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DHH AUSBILDUNG: „Sicherheit im Segelsport verlangt nach Ordnung“


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 30/2019 vom 20.02.2019

Seemannschaft – ein großer Begriff. Doch wie viele der althergebrachten Regeln sind eigentlich noch zeitgemäß?segln sprach mit den Segelschulleitern Jochen Kopf und Michael Wimmer über Trends, alte Traditionen und die Frage, ob man bei aller modernster Technik an Bord überhaupt noch segeln können muss


Artikelbild für den Artikel "DHH AUSBILDUNG: „Sicherheit im Segelsport verlangt nach Ordnung“" aus der Ausgabe 30/2019 von segeln. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: segeln, Ausgabe 30/2019

Mit dem Trend gehen und dabei Bewährtes bewahren: die Devise der DHH-Schulleiter Jochen Kopf (Hanseatische Yachtschule Glücksburg) und Michael Wimmer (Chiemsee Yachtschule)


Ihr arbeitet beide schon seit Jahren beim DHH als Ausbilder und als Schulleiter. Welche aktuellen Trends könnt ihr feststellen? ...

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... Ändert sich die Nachfrage nach bestimmten Kursen?

Michael Wimmer: Aktivurlaub mit der ganzen Familie wird immer beliebter. Es können alle eingebunden werden. Gerade bei den Kindern und Jugendlichen spielt das Geschlecht absolut keine Rolle mehr, wenn man sich die Leistungen in den Kursen so anschaut. Segeln ist schon lange keine reine Männer- bzw. Jungs-Domäne mehr.
Jochen Kopf: Dem kann ich nur zustimmen. Ein schon lange anhaltender Trend ist auch das Ladies-Sailing. Wir erleben zum Beispiel häufig, dass Frauen, die vielleicht auch schon lange mit ihren Männern als Zweier-Crews segeln, einen Extra-Kurs nur für sich buchen.

Ein anderer, nicht so positiver Trend ist, dass viele Segelsporteinsteiger in immer kürzerer Zeit an Scheine kommen wollen. Das ist aber ein Trend, den wir beim DHH nicht mitgehen und zum Glück auch nicht mitgehen müssen. Unser Motto lautet ja „Richtig segeln lernen“. Und richtig segeln kann man ja nicht, nur weil man den Schein hat. Unsere Kursteilnehmer sehen das meist genauso wie wir und sind bereit, mehr Zeit und Geld in eine fundierte Ausbildung zu investieren.

Michael Wimmer: Manchmal merkt man gerade bei den jungen Kursteilnehmern, Skandass sie die Antworten für die Prüfung auswendig lernen, aber das eigentliche Verständnis für die Seemannschaft fehlt. Das ist schade, weil so das richtige Wissen etwas auf der Strecke bleibt. Es gibt einen Unterschied zwischen wissen und verstehen, und den sollte man nicht unterschätzen.

Was muss man denn noch verstehen? Die Technik an Bord wird doch immer ausgefeilter. Es gibt Rollanlagen, Navigations-Apps, Autopilot und Selbststeuerungsanlage. Muss man da überhaupt segeln können?

Jochen Kopf: Einen Kartenplotter an Bord kann im Grunde beinahe jeder bedienen, der auch mit einem Navi beim Autofahren umgehen kann. Als es das noch nicht gab, musste man mit Bleistift, Lineal und Zirkel navigieren. Das musste man natürlich ganz anders lernen. Die Technik erleichtert uns vieles, aber sie kann natürlich auch ausfallen oder fehlerhaft sein. Da darf man sich nicht zu sehr in Sicherheit wiegen.

Ich kann eine Yacht mit Motor chartern. Dann nehme ich im Hafen die Segel weg, fahre ganz bequem in die Box, vorausgesetzt, das Wetter ist unproblematisch. Was mache ich aber, wenn der Motor ausfällt? Anlegen unter Segeln – habe ich das schon mal gemacht? Und am besten mehr als einmal?

Ganz klar: Segeln muss man lernen. Und man sollte es auch richtig lernen. Das würde ich gar nicht an Scheinen festmachen. Erfahrung kommt von Fahren. Man muss also mitsegeln, selbst segeln und viel üben. Und, das ist mir ganz wichtig, man sollte sich als Skipper auch seiner Verantwortung bewusst sein. Wer nicht die nötige Erfahrung und das Wissen hat, sollte sich gut überlegen, ob er im nächsten Sommer mit seiner Familie ein Boot chartert. Das ist nicht das Gleiche, wie ein Wohnmobil zu mieten.

In vielen Revieren gibt es zum Beispiel örtliche Wetterphänomene. Wenn ich davon noch nie gehört habe und die Anzeichen nicht deuten kann, bekomme ich unter Umständen ein Problem, egal, wie viel Technik ich an Bord habe. Und man braucht ein Grundverständnis von der Technik und den Ausweichregeln. Nur weil ich die für die Prüfung auswendig gelernt habe, heißt das nicht, dass ich sie in der praktischen Situation schnell genug abrufen und richtig anwenden kann.

Michael Wimmer: Absolut richtig. Wenn alles funktioniert, kann ich es mir bei schönstem Wetter einfach machen. Sobald das Wetter nicht mehr mitspielt, trennt sich die Spreu vom Weizen. Da muss man in der Lage sein, sich, das Schiff und auch seine Mitsegler ruhig und sicher nach Hause zu bringen. Und das lernt man nur durch Erfahrung. Da zeigt sich dann gute Seemannschaft.

Seemannschaft – ein großer Begriff, der nicht nur den richtigen Umgang mit dem Schiff meint. Seemannschaft hat auch viel mit Traditionen zu tun. Ist das überhaupt noch zeitgemäß?

Jochen Kopf: Auf jeden Fall! Die Flagge am Abend einzuholen zum Beispiel.

