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DER WEG ZUR BIKINIFIGUR


Feine Hilfen - epaper ⋅ Ausgabe 45/2021 vom 05.02.2021

Barbara Kelly und Christina Kuenen vom Team HUF sehen sich täglich mit den Folgen von Übergewicht und einer unangepassten Fütterung konfrontiert, da darunter gerade die Hufe von Pferden besonders leiden. Unterstützt vom Verein Rehabilitation HUF e. V., leiten die beiden Hufexpertinnen seit diesem Jahr ein Rehabilitationsprojekt mit sechs stark adipösen und an Hufrehe erkrankten Ponys, die zuvor in einem Naturschutzgebiet wild gehalten wurden. Die beiden Team-HUF-Mitglieder geben in FEINE HILFEN einen Einblick, wie sie konkret bei diesen Ponys und auch allgemein an das Thema Abspecken herangehen und ...

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Bildquelle: Feine Hilfen, Ausgabe 45/2021

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... welche Erfolge sich bei Beachtung einiger einfacher Regeln einstellen.


Das Gewicht spielt nicht nur bei vielen Menschen eine Rolle, sondern ist auch immer häufiger ein Thema bei Pferden. In unserem Alltag als Hufbearbeiter treffen wir sehr oft auch Pferde, die weit von ihrem Idealgewicht entfernt sind. Das Übergewicht des geliebten Vierbeiners anzusprechen stellt uns dabei vor eine große Herausforderung. Die Besitzer haben meist eine ganze Palette an Ausreden und fühlen sich zudem vielmals persönlich auf den Schlips getreten, wenn man sie auf diesen wunden Punkt anspricht. Sätze wie „Er war schon mal viel dicker“, oder „Gestern war das noch nicht, der ist nur aufgebläht“ zählen bei uns ebenso wenig als Entschuldigung wie die Behauptung, es handele sich um Muskeln oder dass das Pferd vom „alten Schlag“ sei. Natürlich möchten wir niemanden beleidigen und versuchen, gerade in diesen ernsten Gesprächen mit viel Fingerspitzengefühl zu agieren, um die Besitzer für die Ursachen der Probleme zu sensibilisieren. In jedem Fall aber muss das Thema auf den Tisch, denn es geht ja nicht nur um die „Bikinifigur“, sondern um die Gesundheit des Pferdes.

Nur ein bisschen dick oder schon krank?

