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Der wilde Hafen


Unser Hafen - epaper ⋅ Ausgabe 3/2018 vom 06.06.2018

Zwischen Kaimauern und Elbstrand leben erstaunlich viele Wildtiere


Füchse

Artikelbild für den Artikel "Der wilde Hafen" aus der Ausgabe 3/2018 von Unser Hafen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Fotos: DPA

Die einstigen Waldtiere haben sich längst zu schlauen Großstadtjägern entwickelt – und finden auch im Hafengebiet jede Menge Nahrung. Zu sehen sind sie allerdings selten. Als im Januar 2018 mal ein Fuchs am helllichten Tag in der Nähe des Eurogate-Terminals herumspazierte, war das für die Hafenarbeiter eine echte Sensation.

Schweinswal

Schweinswale, auch „Kleine Tümmler“ genannt, schwimmen seit einigen Jahren immer mal wieder an der Strandperle vorbei, ihre Rückenflossen werden beim Unilever-Gebäude (HafenCity) gesichtet und ...

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... in der Billwerder Bucht. Sie folgen dem Stint die Elbe hoch, aber sie leben im Hafen gefährlich: Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen mit Schiffsschrauben.

I m Hafen schlägt das Herz der Stadt, da ist es rund um die Uhr laut und geschäftig, da verdient Hamburg sein Geld. Alles richtig, aber es gibt auch noch einen anderen Hafen, den Hafen, der das Zuhause für viele wilde Tiere ist. In den Hafenbecken schwimmen Fische, Möwen kreischen in der Luft und nachts gehen Füchse auf die Jagd. Es lohnt sich, mal einen genaueren Blick auf die tierischen Mitbewohner in unserem Hafen und an der Elbe zu werfen.
Wer mal gemütlich mit einem Fischbrötchen in der Hand die Hafenkante entlangschlendert, sieht mit etwas Glück ein paar längliche schwarze Vögel über die Wasseroberfläche flitzen. Was aussieht wie fliegende Stöcke, sind Kormorane. Sie sitzen auch gerne auf Pollern und breiten ihre Flügel zum Trocknen aus.

Fast 200 Brutpaare der schwarz glänzenden Vögel gibt es in Hamburg – und das ist eine kleine Sensation, denn bis 1994 waren brütende Kormorane in Hamburg unbekannt. Erst in jenem Jahr entstand die Brutkolonie auf der Billwerder Insel, die die Vögel seitdem immer noch bewohnen.

Auch eine Kolonie Sturmmöwen hat im Hafen ihren Platz gefunden: In einem Tanklager auf der Elbinsel Hohe Schaar ziehen die Vögel ihre Jungen auf. Sturmmöwen sehen ein bisschen so aus wie Silbermöwen. Man kann sie mit ein bisschen Übung aber gut unterscheiden: Klein mit rosa Beinen: Sturmmöwe. Groß mit gelben Beinen: Silbermöwe.

Die beiden Arten verstehen sich gut und brüten oft in Nachbarschaft voneinander. Silbermöwen bauen ihre Nester gerne auf Industriebrachen im Hafen, sie nutzen aber auch gerne Flachdächer als Kinderzimmer.

Wanderfalken bauen ihre Nester ebenfalls gerne mal im Hafen. Erst seit den 90er Jahren sieht man sie wieder am Hamburger Himmel. Derzeit gibt es elf Brutpaare. Abwechselnd lassen sie sich auf den Kirchen St. Nikolai und St. Petri in der Innenstadt nieder – und im Hafen.

Es gibt auch Säugetiere, die durch den Hafen streifen: Füchse haben sich längst zu Großstadtbewohnern entwickelt, besiedeln 60 Prozent des Hamburger Stadtgebietes und jagen auch im Hafen Mäuse und Ratten. Zu sehen sind sie allerdings selten: Als im Januar 2018 ein Fuchs am helllichten Tag in der Nähe vom Eurogate-Terminal auf der Dradenau auftauchte, war das für die Hafenarbeiter eine echte Sensation.

Eine noch größere Sensation konnte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) im August 2016 verkünden: Ein Biber-Baby war in eine Fotofalle an der Elbe im Hamburger Osten getapst – es war der erste Bibernachwuchs seit 200 Jahren.

Neben der „Stammbelegschaft“ gibt es auch einige seltene Gäste auf Stippvisite im Hafen zu bestaunen: Schweinswale folgen im Frühjahr ihrer Leibspeise, dem Stint, die Elbe hoch, manchmal bis in den Köhlbrand.

