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DIABETESKURS: Impfen wird immer wichtiger!


Diabetes-Journal - epaper ⋅ Ausgabe 12/2020 vom 27.11.2020

Am Thema Impfen erkennen wir das hervorragende Niveau unseres Gesundheitssystems, an den „Impfgegnern“ die Meinungsvielfalt, teils auch Leichtfertigkeit der Menschen. Wir nennen Fakten und sagen, warum Impfungen wichtig sind.


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Bildquelle: Diabetes-Journal, Ausgabe 12/2020

Dr. med. Gerhard-W. Schmeisl (Bad Kissingen) schreibt über die Diabetes-Therapie und darüber, wie man Folgeerkrankungen verhindern kann. Unser Autor und seine Frau wünschen sich diesen Dezember möglichst den Besuch ...

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... der Kinder zu Weihnachten und viel Schnee.


Wichtiger denn je wäre es, möglichst gute Blutzuckerwerte zu erreichen.


Die aktuelle COVID-19-Pandemie führt wieder vor Augen, wie wichtig ein „gesundes“ Immunsystem für den einzelnen Menschen ist - aber auch für die Menschheit insgesamt. Speziell Menschen mit Diabetes haben zwar nur ein leicht höheres Risiko für Infektionskrankheiten als Nichtdiabetiker/-innen, besonders für Atemwegsinfektionen - aber immerhin: Man denke an die Pneumokokken- Pneumonie, eine spezielle Lungenentzündung, wie sie häufiger auch im Rahmen einer echten Virus-Grippe vorkommt.

Die aktuellen Erkenntnisse im Rahmen der COVID-19-Pandemie zeigen jedoch, dass Diabetiker mit unbefriedigenden Blutzuckerwerten sowie Menschen mit Metabolischem Syndrom und starkem Übergewicht eher gefährliche Infektionsverläufe haben. Deshalb wäre wichtiger denn je, möglichst gute Blutzuckerwerte zu erreichen - das sagt auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und das gilt vor allem für Menschen mit COVID-19! Da Menschen mit Diabetes aufgrund ihrer chronischen Erkrankung ein leicht geschwächtes Immunsystem haben können, sollen natürlich auch Standard-Impfungen durchgeführt werden wie die Teta- nus-Impfung alle 10 Jahre, aber auch die jährliche Grippe-Impfung im Herbst und unbedingt alle 6 Jahre die Pneumokokken-Impfung.

Komplikationsreicherer Krankheitsverlauf

Infektionen können bei Menschen mit Diabetes zu schwereren Krankheitsverläufen führen als bei sonst gesunden Menschen. Das gilt z. B. bei:

•• Lungenentzündungen (Pneumonien, z. B. durch Pneumokokken),

• Harnwegsinfekten,

• Haut- und Weichteilinfektionen,

• Knochen- und Gelenkinfektionen,

• Parodontitis (bzw. Gingivitis),

• Herzinnenhautentzündung (Endokarditis),

• Herpes-Virus-Infektionen und Virus-Grippe,

• aktuell: COVID-19-Infektionen: Junge Menschen mit Diabetes ohne Folgeerkrankungen gehören wohl nicht zur Risikogruppe. Aber ein Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben (laut DDG):

-- ältere Menschen mit Diabetes und weiteren Erkrankungen,

-- Personen (unabhängig vom Alter) mit diabetesbedingten Begleit- oder Folgeerkrankung wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen Organerkrankungen (z. B. an Niere und Lunge),

-- Patienten nach Organtransplantation mit unterdrücktem Immunsystem durch Medikamente (z. B. Kortison, Immunsuppressiva etc.).

Die STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut) empfiehlt daher für Menschen mit Diabetes regelmäßige Impfungen.

Was geschieht eigentlich in unserem Körper, wenn man geimpft wird?

Ende des 18. Jahrhunderts hatte der englische Arzt Edward Jenner beobachtet, dass Melkerinnen, die sich an kuhpockenkrankem Vieh angesteckt hatten, nicht mehr an den „echten Pocken“ erkrankten. 1796 impfte er einen gesunden Jungen mit Kuhpocken - dieser war danach gegen die echten Pocken geschützt! Verantwortlich für diese Reaktion unseres Körpers ist unser Immunsystem.

Wenn Bakterien, Viren oder Pilze in den menschlichen Körper gelangen - sei es über den Mund, die Haut oder die Harnwege/Blase - werden sie im günstigsten Fall von einer Reihe spezieller Zellen (Immunzellen) erwartet. Gelangt ein „Erreger“ zum ersten Mal in den menschlichen Körper (Erstinfektion), dann kennen die Immunzellen diesen Erreger noch nicht - der Kampf gegen ihn ist aufwendig und nicht immer erfolgreich. Werden die Erreger jedoch erfolgreich abgewehrt, so entsteht durch einzelne Abwehrzellen eine Art Gedächtnis für diesen speziellen Erreger. Außerdem bildet der Körper spezielle Eiweiße (Immunglobuline) als Antikörper gegen diesen Erreger. Bei einer erneuten Infektion mit diesem Erreger können sofort und schnell die Gedächtniszellen aktiviert und Antikörper gebildet werden - bei einer Zweitinfektion ist die Immunabwehr daher viel effektiver, da der Körper vorbereitet ist. Viele Kinderkrankheiten werden deshalb auch nur einmal durchgemacht.