Auch wenn diese Versuche, sich der Verantwortung zu entziehen, natürlich nur Schutzmechanismen sind, muss man das Übergewicht der Pferde wirklich ernst nehmen, da es zu weitreichenden gesundheitlichen Folgen führen kann. Da kommen wir häufig dann als Hufbearbeiter ins Spiel. Die übermäßigen Pfunde allein können schon Probleme für Gelenke und natürlich auch Hufe mit sich bringen, aber noch dramatischer wird es für das Pferd, wenn der Stoffwechsel entgleist. Pferde, die eine genetische Disposition dazu haben, können durch den übermäßigen Verzehr besonders von kohlenhydrathaltigen Futtermitteln eine Insulindysregulation entwickeln. Dies kann durch gestresstes und daher zuckerreiches Gras passieren, aber auch durch das Füttern von Müslis, Getreide, Möhren oder Äpfeln. Alternative Leckerchen können zum Beispiel Leinpellets sein, die neben Ölresten auch gesunde Ballaststoffe enthalten und in Maßen auch für stoffwechselkranke Pferde kein Risiko darstellen. Selbst Heu allein kann so viel Zucker enthalten, dass die Pferde in eine Stoffwechselentgleisung rutschen und ein Equines Metabolisches Syndrom (EMS) entwickeln. Eines der Symptome einer solchen Stoffwechselentgleisung ist die Hufrehe – aber auch schon eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit der Hufe, die sich durch vorsichtigeres Auftreten oder eine leichte Lahmheit äußert (Fühligkeit), kann daher rühren. Die Schmerzen treten dann zwar an den Hufen auf, ihre Ursache ist aber an anderer Stelle zu finden. Häufig werden wir zu Hufschuhanpassungen gerufen, weil der Hufbearbeiter „zu viel“ bearbeitet hat und die Pferde dann fühlig sind.
Das kommt natürlich leider auch vor, aber häufig treffen wir dabei Pferde, deren Stoffwechsellage mehr als grenzwertig ist. Das Problem ist also nicht immer direkt an den Hufen zu finden, die Folgen fallen dort allerdings meist zuerst auf. Natürlich ist kein Besitzer erfreut, wenn wir dann darauf hinweisen, dass sein Pferd an Fettleibigkeit leidet. Die meisten sind sich dessen jedoch eigentlich schon lange bewusst. Oft können auch andere Symptome und Wehwehchen der letzten Jahre aufgeklärt werden, wenn festgestellt wird, dass das Pferd gegebenenfalls insulinresistent ist. Doch nicht jedes dicke Pferd ist auch gleich insulinresistent. Manche sind auch einfach nur dick. Dabei muss man wissen: EMS ist eine Sichtdiagnose. Den Status der Insulinresistenz (IR) ermittelt man via Blutanalyse. Pferde mit starken Fettpolstern werden also schon als von der Stoffwechselentgleisung betroffen betrachtet. Es wird dann über eine spezielle Diagnostik differenziert, ob die Entgleisung des Stoffwechsels schon bis zur IR fortgeschritten ist. Das Tolle ist, dass es viele Möglichkeiten gibt, betroffenen Pferden zu helfen. Sie können ein gesundes Leben führen, wenn man an den richtigen Stellschrauben dreht, Haltung und Fütterung optimiert und auf ihre Bedürfnisse anpasst. Denn bei EMS, IR und auch einfach nur dicken Pferden sind Bewegung und eine angepasste zucker- und stärkearme Ernährung der Schlüssel zur Gesundheit, auch auf dem Weg zum Idealgewicht.

HUNGERN IST KEINE OPTION

Die Exmoor-Konik-Mix-Ponys lebten wild, bis die Fettleibigkeit zu einer Stoffwechselentgleisung mit der Folge Hufrehe führte.


Auf den Inhalt kommt es an

Auch wenn sich das Rezept „Einfach mehr bewegen und gesund ernähren“ leicht anhört, im Alltag kann sich dies als ganz schön schwierig entpuppen. Hauptproblem: Obwohl es mittlerweile wirklich viele Pferde gibt, die genau das brauchen, findet man die so wichtigen optimalen Haltungsbedingungen für leichtfuttrige Pferde nur sehr selten in Ställen vor. Daher stellen einen diese Tiere vor große Herausforderungen. Natürlich möchten wir unsere Pferde möglichst frei und artgerecht halten. Der Stoffwechsel dieser Tiere kommt mit den „reichhaltigen“ Weiden, die man hierzulande meist vorfindet, einfach nicht zurecht. Doch auch gerade bei der Trockenheit der letzten Jahre und in Stresssituationen für das Gras, wie etwa sehr starker Verbiss, Kälte oder Vertritt, enthalten die Gräser auf der Weide und im Heu mehr Zucker bzw. beinhalten die Grassorten, die diese Extreme überleben, einfach mehr Zucker. Pferde mit Insulinresistenz haben nicht nur das Problem, dass sie mehr einlagern, sondern auch, dass sie mit fortschreitendem Verlauf kein oder kaum ein Sättigungsgefühl haben. Eine Haltung mit wenig Bewegung und wenig Abwechslung hilft dann auch nicht, die Gesundheitssituation zu verbessern. Die Pferde stehen sich die Beine in den dicker werdenden Bauch, und die Polster an Hinterhand, Mähnenkamm, Schulter und Bauch wachsen. Die Besitzer finden häufig im Alltag auch einfach nicht die Zeit, neben Beruf und Familie das Pferd jeden Tag ausreichend zu bewegen. Gern wird das Problem verdrängt, bis dann aus „heiterem Himmel“ das Pferd eine Hufrehe hat. Um genau das den Pferden zu ersparen und auch den Besitzern – denn diese leiden natürlich mit, und günstig ist das ganze Drama auch nicht –, versuchen wir aufzuklären und schon frühzeitig auf Auffälligkeiten hinzuweisen. Auch, wenn das nicht jeder hören möchte. Denn der Stoffwechsel entgleist meist über mehrere Jahre. Man kann präventiv so viel erreichen, wenn man weiß, wo man ansetzen muss. Dabei ist es wichtig, erst einmal den Teufelskreis zu durchbrechen. Es zählt jede Mahlzeit bzw. der Inhalt jedes Futtermittels. „Nur“ eine halbe Stunde auf der Weide kann den krankhaften Zustand aufrechterhalten. Man muss sich das ein bisschen vorstellen wie bei einem Diabetiker: Auch ein kleines Stück Sahnetorte bringt den Blutzuckerspiegel hoch. Dr. Kellon, Tierärztin aus den USA, hat die Insulinresistenz mit einer Allergie verglichen. Die Pferde kommen mit Zucker und Stärke nicht zurecht, der Kör- per reagiert quasi über. Lässt man diese Futtermittel weg, haben die Pferde keine Probleme – wie ein Allergiker, der keinen Kontakt mit den entsprechenden allergieauslösenden Stoffen hat.

