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DEUTSCH LAND BEWEGT SICH


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Max - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 10.09.2021

Artikelbild für den Artikel "DEUTSCH LAND BEWEGT SICH" aus der Ausgabe 3/2021 von Max. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Max, Ausgabe 3/2021

ONCGNOSTICS

Jena jagt den Krebs

Über Unternehmen wie Oncgnostics wird in der Regel selten gesprochen, wenn es um Firmen geht, die die Welt zum Besseren verändern. Das kann daran liegen, dass Oncgnostics in Jena angesiedelt ist, die große Welt spielt sich woanders ab. Spaß beiseite, entscheidender dürfte sein, dass es schwierig ist zu erklären, was Oncgnostics eigentlich macht.

Versuchen wir es: Hervorgegangen aus einem Projekt der Universitäts-Frauenklinik Jena forscht ein Team von Wissenschaftlern daran, anhand von Biomarkern frühzeitig Krebserkrankungen zu erkennen oder das Risiko dafür einschätzen zu können. Mit Biomarkern sind Moleküle des menschlichen Körpers gemeint, die etwas über den Gesundheitszustand einer Person aussagen.

Die Tests von Oncgnostics untersuchen im Prinzip die DNS von Zellen auf Veränderungen, die auf Krebs und seine Vorstufen hindeuten. Einen großen Erfolg verbuchten die ...

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... Jenaer 2015 mit der Entwicklung ihres Gyntect-Tests, der mit einem einfachen Abstrich durchgeführt wird und Gebärmutterhalskrebs schnell diagnostizieren kann.

www.oncgnostics.com

EMILS BIO-MANUFAKTUR

Soßen ohne alles

Michael Wiese war Unternehmensberater, Jens Wages Werber, sie kannten sich aus dem Zivildienst. 2009 entschlossen sie sich gemeinsam, Soßen herzustellen. Ohne jede Vorkenntnisse, aber mit einem Prinzip: nachhaltig sollte es sein, die Soßen ohne die ganzen Zusatzstoffe, die man sonst auf den Etiketten der Gläser und Tuben findet. „Emils Bio-Manufaktur“ war geboren. „Bio erlaubt 47 Zusatzstoffe. Wir verwenden: null. Wir entscheiden nicht darüber, ob es ‚natürliche‘ oder ‚unbedenkliche‘ Zusatzstoffe gibt. Wir verwenden einfach gar keine“, heißt es auf der Website über das selbst gegebene Reinheitsgebot. „Unsere Dressings bestehen ausschließlich aus Zutaten, die man auch zu Hause im Kühlschrank finden kann“, sagte Wiese einmal. Diese Zutaten werden in Bioqualität gekauft, regional und rückverfolgbar sollen sie sein. „Weil es das Nachhaltigste werden sollte, was wir in unserem bisherigen Leben in Gang gebracht haben, wurde es Emils getauft“, schreiben die Freiburger auf ihrer Website, Emil ist auch der Name von Wieses im Gründungsjahr geborenen Sohn.

Zweimal wurde Emils Bio-Manufaktur seitdem als „Biomarke des Jahres“ ausgezeichnet, 2019 verlieh der Tierschutzverband Peta Deutschland e. V. den „Vegan Food Award“ für die „Beste Soße“.

www.emils.com

TALKING HANDS

Inklusion im Daumenkino

Es sind kleine Gesten, gedruckt auf Büchlein im Taschenformat, die große Wirkung entfalten können. Die „Flipbooks“ – im Prinzip Daumenkinos – von „Talking Hands“ zeigen Handbewegungen der Gebärdensprache. Kinder können mit den Büchern spielerisch Gebärden lernen, jedes kleine Daumenkino zeigt einen kurzen Satz oder ein wichtiges Wort: Mama, Papa, „Wie geht’s?“.