Biber

Um das Jahr 2000 tauchten die Spuren erster Biber an der Hamburger Elbe auf, im Jahr 2016 wurde dann eine echte Sensation verkündet: Ein Biber-Baby war in einer Fotofalle getapst: der erste Nachweis von Bibernachwuchs auf Hamburger Stadtgebiet seit 200 Jahren! Eine Ansiedlung des größten europäischen Nagetiers liegt südlich des Holzhafens.

Auch Seehunde recken ihre kugeligen Köpfe mit den Knopfaugen gelegentlich aus dem Elbwasser im Hafen. Die Meeressäuger haben sich vor rund 20 Jahren dauerhaft in hamburgischen Gebieten der Elbe angesiedelt. Was kaum einer weiß: Der berühmte Schwanenvater Olaf Nieß ist gleichzeitig Seehundschutzbeauftragter der Hansestadt Hamburg. Er rettet etwa kleine Heuler, die sich in den Hafen verirrt haben.

Spektakulärer Anblick im Hafenhimmel: die Seeadler. Drei Paare des größten deutschen Greifvogels brüten im Bereich der Süderelbe. Der Ausflug in das Hafengebiet kann allerdings gefährlich sein für die stolzen Tiere: 2016 wurde ein Männchen von einem Rotorblatt der Windkraftanlage auf der Hohen Schaar erschlagen.

Es stimmt: Der Hafen ist nicht gerade ein Naturschutzgebiet, trotzdem erobern sich zwischen Containern und supermodernen Kaianlagen mehr Tiere ihre Lebensräume, als man denkt.

Seeadler

Drei Paare des größten deutschen Greifvogels brüten im Bereich der Süderelbe. Der Ausflug in das Hafengebiet kann allerdings gefährlich sein für die stolzen Tiere: 2016 wurde ein Männchen von einem Rotorblatt der Windkraftanlage auf der Hohen Schaar erschlagen.

Steinmarder

Ein Schatten, der nachts unter parkenden Autos verschwindet, mehr bekommen die meisten Hamburger nicht von einem Steinmarder zu sehen. Das kleine Raubtier ist einer der erfolgreichsten Kulturfolger des Menschen und fühlt sich selbst im unwirtlichen Hafen zu Hause. Es besiedelt gerne Lagerräume und ernährt sich hauptsächlich von Vögeln, etwa Stadttauben, mag aber auch weggeworfene Lebensmittelreste.

Sturmmöwe

In einem Tanklager auf der Elbinsel Hohe Schaar hat sich eine Kolonie Sturmmöwen angesiedelt. Sturmmöwen sehen ein bisschen so aus wie Silbermöwen. Die beiden Arten verstehen sich gut und brüten oft in Nachbarschaft voneinander.

Bisamratte

So mancher, der dachte, er habe einen seltenen Biber gesichtet, hatte tatsächlich eine Bisamratte vor sich. Unterschied: Der Biber wiegt bis zu 30 Kilo, die Bisamratte 1,5 Kilo – sie ist die größte Wühlmausart, die sich in deutsche Deiche gräbt. Das macht sie an der Elbe nicht gerade beliebt: In Hamburg wird die Bisamratte bejagt.

Kormoran

1994 entstand auf der Billwerder Insel Hamburgs erste und bislang einzige Kolonie von Kormoranen. Die schwarz glänzenden Vögel sind im Hafen oft zu sehen: Sie fliegen dicht über der Wasseroberfläche und lieben es, sich nach der Jagd auf einen Poller zu setzen und ihre ausgebreiteten Flügel in der Sonne trocknen zu lassen.

Wildkaninchen

Wildkaninchen kommen so ziemlich überall in Hamburg vor, auch im Hafen, wo sie Böschungen und Spülflächen mit sandigem Baggergut lieben. Aber auch wenn man denkt, Kaninchen gibt es wie Sand am Meer: In den vergangenen 25 Jahren hat die Hoppler-Population einen starken Rückgang erfahren.

Seehunde

Seehunde haben sich dauerhaft in hamburgischen Gebieten der Elbe angesiedelt und immer mal wieder taucht auch einer im Hafen auf. Was kaum einer weiß: Schwanenvater Olaf Nieß ist auch Hamburgs Seehundschutzbeauftragter.


Fotos: DPA