Erfahrung kommt von Fahren: Um sein Boot bei jedem Wetter sicher in den Hafen zu steuern, hilft nur stetes Üben


Das andere ist, dass uns vieles aus der Seemannschaft auch in Sachen Sicherheit zugutekommt. Dazu gehört zum Beispiel, die Leinen ordentlich aufzuschießen oder die Fender vor dem Ablegen einzuholen. Das ist nicht spießig, das ist sicherheitsrelevant.

Gute Seemannschaft bedeutet aber auch, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen. Das beginnt schon damit, die Leinen anderer im Hafen anzunehmen. In Skandinavien zum Beispiel ist es ein absolutes „No-Go“, sich nicht daran zu halten. Im Mittelmeerraum wird dagegen vergleichsweise kaum noch Wert darauf gelegt. Viele wissen aber eben auch nicht mehr um den Sinn und Zweck guter Seemannschaft. In den Augen vieler sind diese Traditionen überholt. Wir halten es jedoch unverändert für wichtig, diese seemannschaftlichen Gepflogenheiten weiter zu praktizieren und zu lehren. Im normalen Leben gibt es ja auch durchaus Situationen, wo man gut beraten ist, sich an „Knigge“-Regeln zu halten.

Wie haltet ihr es denn mit Gastlandflaggen? Auch eine wichtige Tradition oder unnötiger Aufwand?

Jochen Kopf: Die Gastlandflagge zollt dem Gastland Respekt. Das mag einigen nicht wichtig erscheinen, ist aber eine Sache der Höflichkeit. Und in manchen Ländern wird sehr genau darauf geachtet. Letztes Jahr bin ich von Stockholm auf die Åland-Inseln gesegelt. Stockholm, ganz klar schwedisch. Mariehamn, finnisch. Dachte ich. Entsprechend hab ich die finnische Gastlandflagge hochgezogen und durfte mir im Hafen direkt etwas anhören. Die Einheimischen sahen das fast als Beleidigung an. Zwar gehören sie zu Finnland, die Ålands haben aber eine eigene Gastlandflagge. Ich habe netterweise direkt eine geschenkt bekommen und diese dann selbstverständlich umgehend gesetzt. Da sieht man mal, wie viel Wert darauf gelegt wird. Das ist auch etwas, was sich jenseits von Schiffen und Hafen ganz gut macht, einfach mal etwas zu tun, was anderen etwas bedeutet. Auch wenn man selbst den Sinn darin nicht unbedingt sieht.

Michael Wimmer: Wir setzen auch an unseren Schulen die Landesflaggen aller Kursteilnehmer. Das hat auch etwas mit Gastfreundschaft und Wertschätzung zu tun. Sie werden als festes Ritual jeden Abend zu einer bestimmten Uhrzeit eingeholt. Mir fehlte anfangs dieser Bezug auch gänzlich. Ich war erstaunt, wie sehr die Kursteilnehmer darauf achten. Wenn einmal eine Gastlandflagge fehlt, wird man auch schnell darauf angesprochen.
Jochen Kopf: Manche sehen in der konsequenten Einübung von Seemannschaft auch beinahe eine Form von militärischem Drill. Von denen höre ich, an der Hanseatischen Yachtschule herrsche noch Zucht und Ordnung. Ordnung ja, Zucht nein! Wir praktizieren und lehren die Seemannschaft zeitgemäß. Wir haben Spaß am Segeln, vermitteln aber auch schon unseren jüngsten Teilnehmern, wie wichtig zum Beispiel auch das richtige Belegen einer Klampe ist. Natürlich kann ich eine Leine auch zehnmal um die Klampe wickeln. Das hält auch. Aber das ist keine gute Seemannschaft. Eine richtig belegte Klampe ist von großer Wichtigkeit. Man muss eventuell schnell noch eine zweite Leine darauf belegen. Darum: immer nur so wenig wie nötig. Also, alles was bei uns manchmal belächelt wird, hat durchaus seine Daseinsberechtigung. Da bin ich wirklich ein großer Verfechter klarer Regeln. Nur das, was oft eingeübt wird, wird in Situationen, in denen es darauf ankommt, auch routiniert und sicher abgerufen.


„Moderne Technik erleichtert vieles. Aber man darf sich nicht allein auf sie verlassen.“


Michael Wimmer: Auch die Segelkommandos an Bord mögen manchem etwas militärisch erscheinen. Aber auch hierfür gibt es eine recht einfache Erklärung: Wenn man sich auf dem Wasser bewegt, dann tut man sich mit klaren Regelungen einen großen Gefallen. Eine klare Sprache und kurze Anweisungen sind wichtig. Das kann man seinen Schülern, gerade den jüngeren, im Vorfeld auch erklären, damit sich keiner durch die durchaus lauten Ansagen angegriffen fühlt. Klare Regeln und klare Struktur sind auf dem Boot absolut wichtig. Ein paar Dinge sollen den Schülern, aber auch den Ausbildern, zeigen, wie wichtig Verantwortung ist. Für den einen oder anderen ist das etwas ungewohnt, aber am Ende gefällt es wirklich immer allen. Wir haben unter den Schulklassen auch Schüler, die es von zu Hause nicht einmal kennen, drei geregelte Mahlzeiten zu haben. Für die ist das hier natürlich ein Kulturschock. Aber am Ende der Woche haben sich alle daran gewöhnt und wissen auch unsere Rituale zu schätzen.

Der DHH ist Kooperationspartner von segeln und steuert monatlich Artikel bei. Mit 16.000 Mitgliedern und drei Schulen ist er Deutschlands großer Segelausbildungsverband.www.dhh.de


Fotos: Georg Hilgemann/DHH

Fotos: Georg Hilgemann/DHH