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Diabetes unter Kontrolle


plus Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 04.08.2021

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Bildquelle: plus Magazin, Ausgabe 9/2021

Patientin Susanne Thiemann muss dank neuer Technik nun nicht mehr ständig an die Blutzuckermessung denken

UNSERE EXPERTEN

Prof. Thomas Haak, Diabetologe und Chefarzt am Diabetes Zentrum in Bad Mergentheim Sandra Schlüter, Fachärztin für Innere Medizin, Diabetologin sowie Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Technologie

Beim Radfahren, Le- sen, Duschen oder nachts beim Schlafen: Für viele Menschen mit Diabetes ist es lebenswichtig, ihren Zuckerspiegel immer zu kontrollieren. Nur so können sie abschätzen, wie viel Insulin sie benötigen. Noch vor einigen Jahren war dies nur mit einem unangenehmen Pikser in den Finger möglich: Der Blutstropfen kommt dabei auf einen Teststreifen, ein Messgerät zeigt anschließend den Zuckerwert an.

In den letzten Jahren hat sich die Technik entscheidend verbessert. Es gibt nun Geräte, die den Alltag der Patienten enorm vereinfachen, wie im Fall von Susanne Thiemann aus Münster. Die 59-Jährige hat Typ-1-Diabetes, der als Autoimmun-Krankheit gilt. „Vor rund zwei ...

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... Jahren hat mir mein Diabetologe ein neues Mess-System empfohlen“, erzählt die ehemalige Postangestellte. „Ich konnte am Anfang gar nicht glauben, dass ich damit die Werte viel einfacher kontrollieren kann.“

Susanne Thiemann trägt nun einen kleinen Sensor, der am Oberarm gesetzt wird. Alle paar Minuten überträgt er den Wert des Zuckergehalts im Gewebe auf ein Handgerät oder auf eine App auf dem Smartphone. Das Praktische: Bei zu hohen oder niedrigen Werten löst das Gerät automatisch einen Alarm aus. Dieses Mess-System nennt man „Kontinuierliche Glukose-Überwachung in Echtzeit“, oder kurz rtCGM (siehe Kasten rechts). Solche CGM-Systeme sind gene- rell nur für die Gewinnung der Daten zuständig, sie geben jedoch kein Insulin ab.

Weil Susanne Thiemann das Hormon jedoch benötigt, trägt sie zudem noch eine Insulin- Pumpe. Mit einer Smartphone- App werden die rtCGM-Daten genutzt, um automatisch die Insulin-Abgabe der Pumpe zu steuern. Der entscheidende Vorteil: Susanne Thiemann muss ihre Werte nicht mehr manuell ablesen. Früher musste sie das noch regelmäßig machen: „Oft war ich jedoch in meine Näharbeiten vertieft oder draußen beim Gärtnern, sodass ich nicht immer an die Überprüfung der Blutzuckerwerte gedacht habe. Das passiert mir mit dem neuen System nicht mehr.“

Prof. Thomas Haak, Chefarzt am Diabetes Zentrum Mergentheim, sieht deutliche Vorteile in dieser Art der Gewebezucker-messung: „Die Patienten haben damit nicht nur den aktuellen Wert im Blick, sondern können auch besser einschätzen, wie er sich in den nächsten Stunden entwickelt.“ Der Sensor misst dazu den Gewebezucker im Unterhautfettgewebe und dieser stimmt mit dem Blutzucker in den meisten Fällen überein, solange Letzterer stabil ist.

„Das automatische Messen macht meinen Alltag leichter

Susanne Thiemann (59) kontrolliert ihren Zucker mittels Echtzeit-Mess-System

Wann zahlt die Kasse?

Das bedeutet aber auch: Wenn sich der Blutzucker nach dem Sport oder einer Mahlzeit rasch ändert, dann dauert es einige Minuten, bis sich der Gewebezucker entsprechend anpasst. Daraus ergibt sich eine zeitverzögerte Anzeige der Werte. Diese versucht das System durch Berechnungen anzupassen. Ein CGM-Gerät zeigt mithilfe von Pfeilen an, in welche Richtung sich der Wert in nächster Zeit bewegen wird. Generell sind solche Systeme für Patienten geeignet, wenn die vereinbarten Behandlungsziele nicht anders zu erreichen sind. Es gibt zudem bestimmte Voraussetzungen, die man erfüllen muss, damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Dazu gehört etwa, dass Menschen mit Diabetes eine intensivierte Insulin-Therapie durchführen. Dabei erhalten sie nicht nur eine Basismenge an Insulin für die Grundversorgung, sondern auch zusätzlich weitere Insulin-Dosen, abhängig von den Mahlzeiten.

Mehr Sicherheit im Alltag

Auch Diabetes-Patient Michael Fliegner aus Hamburg vertraut auf ein CGM-System. Sein Arzt hat es ihm empfohlen, verbun- den mit der Auflage, die Ernährung umzustellen und sich mehr zu bewegen. „Ich war länger als 35 Jahre übergewichtig“, sagt Fliegner, „vor gut vier Monaten habe ich mich dazu entschlossen, das endlich zu ändern und auch meinen Diabetes in den Griff zu bekommen.“ Der ehemalige Software-Entwickler hat Typ 2 und findet es sehr vorteilhaft, dass er mit dem CGM- System seinen Glukose-Verlauf immer im Blick hat.

