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DIABETES FAKTEN UND FORTSCHRITTE


Reader´s Digest Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 11/2018 vom 29.10.2018

Neue Behandlungsmethoden geben Patienten Hoffnung


BEI DIABETES kann man ohne Übertreibung von einer medizinischen Katastrophe sprechen. Rund 66 Millionen Europäer leiden unter einer Form der Krankheit. Typ-1-Diabetes, bei dem die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) kein oder zu wenig Insulin produziert, trifft in der Regel jüngere Menschen und besteht ein Leben lang.

Der häufiger auftretende Typ-2-Diabetes ist dagegen auf eine Resistenz gegen das Hormon Insulin zurückzuführen, das für die Blutzucker-Absorption im Körper sorgt. Darüber hinaus weisen 41 Millionen Europäer Anzeichen für Prädiabetes auf. Bei ihnen ...

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... besteht ein Risiko von eins zu zehn, Typ-2-Diabetes zu entwickeln, falls sie nicht behandelt werden.

In den letzten Jahren wurden neue Behandlungsmethoden entwickelt, von Medikamenten bis zu Hightech-Operationsverfahren. Noch ist es zu früh, von einem Sieg über Diabetes zu sprechen, aber der medizinische Fortschritt lässt Betroffene hoffen.

ILLUSTRIERT VON HARRY CAMPBELL

Wir stellen sechs Behandlungsmethoden vor, die bereits verfügbar sind oder es bald sein werden.

BEI PRÄDIABETES:: Präventionsprogramm

BIS VOR EINEM JAHR aß Pamela Hancock, 67, aus Northwich in Großbritannien zum Abendessen gern mehr als ein Dutzend in Fett gebratene Kartoffeln und als Dessert ein großes Stück Schokoladenkuchen. „Ich wusste, wie man sich gesund ernährt, trotzdem wurden im Lauf der Jahre die Portionen immer größer“, sagt sie.

Vor einem halben Jahr erklärte ihr Arzt, dass sie aufgrund von Übergewicht und Bluthochdruck ein erhöhtes Diabetes-Risiko habe. Er riet ihr, amNational Health Service’s Diabetes Prevention Program (Präventionsprogramm) teilzunehmen, das Menschen mit Prädiabetes zu gesünderem Essen, Sport und Gewichtsreduktion anleitet, um ihr Typ-2-Diabetes-Risiko zu senken.

„Ich habe etliche Kilo verloren – und ich nehme weiter ab“, berichtet Hancock. „Ich habe gelernt, kleinere Portionen auf den Teller zu geben. Außerdem esse ich seltener und viel weniger Schokoladenkuchen.“

FUNKTIONSWEISE: Das britischeDiabetes Prevention Program wurde anhand führender US-Studien für Typ-2-Diabetes-Risikopersonen entwickelt. Das Ziel: Patienten sollten im Lauf von neun Monaten 7 Prozent ihres Körpergewichts abnehmen und mindestens 150 Minuten Sport pro Woche treiben.

„Es hat sich gezeigt, dass bereits geringe Lebensstil-Veränderungen bei Menschen mit erhöhtem Risiko die Gefahr, an Diabetes zu erkranken, um bis zu 58 Prozent verringert“, erklärt Dr. Stephen Lawrence, Arzt für Allgemeinmedizin und Lehrbeauftragter für Diabetes an der britischen Warwick Medical School. „Dafür sind keine Medikamente notwendig.“

Entscheidend sind die Kontrolle der Portionsgrößen sowie die Fettreduktion. „Fettzellen, insbesondere am Bauch, setzen Hormone frei, die das Diabetes-Risiko in die Höhe schnellen lassen“, erläutert Dr. David Nathan, Professor für Medizin an der Harvard Medical School und Direktor des Diabeteszentrums am Massachusetts General Hospital, USA. „Bereits ein Kilo Gewichtsabnahme senkt das Diabetes-Risiko für die nächsten drei Jahre um rund 16 Prozent.“

Metformin

DAS MEDIKAMENT wurde zur Verringerung des Typ-2-Diabetes-Risikos bei Patienten mit eingeschränkter Glukosetoleranz entwickelt. In den USA wird es häufig bei Prädiabetes verordnet, in vielen europäischen Ländern ist Metformin dagegen nicht zur Diabetes-Prävention zugelassen. „Ich vermute, es ist geübte Praxis, dass es außerhalb seiner Zulassung eingesetzt wird, gesicherte Daten habe ich allerdings nicht“, sagt Dr. Gojka Roglic, Amtsärztin und Diabetes-Expertin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf.

