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DEUTSCHLAND BEWEGT SICH


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Max - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 10.12.2021

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Bildquelle: Max, Ausgabe 4/2021

VEGGIE CRUMBZ

Power-Panade

Es wird wohl mal wieder so sein, dass ein sehr erfolgreiches Start-up, das im legendären Hamburger Coworking-Space Betahaus gegründet wurde, ausziehen muss… Weil es einfach sehr erfolgreich geworden ist und wächst und wächst. So wird es mit Veggie Crumbz passieren, der hundertprozentigen Gemüsepanade, derzeit auch sehr bekannt aus der „Höhle der Löwen“. Auf der Website wird man schon mal sehr sympathisch begrüßt, wenn man sich für Updates anmelden möchte: „Du willst immer auf dem knusprigen Stand bleiben?“ Diese Frage der beiden Gründer Marlon Harms und Wayne Kock wird derzeit auch von zahlreichen Konsumenten sehr positiv beantwortet. Ob nun die Veggie Crumbz Red Beet oder Cauliflower oder Orange Carrot, die Panade geht gerade durch die Decke. Nicht zuletzt, weil Veggie Crumbz, so Gründer Marlon, auch für „Nachhaltigkeit und bewussteres Leben“ steht. Vom Saatkorn bis zum ...

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... fertigen Produkt wird auf Hochwertigkeit und Überprüfbarkeit größter Wert gelegt. Sympathisch ist auch: „Wir wollen nicht die Weltherrschaft, aber die Welt ein wenig besser machen.“ Das könnte mit dieser natürlichen Gemüsepanade durchaus gelingen. Also ran an die Veggie Crumbz, Leute!

www.veggiecrumbz.de

MOOSAIK

Vertical Gardening

„Wir bringen die Natur zurück in die Stadt“, sagen die Gründer von Moosaik. Alle reden über Nachhaltigkeit, Moosaik will einen konkreten nachhaltigen Beitrag für die Entwicklung unserer kleinen und großen Städte leisten. Und wie sieht dieser Beitrag aus? Es sind Pflanzenwände. Zusammen mit dem Transfer-und Gründerzentrum für Verfahrens-und Systemtechnik der Universität Magdeburg wurde die Idee des Start-ups weiterentwickelt. Gegenwärtig wird das unter anderem von der Investitionsbank Sachsen-Anhalt gefördert. In der Testphase wird an Prototypen gearbeitet, um dann möglichst rasch mit einem „serienreifen und vermarktbaren Produkt die Städte platzsparend zu begrünen.“ Denn auch dieses Start-up hat eine Vision. „Wir wollen unsere Vision von dauerhaft sauberer Luft zum Atmen verwirklichen.“

Eben durch Fassaden gegen den Klimawandel – Gebäudefassaden werden durch ein Modulsystem mit Moos ausgestattet, das wiederum CO 2 a ufnehmen soll. Damit hat Moosaik jetzt schon mal den Landeswett -bewerb Bestform 2021 gewonnen. Wir glauben wie Moosaik, dass durch Vertical Gardening eine erhebliche Schadstoffreduktion erreicht werden kann – wie cool ist das denn?!

www.moosaik.eu

VON LÖWIS OF MENAR

Bauhaus forever

Irgendwie passt sie genau nach St. Pauli, die Künstlerin Renate von Löwis of Menar – auf der einen Seite kreativ und bunt, auf der anderen Seite begabt und grenzenlos fantasievoll. In einem früheren Leben war Renate sehr lang als Tourmanagerin in der ganzen Welt unterwegs. Heute widmet sich die gelernte Handweberin komplett ihrer Leidenschaft: Inspiriert von ihrer ungebrochenen Faszination für das Bauhaus webt sie etwa Teppiche oder Wandteppiche, kleine Webstücke (Love & Peace) oder produziert wunderbare Kissen in leuchtenden Farben und eigenwilligen Mustern. Eines haben ihre Stücke immer gemeinsam, sie besitzen einen hohen Grad an Ästhetik, Ausdrucks-und Anziehungskraft. In ihrem Studio auf St. Pauli hat sie eigene Webtechniken raffiniert ausbaldowert, vor allem faszinierend sind die 3-D-Effekte, die sie mit ihren Kunststücken schafft. Sie verrät uns: „Ich benutze unter anderem den 2000 Jahre alten Ghiordes-Knoten, allerdings in von mir abgewandelter Form.“ Im übrigen gilt: Bauhaus forever.