Maria Möller und Lisa Mohn aus Frankfurt gründeten ihr Start-up 2019, seitdem verkaufen sie über hundert der kleinen Daumenkinos, meist im Set an Kitas oder Grundschulen, es gibt ein Plakat, und demnächst soll eine App hinzukommen. Inspiriert wurde Mohn dabei in ihrer eigenen Familie. Ihre Schwester Jami hat das Downsyndrom. Die Sprachentwicklung ist bei Menschen mit Downsyndrom stark verzögert, das heißt, sie lernen häufig viel später sprechen als andere Kinder.

Die Motive für die Daumenkinos hat Kommunikationsdesignerin Mohn selbst gestaltet. Das Ziel sei „das Erlernen der Gebärden für alle zu einem spaßigen Erlebnis mit nachhaltigem Lerneffekt“ zu machen, sagte Mohn der „Frankfurter Rundschau“. Inklusion im Daumenkino, für das das Start-up im August den Frankfurter Gründerpreis gewann.

www.talkinghandsflipbooks.com

SAGITTA

Früher Hustenbonbons, heute Bakterien-Deo

Stefan und Sabine Fasching entstammen einer langjährigen Apothekerfamilie, als Vater-Tochter-Duo kauften sie vom Chemieriesen BASF „Sagitta“ zurück, das ihre Vorfahren 1909 in einer Apotheke in München gegründet hatten. Damals wurden Hustenbonbons verkauft, mittlerweile reicht die Produktpalette von zahlreichen medizinischen Präparaten über Shampoos bis hin zu Periodenunterwäsche.

Besonders stolz ist Sagitta auf sein probiotisches Deo, das 2017 auf den Markt kam. Probiotika? Das kennen manche vielleicht vom Joghurt, der die Darmflora unterstützen soll. Damit sind lebende, gutartige Bakterien gemeint, die im Fall des Deos die Hautflora stärken sollen. Laut Sagitta schützt das vor Geruchsbildung und übermäßigem Schwitzen. Lobenswert: Sagitta verwendet nur biologisch abbaubare Verpackungen und verzichtet dabei komplett auf Mikroplastik. Ein über hundert Jahre altes Unternehmen mit moderner Ausrichtung.

www.sagittamed.de

MYLILY

Für bessere Tage

Menstruation und Damenhygiene sind endlich keine Tabuthemen mehr! In Großbritannien gibt es Binden und Tampons bereits kostenlos an Universitäten, in Deutschland haben einzelne Städte oder Institutionen nachgezogen. Natürlich steht auch hier längst die Nachhaltigkeit im Fokus: „MyLily“ verkauft Biotampons, Aufklärungsbücher oder Periodenunterwäsche – aus 100 Prozent Biobaumwolle und gefertigt in einem Frauenhaus in Barcelona.

Gründerin Heide Peuckert (mittlerweile nicht mehr bei MyLily) sagte der „Cosmopolitan“: „Unsere Produkte sind für moderne Frauen, die sich nicht für ihre Periode schämen. Wir wünschen uns Frauen, die sich stark und selbstbewusst fühlen. Dafür wollen wir ihnen ihre Tage leichter machen.“ Die Idee kam Peuckert damals übrigens auf einer mexikanischen Toilette: Eine amerikanische Mitreisende wollte ihren Tampon nicht annehmen, aus Angst vor den Inhaltsstoffen. Viele der Wegwerfprodukte sind mit Chemikalien behandelt. Laut MyLily werden jährlich fast 45 Milliarden Periodenprodukte weggeschmissen. Schluss damit!

www.mylily.eu

THE NEW HEALTH CLUB

„Goop für Psychedelics“

„Welcome to the age of mental wellness!“ Mit diesem optimistischen Motto geht das Berliner Start-up zu Werke, das sich als Community der Erforschung, der Diskussion und des Austausches über das Potenzial von Psychedelika verschrieben hat. Dazu verbindet man sich mit großen Marken, smarten Köpfen, Wissenschaftlern und Usern, um sich „das wachsende Feld der psychedelischen Wellness und Behandlungen“ zu erschließen. 2019 gründete die Journalistin Anne Philippi diese Lifestyle-Plattform, „und ich lade jeden ein, mich auf dieser Reise zu einem anderen Bewusstsein zu begleiten“. Ihr Anspruch ist kein geringer: „Wir wollen das Goop für Psychedelics werden.“ Goop ist das Health-Unternehmen der Schauspielerin Gwyneth Paltrow. Das fand der Venture-Capital-Investor APX so interessant, dass man beim New Health Club eingestiegen ist.