FUNKTIONSWEISE: Metformin hemmt die Neubildung von Glukose in der Leber, also gelangt weniger Zucker ins Blut. Eine aktuelle Studie der Georgetown University, USA, ergab, dass es das Typ-2-Diabetes-Risiko für 15 Jahre um 18 Prozent senkt.

Adaption eines Artikels von Sari Harrar

BEI TYP-2-DIABETES: Metabolische Chirurgie

DIE METHODE bezeichnet das Umleiten des Verdauungssystems. Dabei wird der Magen verkleinert und ein Teil des Dünndarms umgangen (Magen-Bypass). Bei der radikaleren Methode, der Sleeve-Gastrektomie (Schlauchmagen), verkleinert man den Magen um etwa 80 Prozent – das Magenvolumen beträgt dann nur noch 80-100 Milliliter.

Nachteil: Der Eingriff ist unumkehrbar und kann wie jede größere Operation Komplikationen mit sich bringen wie Infektionen, Blutungen sowie Magen-Darm-Probleme.

FUNKTIONSWEISE: Die geringere Magengröße zwingt Patienten, kleinere Portionen zu essen, zudem sind sie schneller satt. So reguliert sich der Blutzuckerspiegel auf ein Normalmaß. Auf eine gesunde Ernährung müssen Betroffene dennoch achten. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass die Operation dauerhaft Vorteile bringt, insbesondere bei Patienten mit frisch diagnostiziertem Diabetes wie bei John*, 37, einem in Deutschland lebenden US-Amerikaner. Vor drei Jahren diagnostizierte sein Arzt Typ-2- Diabetes und schlug ihm eine Magen-Bypass-OP vor. John wog 107 Kilogramm und hatte zudem hohe Cholesterin- und Blutdruckwerte.

„Die Alternative wäre gewesen, für den Rest meines Lebens Pillen zu schlucken, die zwar die Symptome behandeln, aber auch Probleme verursacht hätten“, erzählt John. „Und das wäre selbst bei niedrigerem Blutzuckerspiegel schädlich gewesen.“

Vier Monate nach der Magen-OP hatte John bereits 24 Kilo abgenommen und brauchte keine Medikamente mehr gegen Diabetes, hohes Cholesterin und Bluthochdruck. Auch seine Blutzuckerwerte lagen im normalen, gesunden Bereich. „Ich bin so viel glücklicher und gesünder als vorher“, sagt John. „Und das Abnehmen ist ein angenehmer Nebeneffekt.“

Studien belegen außerdem: Menschen, die diese Operation innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Diagnose durchführen ließen, hatten eine 70- bis 75-prozentige Chance auf eine komplette Remission.

„Wenn Sie drei oder vier Jahre Diabetes haben, kann der Diabetes innerhalb weniger Wochen verschwinden. Leiden Sie dagegen schon seit zehn Jahren an Diabetes, erfordert die Genesung mehr Zeit oder stellt sich eventuell gar nicht ein“, erklärt Johns Chirurg Dr. Rudolf Weiner, Chefarzt der Klinik für Adipositas- und Metabolische Chirurgie am Sana Klinikum Offenbach. „Menschen werden älter, sie haben eine bessere Lebensqualität, und sie benötigen keine Medikamente mehr.“

* Name von der Redaktion geändert

Im Jahr 2016 bewilligten mehr als 45 Krankenkassen sogenannte bariatrische Eingriffe bei mittelschwerer bis schwerer Adipositas und Diabetes. Die ersten Schritte im Kampf gegen Diabetes bestehen aber in der Veränderung des Lebensstils – bei Bedarf auch mithilfe von Medikamenten.

„Hat jemand einen BMI (Body Mass Index) von 40, macht Abnehmen wenig Sinn, wohl aber eine OP“, erklärt Professor Weiner. „Bei einem BMI unter 35 ist eine Gewichtsreduktion durchaus möglich. Hilft das nicht, bleibt immer noch eine Operation.“

Kombinationspräparate

DIE VERORDNUNG von Tabletten, die zwei Diabetes-Medikamente in einem kombinieren, sind heute alltäglich. Die Verfügbarkeit von bestimmten Medikamenten variiert von Land zu Land, erhältlich sind solche Kombinationspräparate aber in ganz Europa.

Die Duo-Behandlung ist zum Standard bei Typ-2-Diabetes geworden. Bis zu 43 Prozent aller Patienten nehmen zwei oder mehr Diabetes-Medikamente ein, so eine aktuelle Studie über die internationalen Behandlungsmethoden mit 70 657 Typ-2-Diabetikern.