Auf Instagram: @RvLoM

STORYDIVE

Ein Spaziergang als Happening

Storydive ist eine Plattform für interaktive Audiowalks, eine Mischung aus Hörbuch und Spaziergang. Der Witz: Diese Audiowalks sind nicht ortsgebunden und können in jeder Stadt ausprobiert werden. Die Gründer:innen Sophie Burger, Lenja Busch und Fabian Eck (von links nach rechts) hatten bei ihrer Idee durchaus einen hohen Anspruch: „Augmented Reality für die Ohren“ sollte Storydive, gefördert von nextMedia Hamburg, sein. Tja, und dieses Start-up hat es geschafft, eine Weltneuheit mit universellen Audiowalks auf dem boomenden Audiomarkt zu platzieren. Hörer:innen bekommen die besondere Möglichkeit, als Teil einer interaktiven Geschichte ihre reale Umgebung neu zu erkunden. Und dies kann man eben in jeder Stadt ausprobieren und erfahren. So sind die Hörer:innen Hauptfiguren einer Story, während sie eine Stadt neu entdecken. Und der Markt ist riesig, derzeit gibt es in Deutschland über 26 Millionen Hörer:innen von Podcasts, Hörspielen und Hörbüchern. Und mit Storydive wird der Spaziergang zum Happening.

www.storydive.de

AUS DER STILLE IN DEN KLANG

Der Schall ins Innenohr

Eine Geige oder ein Klavier als Brücke in die Welt der Musik für hörgeschädigte Kinder mit Cochlea-Implantat? Dieses musikpädagogische und integrative Projekt ist ein schönes Beispiel, dass eine sehr gute Idee manchmal Glück zur Realisierung braucht. Jahrelang suchte die Musikwissenschaftlerin und Konzertgeigerin Elena Kondraschowa Unterstützer für ihr Projekt. Sie hat ein Konzept entwickelt, bei dem insbesondere mit dem Schädelknochen, der den Schall in die Sinneszellen des Innenohrs überträgt, gearbeitet wird. Und jetzt ist es tatsächlich so weit – unter anderem mit Unterstützung der Non-Profit-Organi -sation Aktion Kindertraum und der Sparkasse Hannover ist nun das Projekt „Aus der Stille in den Klang“ gestartet, Social-Start-up-Gründerin Elena ist überglücklich. „Nun kann ich endlich mit Kindern zusammen eine musikalische Kultur schaffen, die auch hilft, dass diese Hörgeschädigten mit Cochlea-Implantat inkludiert werden.“ Das Projekt wird mithin wissenschaftlich begleitet und von prominenten Botschaftern gefördert, dem Musikproduzenten, DJ, Komponisten Mousse T. und dem klassischen Pianisten Sebastian Knauer. Dann mal los mit „Aus der Stille in den Klang“.

www.indenklang.de

VULVANI

Superpower nutzen

„Unsere Vision ist es, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, mehr über den eigenen Körper zu lernen. Das Ziel von Vulvani ist es, Tabuthemen durch unterhaltsame Bildung zu normalisieren, um Menschen zu stärken und inklusive Gesellschaften zu schaffen.“ Wow, ein sehr ambitionierter Anspruch. Die Co-Founder Britta Wiebe und Jamin Mahmood wollen Vulvani zu der digitalen Plattform „rund um Menstruation, Zyklusgesundheit und Sexualität“ machen. Durch interaktive Onlinekurse, das Vulvani-Onlinemagazin und in Social-Media-Kanälen können Menschen ihre Wissenslücken über den weiblichen Körper schließen. Frauen, so Gründerin Britta, sollten wissen „wie sie ihren Menstruationszyklus als ihre ganz persönliche Superkraft nutzen können“.

www.vulvani.com

SKYWIND

Das Windrad fürs Dach

Klar, dass diese Idee aus dem Norden kommt. Skywind aus Langenhagen in der Nähe von Hannover möchte auf dem Hausdach Strom erzeugen. Aber nicht mit Sonne, die sieht man in Norddeutschland nicht so häufig, dafür windet es viel. Das möchte Skywind nutzen und baut auf Bestellung knapp eineinhalb Meter große Windkrafträder auf Häuser. Lohnt sich das? Das eigene Windrad kostet knapp 3000 Euro, je nach Windverhältnis und Strompreis könnte es aber nach 10 bis 13 Jahren abbezahlt sein. Geschäftsführer Fritz Unger hat ein Faible für Windtechnik, beteiligte sich auch an der Entwicklung von Frachtdrohnen. Skywind gründete er 2013 mit Anfang 20, die erste Windkraftanlage hatte er schon 2009 gebaut – damals noch bei „Jugend forscht“.

