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Diablo Immortal


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PC Games Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 18.05.2022
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Bildquelle: PC Games Magazin, Ausgabe 6/2022

Genre: Action-Rollenspiel Entwickler: Blizzard Entertainment Hersteller: Blizzard Entertainment Termin: 02. Juni 2022

Habt ihr denn keine Telefone!? Ein denkwürdiges Zitat, nach dem spätestens klar war: Mit Diablo Immortal hatte sich Blizzard mächtig verschätzt. Die Ankündigung auf der Blizzcon 2018 geriet zum Desaster, noch in den Messehallen wurde das Mobile-Game mit Spott und Häme überzogen. Fast vier Jahre sind seitdem vergangen und vieles ist passiert. Diablo 4 wurde angekündigt, es könnte die Marke wieder kräftig nach vorne bringen. Diablo 2: Resurrected gibt sich derweil alle Mühe, die alten Fans zurück ins Boot zu holen. Und Blizzards Image? Ist seit einem hässlichen Sexismus-Skandal schwer angekratzt.

Bei so viel Aufregung geriet Diablo Immortal langsam aber sicher ins Hintertreffen. Nur ab und zu tauchte sie noch auf, diese eine Frage, die sich so viele Fans seit der Ankündigung gestellt haben: Warum, warum kommt das Spiel nicht auch für den PC? Dort hat Diablo schließlich seine Wurzeln! Doch Blizzards ...

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... Antwort war bislang immer dieselbe: Niemand hat vor, das Spiel auf den PC zu bringen.

Und genau das soll sich nun ändern. Diablo Immortal erscheint für den PC. Und zwar nicht irgendwann, sondern schon sehr bald: Am 02. Juni wird das Action-Rollenspiel für PC, iOS und Android veröffentlicht.

Aber warum so plötzlich? Und was für eine PC-Version ist das überhaupt? Wir haben nachgefragt: Als einzige deutsche Redaktion haben wir exklusiv mit Wyatt Cheng (Game Director) und Rod Fergusson (Executive Producer) von Blizzard gesprochen.

Diablo Immortal ist fertig

Ab Donnerstag, dem 02. Juni könnt ihr euch das neue Diablo kostenlos für iOS-und Android-Geräte runterladen. Gleichzeitig mit dem Mobile-Launch wird auch ein PC-Client über Battle.net veröffentlicht – zunächst allerdings nur als Open Beta. Der Grund dahinter ist ganz simpel, wie uns Rod Fergusson verrät: „Seit wir das Spiel vor vier Jahren angekündigt haben, versuchen wir, möglichst viel Feedback der Spieler zu bekommen. Durch die Alpha-und Beta-Tests konnten wir herausfinden, was die Leute denken. Aber bei der PC-Fassung hatten wir diese Zeit einfach nicht. Das Spiel ist fertig, darum veröffentlichen wir es am 02. Juni. Wir wollten die Mobile-Versionen nicht wegen der PC-Fassung zurückhalten. Stattdessen haben wir beschlossen, die PC-Umsetzung ebenfalls schon zu veröffentlichen – nur eben als Beta, damit wir weiteres Feedback der Spieler einholen können. Denn es ist in erster Linie ein Mobile-Game. Steuerung und User Interface sind darauf ausgelegt, dass es mobil gespielt wird. Und deshalb wollen wir jetzt noch mehr Feedback sammeln, damit wir rausfinden, wie wir auch die PC-Erfahrung weiter verbessern können.“

Cross Progression: PC trifft Mobile

Trotz Beta-Status soll es am PC keine Einschränkungen geben. Ihr könnt euch den Client ohne Voranmeldung über das Battle. net runterladen und unbegrenzt spielen. Sämtliche Fortschritte in der Beta bleiben euch erhalten, es wird später also keinen Wipe geben. Das wäre auch kaum möglich, denn Diablo Immortal unterstützt Cross Progression. Das heißt, ihr sollt eure Charaktere von der Mobile-Fassung problemlos auf dem PC weiterspielen können und umgekehrt. Auch Crossplay ist möglich, was bedeutet, dass PC-und Mobile-Spieler gemeinsam zocken können. Zur Erinnerung: Diablo Immortal ist im Kern ein MMO, also ein Online-Spiel mit deutlich mehr Social Features als seine drei Vorgänger. Umso wichtiger, dass möglichst viele Leute zusammen spielen können – und dafür soll auch der Crossplay-Support sorgen.

Bloß kein Emulator!

