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Der Weg zum Glück


ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit - epaper ⋅ Ausgabe 6/2010 vom 10.08.2010

Eigentlich hätten die meisten Menschen durchaus Grund, glücklich oder zumindest zufrieden zu sein. Wer Arbeit hat, gesund ist und mit einem liebevollen Partner zusammenlebt, bei dem scheint alles zu stimmen. Trotzdem ist längst nicht jeder mit sich im Reinen. Gibt es einen Schlüssel zum Glück?


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Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit, Ausgabe 6/2010

Einen Gang herunterschalten? Weniger arbeiten? Früher wäre das Heidi W. kaum in den Sinn gekommen. Schließlich ist die 45-Jährige aus dem hessischen Langenselbold eine tatkräftige Frau, die immer mit angepackt hat. Als junges Mädchen arbeitete sie als Dorf- und Familienhelferin, griff im Schweinestall ebenso ...

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Einen Gang herunterschalten? Weniger arbeiten? Früher wäre das Heidi W. kaum in den Sinn gekommen. Schließlich ist die 45-Jährige aus dem hessischen Langenselbold eine tatkräftige Frau, die immer mit angepackt hat. Als junges Mädchen arbeitete sie als Dorf- und Familienhelferin, griff im Schweinestall ebenso beherzt zur Mistgabel wie in der Küche zur Spülbürste. Auch nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau blieb das Leben arbeitsreich. Bis vor anderthalb Jahren stemmte Heidi W. eine 40-plus-x-Stunden-Woche in einem Vertriebsbüro, zwölf weitere Stunden gingen monatlich für ein Ehrenamt drauf. Das große Haus mit dem Garten wollte ebenfalls gepfl egt sein. Und dann begann die Hessin auch noch eine berufsbegleitende Ausbildung zur Yogalehrerin. Dafür opferte sie nicht nur regelmäßig ihre Wochenenden, sondern übte auch noch fast täglich ihr Yogaprogramm. Irgendwann wurden ihr die vielen Aufgaben zu anstrengend. „Ich hatte das Gefühl, allem nur noch hinterherzuhecheln“, beschreibt sie ihre Situation.

Schon länger hatte sie überlegt, ihre Arbeitszeit einzuschränken. Doch die Geschäfte in der Firma liefen glänzend, die Mitarbeiterin W. wurde dringend gebraucht. Eine Arbeitszeitverkürzung hätte einfach nicht gepasst. Dann kam die Wirtschaftskrise und die Umsätze gingen zurück. Was für andere eine Katastrophe war, nahm die angehende Yogalehrerin als Chance: Heidi W. dachte sich, dass eine Vier-Tage-Woche nun nicht nur ihr selbst, sondern auch der Firma entgegenkommen könnte. Die Büroangestellte fasste sich ein Herz und fragte ihren Chef. Er stimmte zu, auch wenn er die Regelung zunächst auf einige Monate befristete. Ohne es zu wissen, gehörte die Langenselbolderin nun zu den Vertretern des „Down shifting“ (Englisch für Herunterschalten). Downshifter sind Menschen, die ihre zeitlichen Belastungen herunterfahren, um sich auch noch um andere Dinge kümmern zu können, die ihnen wichtig und sinnvoll erscheinen.

Besonders ausgeprägt ist der Trend in Großbritannien. Die britische Schriftstellerin und Journalistin Tracey Smith, eine prominente Vertreterin der Bewegung, ruft inzwischen zu einer jährlichen internationalen Downshifting- Woche auf. Während dieser sieben Tage soll Zeit zum Innehalten sein – zum Überdenken der eigenen Arbeits- und Lebenssituation.

Prominente Downshifter

Geht es nicht vielleicht einfacher, aber glücklicher? Zu den Top-Ten-Tipps auf der Website www.downshiftingweek.com gehört zum Beispiel, sich einen halben Tag freizunehmen und die gewonnenen Stunden mit einer Person zu verbringen, die man gern mag. Oder abends mal den Fernseher auszulassen, stattdessen das Radio einzuschalten, Spiele zu spielen oder sich einfach zu unterhalten. Oder eine Mahlzeit mit frischen Zutaten aus biologischer Landwirtschaft zu kochen.