www.myskywind.com

MYENSO

Foodpioniere vor

„Ein Supermarkt, der von Menschen für Menschen entwickelt wird“ – nicht mehr und nicht weniger will Myenso sein. Tatsächlich ist Myenso der erste Online-Supermarkt, bei dem die Kunden mitbestimmen können: Welche Produkte will man kaufen? Wie soll der Shop aussehen? Welche Services wünscht man sich? Und junge, noch nicht so bekannte Hersteller „sollen die gleiche Chance bekommen wie die großen“.

Das bedeutet, dass bei Myenso auch Foodpioniere bestellt werden können aus unterschiedlichsten Produktkategorien wie etwa Lebensmittel, Getränke, Süßes & Salziges, Drogerie, Obst und Gemüse, vegan oder auch Tiefkühlung. Man kann also auswählen zwischen Foodpionier-und herkömmlichen Produkten. Und als Myenso-Nutzer kann man sich Produkte in den Shop wünschen.

www.myenso.de

FEMOTION RADIO

Sozusagen: HerFunk

Dieser Sender ist Deutschlands Frauenradio. Wie Ina Tenz, Head of Content (auf dem Gruppenfoto ganz links) sagt: „Femotion Radio ist die neue Heimat für Frauen, wir wollen inspirieren und irritieren, aber nicht im abgrenzenden Sinne.“

Das im Frühsommer dieses Jahres gegründete Radio bringt Themen wie Me-Time, Familie, Partnerschaft, Politik und Gesellschaft, Mode, Konsum oder Rollen und Wert on air. Diverse Moderatorinnen, Journalistinnen und Influencerinnen sprechen vom Standort Leipzig aus etwa über Stalking, Kündigung bei Schwangerschaft oder den Umgang mit Social Media. Femotion Radio will einen „neuen Kosmos eröffnen, in dem sich Frauen in ihrer spezifischen Alltagswirklichkeit angesprochen fühlen und mitdiskutieren.“ Sozusagen: HerFunk.

www.femotion.de

NEXTARTLEVEL

Impulse für Kreativität

Nicht erst seit der Coronapandemie fühlen sich Deutschlands Angestellte in Kitas oft ausgebrannt, fühlen sich nicht genug wertgeschätzt und wollen in ihrem Alltag nicht mehr unter dem Radar arbeiten. Die Gründerinnen Susanne Alm-Hanke und Regine Wagenblast haben nun das gemeinnützige Start-up nextARtlevel aus der Taufe gehoben – in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern, Techis und Künstlern verschiedener Sparten. Es geht darum, Kreativität (wieder) „zu erwecken, zu üben, zu nutzen und wachsen zu lassen“. Das kreative Potenzial soll in dieser Fortbildung für pädagogische Fach-und Leitungskräfte sowie für Quereinsteiger gepusht werden. Erziehende werden so zu Vorbildern in den Kitas, die mit Leidenschaft und Engagement wirken, um notwendige Veränderungen zu gestalten und mit ihrer Haltung ebenfalls die Kreativität der Kinder zu befeuern.

Das Credo von nextARTlevel formuliert Susanne Alm-Hanke: „Kreativität kann jederzeit zurückkehren, und sie kann entwickelt, vergrößert, ja trainiert werden.“

www.nextartlevel.de

COACH@SCHOOL E. V.