FUNKTIONSWEISE: Kombinationspräparate unterstützen Patienten darin, ihre Medikamente regelmäßig einzunehmen – das führt zum Erfolg einer Therapie. Dr. Stephen Lawrence bestätigt das: „Aus Studien wissen wir, dass sich Patienten eher an die Einnahme halten, sobald man die Anzahl der Medikamente reduziert.“

BEI TYP-1-DIABETES: Künstliche Bauchspeicheldrüse

WENN ANTHONY TUDELA , 44, aus Vizille in Frankreich heute Mountainbike fährt, macht er sich keine Sorgen mehr, dass die körperliche Belastung zu niedrigem Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie) führen könnte. 2017 trug er im Rahmen einer Studie eine künstliche Bauchspeicheldrüse, das Diabeloop-DBLG1-System. Es misst alle fünf Minuten den Blutzuckerspiegel und hält ihn innerhalb der Zielwerte.

Möchte Tudela Sport treiben oder etwas essen, gibt er das in das Diabeloop-System-Interface auf seinem Handy ein. Die künstliche Bauchspeicheldrüse passt daraufhin seinen Insulinspiegel an. „Ich kann Süßes naschen, und 15 Minuten später ist mein Blutzuckerspiegel wieder in Ordnung“, sagt Tudela, bei dem im Alter von sieben Jahren Typ-1-Diabetes festgestellt wurde.

Bevor er die künstliche Bauchspeicheldrüse erhielt, entsprachen seine Blutzuckerwerte nur zu 30 bis 40 Prozent der Zeit der Norm. Sein Hb-A1C-Wert (Langzeitblutzucker) lag zwischen 11 und 12 Prozent – bei gesunden Menschen liegt dieser bei 5 Prozent. Früher war er regelmäßig unterzuckert. Im Extremfall führt dies zur Ohnmacht. Mit der künstlichen Bauchspeicheldrüse ist Tudelas Blutzuckerspiegel meistens im Normbereich.

Da das Gerät den Blutzuckerspiegel streng kontrolliert, ist sein Hb-A1C-Wert auf 7,5 Prozent gesunken, und er gerät nicht mehr in eine Hypoglykämie.

„Mit dem Gerät fühle ich mich frei – ich lebe, als ob ich kein Diabetiker wäre“, sagt Tudela. „Aber man muss dem Gerät vertrauen. Jahrzehntelang war ich gewohnt, die Krankheit selbst zu kontrollieren. Plötzlich ist das Gerät verantwortlich. Loszulassen ist gar nicht so einfach.“

Noch ist die künstliche Bauchspeicheldrüse nicht frei erhältlich, aber das könnte sich bald ändern. Diabeloop plant, das Gerät in wenigen Monaten auf den Markt zu bringen.

FUNKTIONSWEISE: Die künstliche erkennt genauso wie die menschliche Bauchspeicheldrüse automatisch den Blutzuckerspiegel. Das Gerät besteht aus einem Glukose-Monitor sowie einer Insulin-Pumpe und liefert rund um die Uhr Daten, um jederzeit Insulin zuführen zu können. Der Pieks in den Finger, Blutzucker-Kontrollen, Insulinspritzen und auch das Programmieren der Insulin-Pumpe entfallen somit.

„Insulin-Pumpen liefern Insulin nur nach einem vorgegebenen Programm“, erklärt Dr. Pierre-Yves Benhamou, Leiter der Endokrinologie-Diabetologie am Universitätsklinikum Grenoble, Frankreich. Er gehört zum medizinischen Entwicklungsteam von Diabeloop. „Das von uns entwickelte System ist völlig anders. Die an den Patienten abgegebene Insulinmenge passt sich permanent dem Blutzuckerspiegel an“, sagt Dr. Benhamou.

Die bislang durchgeführten Studien fanden zunächst mit erwachsenen Typ-1-Patienten statt. Die nächsten Studien sollen mit Kindern durchgeführt werden. Das Ziel ist, bei allen Typ-1-Patienten den Blutzuckerspiegel zu regulieren und das Risiko einer Hypoglykämie zu reduzieren.

KÜNSTLICHES PANKREAS Es gibt nur die jeweils erforderliche insulinmenge an den Körper ab

Inselzell-Transplantation

FÜR RICHARD LANE aus Beckenham, Großbritannien, war es fast schon normal, dass er nach einer Bewusstlosigkeit im Krankenhaus in der Notaufnahme zu sich kam. Bei dem heute 75-Jährigen wurde 1976 Typ-1-Diabetes diagnostiziert. Bis zum Jahr 2004 gab sein Körper keinerlei Vorwarnung, dass sich eine Unterzuckerung anbahnte.