In Deutschland wurde Angie Sebrich zur Downshifting-Ikone. Sie schmiss ihren aufregenden Job als Kommunikationschefi n des Musiksenders MTV und leitet heute eine Jugendherberge in den Bayerischen Alpen. Warum sie diesen Schritt gemacht hat, verriet sie derSüddeutschen Zeitung : „Back to the roots, etwas runter vom Gas, die Verbindung zwischen Herz, Kopf und Händen wiederherstellen.“ Die ersten zwei Jahre seien hart gewesen, gibt Sebrich zu, aber jetzt gehe es ihr richtig gut. „Ich vermisse nichts. Im Gegenteil: Mir ist bewusst geworden, was wirklich zählt im Leben.“

Auch der bekannte Nachrichtenmann des ZDF, Claus Kleber, traf Ende 2007 eine überraschende Entscheidung, über die viele seiner Kollegen erstaunt den Kopf schüttelten: Er lehnte es ab, der neue Chefredakteur desSpiegels zu werden. Das Angebot sei eine große Ehre und er traue sich durchaus zu, das Nachrichtenmagazin zu leiten, sagte Kleber. Aber: „Das Fernsehen ist mein Medium.“ Und deshalb bleibe er bei seinem Sender.

Karriere und ein höheres berufl iches Ansehen sind eben nicht alles im Leben; das erkennen immer mehr Leute. Um mit sich und der Welt zufrieden zu sein, muss man manchmal einfach auf sein Herz und weniger auf den Verstand hören. Heidi W. etwa mag ihren Beruf, sie versteht sich auch gut mit ihrem Chef und den Kollegen. „Doch ich habe so viel mit Zahlen und Verkäufen zu tun, ich möchte auch noch etwas anderes machen“, hat sie für sich erkannt. Nun freut sie sich darauf, mehr Zeit für ihre Yoga-Ausbildung zu haben, denn „da geht es um den Menschen“.

Das Streben nach dem Glück

Schon in der Antike kam der griechische Philosoph Aristoteles zu der Erkenntnis: „Alle Menschen streben nach Glück.“ Da stimmen ihm nicht nur die Glücksforscher zu, sondern auch jeder normale Mensch. Aber wie erreicht man es bloß, das Glück? Die Konsumgesellschaft hat da eine Reihe von Vorschlägen: Glücksmassagen, Urlaubsglück, Glückskekse, Glücksbringer und sogar Glückskurse. Wer im Bargeld sein Glück sieht, kann das Schicksal im Spielcasino herausfordern oder einen Lottoschein ausfüllen. Doch nach philosophischem Verständnis ist Glück weniger ein angenehmes Gefühl, das von äußeren Ereignissen ausgelöst wird. Es hängt viel mehr von unserer inneren Haltung ab – und daran ließe sich arbeiten.

Wann haben Sie das letzt Mal richtig gelacht? Sich mit Freunden treffen und gemeinsam Spaß haben, lenkt von den Alltagssorgen ab und macht gute Laune.


Auch die Psychologen wollten irgendwann wissen, warum manche Menschen glücklicher sind als andere. Auf der Suche nach der Antwort hat sich in den USA eine neue Forschungsrichtung entwickelt: die positive Psychologie. Sie wurde in den 1990er-Jahren von Martin Seligman begründet. Er wollte sich nicht mehr vorrangig mit Depressionen, Ängsten und menschlichem Leid befassen, sondern die positiven Gefühle in den Mittelpunkt stellen. Die positiven Psychologen fanden heraus, dass Menschen besonders glücklich leben, wenn sie es schaffen, drei Aspekte miteinander zu verbinden: Vergnügen, Engagement und Sinn.

Mit dem Vergnügen ist es noch relativ einfach. Da sind zunächst die schönen Momente, die sich ganz unverhofft ergeben, etwa wenn jemand am Ende eines Arbeitstags auf dem Balkon den Sonnenuntergang genießt. Doch meistens sind wir dem Glück näher, wenn wir aktiv und aufgeschlossen sind. Denn so sehr wir uns oft nach dem süßen Nichtstun sehnen: Es tut uns nur selten gut. Seien wir ehrlich: Nach der anstrengenden Trekkingtour fühlt man sich zufriedener und ausgeglichener als nach dem faulen Tag auf der Couch. Und Sport, etwa Joggen, wirkt sogar nachweislich gegen depressive Verstimmungen.

Kleine Fluchten aus dem Alltag

Deshalb gleich im nächsten Sportgeschäft Laufschuhe zu kaufen, wäre allerdings übereilt. Denn nicht jeder hat Spaß am Joggen – und das ist ganz normal. Sport oder überhaupt aktive Unternehmungen können uns nur glücklich machen, wenn sie zu uns passen. Jeder muss für sich herausfi nden, was ihm gut tut: Bei dem einen ist es Yoga, bei jemand anderem vielleicht Volleyball, ein Besuch im Theater, der wöchentliche Spieleabend oder ein Kaffeekränzchen mit Freunden. Glück hat nun einmal viele Facetten.

