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DEUTSCHLAND: TEUTOBURGER WALD: FÜRSTLICH FISCHEN


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 121/2018 vom 23.11.2018

Verträumte Salmonidenbäche, ein großer See und leckere Fischgerichte – Anglerherz, was willst du mehr?Frank Glittenberg hat das Lipper Land besucht.


Artikelbild für den Artikel "DEUTSCHLAND: TEUTOBURGER WALD: FÜRSTLICH FISCHEN" aus der Ausgabe 121/2018 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 121/2018

Urromantisch: Das Wasserrad des Weser-Renaissance-Schlosses Brake.


Das symbolträchtige Hermannsdenkmal thront über dem Teutoburger Wald.


Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder!“, soll Roms Imperator Cäsar gerufen haben, als ihm vom Ausgang der Schlacht in Deutschlands Norden berichtet wurde. Fürst Arminius, später „Hermann der Cherusker“ genannt, hatte die römischen Invasoren bezwungen. Und noch heute kann man sich der Faszination dieses Landes, mit ...

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... seinen ausgedehnten und urwüchsigen Waldflächen, die dem römischen Heer unter ihrem Führer Varus so gründlich und dauerhaft zum Verhängnis wurden, kaum entziehen. Es gibt wohl wenige zusammenhängende landschaftliche Gebiete in Deutschland, in denen man eine größere und dichtere Sammlung von Kulturgütern, geschichtsträchtigen Orten und unberührter Natur bewundern kann. Und in dieser Landschaft finden wir auch die kristallenen Waldquellen, die sich auf ihren Wegen in die waldumsäumten Täler erst zu schmalen Wiesenbächlein und dann zu blitzsauberen Flüssen und kleineren Seen zusammenschließen. Hier zu angeln ist die elementare Rückbesinnung auf die Natur. Ich bin unterwegs im ehemaligen Fürstentum Lippe – genauer gesagt, im Teutoburger Wald.

VON AALEN UND ÄSCHEN

„So ein Klopper war das!“ Zur genaueren Veranschaulichung streckt mir Mirco seinen beachtlichen Unterarm vor die Nase. Der „Klopper“ war ein Aal von 91 Zentimetern, den Mirco Hundertmark, Gewässerwart im Angelverein Lügde, am Abend vorher aus der Emmer gefischt hat. Ich glaube ihm den Vergleich mit seinem Unterarm sofort, zumal er seinen Vortrag mit einem Foto auf seinem Handy untermauert. Er erzählt mir von dem fantastischen Aalvorkommen im Fluss, der durch die Lippische Landschaft fließt, aber auch von den Bemühungen der ansässigen Vereine, die Äsche durch intensive Aufzuchtmaßnahmen wieder im Teutoburger Wald zu etablieren – mittlerweile mit so großem Erfolg, dass in einigen Gewässern das Angeln auf die Fahnenträger wieder freigegeben wurde.

An der Emmer treffe ich auch den angelnden Senior Otto, der schon als Jugendlicher hier gefischt hat. „Wenn man früher zur Laichzeit hier hinkam, sah man hunderte Äschenfahnen an der Wasseroberfläche. Das ist nun vorbei“, sagt er ein bisschen wehmütig und fügt hinzu: „Die intensive Landwirtschaft und der Kormoran haben das bewirkt. Mit den Landwirten kann man reden, mit dem Vogel nicht.“

EIN SEE ENTSTEHT

Die Emmer ist neben der Werre und der Bega das größte Fließgewässer im südlichen Lipperland und mündet kurz vor der Rattenfängerstadt Hameln in die Weser. Der Fluss, der einmal in der Ortschaft Schieder zu einem See aufgestaut wurde, fließt seit einigen Jahren durch eine umfangreiche und kostspielige Renaturierung wieder in seinem ursprünglichen Bett dahin. Den Schieder See gibt es trotzdem noch, mit zirka 90 Hektar ist er die größte Wasserfläche im Lippischen Land – ein bei den Einheimischen und Gastanglern beliebtes und sehr lohnendes Gewässer, wenn man die ausgetretenen Ansitzplätze in Parkplatznähe meidet. Zander, Karpfen und Hechte von beachtlichen Größen, denen man am erfolgreichsten mit einem Ruderboot nachstellen kann, gehören zu den beliebtesten Zielfischen am See, der dennoch nie von Anglern überlaufen ist. Rings um den Schieder See gibt es neben reizvollen Angelplätzen gediegene und gemütliche Einkehrmöglichkeiten nach einem hoffentlich erfolgreichen Fang.

Am Angelteich Werre kommen vor allem Karpfenangler zu ihrem Zielfisch.


Fliegenfischer an der Emmer. Dem ansässigen Angelverein gelang es, hier wieder einen gesunden Äschenbestand aufzubauen.


