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Der Wert des Waldes


Lebensart - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 13.06.2019

Wälder sind vielfältige Biotope und ein wertvoller Erholungsraum, vorausgesetzt, wir nutzen sie nachhaltig.


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Bildquelle: Lebensart, Ausgabe 3/2019

Wenn es heiß ist im Sommer, ist ein Spaziergang im Wald eine wohltuende Erholung. Da ist es kühl, der Blick ins Grüne tut den Augen gut, die Lunge füllt sich mit Sauerstoff, die Ohren nehmen Vogelgezwitscher und Bäumerauschen wahr und das Hirn kann beim Gehen in den Freilauf wechseln. Man kann Bäume und Blumen bestimmen, vielleicht Wild beobachten, Beeren naschen, Laub riechen, gelenkschonend marschieren, das Gleichgewicht trainieren, üben sich zu orientieren und den Stress draußen lassen. ...

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Dass wir diese großartige „Kuranstalt“ so frei und gratis genießen dürfen, verdanken wir vielen guten Waldgeistern, nämlich den großteils privaten Waldbesitzern und -besitzerinnen, die ihn hegen und pflegen. Die einen tun es aus Tradition, weil der Wald seit Generationen in Familienbesitz ist, um die Wertanlage für ihre Kinder und Enkel zu erhalten; die anderen, wie Martin Sonntag und Heidi Vitéz, aus Leidenschaft.

Es ist Frühling und ungewöhnlich warm, als wir mit dem Ehepaar eines ihrer Waldstücke in Linz Plesching besuchen. Martin habe ihr schon beim ersten Kennenlernen vor mehr als 20 Jahren erzählt, dass er einen Wald haben möchte, erzählt Heidi Vitéz lachend. Sie ist 49 und arbeitet als selbstständige Journalistin, PR-Texterin und Medienfachfrau, Martin Sonntag ist 47 und Dienstleistungsunternehmer im Bereich Online-Handel.Beide haben viel zu tun, sitzen viel vorm Computer, sind oft beruflich unterwegs und treffen viele Menschen. Am Wochenende aber ruft der Wald, das wurde ihnen quasi in die Wiege gelegt. Heidi ist in Tirol in einem Gärtnereibetrieb aufgewachsen, Martin stammt aus einer Bauernfamilie. Zum Hof gehörte auch ein Stück Wald, schon als Bub half er bei der Waldarbeit.

Die Landwirtschaft übernahm jemand anderer, er bekam den Wald.

In den vergangenen Jahren hat er weitere Waldstücke dazugekauft, mittlerweile sind es in Summe 20 Hektar. Da zahlt sich die Anschaffung eines Traktors und anderer Gerätschaften dann schon aus. Um als Nicht-Landwirt Wald kaufen zu dürfen und um die Arbeit im Wald richtig zu lernen, hat Martin Sonntag auch Kurse in der Forstfachschule in Orth gemacht und viele Bücher gelesen. Seit etwa fünf Jahren arbeitet er jeden Samstag und bei Bedarf auch am Sonntag oder abends im Wald. „Mir taugt es da in der freien Natur“, sagt er. „In der Firma mache ich alles mögliche andere, aber da sehe ich keinen produktiven Ertrag meiner Tagesarbeit. Hier im Wald liegt am Abend ein Haufen Holz da oder es sind neue Bäume gepflanzt. Das gefällt mir.“

In den vergangenen Jahren hatten Martin Sonntag und Heidi Vitéz, teilweise unterstützt von der ganzen Familie, aber besonders viel Arbeit im Wald. Ursache Nummer eins waren die klimawandelbedingte Trockenheit und die daraus resultierende sprunghafte Borkenkäfervermehrung. Alle Fichten, die verdächtig nach Borkenkäferbefall aussahen, wurden deshalb umgeschnitten und so rasch als möglich abtransportiert, damit die Käfer sich nicht im eigenen Wald oder bei den Nachbarn weiter verbreiten. „In diesem Wald hier stehen jetzt nur mehr zehn Fichten. Wir mussten massiv andere Arten nachpflanzen, damit wieder Wald wächst“, sagt Martin. Damit die Rehe die jungen Tannen oder Lärchen nicht gleich wieder wegfressen, wurden die Aufforstungen eingezäunt. „Eine Jungpflanzenlieferung haben wir noch am Abend im Dunkeln eingesetzt, weil die Bäumchen sonst vertrocknet wären“, erzählt Heidi.Denn die Bäumchen werden von den Baumschulen üblicherweise ohne Erde verkauft. Zwischen dem Nachwuchs muss man anfangs auch immer wieder mähen, damit die Jungbäume nicht von anderen Pflanzen überwuchert werden. An anderen Stellen wachsen Buchen und andere Laubbäume von selber nach, wenn durch das Ausholzen genug Licht in den Wald kommt.