Gerade wenn es mal nicht so gut läuft, helfen diese kleinen Fluchten, abzuschalten und Kraft zu tanken. Eine Garantie für Lebensglück sind sie aber nicht. Denn die zwei Aspekte des Glücks – das beglückende Erlebnis und die langfristige Zufriedenheit – sind nicht so eng miteinander verknüpft, wie es zunächst scheint. Es gibt Menschen, die viele Glückskicks erleben und doch nicht richtig glücklich sind. Nach Meinung der positiven Psychologen sollten sie sich stärker engagieren und vor allem Dinge tun, in denen sie Sinn sehen.

Doch beim Engagement und Sinn wird es schon schwieriger. Heidi W. hat die Yoga-Ausbildung, die vier Jahre dauert, als Lösung für sich gefunden. Doch manch einer, der auf der Suche nach mehr Lebenssinn ist, braucht dabei professionelle Beratung. Die gibt beispielsweise Dr. Wiebke Sponagel, die in Frankfurt am Main als Coach für Karriere- und Lebensfragen arbeitet. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass es immer mehr Leuten ein zentrales Anliegen ist, ihre Arbeitsbelastung zu reduzieren.

Wenn man sich aktuelle Umfrageergebnisse zum Arbeitsleben anschaut, verwundert dieser Trend nicht: Nach Angaben der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) nehmen rund zwei Millionen (noch) gesunde Arbeitnehmer Beruhigungs- oder Aufputschmittel, um den Anforderungen am Arbeitsplatz zu genügen. Nicht alle erkennen so frühzeitig wie Heidi W., dass das Gleichgewicht nicht mehr stimmt. Viele warten, bis sie sich psychisch erschöpft fühlen oder sogar an stressbedingten Depressionen oder dem Burnout-Syndrom erkranken. So wie Miriam Meckel, Medienwissenschaftlerin und Lebensgefährtin der Moderatorin Anne Will. „Ich war 15 Jahre um die Welt gereist, hatte gearbeitet, geredet, geschrieben, akquiriert, repräsentiert, bis der Arzt kam“, schreibt sie in ihrem BuchBrief an mein Leben . Die Lektüre handelt davon, wie Meckels Körper die Notbremse zog. Diagnose: Burnout. Miriam Meckel hätte es besser wissen können, sogar müssen: Jahre vor dem Zusammenbruch hatte sie ein Buch über dasGlück der Unerreichbarkeit veröffentlicht, ein Anti-Burnout-Buch. Ein Buch, in dem all die klugen Tipps stehen, wie man sich rar macht, wie man die Gesellschaft auch mal bewusst ausschaltet, um wieder zu sich zu fi nden. Theorie und Praxis sind wie so oft zwei sehr verschiedene Dinge. Vielen geht es heute so wie Miriam Meckel. Sie fi nden den Absprung nicht mehr. Laut AOK sind die Fehlzeiten in Firmen aufgrund von psychischen Problemen seit 1995 um 80 Prozent gestiegen.

Wieder in Hetze? Einfach mal ein paar Minuten innehalten, tief Luft holen und entspannen. Das lässt sich immer einrichten.


Die Suche nach dem Sinn

Gerade in wirtschaftlich prekären Zeiten trauen sich viele Arbeitnehmer nicht, gegen Überstunden oder gar Überforderungen anzutreten. Sie wollen ihr Engagement beweisen, um im Fall eines Jobabbaus der „wertvollere“ Mitarbeiter zu sein. Und der alltägliche Kampf wird auch immer deutlicher dargestellt: Firmen zeichnen den „Mitarbeiter des Monats“ aus und verteilen Prämien an „Vielleister“. Doch selbst wer bedacht wird, steht unter Druck, denn er muss dafür sorgen, bei der nächsten Runde ebenfalls wieder dabei zu sein. Verschlimmert wird die Situation noch dadurch, dass auch die Privatsphäre kaum mehr geschützt ist. Handy und E-Mail sorgen an freien Tagen für ständige Erreichbarkeit, ob für private oder geschäftliche Belange.

Erste Zweifel, ob das alles so sein muss, beginnen häufi g in der Lebensmitte. Junge Leute grübeln noch nicht allzu viel über Glück und Lebenssinn nach. Sie wollen einfach Spaß haben, ausgehen, fl irten, dazugehören. Wer das erste Geld verdient, will sich erstmal etwas leisten: ein schickes Auto, eine eigene Wohnung, die richtigen Klamotten. Materielles hat in diesem Lebensabschnitt noch einen großen Reiz. Die gesellschaftlich anerkannten Werte wie Leistung, Status und Macht werden kaum angezweifelt. So ackern viele Frauen und Männer schwer, um den Erwartungen zu entsprechen und einen möglichst hohen Lebensstandard zu erreichen. Bis sie merken, dass ihre Kräfte begrenzt sind. Besonders häufi g erwischt es Menschen in helfenden Berufen.