Besonders spezialisiert auf Gruppen mit unterschiedlichsten Anforderungen und Wünschen ist das Hotel „Landhaus Schieder“, in unmittelbarer Nähe zum Stausee. Das ehemalige gräfliche Herrenhaus mit dem äußerlich rustikalen Ambiente, aber einer edlen Einrichtung, ist das erste Haus am Platz. Patron Norbert Lange unternimmt mit den Gästen Ausfahrten, Besichtigungen und steht mit Rat und Tat bereit.

BESUCH BEIM HERMANN

Ich besuche noch die schon erwähnten Bachforellenflüsse Werre und Bega, fahre dabei durch eine malerische Landschaft mit den typischen, reich verzierten Fachwerkhäusern, vorbei an den faszinierenden Externsteinen und dann zum berühmten Hermannsdenkmal. Raus aus dem Wagen, noch zirka 800 Meter durch den Wald und … rumms, da steht er. Hermann, der Cherusker. Mit knapp 54 Metern Gesamthöhe war er einst die höchste Statue der westlichen Welt. Dann schenkten die Franzosen den Amerikanern im Jahr 1886 die Freiheitsstatue und stießen Hermann im übertragenen Sinne von seinem Podest.


„SO EIN KLOPPER
WAR DAS! MIRCO STRECKT MIR SEINEN UNTERAM VOR DIE NASE.“


Der Schieder See ist das größte Gewässer im Lipper Land. Hier fängt man Hecht und Zander, aber auch dicke Schleien und Karpfen.


Einen 24-Stunden-Köderservice bietet das Angelsport-Center Detmold.


Meine Reise durch das Lipper Bergland führt mich weiter nach Nordosten, in das Kalletal, auch Forellental genannt, das eine ganz besonders spannende Geschichte bereithält.

IM TAL DER FORELLEN

Stellen wir uns einmal vor, wir wären bei Günther Jauch, in der Sendung „Wer wird Millionär?“ Die Millionenfrage lautet: „Wo wurde die Fischzucht erfunden? A – in Schottland, B – in Norwegen, C – in Island, oder D – im Teutoburger Wald?“ Und D wäre tatsächlich die richtige Antwort! Ein Mann namens Stephan Ludwig Jacobi (1711 bis 1784) aus dem Teutoburger Wald gilt als „Erfinder der künstlichen Befruchtung in der Fischzucht“. Die Grundlagen seiner Forschungen haben heute noch Gültigkeit. Wer mehr über das Leben und Wirken dieses Mannes erfahren will, kann dies im Wald- und Forstmuseum in Kalletal-Heidelbeck tun, das eine Dauerausstellung über Jakobi und die künstliche Fischzucht zeigt.

Da bekommt man sofort Appetit: Forelle im Mandel-Mantel.


Das rustikale Landhaus Schieder bietet erstklassige Unterkunft.


EIN MANTEL AUS MANDELN

Wer Wolfgang Korf beim Kochen zusieht, bekommt sofort das Gefühl: Da weiß einer genau, was er tut. Und Hunger bekommt man auch. Weit über die Grenzen des Kalletals hinaus gilt der Koch und Gastronom mit seinem „Schlosskrug“ als Forellenpapst. Acht verschiedene Variationen des edlen Fisches stehen auf der Karte. Meine eindeutige Empfehlung: Forelle im Mandel-Mantel. Nicht nur eine kulinarische Köstlichkeit, auch fürs Auge ein Genuss.

Hier endet meine Reise durch eine Angel-Landschaft, in der es noch so viel zu entdecken gäbe. Wunderbare Salmonidengewässer und ein großer See mit Potenzial für große Fänge. Was will man mehr?

ALLGEMEINES

Erlaubnisscheine und Angelläden:
► Angelsport Center
Detmold
Industriestraße 3
32756 Detmold
Tel. 05231 – 927181
www.acd-shop.de

► Das Angelhaus Lemgo
Braker Mitte 36
32657 Lemgo
Tel. 05261 – 6059371
www.das-angelhaus.de

Übernachtungen:
► Hotel Landhaus Schieder
Domäne 1
32816 Schieder-Schwalenberg
Tel. 05282 – 9809-0

Einkehrmöglichkeiten:
Direkt am Schiederseeufer liegen die Seeterrassen und Moses Hütte

Weitere Informationen auf Anglermap Lippe

Das Lipper Land liegt nordöstlich des Teutoburger Waldes und ist heute ein Teil des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Die lössbedeckten Böden im Werre- und Begatal sind sehr fruchtbar und vorrangig von Landwirtschaft geprägt. Kreisstadt ist Detmold mit etwa 75.000 Einwohnern. Das Hermannsdenkmal, eine der bekanntesten Statuen in Deutschland und Europa, ragt mehr als 50 Meter über dem Meeresspiegel auf und ist touristisches Ausflugsziel.

FOTO: C. KELLER

FOTO: C. KELLER

FOTO: C. KELLER