Reha mit Wohlfühlfaktor

Die ersten Erfolge: Mattis, eines der wilden Ponys, zu Beginn der Reha und etwa zwei Monate später. Man sieht bereits eine deutliche Veränderung der Körperform.


Reha mit Wohlfühlfaktor

Wir führen eine kleine Reha-Station für genau diese Pferde mit einer Stoffwechselstörung und daraus resultierenden Hufreheschüben, da es einfach zu wenige Möglichkeiten gibt, sie ihrem Stoffwechseltyp entsprechend zu halten. Vor allem so zu halten, dass sie gesund sind, aber auch glücklich. Denn es bringt nichts, ein Pferd hungern zu lassen oder nur einzusperren, wenn es nicht mehr auf die Weide darf. Das führt lediglich zu Stress und macht definitiv nicht gesund und schon gar nicht glücklich.
Bei uns leben die Pferde in einer kleinen Herde im Paddocktrail. Diese Form der Haltung ermöglicht den Pferden nicht nur ein hohes Maß an Bewegung, sondern regt sie durch die verschiedenen Funktionsbereiche, verbunden durch breite Wege, sogar zum Laufen an. Zusätzlich fördert die Darreichung des Heus an verschiedenen Stellen in mehreren Portionen über den Tag verteilt die Bewegung. So kommen die Pferde auf etwa fünfzehn Kilometer Laufleistung pro Tag, ohne zusätzlich zu arbeiten. Diese stetige Bewegung über 24 Stunden entspricht einem recht natürlichen Lebensstil von freilebenden Pferden. Die Pfunde purzeln bei unseren Reha-Pferden quasi von allein. Die Fütterung, die wir mit einer Futterexpertin absprechen, besteht aus Heu als Grundfutter und Krippenfutter mit einem auf das Heu angepassten Mineralfutter. Dazu lassen wir das Heu jedes Jahr analysieren. So können wir sicherstellen, dass die Pferde zuckerarmes Heu fressen – wir füttern nur Heu mit weniger als zehn Prozent Gesamtzucker laut Analyse –, und können die Mineralien und Spurenelemente optimal ergänzen. Die Heumenge machen wir grob mit eineinhalb bis zwei Prozent des idealen Körpergewichts des Pferdes fest. Die Rationen sind abgewogen, sodass wir jederzeit wissen, wie wir die Ration verändern müssen, wenn wir sehen, dass die Pferde dicker oder dünner werden. Aber das bedeutet, dass wir ständig die Rationen anpassen und die Pferde sehr gut beobachten müssen, damit sie auch gesund abnehmen können bzw. ihr Idealgewicht dann auch halten. Dabei kommt es aber eben nicht nur auf die Menge, sondern vor allem auch auf die Inhalte des Futters an. Denn es gibt nicht nur Schwankungen im Bedarf des Pferdes durch Witterung, Jahreszeit, Gesundheitszustand oder Training, sondern verschiedene Heuchargen haben auch unterschiedliche Nährwerte, und verschiedene Pferde setzen dies unterschiedlich um. Also eine nicht ganz einfache Sache, wenn man Pferde in der Gruppe hält. Es erfordert ein geschultes Auge und fachliche Kenntnisse, um wirklich allen gerecht zu werden. Bietet ein Stallbesitzer diesen Service, ist es auch klar, dass die Kosten dementsprechend höher sein müssen. Häufig ist es aber Sache des Pferdebesitzers, sich mit der individuellen Fütterung seines Pferdes zu beschäftigen. Als Laie stößt man schnell an seine Grenzen. Daher empfehlen wir, sich spätestens dann an einen Experten zu wenden, wenn es zu Problemen kommt. Beim Grundfutter hat man als Einstaller wenig Einfluss, kann aber mit Engagement und gegebenenfalls auch finanziellem Einsatz einiges bewirken. Das gilt insbesondere dann, wenn sich die Stallgemeinschaft einig ist und so mit dem Stallbetreiber ein Konzept entwickeln kann. Heutzutage ist das meist dringend notwendig, damit die Pferde nicht alle platzen oder krank werden.