Einkommen gestiegen, Zufriedenheit gesunken

„Mittlerweile geht es aber durch alle Branchen und Hierarchien“, berichtet die Beraterin Wiebke Sponagel. Und: Die Betroffenen werden immer jünger. „Ich habe in letzter Zeit vermehrt Anfragen von Menschen um die 30, die ich im Fall eines akuten Burnouts erst einmal in eine Behandlung schicke, bevor ich mit dem Coaching anfange“, sagt Sponagel. Wer an diesem Wendepunkt ankommt, stellt sich ganz neue Fragen: Was macht mir Freude? Hat das, was ich tue, überhaupt Sinn? Was erwarte ich von meinem Leben? Was sind meine Ziele? überfordert ist, den macht langfristig auch ein gutes Einkommen, eine edle Wohnungseinrichtung oder eine teure Reise nicht glücklicher. Wer berufl ich frustriert, unter- oder

Die wissenschaftliche Glücksforschung hat ohnehin gezeigt, dass materielle Güter viel weniger mit unserem Lebensglück zu tun haben, als wir oft glauben. Obwohl in den vergangenen 25 Jahren die Einkommen in Deutschland deutlich gestiegen sind, ist Umfragen zufolge die Zufriedenheit gesunken. Sind Grundbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung und ein schützendes Zuhause erst einmal erfüllt, steigern Besitz und Geld das Lebensglück nicht mehr wesentlich. Jeder neue Besitz verliert dann schnell seinen Reiz, neue (unerfüllte) Wünsche rücken nach. Deshalb sei Downshifting gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten, wie wir sie seit 2008 erleben, ein Dauerbrenner, meint Wiebke Sponagel. „Egal,ob die Menschen von außen oder von innen angestoßen werden, ihr Leben zu verändern – viele entdecken, weniger ist wirklich mehr.“

Wer mehr im Einklang mit sich selbst und seinen Stärken leben will, kommt nicht umhin, auch seine eigenen Ansprüche zu hinterfragen. Denn kaum etwas steht dem Glück so hartnäckig im Weg wie überzogene Erwartungen an uns selbst. Brauchen zwei Leute wirklich eine Vierzimmerwohnung? Muss es der Luxusurlaub in Dubai sein? Würde es ein deutlich kleinerer Wagen nicht auch tun? Wer sein Leben einfacher gestaltet, spart Geld und kann damit auch die Vorgaben der Leistungsgesellschaft infrage stellen. Wer sagt denn, dass man 40 Stunden und mehr pro Woche arbeiten muss? Und das möglicherweise auch noch in einem Beruf, den man nicht besonders mag?

Wiebke Sponagel erarbeitet mit ihren Klienten Lösungen, die deren bisheriges Leben unterschiedlich stark umkrempeln: „Manchmal geht es nur um ein besseres Zeitmanagement, in anderen Fällen um einen Berufswechsel.“ Auch dazwischen liegen noch viele Möglichkeiten. Mancher Arbeitnehmer lässt sich auf eine weniger stressige Stelle versetzen, sodass er nicht so viele Überstunden machen muss und mehr Zeit für die Familie hat. Dafür nimmt er in Kauf, weniger zu verdienen.

Doch wer im Berufsleben zurückschalten will, trifft nicht unbedingt auf Verständnis. In unserer Leistungsgesellschaft gilt ein überarbeiteter Manager noch immer eher als Vorbild als ein fröhlicher Vater in Elternzeit. Auch Familie und Freunde reagieren nicht immer freudig auf die geplante Veränderung: Den Downshiftern haftet schnell der Verdacht an, einfach Faulenzer zu sein. Doch es geht ja nicht darum, die gewonnene Zeit auf dem Sofa zu verschlafen, sondern sie für andere Dinge aufzuwenden, die als persönlich sinnvoller empfunden werden.

Geld allein macht nicht glücklich. Aber ganz ohne geht es eben auch nicht: Wer sein Leben ändern will, kann fi nanzielle Aspekte nicht außer Acht lassen. Einen gut bezahlten Job zu schmeißen, empfi ehlt sich nicht, solange jemand einen Immobilienkredit abbezahlen muss. Und wer sich selbstständig machen möchte, muss eine gewisse Zeit fi nanziell überbrücken können. Wenn die Ersparnisse nicht für etwa zwei Jahre reichen, rät Wiebke Sponagel davon ab.