www.thenewhealthclub.de

THESY

Studieren, aber mit Plan

Das Schlimmste kommt zum Schluss: Vielen Studierenden geht es so, wenn zum Ende des Studiums die Bachelor-oder Masterarbeit ansteht. Wieder in die Bibliothek fahren? Weitere Quellen suchen? Und wie ging noch mal die verdammte Zitation? Der Hamburger Nils Grannemann will helfen und hat „Thesy“ gegründet, einen Onlineassistenten für wissenschaftliche Arbeiten. Mit dem Tool kann jeder seine Thesis so organisieren, dass man sie tatsächlich auch zu Ende bringt.

Ein Dashboard mit Checklisten dient der Zeitplanung, Daten können gespeichert werden, der Austausch mit anderen Studierenden am schwarzen Brett und Videotutorials von Dozierenden sollen motivieren und die Qualität der Arbeit erhöhen. Thesy verspricht, „von der Themenfindung bis zur Abgabe“ zu begleiten.

www.thesy.de

TOMORROW

Eine ziemlich andere Bank

Die Tomorrow-Bank fragt eine Frage, die wir uns öfter stellen könnten: „Was macht unser Geld eigentlich die ganze Zeit?“ Und weiter: „Bad Banks, die mit unserem Geld arbeiten, sind allein dem Profit verpflichtet. Wir verpflichten uns der Nachhaltigkeit und sozialen Gerechtigkeit“, proklamieren die drei Fintech-Gründer Jakob Berndt, Inas Nureldin und Michael Schweikart. Ihre verwegene Idee, im hamburgischen Co-Working-Space Betahaus geboren: „Geld als Hebel für positiven Wandel nutzen.“ Aus dem Betahaus mussten sie relativ rasch ausziehen, denn mittlerweile hat die Tomorrow-Bank über 80 Mitarbeiter:innen, schon mehr als 70 000 Kund:innen, hat 70 Millionen Quadratmeter Regenwald geschützt und bot als erste Bank der Welt das klimaneutrale Konto an. Diese Bank investiert keinen müden Cent in die Waffen-oder Kohleindustrie, wo käme man da hin! Die drei Jungs von der Bank haben – natürlich – Visionen. Eine ist: „Auf lange Sicht wollen wir die führende digitale Nachhaltigkeitsbank Europas werden.“ Wohlan!

www.tomorrow.one

LHOTSE

Der andere (Geld-)Berg

Das Berliner Start-up hilft mit seiner Software Unternehmen, ihr Einsparpotenzial im nicht strategischen Einkauf zu optimieren. Das sind Einkäufe, die nicht unter die langfristigen Unternehmensplanungen fallen. Laut Lhotse wird dieser Bereich von Unternehmen häufig außer Acht gelassen. Dort konzentriere man sich auf den strategischen Einkauf, der 80 Prozent der Ausgaben ausmache, die restlichen 20 Prozent jedoch seien kaum optimiert. Angelehnt ist der Name an den 8500 Meter hohen Berg im Himalaja, immerhin der vierthöchste der Erde, aber in unmittelbarer Nachbarschaft zum Mount Everest deutlich weniger bekannt. Bekannt ist dagegen einer der Kunden, die Funke Mediengruppe. Die Lhotse-Gründer Can Akin, Jan Berssenbruegge und Hennig Hatje (v. l.) sind stolz auf solche Kunden.