Auch Wildpferde können dick und krank werden

Oben: Die Verbindung von inneren und äußeren Strukturen ist nach fünf Monaten mit optimierter Haltung, abwechslungsreichen Untergründen und angepasster Fütterung bereits deutlich besser. Unten dieselben Hufe zu Beginn der Reha.


Aus Erfahrung können wir sagen, dass das Abnehmen mit zuckerarmem Heu und einem guten Maß an Bewegung fast von allein geht. In diesem Jahr haben wir ein paar wilde Ponys aus einem Naturschutzgebiet übernommen. Alle mit starkem Übergewicht, EMS und Hufrehe. Das Projekt, dem sie entstammen, hörte sich erst einmal toll an: Freilebende Pferde sollten durch das Kurzhalten der Grasnarbe zur Landschaftspflege beitragen, damit Vögel im Naturschutzgebiet brüten könnten. Dieser Plan scheiterte an fehlenden Fachkenntnissen um die Pferdegesundheit bei den Verantwortlichen. Für die Ponys gab es einfach zu viel zu fressen. Die Situation geriet außer Kontrolle. Von vielen Leuten zunächst als wohlgenährt oder von dem einen oder anderen sogar als muskulös angesehen, weil sie so einen „tollen“ Hals hatten, waren die Ponys in Wirklichkeit hochgradig fettleibig und schwer krank. Teilweise waren ihre Stoffwechselentgleisungen so dramatisch, dass die Tiere eingeschläfert werden mussten.
Als die Ponys zu uns kamen, konnten wir sie leider nicht wiegen. Wir schätzen, dass jedes der zwischen 110 cm und 140 cm großen Tiere zwischen 100 und 200 Kilo Übergewicht mitbrachte – ganz schön viel. Die ersten vier Ponys zogen im März bei uns ein. Zwei weitere kamen im Juli noch dazu. Neben Heu und Mineralfutter stehen den Pferden zusätzlich mehrere Totholzhaufen zur Verfügung, die zusätzlich für Beschäftigung und den Darm füllende Rohfaser sorgen. Wir verteilen das Futter auf viele Portionen über den Paddock, was die Pferde dazu anregt, sich zu bewegen, und die Zeit, in der Nahrung aufgenommen wird, deutlich steigert. Es ist wichtig, dass Pferde nicht hungern und Fresspausen nicht zu lang sind. Diese Bedürfnisse zu befriedigen bedeutet bei eingeschränkter Futtermenge einen gewissen Einsatz. Unsere Ponys haben durch dieses Management tagsüber höchstens drei Stunden Fresspausen, nachts bis zu sechs Stunden, wobei sie immer Zugang zu Ästen haben. Die Äste haben natürlich keine Blätter, denn auch die können einiges an Zucker enthalten. Den Zuckergehalt in Kräutern und Blättern unterschätzen viele Pferdebesitzer. Nachts bekommen die Ponys die größte Portion Heu, und wir strecken die Fresszeit durch den Einsatz von Heunetzen. Auch die passende Mineralisierung zeigt ihre Wirkung. Wenn der Körper alle Bausteine zur Verfügung hat, können alle Organe ihre Aufgaben erfüllen und die Pferde sind zufriedener und schneller satt. Die Umstellung auf eine grasfreie Haltung zeigt sehr schnell ihre Wirkung. Wobei man beim Abnehmen auch besonders darauf achten muss, dass es nicht zu schnell geht. Denn eine starke Gewichtsabnahme kann den angeschlagenen Stoffwechsel in die nächste Katastrophe manövrieren: die Hyperlipämie. Der schnelle Fettabbau überlastet die Leber und kann bis zum Tod der Tiere führen. Eine drastische Futterreduktion führt zudem zu Stress und Aggression. Dies ist wiederum kontraproduktiv für eine Rehabilitation.
Unsere wilden Ponys haben langsam, aber stetig ihre Fettpolster abgebaut, sodass man schon nach acht Wochen einen deutlichen Unterschied sah. Besonders die Einlagerungen an Hals, Schulter, Kruppe und Bauch sind auffallend zurückgegangen. Zudem sind sie dadurch schon sehr viel agiler und wendiger geworden. Übermäßige Kilos machen leider auch behäbiger.