Ansonsten sieht sie in der Selbstständigkeit eine gute Alternative, um Arbeit und Leben besser miteinander vereinbaren zu können. Zwar arbeiten Selbstständige häufi g sehr viel, aber sie sind fl exibler und genießen das Gefühl, ihr eigener Herr zu sein. Selbstbestimmtes Handeln öffnet dem Glück immer die Tür. Die Beraterin bedauert, dass nur wenige diesen Schritt wagen. Einer ihrer Klienten arbeitete im Bankwesen und träumte davon, einen Weinhandel zu eröffnen. Obwohl er schon einen kompletten Businessplan entworfen hatte, schaffte er den Absprung nicht. „Das Sicherheitsdenken herrscht in Deutschland immer noch vor“, kommentiert die Expertin.

Liegt das Glück auch in den Genen?

Ob ein Mensch grundsätzlich mit seinem Leben zufrieden ist oder nicht, hängt auch von seiner Persönlichkeit ab. Ob man tendenziell gut drauf ist oder eher dazu neigt, schlechte Stimmungen oder gar Depressionen zu haben, könnte sogar in den Genen liegen. Das schätzt zumindest der amerikanische Glücksforscher Professor Edward Diener von der Universität Illinois. So wie es eine Anlage dazu gebe, eher mollig oder schlank zu sein, so sei es auch beim Glück. Ob das stimmt, sei dahingestellt. Fakt ist: Es gibt Menschen, die von Kindheit an unerschütterliche Optimisten sind. Ihre fröhliche Ausstrahlung zieht andere geradezu magisch an. Dadurch erhalten diese Glücklichen neue Bestätigung, sie befi nden sich in einem positiven Kreislauf.

Zwischenmenschliche Beziehungen sind der Glücksfaktor schlechthin. Entscheidend ist nicht die Zahl der Freunde, sondern das Gefühl der Verbundenheit.


Auch äußere Einfl üsse – vor allem in der frühen Kindheit – wirken nach. Wenn Kinder mit Gummistiefeln in einer Pfütze plantschen dürfen, sind sie zufrieden. Sie lernen, dass das Spielen im Freien Spaß macht, und können später als Erwachsene aus einem Spaziergang an der frischen Luft Kraft schöpfen und vielleicht auf diese Art ungute Stimmungen vertreiben. Darüber hinaus stärkt liebevolle Unterstützung durch die Bezugspersonen das Selbstvertrauen und die Bereitschaft, Probleme konstruktiv zu lösen. Das schafft eine Basis für Glück und Zufriedenheit.

Gute Beziehungen sind wichtig

Ganz für uns allein können wir das Glück ohnehin nicht erreichen. Professor Margrit Schreier, Psychologin an der Universität Bremen, betont: „Der Glücksfaktor überhaupt sind gute zwischenmenschliche Beziehungen.“ Eine stabile Partnerschaft und gute Freunde beeinfl ussen unser Leben so positiv wie kaum etwas sonst. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Menschen zu kennen. Entscheidend ist das Gefühl der Verbundenheit.

Damit Beziehungen gelingen, brauchen sie Zuwendung. Das gilt für Freundschaften und Partnerschaften gleichermaßen. Für Heidi W. ist der freie Freitag auch deshalb so wertvoll, weil an diesem Tag ihr Mann aus seiner Arbeitswoche zurückkommt. Seit einiger Zeit führt das Paar eine Wochenendbeziehung, was beiden gar nicht gefällt. Das verlängerte Wochenende empfi ndet sie positiv für ihre Partnerschaft.

Natürlich kann es auch zur Falle werden, wenn Partner oder Freunde zu viel voneinander erwarten. In langjährigen Beziehungen darf es auch mal fl auere Phasen geben. Vor allem die anfängliche Verliebtheit in Partnerschaften kann dem Zahn der Zeit nicht standhalten. Um sich auch langfristig miteinander verbunden zu fühlen, empfi ehlt es sich, zusammen immer wieder Neues zu erleben. Gemeinsam mit dem Partner ein neues Hobby ausprobieren, mit Freunden einen Kochkurs besuchen, einen ungewöhnlichen Ausfl ug planen – all das belebt langjährige Beziehungen.

Macht Glauben wirklich glücklich?

Die meisten Menschen brauchen auch einen spirituellen Rahmen, um sich in der Welt geborgen zu fühlen – egal ob sie den im Christentum, Buddhismus oder einer anderen Religion fi nden. Untersuchungen besagen, dass gläubige Menschen oft glücklicher sind. Sie überstehen auch Schicksalsschläge wie Jobverlust oder Scheidung besser. Das fanden Andrew Clark von der School of Economics in Paris sowie Orsolya Lelkes vom European Centre for Social Welfare Policy and Research heraus. Sie werteten dafür die Daten Tausender Europäer aus. Nach ihren Ergebnissen haben religiöse Menschen generell eine höhere Lebenszufriedenheit. Doch es ist sicher nicht nur der Glaube, der dem Leben einen tieferen Sinn gibt, sondern auch die Gemeinschaft, die gut tut. Wer sonntags in die Kirche geht und danach mit dem Nachbarn ein Schwätzchen hält, tut etwas für sein seelisches Gleichgewicht.