Wie hilft Lhotse? Die Cloud-basierten Anwendungen sollen helfen, den anderen Geld-Berg möglichst kleinzuhalten. Will ein Unternehmen zum Beispiel neue höhenverstellbare Tische für das Büro kaufen, liefert Lhotse mit intuitiven und KI-optimierten Tools eine Zusammenfassung günstiger Angebote und organisiert den Kaufprozess. Firmen können Lhotse-Software in ihre bestehenden Systeme integrieren lassen und auf Wunsch auch mit möglichen Anbietern kommunizieren.

www.lhotse.de

BRACENET

Spuk der Netze beenden

„Millionen von Meerestieren verenden jedes Jahr durch in den Ozeanen treibende oder absichtlich versenkte Fischernetze“, wissen die Upcycler von Bracenet, die schon über fünf Tonnen alter Netze zum Beispiel in Armbänder verwandelt haben. Weltweit tauchen 2000 Taucher:innen bei oft lebensgefährlichen Bergungsaktionen nach den sogenannten Geisternetzen. Diese Netze brauchen Jahrhunderte, bis sie sich zersetzen, und sie verseuchen die Ozeane und die Meerestiere mit Mikroplastik. Neben den Bracenets (Armbändern) gibt es unter anderem Hundeleinen oder Keychains. Partner sind Organisationen wie Ghost Diving oder Healthy Seas. Großartig, dass ein Start-up wie Bracenet es sich auf die Fahnen schreibt, „die Meere vom Spuk der Netze zu befreien“.werden jährlich fast 45 Milliarden Periodenprodukte weggeschmissen. Schluss damit!

www.bracenet.net

FANCIETY

Die Fantribüne als Handy-App

Es hieß ja mal, wenn der Fußball den Videobeweis einführt, hören die ganzen Diskussionen auf, die die Fans so lieben. Nix da: Der „VAR“ (Video Assistent Referee) macht auch Fehler, es dauert ewig, und überhaupt: Es ist Fußball, da gibt es immer etwas zu diskutieren. Der Hamburger Björn Michaelis will dies mit seinem Start-up „Fanciety“ nutzen und Fußballfans zusammenbringen: In einer Smartphone-App kann man Spiele live verfolgen, Ergebnisse tippen und die Szenen des Bundesliga-Wochenendes besprechen.

Michaelis hat auch längst die andere Seite im Auge: Klubs, aber auch Automarken oder Getränkehersteller sollen die Plattform dafür nutzen können, mit ihrer Community ins Gespräch zu kommen. „Markenverbindung schaffen und die Fans direkt von der Plattform aus aktivieren“ – das klingt so richtig nach modernem Fußball.

www.fanciety.com

NORDIC OCEANFRUIT

Nordic Oceanfruit

Deniz Ficicioglu und Jacob von Manteuffel sind die Gründer von Nordic Oceanfruit. Und zu Recht können sie von sich sagen: „Wir bauen den Markt für einheimische Meeresalgen in Europa auf und entwickeln innovative Verarbeitung und Veredlung im europäischen Kontext.“ Was dabei herauskommt? Etwa „Koreanischer Meeressalat“, „Meeressalat Graved Style“ oder „Di Mare Meeressalat für jene, die sich an die Küsten Italiens beamen wollen“. Um ihre Produkte nachhaltig, vegan und gesund herzustellen, arbeitet das Duo mit Universitäten, Algenfarmer:innen und Algenexpert:innen zusammen, sie beraten selbst im Bereich Food-Innovation – okay, das scheint jetzt irgendwie naheliegend zu sein. Denn ihre Idee, aus Alaria esculentia (Flügeltang) oder der Himanthalia elongata (Riementang) Essbares zu machen, das zudem reich an Ballast-und Nährstoffen ist, stößt nicht nur immer wieder in experimentelle Dimensionen vor, sie ist ebenfalls disruptiv mit Blick auf die herkömmliche Nahrungsmittelindustrie. Wie lautet der Slogan des Berliner Start-ups? „Nordic Oceanfruit – Aus Liebe zum Meer!“

