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DEUTSCHE BANK/REIMANN: Turmbau zu Frankfurt


manager magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 22.02.2019

DEUTSCHE BANK Oberkontrolleur Achleitner bereitet sich auf die Commerzbank vor – wenn auch wider Willen.


Christian Sewing (48) umwirbt potenzielle Kunden, wo er kann. Bei der Sanierung seiner Bank habe er sehr viel vom geradlinigen deutschen Mittelstand gelernt, schmeichelte der Deutsche- Bank-CEO unlängst der Klientel.

Der Mann kann in den kommenden Wochen jede Unterstützung gebrauchen: Das große Strategiespiel um die beiden sturmreif gemanagten deutschen Großgeldhäuser, die Deutsche Bank und die Commerzbank, steuert auf sein Finale zu – und das könnte für den Marktführer in einer Zwangsfusion enden. ...

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Sewing und sein Aufsichtsratschef Paul Achleitner (62) wollen ihr Haus am liebsten allein grundsanieren. Doch am Ende könnten Sewing und Achleitner in eine Fusion mit der Commerzbank gezwungen werden.

Mit höchster Anspannung verfolgt das Duo, wie sich Ertrag und Gewinn der Deutschen Bank vor allem im Investmentbanking im ersten Quartal entwickeln. Die Furcht: Fallen die Zahlen schlecht aus, könnte eine Ratingagentur die Kreditwürdigkeit der Bank herabstufen. Das würde die Refinanzierungskosten in unerträgliche Höhen hieven. Moody’s etwa ist bereits in Lauerstellung („negative Outlook“). Eine Kombination mit der Commerzbank und vor allem dem Bund als deren Großaktionär könnte da beschwichtigend wirken.

Gleichzeitig nähern sich ausländische Banken der Commerzbank und deren Millionen Kunden, trotz Managementmalaise und schwierigem Kreditbuch.

Ralph Hamers (52) etwa, Chef der niederländischen Großbank ING, soll in den vergangenen Tagen im Bundesfinanzministerium für sein Haus geworben haben. Mit der Digitalbank ING Diba beweise man doch seit Jahren, wie ernst man es mit den deutschen Kunden meine.

Zudem, so berichten es jene, die mit Hamers’ Argumenten vertraut sind, wäre der pragmatische CEO eventuell sogar zu einem Grenzübertritt bereit. In der Heimat jedenfalls soll sich Hamers nicht so recht verstanden fühlen. ING lehnt einen Kommentar ab.

Allzu gut sind Hamers’ Aussichten nicht. Für Finanzminister Olaf Scholz (60; SPD) wäre der Verkauf der Commerzbank an eine ausländische Bank nur die zweitbeste Lösung. Für ihn ist die Commerzbank eine bequeme Option für den Fall, dass die Deutsche Bank akut Hilfe braucht. Erst kürzlich nutzte er eine Bloomberg- Konferenz in London, um etwaige Avancen mit seiner nationalen Präferenz abzuschrecken.

Die offizielle Begründung: Deutschlands Wirtschaft brauche eine starke deutsche Bank. Ganz sicher sein können sich Sewing und Achleitner aber trotzdem nicht. Ein schnelles Angebot der kapitalstarken Niederländer könnte bei den Investoren außerhalb Berlins für so druckvolle Freudenstürme sorgen, dass die Bundesregierung ins Wanken geriete.

Die Sache ist jedenfalls reif für eine Entscheidung. „Es wird dieses Jahr auf jeden Fall noch etwas passieren. So geht es nicht weiter“, sagt einer aus Scholz’ unmittelbarem Umfeld. De facto läuft in dem gesamten Drama nichts gegen den Finanzminister und seinen Staatssekretär Jörg Kukies (51), einen ehemaligen Goldman- Sachs-Banker. Der Bund ist mit mehr als 15 Prozent nicht nur größter Aktionär der Commerzbank. Auch die Finanzaufsicht BaFin untersteht Scholz’ Haus. Und ohne das Wohlwollen der Spitzenbeamten kann in Deutschland keine Bank reüssieren.

Sicherheitshalber spielen Sewing und Achleitner deshalb seit Längerem Szenarien durch, wie ein Zusammenschluss aussehen könnte: Das favorisierte Modell sei eine Holdingstruktur, berichten Beteiligte. Darunter könne man die einzelnen Geschäftsteile zu eigenständigen Einheiten zusammenlegen und diese möglicherweise sogar getrennt an der Börse notieren. Das Geschäft mit Unternehmenskunden bliebe die Domäne der Blaubanker. Achleitner und Sewing, die 150-Jahr-Feier im nächsten Jahr vor Augen, ist das besonders wichtig. Für die Spitzenposition käme nach dieser Logik nur einer infrage: Christian Sewing, aus dem Aufsichtsrat geführt von, na klar, Paul Achleitner.

PROBLEMFÄLLE Die Kosten zu hoch, die Erträge zu gering – Commerzbank und Deutsche Bank kämpfen gegen den Abstieg.

Martin Zielke, Chef der Commerzbank, hat unter anderem mit niedriger Risikovorsorge Bilanz und Institut aufgehübscht.

Olaf Scholz, Bundesfinanzminister, hat viel intensivere Kontakte zur Finanzbranche als sein Vorgänger und will eine starke deutsche Bank.

Paul Achleitner, Oberkontrolleur der Deutschen Bank, möchte das Geldhaus am liebsten aus eigener Kraft aus der Krise führen.

Christian Sewing, Chef der Deutschen Bank, will die Wende bis Ende 2019 schaffen, wenn die Kunden mitmachen.

Ein zusammengelegtes blau-gelbes Privatkundengeschäft sähe auf den ersten flüchtigen Blick gar nicht so schlecht aus: Es käme in Deutschland auf einen Marktanteil von annähernd 20 Prozent – und läge damit fast auf einem Niveau mit den genossenschaftlichen Banken. Auch die Frage, ob man das enorme Kapital der Privatkunden weiterhin zur Unterlegung der Geschäfte im Investmentbanking nutzen könnte, ließe sich locker lösen – mit einem entsprechenden Erlass der BaFin.

Bleibt die Frage des Personals – unten wie oben. Einige Tausend Stellen in den Zentralen und Filialen würden gestrichen. Im Finanzministerium hält man den öffentlichen Radau allerdings für beherrschbar. Mit Verdi könne man da reden. Bei der Spitze des Massengeschäfts läuft es wohl auf einen Commerzbanker hinaus. Martin Zielke (56), der als CEO die Commerzbank mit sicherer Hand zu einer Art Großsparkasse umbaut, und sein Privatkundenvorstand Michael Mandel (52) bringen sich schon in Stellung. Mit hohen Wechselprämien von 100 Euro je Kunde holen sie neue Privatleute auf ihre Plattform.

So wirbt jeder der Spitzenbanker von Deutscher Bank und Commerzbank für sich. Ein letzter großer Wettbewerb vielleicht, bevor Scholz’ Einheitsbank kommt.

VORGESPROCHEN ING-Chef Hamers hat in Berlin Kaufinteresse signalisiert


Fotos [M]: Torsten Krueger / vario images, Martin Moxter / Westend61 / picture alliance, Bert Bostelmann / laif, Florian Jaenicke / laif, Rainer Unkel / imago

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