Links:Fast täglich fahren Mountainbiker unerlaubt und mit hoher Geschwindigkeit durch den Wald, beschädigen den Waldboden und der Wald kann sich nicht mehr natürlich verjüngen.

Rechts: Martin Sonntag und Heidi Vitéz in ihrem Wald in Linz Plesching.


@@Von dieser Buche , die zum Abtransport bereit lag, hat sich einfach jemand eine Scheibe Holz abgeschnitten.\


Bei unserem Spaziergang zeigt Heidi Vitéz voll Freude auf verschiedene kleine Sträucher und Pflanzen am Boden, die nun üppig wachsen. Als sie den Wald übernommen hätten, sei es hier nicht so grün gewesen, weil die Bäume zu dicht standen.

Dann bleiben wir am Weg stehen, der aus der nahegelegenen Siedlung in den Wald führt. Hier wird das nächste akute Problem von Waldbesitzern augenscheinlich: Quer über den Weg liegen zwei Eschen, die in der Nacht einfach umgefallen sind. Sie standen links im Graben an einem kleinen Bächlein und trugen noch Blätter. Doch unterirdisch ist ihr Wurzelstock komplett verfault, bis der Baum keinen Halt mehr fand und umfiel. Schuld daran ist der Pilz Hymenoscyphus pseudoalbidus, der das Eschentriebsterben verursacht.Deshalb mussten fast überall schon massenweise Eschen geschlägert werden.

Martin Sonntag macht sich deshalb Sorgen wegen der Haftung. Fast täglich würden Mountainbiker unerlaubt und mit hoher Geschwindigkeit durch den Wald fahren. Was, wenn einer den Baum, der quer über den Weg liegt, übersieht und nicht mehr bremsen kann? Außerdem würden die Mountainbiker den Weg und vor allem den Waldboden beschädigen. Auf den Spuren unzähliger grobstolliger Reifen sei keine Naturverjüngung des Waldes mehr möglich, ärgert sich Martin. „Wir versuchen, mit dem Traktor nur auf den Forststraßen zu fahren, damit wir den Boden nicht kaputt machen, und die fahren einfach mit ihren Rädern quer durch den Wald und verdichten den Boden.“ Wenn der Boden von Regen aufgeweicht ist, entstehen noch dazu tiefe Rinnen, in denen beim nächsten Starkniederschlag das Wasser runtergeschossen kommt, statt in den Waldboden zu versickern, wo es dringend benötigt würde.

Während Martin Sonntag von den Problemen mit den Mountainbikern erzählt, manchmal seien es 40 an einem Tag, taucht einer an der Absperrung des Holzlagerplatzes auf und schlüpft unter dem Absperrband durch. Als Martin und Heidi ihn darauf hinweisen, dass Mountainbiken im Wald verboten und dieser Platz aus guten Gründen gesperrt ist, zeigt sich der Radler zwar verständnisvoll, rechtfertigt sich aber: „Es macht halt Spaß.“ Man einigt sich darauf, dass es hilfreich wäre, wenn die Stadt oder das Land für Schäden zahlen und die Haftung übernehmen würde, dann könnte man einzelne Wege für Mountainbiker zulassen.

Etwas später tauchen vier Mountainbiker samt Hund auf, die ungehalten reagieren, weil „ihr“ Weg durch den Holzlagerplatz abgesperrt ist und sie darauf hingewiesen werden, dass sie da nicht mit dem Rad fahren dürfen. Nach einem lauter werdenden Wortwechsel verlassen sie schimpfend den Wald, vorbei an einem Transparent mit dem Hinweis auf das Fahrverbot, das die Bewohner der Siedlung kürzlich zwischen den Bäumen aufgehängt haben. Auch sie leiden unter den Mountainbikern, die aus dem Wald geschossen kommen und einfach über den Kinderspielplatz fahren.

Dass jedermann und jederfrau durch seinen Wald spazieren darf, ist für Martin Sonntag klar, aber etwas mehr Achtung für die Arbeit, die er und seine Familie auch für die Allgemeinheit leisten, hätte er doch gerne. Er zeigt auf den Stamm einer hohlen Buche mit etwa 50 Zentimetern Durchmesser, die auf dem Lagerplatz zum Abtransport für die Modalfaser-Herstellung bereitliegt, und schüttelt den Kopf: „Da hat sich jemand einfach zwei Scheiben vom Stamm abgeschnitten, noch dazu sehr unprofessionell.“ Die Sägespäne liegen noch daneben, die schönen Baumscheiben sind weg.

Der Wald darf in Österreich von Gesetzes wegen von jedermann zu Erholungszwecken betreten werden. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass Freiheit mit Verantwortung einhergeht und dieses wertvolle Gut jemandem gehört und von diesem mit großem Aufwand gepflegt wird.


Fotos: Xurzon/iStock; leonard_c/iStock (v.l.n.r.)

Fotos: Sonja Bettel (3)