www.oceanfruit.de

BRIDGE & TUNNEL

Zeugnisse sind nicht wirklich alles

„Wer arbeitet, lernt Menschen kennen. Und wer arbeitet, fühlt sich gebraucht.“ Dies sagten sich Hanna Charlotte Erhorn und Dr. Constanze Klotz, die Gründerinnen des Social-Start-ups Bridge & Tunnel in Hamburg-Wilhelmsburg. Mit gesellschaftlich benachteiligten Menschen und mit Geflüchteten produziert das Social-Fashion-Label Denim-Designs aus getragenen und neuen Resten, so werden etwa aus etlichen alten Jeans ganz wunderbare Bettdecken, Taschen, Kissen, Blousons oder Bucket Hats. Richtig, es dreht sich so ziemlich alles um Jeansstoff. Es können größere Lieferungen sein wie etwa von Tchibo, bei diesem Großauftrag „haben wir unsere Liebe zum Upcycling auf ein neues Level gebracht“, sagen die beiden Gründerinnen.

Ausgediente Kinderkleidung des Leihsystems Tchibo-Share wurde zu Hipbags und Haarbändern umfunktioniert. Aber auch Privatpersonen können ihre alten Jeans zu Bridge & Tunnel bringen, um sich daraus ein neues Fashion Piece oder Wohntextilien fertigen zu lassen. „Viele unserer Mitarbeiter:innen haben keine Zeugnisse oder hatten Probleme auf dem Arbeitsmarkt – wegen des Alters, der Sprache oder Religion, Gehörlosigkeit oder ihrer Fluchtgeschichte.

Wir finden jedoch: Zeugnisse können nicht alles im Leben sein!“ Bridge & Tunnel wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, so mit dem German Design Award und dem Green Product Award. Und wohin geht die Start-up-Reise noch? „Auch in Zukunft sollen alle Erlöse in das Unternehmen fließen.“ Wir wünschen dabei jede Menge Glück.

www.bridgeandtunnel.de

TERRACAPS

Nachhaltige Kapseln

Wie schön – Kaffeekapseln von Terracaps enthalten garantiert kein Aluminium. Stattdessen ist dieses Produkt, das aus dem bayerischen Pullach seinen Weg in die ganze Welt findet, frei von Gluten, genveränderten Stoffen sowie vegan. Das Kapselmaterial ist biologisch abbaubar. Das nennt man dann zu Recht klimaneutrale Kaffeekapseln. Und die CO 2 -Emissionen, die bislang noch entstehen, „werden durch Projekte zum Erhalt der Regenwälder in Brasilien ausgeglichen“, so die Gründer. Und wie wir ja nun alle wissen sollten: „Der Ausgleich von CO -Emissionen ist neben der Vermeidung und Reduktion ein wichtiger Schritt im ganzheitlichen Klimaschutz.“ Das sehen wir genauso.

www.terracaps.dev

SAATGUTKONFETTI

Kompostierbares Sortiment

Auf Linkedin bringen es die Macher und Macherinnen von Saatgutkonfetti (aka Seedconfetti, Kassel) auf den Punkt: „Für die Biodiversität, die Bienen und zum Spaß“. Das Hauptprodukt dieses sozialen Start-ups ist eben: Komplett kompostierbares Saatgutkonfetti. So wird die Vermüllung unserer Umwelt an einem ganz konkreten Punkt verhindert und „der Erhalt und die Steigerung der heimischen Biodiversität“ werden gefördert, so formulieren es Katja, Filippenko, Christoph Trimborn und Philip Weyer. Wie das? „Alle enthaltenen Pflanzen fungieren als Heimat und Nahrung für (Wild-)Bienen, andere Insekten und Kleintiere.“ Was einmal mehr beweist, „wir möchten beweisen, dass es möglich ist, mit der Natur zu arbeiten und nicht gegen sie.“

www.saatgutkonfetti.de

SEA ME

Die Pfandseife

Es ist eine dieser Ideen, auf die wir auch selbst gern gekommen wären, so simpel und eigentlich naheliegend ist sie: Warum nutzen wir für die vielen Kosmetikprodukte in unserem Alltag nicht ein etabliertes System und füllen Seife oder Spülmittel in Pfandflaschen statt in Einmal-Plastik?

