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Der Wilde Mann Urmensch oder Eisenhans


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Sieben Tage - epaper ⋅ Ausgabe 46/2022 vom 12.11.2022
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Bildquelle: Sieben Tage, Ausgabe 46/2022

Der ?Eisenhans? versteckt sich vor den Jägern im Wald. In einigen Mythologien ist er mit dem ?Wilden Mann? gleichzusetzen

Eine Serie von Antje Windgassen

Er ist eine mythische Figur, die in der Kunst und Literatur des mittelalterlichen Europas auftaucht – vergleichbar mit Silvanus, dem römischen Gott der Wälder. Märchenforscher glauben, dass der Wilde Mann schon vor 4000 Jahren als Vorbild für Geschichten diente

Es geschah einmal, dass ein Lebewesen im Wald gefangen wurde, von dem niemand genau sagen konnte, ob es ein Mensch oder ein Tier war, denn niemand konnte ihm ein Wort entlocken oder sicher sein, dass er die menschliche Sprache verstand. Das Wesen hatte jedoch die menschliche Form in jedem Detail, sowohl in Bezug auf Hände als auch Gesicht und Füße; aber der ganze Körper war mit Haaren bedeckt, wie es die Tiere sind, und auf dem Rücken hatte er eine lange, grobe ...

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... Mähne wie die eines Pferdes, die zu beiden Seiten hinabfiel und über den Boden schleift, wenn sich das Geschöpf im Gehen bückte …“ Diese Beschreibung eines Wilden Mannes stammt aus einem norwegischen Buch des 13. Jahrhunderts.

In vielen Mythologien gibt es „Wilde Männer“

Der Wilde Mann – ganz selten auch die Wilde Frau oder das Wilde Kind – sind Bestandteile alter Geschichten der germanischen, slawischen und keltischen Mythologie. Weltweit gesehen taucht die Figur des Wilden Mannes allerdings schon früher auf. Die erste aufgezeichnete Geschichte über den wilden und behaarten En- kidu, den Kampfgefährten und Freund eines sumerischen Königs, entstammt einem alten mesopotamischen Gedicht, das etwa 2100 Jahre vor unserer Zeitrechnung entstanden ist. Die Ursprünge der antiken, aber auch der mittelalterlichen Vorstellung vom Wilden Mann, könnten Berichte über Affen gewesen sein. So berichtete der alte karthagische Entdecker „Hanno der Seefahrer“ bereits im fünften Jahrhundert vor Christi von einer Begegnung an der afrikanischen Westküste mit einem Stamm wilder Männer und haariger Frauen, die Gorillae genannt wurden.

Der Wilde Mann gilt immer als Mensch

Möglich ist auch, dass die Mythen vom Wilden Mann in dem Zeitfenster von 10.000 Jahren entstanden sind, in der der moderne Mensch (Homo sapiens) und der Neandertaler gemeinsam Mitteleuropa bevölkerten. Der Spekulationen gibt es viele, Beweise sind kaum noch zu erbringen. Fest steht: Der Wilde Mann galt stets als menschliche Figur – nicht als Tier oder göttliches Wesen. Er lebte im Wald und im Einklang mit der unbeherrschbaren Natur, war in der Regel nackt, ungewöhnlich groß, stark und am ganzen Körper dicht behaart. Abbilder von ihm finden sich auf Wandteppichen, Glasmalereien, auf Münzen und oft auch als Schildhalter in Wappen. So wies das Wappen von Prinz Philip, dem Herzog von Edinburgh, als Schildhalter einen Löwen und einen Wilden Mann auf. Die Wesen sind Namensgeber für Flurstücke und Berge, für Gruben und Stollen im Bergbau, für Hotels und Restaurants. 1529 gründeten Bergleute im Harz eine Stadt, die sie „Wildemann“ nannten. Der Sage nach sollten hier vormals ein Wilder Mann und eine Wilde Frau gelebt haben – und zwar genau dort, wo man später die größten Silbervorkommen fand. Wilde Menschen dienten auch als Vorlagen für Märchen: „Der Eisenhans“ der Brüder Grimm, der im tiefen Wald in einem Tümpel saß und Mensch und Tier in die Tiefe zog, ist ein Beispiel dafür. Aber auch die Geschichte von der „Schönen und dem Biest“. Einer der ersten Märchensammler Europas, Giovanni Francesco Straparola, schrieb sie etwa 1555 auf. Als Vorlage diente das Schicksal eines Mannes aus Teneriffa: Pedro Gonsalvus war etwa zehn Jahre alt, als er von Piraten geraubt und König Heinrich II. von Frankreich als exotisches Geschenk überreicht wurde.

Der Junge darf sich bald frei bewegen

Da dem Jungen im Gesicht und am ganzen Körper dichte Haare wuchsen – und die Hypertrichose noch eine unbekannte Krankheit war – hielt man ihn für ein Wildes Kind und steckte ihn in einen Käfig. Als man bei Hofe jedoch erkannte, dass er ein intelligentes Wesen war, durfte er frei herumlaufen und erhielt sogar eine gute Ausbildung. Jahre später wurde der allseits beliebte Pedro mit einer jungen Frau namens Catherine Raffelin vermählt. Und das Wunder geschah: Catherine verliebte sich in ihren Wilden Mann und gebar ihm sieben Kinder, von denen vier die Krankheit des Vaters erbten. Die Familie besaß, in einem abgelegenen Teil des Parks von Fontainebleau, ein komfortables Heim. Als Gegenleistung musste Pedro hin und wieder, bei besonderen Hofveranstaltungen mit illustren Gästen, als exotische Attraktion auftreten – der gezähmte Wilde Mann des Königs. 

Nächste Folge:

Flaschengeister Unberechenbare Diener der Menschen