Viele Europäer haben in den vergangenen Jahrzehnten in fremden Kulturen und Religionen nach Zufriedenheit und Glück gesucht – nicht von ungefähr wurden die Bücher des Dalai Lama zu Bestsellern. Doch gerade in den fernöstlichen Lehren spielt es eine große Rolle, im Einklang mit sich selbst zu leben: Die innere Einstellung ist hier für das persönliche Glück bedeutsamer als äußere Faktoren wie Wohlstand und Karriere.

Man muss ja nicht buddhistischen Mönchen nacheifern und sich von allen Besitztümern lossagen. Schon ein wenig Optimismus und gute Laune im Alltag können das Leben fröhlicher und bunter machen. Denn Optimisten haben die besten Karten, glücklich zu leben – das meinen nicht nur die positiven Psychologen. Optimisten geben selbst in schwierigen Momenten nicht auf und hoffen, dass doch noch alles gut wird. Sie genießen auch unter widrigen Umständen, was anderen vielleicht entgeht – etwa das freundliche „Guten Morgen!“ der Nachbarin, lachende Kinder, den Anblick des herrlichen Fliederbuschs auf dem Weg zur U-Bahn oder einfach nur den Blick aus dem Fenster auf der morgendlichen Fahrt ins Büro.

Lesen macht glücklich

Jeder hat das Gefühl schon erlebt, wenn die Dinge wie von selbst laufen. Wenn man mit sich und der Welt im Einklang steht. Solche Momente machen uns glücklich. Weil sie uns widerfahren, ohne dass wir bewusst danach streben. Der US-amerikanische Psychologe Mihály Csíkszentmihályi gab diesem Zustand den Titel „Flow” – und landete in den 1990er-Jahren mit seinem gleichnamigen Buch einen Bestseller (Mihaly Csikszentmihalyi,Flow. Das Geheimnis des Glücks, Klett-Cotta, Stuttgart 2010; 425 Seiten, 24,90 Euro). Dem Flow-Autor zufolge empfi nden wir Aktivitäten als besonders beglückend, wenn wir völlig in ihnen aufgehen, „im Fluss“ sind und uns selbst vergessen. Flow erlebt nur, wer von der jeweiligen Tätigkeit weder unter- noch überfordert ist. Auch Konzentrationsfähigkeit ist eine weitere Voraussetzung, ohne die es keinen Flow gibt.
Laut Csíkszentmihályi ist das Lesen eine der beliebtesten und am meisten verbreiteten Flow-Tätigkeiten auf der Welt. Und wenn es dabei auch noch inhaltlich um Glück und Zufriedenheit geht, müsste das Wohlfühlerlebnis garantiert sein. Hier gibt es mehr Lesestoff zum Thema:

Miriam Meckel,Brief an mein Leben. Erfahrungen mit einem Burnout, Rowohlt-Verlag, Reinbek 2010, 224 S., 18,95 Euro.

Miriam Meckel ist eine Erfolgsfrau, frühere Regierungssprecherin und Professorin für Medienwissenschaften. Bis sie eines Tages zusammenklappt. Die Diagnose: Burnout. In ihrem Buch schildert die 43-Jährige ihren Zusammenbruch, ihren Klinikaufenthalt und die Suche nach Mustern, die ihr Leben bis zu diesem Punkt gebracht haben. Entstanden ist das Protokoll einer Rastlosigkeit, die uns alle betrifft. Und die Erkenntnis: „Das Leben lässt sich nicht in funktionale Scheibchen teilen.“

Arto Paasilinna,Das Jahr des Hasen, Bastei-Lübbe, 240 Seiten, 7,95 Euro.

Wahrscheinlich gehört das Buch des finnischen Autors paasilinna gar nicht in diese Reihe. Andererseits: Auch der Held seines Romans, ein Journalist namens Vatanen, ist ein Downshifter. Allerdings eher unfreiwillig. Denn Vatanen denkt gar nicht an Veränderungen. Er ist nur schwer angeödet: von seinem Beruf, seiner Frau, seinem Leben. Bis dem Mann eines Tages ein Hase vors Auto hoppelt. Und Vatanen aussteigt – erst aus dem Auto, dann aus der Routine. Urkomisch und anrührend. So skurril kann das Glück manchmal sein.

Wilhelm Schmid,Schönes Leben? Einführung in die Lebenskunst, Suhrkamp-Verlag, Frankfurt a. M. 2008, 195 Seiten, 7,50 Euro.