Lars Buck kam die Idee zu „Sea me“ unter der Dusche. „Mein Blick fiel auf die vielen Plastikverpackungen in unserem Badezimmer – und später auch in der Küche. Ich suchte vergebens nach Alternativen, die einen im täglichen Gebrauch nicht einschränken“, sagt Buck. Und weil er mal im Leergutlager eines Supermarkts gearbeitet hatte, fiel ihm das Pfandsystem als Lösung ein.

2020 gründete Buck sein Start-up in Hamburg, seit Anfang 2021 stehen Handseife, Desinfektionsmittel und Spülmittel in Glasflaschen in einigen Filialen großer Supermarktketten in Hamburg, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg zum Verkauf.

www.sea-me.com

WILDPLASTIC

Komm, wir räumen die Erde auf

Im August kam sogar die Kanzlerkandidatin vorbei. Annalena Baerbock (Grüne) besuchte im Bundestagswahlkampf das Start-up „Wildplastic“ in der Hamburger Speicherstadt und machte sich ein Bild von nachhaltigen Unternehmen der Hansestadt. Ein riesiger Erfolg für Wildplastic, schließlich war das Medienaufkommen groß. Seitdem war überall zu lesen, was das Team von Christian Sigmund macht: In Ländern wie Nigeria, Ghana oder Indien lässt das Unternehmen Plastik sammeln, um es zu recyceln und als Müllbeutel oder Verpackung wiederzuverwenden. Sigmund, zuvor bei Google und Youtube tätig, schwamm 2017 durch Plastik im Amazonas und stand am vermüllten Strand in Peru. Ihm und seinen Mitstreitern war klar, dass etwas passieren muss.

Das „Wildplastic-Manifest“ klingt so: „Wild darauf, Produkte für eine bessere Zukunft zu machen, statt uns nur Sorgen zu machen. Wild darauf, eines der größten Probleme unserer Zeit anzupacken, statt es nur anzusprechen.“ Auf der Website kann sich jeder recycelte Müllbeutel für zu Hause bestellen, mit Otto gab es bereits ein gemeinsames Projekt für Versandverpackungen.

Sigmund zu „GQ“: „Im Business-Kontext muss Erfolg auch bedeuten, dass man einen Beitrag zu einer Problemlösung leistet – also Impact hat. Und die Probleme unserer Zeit sind doch offensichtlich, oder?“

www.wildplastic.com

PLANETLY

Klima-One-Stop-Shop

Selbstbewusst titelt Planetly auf seiner Website. „CO2 -Management war noch nie so einfach.“ Dieses It-und Services-Start-up, 2019 von Benedikt Franke und Anne Alex gegründet, bietet Unternehmen an, deren Karbon-Fußabdruck „zu analysieren, zu reduzieren und auszugleichen“. In nur vier Schritten können Unternehmen maßgeblich zu einer karbonneutralen Zukunft beitragen. Firmen wie Hellofresh, Personio, Home24, Soundcloud oder Wefox sind bereits Kunden bei Plantly. Das Geheimnis? Der „Climate Impact Manager“ ist der One-Stop-Shop für Klimaschutz, denn der gesamte Karbon-Management-Prozess wird auf nur einer Plattform zusammengefasst und das mithin noch sehr einfach. Etwa durch Echtzeit-Kalkulationen, ein effizientes Workflow-Management, Integration der firmeneigenen Daten, Hotspot-Analysen der Emissionen, Tracking der Reduktion, industrielle Benchmarks. Damit kann man sich – wie Planetly – durchaus der Mission anschließen, dabei zu helfen, eine Wirtschaft zu fördern, die CO2-neutral arbeitet. Das fand übrigens auch der Europäische Fonds für regionale Entwicklung der EU und förderte das Start-up in Berlin. Geht doch.“ www.planetly.com