Ein Koffer voller Bücher

Dieses Social-Start-up setzt sich für chancengleichen Zugang von Kindern zu Bildung ein. Die Gründerin Kerstin Wiskemann weiß: „Lesen ist der Schlüssel zu Bildung und sozialem Aufstieg.“ Mit Sprachund Erziehungswissenschaftlern entwickelte der Verein coach@school e. V. das erste mehrsprachige Bücherkoffer-Programm, gepackt mit Kinderbüchern auf Deutsch und in bis zu 50 Sprachen. Damit wird Kindern ermöglicht, zu Hause in ihrer Herkunftssprache und auf Deutsch zu lesen. Die Koffer rollten erst in Hamburger Grundschulen, nun sind sie schon in NRW, Frankfurt, Niedersachsen, Mainfranken und Berlin angekommen – weitere Bundesländer sind in Planung. Kein Zweifel: „Die Nachfrage nach Bildungsprojekten, die Vielfalt berücksichtigen, ist groß“, unter -streicht Kerstin Wiskemann.

www.coachatschool.org

DON CARNE

Nur gutes Fleisch

Deutschland braucht wieder das Sonntagsbraten-Prinzip! Das sagt nicht MAX, sondern die Politik, immer wieder, seit zehn Jahren schon. Deutsche essen zu viel Fleisch, laut Bundesumweltamt müsste der Konsum um die Hälfte reduziert werden, um die Umwelt zu schützen. Praktischer Nebeneffekt: Wer seltener Fleisch ist, kann dafür auch ruhig etwas mehr Geld ausgeben. Das Düsseldorfer Unternehmen Don Carne hat sich seit der Gründung 2014 als Anbieter für Premiumfleisch etabliert. Es achtet auf artgerechte Ernährung und Haltung der Tiere und gibt an, alle Lieferanten persönlich zu kennen. Geliefert wird das Fleisch mit Kühlakkus, damit die Kühlkette ständig eingehalten bleibt. Vakuumverpackt sind die Produkte länger haltbar, bei der Verpackung wird auf recycelbare oder wiederverwendbare Materialien gesetzt. Ein gutes Rumpsteak kostet dann schon mal 50 Euro pro Kilo.

www.doncarne.de/de

AQUA MONACO

Das Eiszeit-Wasser

Es fing im Biergarten an, München eben. Florian Breimesser und Timo Thurner saßen dort und wunderten sich: Warum nutzen die Münchner Brauereien das hochwertige Quellwasser aus der Region, aber Mineralwasser gibt es von dort kaum? 150 Meter tief ist unberührtes Wasser eines Eiszeitgletschers gespeichert, der vor Jahrtausenden geschmolzen ist – warum soll man das dem Bier überlassen? Also gründeten Breimesser und Thurner Aqua Monaco, anfangs ging es um Mineralwasser, schnell um mehr. Mittlerweile zählt ihr Tonic Water zu den besten der Welt, es gibt Soda-Pops mit Rhabarber-Ingwer-oder Gurke-Minze-Geschmack. Alles vegan und mit Biosiegel, klimaneutral produziert.

Außerdem unterstützt die Initiative „Good Monaco“ soziale, kulturelle und ökologische Projekte. Ein Wasser, das sich sozial engagiert? Kennen wir irgendwoher…doch.“

www.aquamonaco.com

APPINIO

Jetzt fliegt die Rakete

Appinio-Gründer Jonathan Kurfess erklärt im Gespräch mit MAX, wie aus einem unterfinanzierten Start-up innerhalb weniger Jahre ein erfolgreiches Unternehmen wurde. Das just auch international steil geht. Sagen wir doch: Deutschland bewegt sich!

MAX: Warst du als Schüler auf Start-up gepolt?

Jonathan Kurfess: Nein, aber ich wollte schon sehr früh selbstständig arbeiten. Als ich jung war, bin ich immer auf Flohmärkten unterwegs gewesen, und aus den USA habe ich angefangen, Klamotten zu importieren, auch als ich in China war. Nach dem Abitur bin ich erst mal rumgereist, dann habe ich ein duales Studium an der Hamburg School of Business Administration gemacht. Dort – man arbeitet ja in einem Partnerunternehmen, in diesem Fall war das Reemtsma – habe ich gemerkt, wie schwerfällig, langsam, teuer und ineffizient Marktforschung funktionierte. Ich war Anfang 20, soziale Netzwerke wurden da populär, und ich hatte die Hypothese, dass Menschen grundsätzlich gern ihre Meinung teilen und dass dies theoretisch bei Marktforschung ebenfalls so sein müsste.

MAX: Wie lief die erste Start-up-Phase konkret ab?