Aber warum so plötzlich eine PC-Version? „Als wir mit unseren Alpha-und Betatestphasen begannen, haben eine Menge Leute nach einer PC-Version gefragt.“, erklärt Wyatt Cheng. „Und manche sagten sogar, dass sie das Spiel auf dem PC emulieren wollen. Und da haben wir uns gedacht: Mensch, bevor die Leute das auf dem PC emulieren, wäre es doch besser für uns, wenn wir selbst einen nativen Client anbieten.“

Cheng betont allerdings, dass sich an den ursprünglichen Plänen nichts geändert habe: „Wir entwickeln Diablo Immortal immer noch zuerst als Mobile-Game. Aber da es unser Ziel ist, so viele Spieler wie möglich zu erreichen, halten wir es für das Beste, das Spiel auf Mobile-Geräte und auf den PC zu bringen.“

Auch auf Blizzards Website bestätigen die Entwickler es noch einmal: Die Aussicht, dass man sich mit einem halbgaren Android-Emulator das ganze Spielerlebnis verderben könnte, brachte Blizzard letztendlich zu der Entscheidung, lieber gleich eine eigene PC-Version anzubieten. Und warum veröffentlicht man das Spiel nicht auch auf Konsolen? Rod Fergusson wiegelt ab: „Das ist natürlich eine Frage, die sich aus der ganzen Diskussion ergibt. Aber da haben wir im Moment nix anzukündigen.“

Unveränderte Grafik

Für ein Mobile-Game sieht Diablo Immortal absolut hochwertig aus. Euch erwartet der gleiche bunte Grafikstil wie in Diablo 3, mit stimmungsvollen Umgebungen, feinen Animationen und detailreich gestalteten Charakteren. Auch die wuchtigen Kampfeffekte kommen uns angenehm bekannt vor: Wo der Barbar mit Schmackes zuhaut, wächst so schnell kein Gras mehr. Da steckt die Blizzard-typische Liebe zum Detail drin. Wer genauer hinschaut, erkennt aber natürlich auch ein paar polygonarme Objekte in den Umgebungen und auch die schicken Zerstörungseffekte aus Diablo 3 wurden überdeutlich zurückgeschraubt. Hier sollte man seine Erwartungen also in Grenzen halten.

Trotzdem wird die PC-Fassung nicht nochmal aufgemöbelt, da gibt sich Wyatt Cheng überzeugt: „Das Spiel sieht wunderschön aus. Unsere Telefone haben extrem hohe Pixeldichten, auch wenn die Bildschirme vielleicht klein sind. Wenn du es also auf einem Full-HD-Monitor spielst, können sich die Texturqualität und der Detailgrad absolut sehen lassen. Darum mussten wir die Grafik auch nicht überarbeiten, du bekommst auf allen Plattformen eine sehr ähnliche Erfahrung – und es wird trotzdem großartig aussehen.“ Auch wenn sich optisch also kaum etwas ändert, soll der PC-Client zumindest ein paar Grafikoptionen bieten, über die ihr euch das Spiel anpassen könnt. Zum Beispiel lässt sich die Framerate auf 30, 60, 120 oder unbegrenzte FPS festlegen.

Steuerung am PC: Aus die Maus?

Auch wenn das Spiel stark an Diablo 3 erinnert, ist das Gameplay nicht identisch. Soll heißen: Ihr werdet natürlich merken, dass ihr letztendlich ein Mobile-Game am PC spielt. Auch Cheng und Fergusson betonen immer wieder, dass Diablo Immortal ein „mobile first game“ ist, die Steuerung wurde also primär für Touchscreens designt. Und tatsächlich: Am Smartphone spielt es sich richtig flüssig und intuitiv. Trotzdem hat Blizzard schon vor einer Weile angekündigt, dass ihr auch mit einem Gamepad spielen könnt. Das ist natürlich auch am PC möglich.

Keine Lust auf Gamepad? Dann ist vielleicht die neue WASD-Steuerung etwas für euch, ein Novum für die Diablo-Serie. Damit könnt ihr euren Charakter direkt steuern. Aber keine Sorge: Auch eine klassische Maussteuerung soll es geben, damit ihr eure Monster und Beute so anklicken könnt, wie ihr es von der Serie gewohnt seid. Die Fähigkeiten werden mit den Tasten 1 bis 4 ausgelöst, der Hauptangriff liegt auf der linken Maustaste. Und die Entwickler haben schon bestätigt, dass man die Tastenbelegung am PC frei anpassen kann. Gut so!