FARMCYCLE

Mit Soldatenfliegen in den Kampf gegen den Klimawandel

Der Name könnte einem Superheldenfilm entspringen, und so groß ist auch ihr Auftrag: Die schwarze Soldatenfliege soll die Welt retten. Florian Berendt und Norman Breitling haben über eine Million dieser Fliegen in ihrer „Black Soldier Fly Farm“ in Bremen, die beiden Männer hatten jeder für sich die gleiche Idee und lernten sich für die Gründung ihres Start-ups „Farmcycle“ kennen.

Wichtigste Mitarbeiterinnen sind aber die Larven der Fliegen: Sie ernähren sich von organischen Reststoffen – zum Beispiel weggeworfenen Lebensmitteln – und wandeln diese in Eiweiße und Fett -säuren um. Vollgefressen sind sie gutes Futter für Fische, Hühner oder Schweine.

Dank des hohen Anteils an Fett können die Larven sogar zur Gewinnung von Omega-3-und Omega-6- Fettsäuren genutzt werden, welche in der Kosmetik oder als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt werden. Die Fliege als Ersatzprodukt für Fisch-oder Palmöl. Und: Ihre Ausscheidungen sind auch noch als Dünger hilfreich.

Kein Wunder, dass „Farmcycle“ mit den Soldaten -fliegen in den Kampf gegen den Klimawandel ziehen will. Breitling setzt sich mit einem Augenzwinkern große Ziele: „Warum soll es nicht irgendwann von Bremen heißen, es habe die ganze Welt gerettet?“

www.farmcycle.de

MATTER URBAN MARKET

Concept-Start-up at its best

Selbst für einen unerschrockenen Retail-Profi wie Andreas Feldenkirchen war der Umbau einer Location von 250 Quadratmetern Größe, gelegen in einer nicht gerade mit Laufkundschaft gesegneten Hamburger Ecke, ein echtes Risiko. Denn erschwerend kam kurz vor der geplanten Eröffnung seines Concept-Stores Matter Urban Market Covid-19 dazwischen. „Da wurden schon einige schlaflose Nächste fällig“, sagt der Daueroptimist mit langer Einzelhandels-und Shop-Erfahrung. „Design by Doing“ nennt er sein Konzept, das Marken wie Autry, by B+K Amsterdam, Closed, Kula Berlin, Leuchtturm 1917, PLTY oder Wayda beinhaltet. Dazu kann man noch Kunst, etwa von Eike König, kaufen oder auch Kunstbücher, Möbel und jede Menge Lifestyleprodukte (nachhaltig, versteht sich). Und er fügt hinzu: „Die große Fläche, in der Breite und der Höhe, fungiert als sozialer Kommunikator.“ Wohl wahr – wer in den Matter Urban Market hineingeht, geht so rasch nicht wieder hinaus beziehungsweise wird nur zu gern wiederkommen. Ständig wird in diesem Concept-Start-up experimentiert, freilich immer kundenorientiert, cool, kreativ. Der Raum in einem 1920er-Jahre-Backsteinklinkerbau bietet sich ebenfalls für Events (etwa Prägung von Notizbüchern, Gin-Tastings, Lesungen) an. Und es wird Events geben mit modernem Messecharakter, „um öfter das Spektrum der Onlinewelt in den Shop zu transportieren“. Dabei schwingt das Thema Nachhaltigkeit/nachhaltiges Produkt immer mit. Jedoch: „Ich will niemanden missionieren – für mich gehört Nachhaltigkeit einfach dazu. Punkt.“

www.instagram.com/matter_hamburg

CUNA

Die besseren Becher

Es sind alarmierende Zahlen, die „Cuna“ als Warnung auf seine Website geschrieben hat: 320 000 Plastikbecher werden in Deutschland verbraucht – pro Stunde! Und zehn Minuten nach dem Kauf eines Einwegbechers ist er bereits im Müll gelandet.