„Es war schreckl i ch“, sagt Lane, Großbritanniens ers t e r Diabetes-Botschafter. „Ich erwachte oft im Krankenhaus – das war nicht leicht für meine Frau. Wann immer ich aus dem Haus ging, fürchtete sie, bald einen Anruf von einem Krankenhaus zu erhalten.“

Bis 2004 erlitt Lane wöchentlich vier-bis sechsmal eine schwere Unterzuckerung, meist ohne Vorwarnung. Als ihm sein Arzt erklärte, dass die Möglichkeit bestünde, dass sein Körper durch eine experimentelle Therapie die Inselzelltransplantation, die Warnzeichen einer Hypoglykämie wieder erkennen würde, sagte er sofort zu.

Die Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse produzieren Insulin. Sterben diese ab, ist die Folge Typ-1-Diabetes. Möglicherweise würde das Implantieren neuer Inselzellen das Problem beheben. Inselzelltransplantationen werden unter anderem in Großbritannien, Kanada, Australien, Frankreich, Schweiz, Italien, Schweden, Deutschland und in den Niederlanden durchgeführt. In Deutschland wi rd dieses Verfahren vom Zentrum für Diabetesforschung gefördert – in anderen Ländern wird es von der Regierung finanziert.

Richard Lane erhielt drei Inselzelltransplantationen in den Jahren 2004 und 2005. Nach wenigen Monaten war er der erste Mensch in Großbritannien mit Typ-1-Diabetes, der kein Insulin spritzen musste – eine direkte Folge der Transplantation. Ein Jahr später brauchte er allerdings wieder Insulin, denn die transplantierten Inselzellen starben nach ein paar Jahren ab. Trotzdem ist Richard Lane dankbar für die Transplantation.

„Das Hauptziel der Behandlung war nicht, kein Insulin mehr spritzen zu müssen, sondern die Warnzeichen einer Unterzuckerung zu erkennen“, sagt Lane. „Und das klappt bis heute.“

NEUE INSELZELLEN sind lebensrettend. sie können bedrohliche unterzuckerung verhindern

FUNKTIONSWEISE: Ein solcher Eingriff kommt nur infrage, wenn der Patient trotz optimaler konventioneller Therapie an unvorhersehbarer Hypoglykämie leidet“, erklärt Professor Paul Johnson, Leiter des Transplantationsprogramms an der University of Oxford, Großbritannien.

Der Eingriff ist nicht so aufwendig wie eine Bauchspeicheldrüsen-Transplantation: In der Regel werden die Inselzellen über die Pfortader in die Leber injiziert. Dort funktionieren sie genau so wie in der Bauchspeicheldrüse. Inselzellen werden nicht in die Bauchspeicheldrüse implantiert, da das Risiko einer Komplikation zu hoch wäre.

„Es ist kein großer Eingriff“, sagt Professor Johnson, „vergleichbar mit einer intravenösen Infusion. Der Patient wird leicht sediert und erhält eine lokale Anästhesie der Leber.“ Meistens benötigen die Patienten zwei aufeinanderfolgende Transplantationen, um die Wirksamkeit zu erhöhen und die Inselzellen im Körper zu halten. Die Zellen überleben viele Jahre, sie funktionieren aber in der Regel nur drei bis fünf Jahre. Patienten, die eine Transplantation erhalten haben, müssen für den Rest ihres Lebens Immunsuppressiva einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken – und das hat oft Nebenwirkungen.

Viele Transplantierte können für einen gewissen Zeitraum die Insulineinnahme unterbrechen: In einer aktuellen Studie mit 48 Patienten, deren Typ-1-Diabetes zu lebensbedrohlich niedrigen Blutzucker-Episoden führte, hatten 52 Prozent der Probanden noch ein Jahr nach der Inselzelltransplantation ohne Insulinzufuhr einen normalen Blutzuckerspiegel.

„Selbst wenn Sie weiterhin Insulin benötigen, kann eine Inselzelltransplantation lebensrettend sein, da ein plötzlicher Tod durch eine unvorhersehbare Unterzuckerung vermieden wird“, sagt Professor Johnson. „Sie verhindert zudem Komplikationen wie Erblindung, Nierenversagen und Herzerkrankungen.“

KLARE ANSAGE

Meine Kinder kamen aus Österreich zu Besuch. Im Gespräch wollte ich von meiner sechsjährigen Enkelin Flora wissen, ob sie die Berufe ihrer Eltern kenne.

Wie aus der Pistole geschossen antwortete sie: „Meine Mutti ist Krankenschwester und mein Vati ist Erfinder.“

„Was erfindet er denn?“

„Er findet alles, Oma!“
RENATE MÖCKEL ,Dresden


FOTO: © WAYHOME STUDIO/SHUTTERSTOCK