„Ich wollte meinen Diabetes endlich in den Griff bekommen”

Michael Fliegner (67) behält seinen Blutzucker mit einem CGM-System im Auge

„Wenn ich zum Beispiel ein bestimmtes Brot esse, kann ich nun hinterher direkt sehen, wie sich das auf meinen Zuckerwert auswirkt“, erklärt der 67-Jäh - rige. „Die laufende Glukosemessung hilft mir dabei, meine Ernährung zu verbessern.“ Mitt - lerweile hat er schon 20 Kilo verloren und muss seit Kurzem auch kein Insulin mehr spritzen.

Wer jedoch auf Insulin angewiesen ist, dem nützt ein CGM- System ganz besonders. Denn mithilfe der gemessenen Blutzuckerwerte können Menschen mit Diabetes ihren Insulin- Bedarf ermitteln und sich die entsprechende Menge beispielsweise mit einer Insulin-Pumpe injizieren – ohne dass dafür täglich drei, vier Pikser zur Blutentnahme nötig sind. „Derzeit ist es allerdings noch so, dass viele CGM-Systeme nur mit bestimmten Insulin-Pumpen kombinierbar sind. Das wird sich aber in den nächsten Jahren ändern“, sagt Internistin Sandra Schlüter aus Northeim.

So lange wollte Ulrike Thurm aus Berlin nicht warten. Sie hat Diabetes vom Typ 1. Ihre Insulin-Pumpe hat sie mit ihrem CGM-Gerät über eine selbst programmierte App verbunden. „Damit diese Kombination unproblematisch funktioniert, sind gute Vorkenntnisse und intensives Einarbeiten in das Thema nötig“, erläutert die 57-Jährige, die selbst als Diabetes-Beraterin arbeitet und auch einen Ratgeber zu dem Thema geschrieben hat („CGM- und Insulinpumpenfibel“, Verlag Kirchheim + Co, 24,90 Euro). Ulrike Thurm bewegt sich sehr viel. Sie läuft Marathon, spielt Fußball, Tennis und fährt Rad. „Und mit meinem selbst programmierten Algorithmus bin ich in der Lage, die Insulin-Abgabe besser auf die unterschiedlichen Belastungsarten abzustimmen“, erklärt die Diabetikerin, die auch betroffene Profi-Sportler berät.

Was gilt während der Wechseljahre?

Bei Frauen mit Diabetes kann die Menopause früh einsetzen, etwa mit Mitte 40 statt Anfang 50. Vor allem zu Beginn schwankt der Östrogenspiegel. Die Hormone machen die Körperzellen empfindlicher für Insulin und die Zellen nehmen mehr Zucker auf. Frauen mit Diabetes haben somit ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerung, weil der Glukose-Bedarf der Zellen so groß ist. Noch wichtiger als für gesunde Frauen ist es daher für Diabetikerinnen, in den Wechseljahren auf eine gesunde Ernährung und viel Bewegung zu achten. Zudem ist es sinnvoll, den Hormonspiegel beim Frauenarzt bestimmen zu lassen und sorgfältiger als bisher den Blutzucker im Auge zu behalten und gegebenenfalls anzupassen. Wichtig: Eine Hormonersatz-Therapie für Frauen mit Diabetes sollte gut überlegt sein, weil das Risiko für Bluthochdruck und Thrombosen erhöht ist.

Grundsätzlich gilt also: Je mehr Technik im Spiel ist, desto mehr Vorwissen braucht man. Die intelligenten Systeme erleichtern zwar den Alltag, man muss sie aber teils immer noch selbst überwachen und sich mit seiner Diabetes-Erkrankung beschäftigen. „Die Technik kann eine Bauchspeicheldrüse nicht komplett ersetzen. Hier gibt es in der Praxis häufig sehr viel Aufklärungsbedarf “, bestätigt Medizinerin Sandra Schlüter. Es ist darüber hinaus wichtig, als Nutzer eines CGM-Systems die Ausrüstung für eine Blutzuckermessung nach der klassischen Methode permanent griff - bereit zu haben, vor allem, wenn man unterwegs ist. Damit lassen sich die Werte notfalls auch bestimmen, wenn das CGM-System einmal ausfällt.

Der neueste Coup in der digitalen Diabetes-Therapie sind Smartpens, die über eine App mit einem CGM-System kommunizieren. Denn bislang konnten CGM-Systeme nur mit einer Insulin-Pumpe kombiniert werden. Einer der neuen Smartpens ist bereits auf dem deutschen Markt zugelassen, weitere Anbieter werden laut Expertin Sandra Schlüter aller Voraussicht nach bis Ende 2021 folgen.

„Meine Mess-Methode erfordert Technik-Verständnis”

Ulrike Thurm (57) nutzt ein selbst programmiertes System

Technik immer innovativer

Diese Technik macht es Menschen mit Diabetes dann noch einfacher, ihre Blutzuckerwerte digital zu kontrollieren, denn Smartpens können eine drahtlose Verbindung zum Smartphone aufbauen und so Informationen wie etwa Zeitpunkt und Dosis des verabreichten Insulins übertragen und in der dazugehörigen App speichern. In Kombination mit einem CGM-System, das die Glukosewerte misst und auf das Smartphone überträgt, kann die dazugehörige App beispielsweise die benötigte Insulin-Dosis berechnen, ohne dass man seine Daten von Hand eingeben muss. Auch die Wirkung des verabreichten Insulins lässt sich dank Smartpen anschaulicher darstellen. Das alles hilft Diabetikern, die Therapie besser zu verstehen.

„Künftig stehen diese fortschrittlichen Lösungen zum Diabetes-Management“, so Ärztin Sandra Schlüter, „nicht nur einigen wenigen Menschen zur Verfügung, sondern vielen.“

Kathrin Rothfischer