwelswannen regelmäßig ein Wasserwechsel durchgeführt, um die von den gestressten Fischen ans Wasser abgegebenen Toxine zu entfernen. Später werden die Panzerwelse in größere Wannen überführt, die ebenfalls mit einer Filterung versehen sind. Und dort warten sie dann auf ihren Flug nach Bogotá, von wo es unter anderem nach Deutschland geht…

Text & Fotos: Daniel Konn-Vetterlein