Hufgesundheit kann so einfach sein

Was uns als Huf-Freaks natürlich besonders freut, ist die Entwicklung der Hufe. Ohne dass wir die Hufe regelmäßig bearbeiten konnten, da die Ponys noch keinen Menschenkontakt kannten, haben sie sich richtig gut entwickelt. Dabei übernahm primär der Boden im Paddocktrail die Bearbeitung, und die Nährstoffversorgung sorgte dafür, dass im Hornwachstum die Verbindung zwischen Innen- und Außenleben wieder stabil hergestellt wird. Es ist faszinierend zu beobachten, wie chronisch kranke Hufe durch eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung auf schlau angelegten Böden sich in so kurzer Zeit selbst helfen können. Tatsächlich ist das im Prinzip auch schon das ganze Geheimnis. HUF steht bei uns für Haltung, Untergrund und Fütterung. Diese sorgen nicht nur für gesunde Hufe, sondern auch für ein fittes glückliches Pferd und ein gesundes langes Leben.
Die Entwicklung der Ponys könnt ihr auch weiter bei uns mitverfolgen. Wir haben einen Verein gegründet, um sie zu unterstützen, und freuen uns über jeden, der ihre Geschichte mitverfolgt und weiterträgt. Wir können jeden Tag von und mit ihnen lernen und unser Wissen nutzen, auch anderen Pferden und deren Besitzern den Weg aus der Fettleibigkeit hin zu einem gesunden Körper und einem erfüllten Leben zu zeigen.

CHRISTINA KUENEN & BARBARA KELLY

… firmieren unter dem Namen Team HUF und arbeiten seit 15 Jahren als Barhufbearbeiterinnen und Hufschuhberaterinnen. Außerdem bieten sie Fortbildungen zum Thema HUF an. Beide bilden sich fortlaufend im In- und Ausland fort. Besonders die Beobachtungen wildlebender Pferde und Esel in verschiedenen Regionen weltweit hatten einen großen Einfluss auf ihre Arbeit. In den letzten Jahren haben sie sich auf stoffwechselproblematische Pferde spezialisiert und führen in Hessen eine Reha-Station für Pferde mit endokrinen Störungen und daraus resultierenden Hufproblemen.

www.team-HUF.de

BUCHTIPP

Christina Kuenen & Barbara Kelly
Mehr Huf, weniger Bearbeitung

Eigenverlag, 50,00 €


(Foto: Team HUF)

(Fotos: Team Huf)

(Fotos: Team Huf)

Foto: Team HUF)