Jonathan: Zunächst wusste ich mit 23 Jahren nicht, wie ich überhaupt ein Unternehmen gründe, geschweige denn ein Tech-Produkt baue. In der ersten Phase haben wir zu viert in einer acht Quadratmeter großen Abstellkammer an der Elbstraße gesessen, und ich habe neun, zehn Stunden am Telefon gesessen, um an Kunden zu kommen. Im Zweifel habe ich auch mal behauptet, dass ich der Cousin des Geschäftsführers oder Firmeninhabers bin, um wenigstens einmal drei Minuten mit jemandem sprechen zu können, der etwas zu sagen hat. In den Jahren darauf haben wir dann ohne viel Geld und Investoren das Produkt mit viel Liebe zum Detail entwickelt. Dann kam der erste Auftrag, langsam kamen immer mehr Kunden hinzu, und das Team wurde größer.

MAX: Wo lag der Turning Point für Appinio?

Jonathan: Das war ein Zusammenspiel aus mehreren Entwicklungen, die uns in die Karten gespielt haben. Zum einen wollen und müssen Unternehmen immer digitaler, datenbasierter, schneller und kundenzentrierter arbeiten – und für diese Bedürfnisse ist Appinio ein idealer Partner Zum Zweiten gibt es – verschärft durch die Coronakrise – einen immer stärker werdenden Digitalisierungs-und Automatisierungsgrad aufseiten der Unternehmen und aufseiten der Verbraucher sich rasch verändernde Konsumentenbedürfnisse. Eine schnelle, kostengünstige und voll digitalisierte Marktforschung wie von Appinio, die tagesaktuell herausfinden kann, was Verbraucher wollen und was nicht, ist in diesem Fall Gold wert. Ich würde sagen vor etwa zwei, drei Jahren ist der Knoten geplatzt. Appinio ent-wickelt sich seitdem rasant. Allein in den letzten 18 Monaten haben wir das Team verfünffacht.

MAX: Wie viele Mitarbeiter seid ihr heute?

Jonathan: Wir sind jetzt 131, ich habe kürzlich noch mal nachgeguckt. Und das Besondere ist, dass wir das Ganze mehr oder weniger allein gestemmt haben. Außer mit der Hilfe einiger Business Angels haben wir das Ganze aus eigenen Mitteln sehr organisch aufgebaut. Köpfe wie New-Work-Hero Michael Trautmann haben an uns geglaubt.

MAX: War es stets das Ziel, eure Unabhängigkeit zu bewahren?

Jonathan: Unbedingt, mir ist unternehmerische Unabhängigkeit und Freiheit immer sehr wichtig.

MAX: Was genau macht Appinio so besonders?

Jonathan: Wir haben die Faktoren Kosten und Zeit aus der Marktforschung eliminiert, dadurch ermöglichen wir es jetzt auch kleinen und mittelständischen Unternehmen, Marktforschung zu betreiben. Wir machen aus Marktforschung eher ein New-Work-Thema, weil wir sagen, jeder kann jetzt Marktforschung 24/7 innerhalb von Minuten zu sehr geringen Kosten machen.

MAX: Und das nicht nur in Deutschland…

Jonathan: Wir sind gerade dabei, Appinio zu internationalisieren – in UK, Frankreich, Spanien und den USA haben wir bereits Teams. Grundsätzlich – und das haben wir gerade in Deutschland erfahren – muss man in der Marktforschungsbranche ein extrem dickes Brett bohren. Es hat ein bisschen gedauert, aber jetzt fliegt die Rakete. Jetzt sind wir vielleicht „on our road to unicorn“, aber ist es das, was wirklich zählt? Wie bemisst man überhaupt Erfolg? Ist es allein die Unternehmensbewertung durch externe Investoren? Oder gehört dazu viel mehr, neben dem Kommerziellen und Finanziellen?

MAX: Was zeichnet eure Unternehmenskultur aus?

Jonathan: Wir haben vier Werte definiert. Einer ist Ownership, bei Appinio muss sich jeder als Mini-CEO fühlen, und jeder Mini-CEO muss Vorbild sein. Das geht mit einer großen Verantwortlichkeit einher. Ein weiterer Wert ist Positivity. Wir wollen bei Appinio keine Kultur von Energy Suckern haben. Wir sind Energy Giver, das schafft ein sehr positives, inspirierendes Umfeld. Denn der dritte Wert ist ebenfalls von Bedeutung – es ist die Ambition. Wir wollen niemals stehen bleiben oder satt werden. So kommen wir zum vierten Punkt: Care, im Sinne von wir sind nicht gleichgültig, das schließt soziales und gesellschaftliches Engagement ein.

MAX: Was bedeutet das konkret?