Rafael Dyll möchte mit seinem Start-up etwas dagegen tun und hat im nordrhein-westfälischen Mettmann Cuna gegründet, das Mehrwegbecher für Cafés oder Großveranstaltungen produziert. „Unsere Becher werden auf pflanzlicher Basis hergestellt. Wir setzen zudem auf ein eigenes Recycling, um unsere Luft und Ozeane nicht weiter mit CO 2 und Plastik-müll zu verschmutzen“, sagt Cuna selbst dazu.

Dank Crowdfunding lieferte Cuna bereits über 10 000 Becher an Universitäten, Unternehmen oder Cafés aus. Zu den Kunden gehört nach eigenen Angaben auch das Land NRW. Privatpersonen können sich eigene Kaffeebecher bestellen, für die Zukunft arbeitet das Unternehmen an weiteren Produkten wie Fitness-Shakern, Brotdosen oder Suppenschalen aus dem umweltfreundlichen Material.

Von der Oceanic.Global Foundation wurde Cuna bereits mit dem „Plastic Free“-Award ausgezeichnet.

www.cunaproducts.de

KOWRY ENERGY

Africa calling

Energie ist bekanntlich eines der ganz großen Themen unserer gegenwärtigen und künftigen Tage. Die Gründerin von Kowry Energy, Ndiarka Mbodji, erklärt: „Wir glauben, dass die klimatischen Herausforderungen, vor denen unser Planet steht, nur unter Einbeziehung der 600 Millionen Menschen in Subsahara-Afrika gelöst werden können, die heute ohne Zugang zu Elektrizität leben.“ Deswegen will Kowry Energy lokale, unabhängige Energieunternehmen mit dezentralen Energiesystemen ausrüsten. Um eben Industrie vor Ort und Kommunen mit tatsächlich sauberer Energie zu versorgen. Lokale Energielösungen aus Fotovoltaikanlagen und Batteriespeichern können einen Bedarf von bis zu einem Megawatt abdecken. Dabei unterstützt Kowry Energy seine Kundschaft „von der Projektentwicklung über das Beschaffen der Anlagen und Komponenten bis hin zu voll integrierten Hybridlösungen“, so Ndiarka Mbodji. Und nun hat dieser Berliner Energiedienstleister Rolls-Royce (Geschäftsbereich Power Systems) als Investor gewonnen. Nun will man gemeinsam für die 49 Länder im subsaharischen Afrika skalierbare Lösungen anbieten.

www.kowryenergy.com

TRACELESS

Bye-bye, Plastik!

Dr. Anne Lamp und Johanna Baare haben Traceless gegründet, denn sie wollen einfach dazu beitragen, dass wir alle in Zukunft ohne Plastikmüll leben können. Zur Erinnerung: 85 Prozent des jemals weltweit produzierten Plastiks finden sich immer noch in den Ozeanen oder auf legalen und illegalen Deponien rund um unseren Globus. Die Forschungsergebnisse dieses Start-ups haben das Zeug, den Markt für Biokunststoffe zu revolutionieren. Denn dieses neu entwickelte Material ist schon nach wenigen Wochen kompostiert, lässt sich essen und kann zu einem wettbewerbsfähigen Preis produziert werden.

„Während meiner Promotion“, so Anne Lamp, „habe ich meine Suche nach alternativen Materialien gestartet.“ Gemeinsam mit Johanna Baare, erfahren in Strategieberatung, wird nun die weitere Entwicklung vorangetrieben (unter anderem unterstützt von Hamburger Hochschulorganisationen wie etwa dem Start-up Dock oder Gründungsexpert:innen von Beyourpilot). Jüngstes Erfolgserlebnis: Otto testet ab 2022 Versandtüten und Polybeutel aus dem neuen Kunststoffersatz. Traceless sollten man auch künftig auf dem Radar haben.

www.traceless.eu