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DES KAISERS NEUE KLEIDER


L Officiel Austria - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 11.06.2021

Immer mehr Marken setzen auf die Arbeit im Kollektiv oder auf Kooperationen mit anderen Künstlern und Designern. Welchem Umstand haben wir diese Entwicklung zu verdanken?

Carine Roitfeld (CR): Nun, es ist erwähnenswert, dass Karl Lagerfeld ein früher Vorreiter dieses Trends war, als er 2004 erstmals mit H&M zusammengearbeitet hatte.

Kenneth Ize (KI): Dem stimme ich zu. Und ich denke, es ist ein interessanter Weg, um einer Marke weiterhin Frische zu verleihen.

Kann man heutzutage als Marke im kreativen Wettbewerb ohne symbiotische Ansätze bestehen?

CR: Ich denke, es wird immer Raum für Kreativität und neue Ansätze geben, mit oder ohne Kollaborationen. Ich denke jedoch, dass es für Marken entscheidend ist, sich externen Rat zu holen, um über den Tellerrand zu schauen.

Was hat Sie an der Arbeit von Kenneth Ize überzeugt?

CR: Seine Designs strahlen eine Freude aus, die sehr erfrischend ist. Ich denke, dass ...

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Kreativer Dialog: Carine Roitfeld fungiert neben ihrer Tätigkeit als Herausgeberin des ?CR Fashion Books? und Stylistin als Style Advisor der Marke Karl Lagerfeld. Dank ihr darf sich das Label über die Kooperation mit dem österreichisch-nigerianischen Designer Kenneth Ize freuen.
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... das, was Kenneth macht, sofort erkennbar ist, jeder Look vermittelt seine Ästhetik, seinen Geschmack, seine Werte und seinen Hintergrund. Ich bin mir sicher, dass Karl Kenneth geliebt hätte.

Vor allem unter Karl Lagerfeld selbst assoziierte man seine gleichnamige Marke eher mit einem kühlen Schwarz-Weiß-Look, der schlanken Silhouette und den signifikanten Kragen an Hemden und Blusen, während Sie für Farben und Prints bekannt sind ...

KI: Der Gedanke kam mir ebenfalls, als Carine mir die Zusammenarbeit vorgeschlagen hatte, aber es ist auch etwas, das ich an dem Vorschlag sofort geliebt habe. Natürlich war Karl berühmt für seine Vorliebe, Schwarz und Weiß zu tragen, aber ich glaube nicht, dass das bedeutet, dass er nicht auch Farben mochte! In den Archiven habe ich entdeckt, dass er in seinen Kollektionen viel Farbe und Drucke verwendet hat. Ich mag auch die androgyne Seite der Marke und wie sie sich in gender-neutrale Looks übersetzen lässt.

Wie tritt man als Designer an so eine Kooperation heran?

KI: In diesem speziellen Fall wurde ich eingeladen, als Gast-Designer für die Marke zu arbeiten. Die Idee war, meinen eigenen Design-Ansatz zu implementieren und gleichzeitig die allgemeinen Stilcodes des Hauses zu wahren. Die Marke verfügt über ein großes Archiv, das ich besuchen durfte, und es war großartig, die enorme Menge an Skizzen zu sehen, die Karl gezeichnet hat.

Inwieweit haben Sie Ihren Stil angepasst?

KI: In diesem Fall hat mich die Marke ermutigt, meinem Stil treu zu bleiben. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich in irgendeiner Weise Kompromisse eingehen musste. Insgesamt würde ich sagen, dass die Anpassung des eigenen Stils bei einer Zusammenarbeit der Schlüssel ist. Das ist eine sehr gesunde und herausfordernde Übung, die einen offenen Geist und die richtige Einstellung erfordert. Hun Kim, der Design-Chef von Karl Lagerfeld, war extrem aufgeschlossen und hilfreich.

Inwieweit briefen Sie die Designer im Vorfeld, um die Identität der Marke zu wahren?

CR: Ich stelle mir eine Zusammenarbeit immer als Teamarbeit vor, als ein Gespräch. Wir erwarten von unseren Gast-Designern nicht, dass sie Designs entwerfen, die eine Kopie dessen sind, was die Marke bereits produziert. Bei Kenneth ist das Interessante der starke Unterschied zwischen den beiden unterschiedlichen kreativen Ansätzen.

Gerade im Hinblick auf Ihre tiefe Verbundenheit und Freundschaft mit Lagerfeld: Wie viel „traut“ man sich zu verändern, ohne das Erbe zu verfälschen?

CR: Karl hätte diese Frage nicht gemocht! (lacht) Er hat mir immer gesagt: „Bei allem, was du machst, musst du die Leute überraschen!“ Und das ist genau das, was wir mit dieser Zusammenarbeit tun. Die grundlegende Ästhetik besteht, und es liegt an uns, sie neu zu erfinden, damit sich die Marke weiterentwickeln kann.

Sprechen wir über die Kollektion: Können Sie die Zusammenarbeit und den kreativen Prozess im Team ein wenig umreißen?

CR: Es geht viel um Handwerk und die Zusammenarbeit, um den eigenen Stil mit dem Ethos der Marke zu vereinen und eine Art Dialog zu schaffen. Ich möchte, dass die Menschen Mode auf eine sinnvolle Weise verstehen. Es ist nicht nur ein Kleidungsstück. Das ist etwas, das ich ernst nehme.

„Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, dieses legendäre Zitat schreiben viele nur zu gerne Lagerfelds spitzer Zunge zu – welche Rolle spielt denn Komfort in Ihrer Mode?

KI: Ich bin mir nicht sicher, ob „Komfort“ das beste Wort ist, um meine kreative Vision zu umschreiben. Komfort war schon immer ein Teil meiner Mode, aber er definiert nicht meine Herangehensweise – die hat mit meinen afrikanischen Wurzeln zu tun, kombiniert mit europäischen Passformen.

Wer treibt Ihrer Ansicht nach den Paradigmenwechsel an – sind es junge Designer, große Modehäuser, die Sozialen Netzwerke oder die Gesellschaft selbst?

KI: Ich denke, es ist eine Kombination aus allen vieren. Um relevant zu bleiben, müssen sich Designer und Modehäuser darauf einstellen, was die Gesellschaft will und wie sie sich weiterentwickelt. Influencer spielen vielleicht eine Rolle durch Social Media und fördern bestimmte Trends in der Mode, aber letztlich sind Individuen und Designer für ihre eigenen Stil-Entscheidungen verantwortlich.

Wenn Karl Lagerfeld die Kollektion noch sehen und beurteilen könnte – welches wäre wohl sein Lieblingsteil?

CR: Ich wünschte, Karl hätte sie sehen können, denn ich bin mir sicher, dass er die Kollektion und ihr Zusammenspiel von Farben und Kulturen geliebt hätte. Ich schätze, seine Lieblingsstücke wären die Hemden und die kurzen Jacken gewesen.