Wer sich Glück und Lebenssinn philosophisch annähern möchte, ist hier richtig. Der Philosoph Schmid beschäftigt sich mit der Geschichte des Glücks. Er setzt sich ausführlich mit der Frage auseinander, was „Sinn“ bedeutet, und entwickelt seine Vorstellung von Lebenskunst. Das Buch wendet sich gegen die schnelllebigen Zeiten, die uns von der Aufmerksamkeit und „Selbstsorge“ abhalten, die für das vom Autor beschriebene bewusstere Leben grundlegend sind. Schmids „existenzieller Imperativ“ lautet: Gestalte dein Leben so, dass es bejahenswert ist.

Tipps für ein glücklicheres Leben

■ Nicht hadern. Auch wenn es mal nicht so gut läuft, optimistisch bleiben. Es gibt eben kein Leben ohne Stolpersteine. Statt sich zu grämen, lieber nach Lösungen suchen.
■ Beziehungen pflegen. Eine stabile Partnerschaft und Freunde machen glücklich.
■ Nicht die Hände in den Schoß legen. Faulheit und Unterforderung machen unglücklich. Deshalb: Runter vom Sofa und etwas tun, das den eigenen Talenten entspricht.
■ Sich etwas vornehmen. Und diese Vorhaben möglichst konkret formulieren: Zweimal wöchentlich joggen, donnerstags in den Sprachkurs, abends ins Kino gehen.
■ Dankbar sein. Hin und wieder innehalten und sich auf das Gute besinnen, das einem widerfahren ist.
■ Den Fernseher öfter mal ausschalten. Forscher haben herausgefunden, dass stundenlanges Fernsehen unzufrieden macht – egal, was man gesehen hat.
■ Sich selbst Gutes tun. Kleine Belohnungen helfen über so manchen Tiefpunkt hinweg. Das kann ein gutes Essen sein, eine Massage oder ein Spaziergang.
■ Sport treiben. Regelmäßige Aktivität stärkt das Wohlbefinden. Für jede Vorliebe gibt es geeignete Sportarten.
■ Sich über die eigenen Lebensziele klar werden. Wer nach innerer Zufriedenheit strebt, muss wissen, was er will, und seine Ziele auch verfolgen.

Im Einklang mit den eigenen Stärken leben

Interview

Professor Willibald Ruch leitet die Fachgruppe Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik an der Universität Zürich. Seit einigen Jahren beschäftigt er sich damit, wie Menschen ihre Lebenszufriedenheit steigern können.


ÖKO-TEST: Manche Wissenschaftler behaupten, unser Glück sei genetisch oder durch frühe Prägung festgelegt. Lohnt es sich dann überhaupt, daran zu arbeiten?
Willibald Ruch: Wir haben in unseren Studien einen deutlichen Zusammenhang zwischen Charakterstärken und Lebenszufriedenheit festgestellt. Und im Gegensatz etwa zu bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen wie Intelligenz lassen sich Charakterstärken relativ gut schulen.

ÖKO-TEST: Welche Charakterstärken sind dem Glück förderlich?
Ruch: Einen besonders positiven Einfluss haben Liebesfähigkeit, Dankbarkeit, Enthusiasmus, Neugier und Hoffnung. Bei Jugendlichen sind es dieselben Eigenschaften – außer Neugier. Das klingt erstaunlich, doch Neugier ist in diesem Alter so selbstverständlich, dass sie keinen so starken Einfluss auf die Lebenszufriedenheit hat.

ÖKO-TEST: Was kann man tun, wenn man diese Eigenschaften nicht hat?
Ruch: Jeder Mensch hat seine Stärken. Wir sind umso glücklicher, je mehr wir im Einklang mit den eigenen Stärken leben. Es ist daher sinnvoll zu schauen, ob ich meine Stärken in Beruf und Privatleben ausreichend einbringen kann. Wenn nicht, lohnt es sich, das Leben in vernünftigem Maß umzugestalten.

ÖKO-TEST: Wie könnte das zum Beispiel auf der Arbeit aussehen?
Ruch: Zunächst muss man wissen, wo die eigenen Stärken liegen. Wer sich darüber nicht im Klaren ist, kann sie über verschiedene Online-Fragebögen ermitteln, die mein Team und ich unter www.charakterstaerken.org eingerichtet haben. Dann kann ich eine Übung anwenden: Eine meiner Stärken auswählen und sie jeden Tag bewusst auf eine neue Art einsetzen. Wenn das nicht möglich ist, kann ein Arbeitsplatz- oder gar Berufswechsel sinnvoll sein.

ÖKO-TEST: Neben dem Sinn gelten Vergnügen und Engagement als Glücksbringer. Welcher dieser Aspekte hat den größten Einfluss?
Ruch: Am glücklichsten ist, wer alle drei Aspekte lebt. Sinn und Engagement scheinen aber wichtiger zu sein als Vergnügungen.