Die aktive Immunisierung

Dies macht man sich auch bei der „aktiven Immunisierung“ (Impfung, Vakzination) zunutze: Bei dieser werden abgeschwächte bzw. abgetötete Erreger einer Krankheit oder Zellbestandteile des Erregers in den Muskel (meist Deltamuskel am Oberarm) gespritzt. Der Körper denkt, er werde angegriffen, und produziert Gedächtniszellen und Antikörper, die bei einer tatsächlichen späteren Infektion eine starke und schnelle Immunreaktion möglich machen

. Bei der aktiven Impfung unterscheidet man außerdem zwischen Lebend- und Totimpfstoffen. Man impft dabei mit einem gezüchteten, stark abgeschwächten Erreger, der nicht in der Lage ist, die Erkrankung auszulösen (dies wäre eventuell gefährlich), oder abgetöteten Erregern. Als dritte Möglichkeit können auch nur bestimmte Bestandteile des Erregers, die gentechnisch hergestellt werden, geimpft werden.

Die passive Immunisierung

Von passiver Immunisierung spricht man, wenn nicht der Körper selbst Antikörper bilden muss, sondern diese von außen einem bereits infizierten Menschen gespritzt werden, um seine Immunabwehr quasi zu unterstützen.

Nebenwirkungen?!

Impfungen können unserem Körper in der Regel nicht schaden - manchmal gibt es eine Impfreaktion an der Einstichstelle (Rötung, Überwärmung, leichte Schmerzen). Selten gibt es grippeähnliche Symptome, ganz selten einen Fieberkrampf (eher bei Kleinkindern), je nach Art des Impfstoffes.

Impfstoffe werden ständig weiterentwickelt: Der Influenza-, sprich Grippe- Impfstoff wird jährlich neu entsprechend den bereits weltweit aktuellen Erkrankungen zusammengestellt. Wegen einer möglichen Hühnereiweiß- Allergie hat man schon länger Impfstoffe, die nicht mehr auf Hühnerembryonen, sondern auf speziellen Zellkulturen gezüchtet werden. Aktuell gibt es sogar einen neuen 4-fach-Grippe- Impfstoff, der auf ei- nem nicht allergieauslösenden Medium gezüchtet wird. Es gibt auch schon länger Impfstoffe, die auch ins Unterhautfettgewebe statt in den Muskel verabreicht werden können, z. B. bei Menschen, die eine Marcumar-Therapie erhalten. Für Kinder und Jugendliche (2 bis 17 Jahre) gibt es ein Nasenspray (z. B. „Fluenz Tetra“) zur Grippe-Impfung.

Vielleicht hilft diese wissenschaftliche Basis für eine Impfung auch Impf-Zweiflern bzw. Impf-Gegnern unter den Menschen auch mit Diabetes, den Nutzen zu verstehen. Wichtig dabei auch: Eine Impfung kann keinen Diabetes auslösen - dies haben Forscher auch bezüglich einer möglichen Erkrankung an Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen ausgeschlossen (siehe Bundesgesundheitsblatt 6/2001, S. 613 - 618). Andererseits haben Typ-2-Diabetiker, die sich jährlich gegen Grippe impfen lassen, weniger Herz-Kreislauf-Komplikationen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz).

Zusammenfassung

Die COVID-19-Pandemie führt uns vor Augen, wie wichtig ein gesundes Immunsystem ist. Ein vorbereitetes Immunsystem kann auf einen Erreger besser und schneller reagieren. Menschen mit Diabetes und bestimmten Folge- und Begleiterkrankungen haben womöglich eine abgeschwächte Immunreaktion. Ihre Blutzuckerwerte sollten so gut und gleichmäßig wie möglich sein - viel Erfolg und Geduld!

Kontakt: Dr. Gerhard-W. Schmeisl // Internist/ Angiologie/Diabetologie/Sozialmedizin // PrivAS Privatambulanz (Schulung) // E-Mail: dr.gerhardw@schmeisl.de


Die COVID-19-Pandemie führt uns vor Augen, wie wichtig ein gesundes Immunsystem ist.


www.diabetes-online.de

Beispiel „Influenza“ - Impfstoffe werden ständig weiterentwickelt: Der Influenza-, sprich Grippe-Impfstoff wird jährlich neu entsprechend den bereits weltweit aktuellen Erkrankungen zusammengestellt.

Von der STIKO regelmäßig empfohlene Impfungen:

Tetanus/Diphterie/Pertussis: Auffrisch- Impfung alle 10 Jahre

Grippe (Influenza): jährlich neu (Herbst)

Pneumokokken (Lungenentzündung): alle 6 Jahre

Polio (Kinderlähmung): Impfung nur bei unvollständiger Grundimmunisierung und bei Reisen in bestimmte Länder

Der Fall

www.diabetes-online.de

Stephan P. ist Arzt in einer großen Reha-Klinik. Er war nie krank in seinem bisherigen Leben - bis auf einen Knöchelbruch nach einem Skiunfall mit 14 Jahren.

Seit einigen Wochen fühlt er sich schlapp und hat schon bei geringer Belastung einen „bellenden Husten“ - seine Frau meint, dies könne nichts mit seinem Alter (64 Jahre) zu tun haben, und besteht darauf, dass ihr Mann zu einem Lungenfacharzt geht. Sie glaubt nämlich, es höre sich wie Keuchhusten (Pertussis) bei Kindern an.

Es stellt sich durch Blutuntersuchungen schließlich heraus, dass er tatsächlich an Keuchhusten erkrankt ist. Nach der Impfung als Kind hatte er wohl nie wieder eine Auffrisch-Impfung durchführen lassen. Unter einer entsprechenden Therapie mit inhalativen Sprays und speziellen Antibiotika ging es Stephan P. schnell wieder besser - richtig gut ging es ihm jedoch erst wieder nach etwa einem halben Jahr!

Impfmöglichkeiten gegen weitere Krankheiten:

Windpocken

Cholera

Hepatitis A und B

Dengue-Fieber

Mumps, Masern, Röteln

Ebola

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Gelbfieber

HPV (Genitalwarzen durch Papillomaviren)

Pocken

Tollwut


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