Jonathan: Wenn Mitarbeiter in der Weihnachtszeit spenden, dann verdoppeln wir die Spende; wenn Kunden klimaneutral sind, dann kriegen sie einen Discount; wir machen kostenlose Marktforschung für NGOs; wenn Unternehmen Umfragen machen, pflanzen wir Bäume. Ein weiteres Beispiel: Wir spenden jetzt ein Prozent vom Umsatz oder zehn Prozent vom Profit – je nachdem, welche Summe höher ist – an eine Stiftung. Und diese Stiftung widmet sich dem Klimaschutz.

MAX: Und wie funktioniert Appinio?

Jonathan: Appinio ist eine kostenlose Plattform, man zahlt nur, wenn man Menschen befragt. Da kann zum Beispiel ein Kunde sagen: „Ich möchte jetzt Club Mate trinkende Männer zwischen 20 und 40 aus Deutschland befragen“, man gibt die Zielgruppe ein, zum Beispiel tausend Teilnehmer, drückt auf einen Knopf, und die Umfrage geht direkt raus an diese Zielgruppe. Die bekommen eine Push-Notification von der App, beantworten die Umfrage, und das Unternehmen kann die Ergebnisse direkt analysieren und tracken. Wir sind die schnellste Marktforschung, die es weltweit gibt. Wir haben quasi ein Meinungsnetzwerk gebaut. Jeden Tag werden darüber Millionen von Fragen beantwortet – Appinio ist ein soziales Netzwerk für Meinungen. Wir monetarisieren dieses Netzwerk über Marktforschung.

MAX: Kann jeder dieses Appinio-Netzwerk nutzen?

Jonathan: Grundsätzlich ja. Aber wenn beispielsweise ein rechtsradikaler Verein uns nutzen möchte, sagen wir natürlich: machen wir nicht. Denn wir wollen Diskussionen mit Fakten anreichern, damit die weniger populistisch und weniger subjektiv werden, wir wollen mit unserem weltweiten Meinungsnetzwerk das Demokratieverständnis stärken. Das ist jedenfalls die Vision, die wir für die App haben. Es wäre doch großartig, wenn uns das gelänge.

Andreas Wrede

THE NU COMPANY

Reine Schokolade

In knapp fünf Jahren haben Thomas Stoffels, Christian Fenner und Mathias Tholey aus ihrer Idee in einer Studierenden-WG in Dresden ein Millionen-Unternehmen gemacht. Sicher haben die Schokoriegel einen Anteil daran, dass The Nu Company so erfolgreich wurde. Noch mehr Aufmerksamkeit bekam das Leipziger Unternehmen aber durch seine bissigen, aggressiven Kampagnen. Im Spiegel erschien 2020 ein offener Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und die Schokoladenindustrie. In vielen Städten hingen riesige Plakate mit Sprüchen wie „Liebe Großkonzerne, esst ihr euer Zeug eigentlich selbst?“ Im Herbst 2021 legten sie mit einer Kampagne für ein „Reinheitsgebot“ für Schokolade nach, sie fordern unter anderem 30 Prozent weniger Zucker und 50 Prozent weniger tierische Zutaten in den Produkten. Außerdem umweltfreundliche Verpackungen und klimaneutrale Produktion.

Mit ihren eigenen Riegeln gehen sie in der Hinsicht voran, im Oktober konnten sie erstmals große Hersteller wie Bahlsen für einen „Schokoriegelgipfel“ gewinnen, wo die Forderungen diskutiert wurden. Nebenbei sammelt The Nu Company Geld ein, Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg gehört zu den Investoren, für die geplante internationale Expansion holte man sich die Ex-CEO von Douglas ins Boot.

www.the-nu-company.com

LANDPACK

Stroh statt Styropor

Hier wird das Verpackungsmaterial mit dem Mähdrescher geerntet. Landpack aus dem bayrischen Alling nutzt Stroh (und mittlerweile auch Hanf) zur Herstellung von Transportboxen. Temperatur-oder stoßempfindliche Waren wie Lebensmittel können so umweltfreundlich verschickt werden. „Die Landbox ist die erste wirkliche Alternative zu Styropor als Versandverpackung“, sagt Gründer und CEO Thomas Maier-Eschenlohr. Die Box isoliert, ist biologisch abbaubar – und die Landwirte, die das Stroh verkaufen, freuen sich über eine weitere Einnahmequelle.

www.landpack.de