Kompakt

Glücksboten im Kopf

Nach Ansicht der Mediziner sitzt das Glück im Kopf. Bereits seit den 1960er-Jahren beschäftigen sich Hirnforscher mit der Frage, was uns eigentlich glücklich macht. Sie zeigten in Tierversuchen, dass Ratten, denen man in bestimmten Regionen des Hirns einen leichten Stromstoß verabreichte, geradezu in Ekstase verfielen. Die Tiere rackerten sich unermüdlich ab, überwanden sogar schwierige Hindernisse, nur um erneut mit Strom stimuliert zu werden. Auch beim Menschen konnten auf diese Weise solche Glücksmomente hervorgerufen werden. Schließlich fanden die Wissenschaftler heraus, welche Stoffe bei Tieren und Menschen die Glücksgefühle auslösen: Im Alltag schüttet das Hirn immer dann sogenannte Neurotransmitter aus, wenn ein angenehmer Zustand zu erwarten ist oder eintritt. Diese chemischen Substanzen sind quasi die Glücksboten, die die gute Nachricht von einer Nervenzelle zur anderen übertragen.
Der wichtigste dieser Botenstoffe ist Dopamin. Er löst freudige Erwartungen, Vergnügen, Begeisterung, Lust und Freude aus. Der Stoff hilft auch dabei, dass sich der Körper glücklich stimmende Erlebnisse merkt. Dann reicht mitunter schon die Vorstellung, um die Dopaminausschüttung in Gang zu setzen. Ein weiterer bedeutender Glücksstoff ist das Serotonin. Es wird nach dem Verzehr von kohlenhydratreichen Lebensmitteln aus der Vorläufersubstanz Tryptophan gebildet und entfaltet seine Wirkung im ganzen Körper. Das erklärt zum Beispiel die Lust auf Schokolade oder das gute Gefühl nach einem Teller Nudeln. Die Bildung von Serotonin hängt jedoch nicht nur vom Essen ab. Es ist bei gesunden Menschen von Natur aus im Körper vorhanden. Der Stoff erzeugt Gelassenheit und Zufriedenheit. Zudem lindert er Angst und Kummer. Ein Serotoninmangel kann zu Depressionen und Angststörungen führen.

Wussten Sie schon, dass …

■ Kinder am Tag durchschnittlich 400-mal lachen, Erwachsene nur 15-mal?
■ im Mai geborene Menschen glücklicher sind als solche, die im Oktober auf die Welt gekommen sind? Das zeigt eine britische Studie mit 40.000 Menschen. Vermutlich haben das Sonnenlicht und höhere Temperaturen in den ersten Lebenswochen einen positiven Einfluss auf das Körpergefühl der Sommerkinder.
■ Geld allein wirklich nicht glücklich macht? Obwohl sich in den USA das Durchschnittsnettoeinkommen seit Ende des Zweiten Weltkriegs mehr als verdreifacht hat, nahm die Zahl der sehr glücklichen Amerikaner nicht zu.
■ querschnittsgelähmte Rollstuhlfahrer neun Jahre nach ihrem Unfall nicht unglücklicher sind als gesunde Menschen? Kranke werden mit Lebensumständen, die anderen entsetzlich und furchtbar erscheinen, meist besser fertig als häufig angenommen.

Tal Ben-Shahar,Glücklicher, Riemann-Verlag, München 2007, 254 Seiten, 14,95 Euro.

Der Harvard-Dozent Ben-Shahar geht ganz praktisch an die Sache heran. Er beschreibt zunächst, was uns warum glücklich oder unglücklich macht. Sehr plastisch: Sein „Hamburger-Modell“, wonach im Leben immer das am besten ist, was jetzt „lecker schmeckt“ und auch danach keine „Übelkeit“ verursacht. Es gibt zahlreiche Übungen, um die eigene Glücksfähigkeit zu steigern. Eingeschobene „Timeouts“ geben Zeit zum Nachdenken.

Angie Sebrich,Nichts gesucht und viel gefunden. Von der Medienfrau zur Herbergsmutter. Mein fast normales Leben, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2008, 160 Seiten, 12,95 Euro.

Sie wollte eine Familie, Freizeit und einen Hund: Stattdessen hatte sie Meetings, Pressekonferenzen, und Präsentationen. Angie Sebrich, ehemalige Kommunikationschefin des Musiksenders MTV, hat sich 2001 bewusst gegen die Medienkarriere entschieden. Anstatt um die Welt zu jetten, leitet sie heute gemeinsam mit ihrem Mann eine Jugendherberge in Bayrischzell. Die Quintessenz ihrer Down-Shifting- Biografie? „Entschleunigt lebt’s sich besser.”


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