Doch selbst mit diesen Extras wird sich das Gameplay hier und da ungewohnt anfühlen, zum Beispiel im Inventar: Am PC ist es üblich, mit dem Mauscursor über ein Item zu fahren, damit man im Tooltip die Eigenschaften nachlesen kann. Am Touchscreen geht das nicht, hier muss man die Items erst antippen, um ein Info-Fenster zu öffnen. Und das wird auch am PC so sein. Auch die übergroßen Texteinblendungen wirken an einem Monitor übertrieben, obwohl das HUD bereits kleiner ausfällt als am Smartphone. Spätestens im Talentemenü lassen sich die Mobile-Wurzeln dann nicht mehr leugnen: Die Buttons und Texte sind hier so riesig, dass man sie problemlos von der anderen Straßenseite aus lesen könnte. Es ist offensichtlich, dass das am PC keine gute Lösung ist.

Trotzdem hält Wyatt Cheng es für „fantastisch“, dass das Spiel auf PC und Mobile nahezu identisch ist. Schließlich gäbe es dadurch keinerlei versteckte Funktionen oder Konflikte, weil man überall die gleiche Spielerfahrung hat. Allerdings will man hier auch ausdrücklich auf die Community hören: „Das Team glaubt fest an das Feedback der Spieler. Darum nehmen wir jede Gelegenheit wahr, um Meinungen einzuholen, ganz egal, ob es ein Alpha-Test, eine Beta-Phase oder die Blizzcon 2018 ist.“ Wir gehen deshalb fest davon aus, dass Blizzard die Menüs im Laufe der PC-Beta nochmal kräftig überarbeiten wird.

So spielt sich das Mobile-Diablo

Wir konnten Diablo Immortal schon während der Alpha-und Beta-Testphasen ausgiebig zocken, insgesamt kamen da rund 50 Stunden Spielzeit zusammen. Inhaltlich war der Mobile-Titel fast komplett, lediglich ein Schlussakt der Kampagne fehlte noch. Endgame, PvP und alle anderen Funktionen waren dafür vollständig enthalten. Dadurch hat sich schon ein ziemlich klares Bild abgezeichnet: Diablo Immortal ist gut. Nicht überragend, nicht wegweisend. Aber es ist ganz sicher nicht das billige Handyspielchen, das ihm oft nachgesagt wird.

Im Gegenteil: Das Ding ist nicht nur ideal für zwischendurch, sondern auch in längeren Sessions ein überraschend spaßiges Diablo für die Hosentasche. Natürlich gibt es ein paar Zugeständnisse an die Plattform. Als Mobile-Game kann, will und wird es kein Path of Exile oder Diablo 2: Resurrected ersetzen.

Aber es wird zweifellos jede Menge neue Spieler an Land ziehen – und vielleicht sogar den ein oder anderen Skeptiker überraschen, der Mobile-Games bislang für Teufelszeug hält.

Ein Diablo ohne Diablo

Die Geschichte ist zwischen Diablo 2 und Diablo 3 angesiedelt. Die drei Großen Übel sind besiegt, von Azmodan und Belial fehlt noch jede Spur. Stattdessen tritt mit Skarn ein ranghoher Diener von Diablo auf, der es auf die Scherben des zerstörten Weltensteins abgesehen hat. Ein Epos sollte man dabei nicht erwarten, dazu wirkt die Bedrohung zu klein, der Einsatz zu gering. Mit Figuren wie Deckard Cain oder Charsi kehren aber immerhin ein paar alte Bekannte zurück, sogar der Totenbeschwörer Xul und Zoltun Kulle haben kurze Auftritte – das sorgt für Wiedersehensfreude. Und auch wenn nicht ganz so dicke Story-Geschütze wie früher aufgefahren werden: Die Kampagne von Diablo Immortal geht völlig in Ordnung und motiviert zum Weiterspielen. Es gibt massenhaft Charaktere, gut vertonte Dialoge, kleine Skript-Ereignisse und ab und zu kommen auch Zwischensequenzen in Spielgrafik zum Einsatz, die für ordentlich Atmosphäre sorgen.

Sechs Helden zum Launch

Die Klassenauswahl vom Barbaren über Dämonenjäger bis hin zum Totenbeschwörer hält keine großen Überraschungen bereit. Auch das streng lineare Talentesystem wirkt auf den ersten Blick ernüchternd: Mit jedem Levelaufstieg werden neue Skills automatisch freigeschaltet und verbessert.

Doch zumindest sind die sechs Helden wieder cool umgesetzt und bringen auch ein paar neue Fähigkeiten zum Einsatz. Zauberer können beispielsweise Eiskristalle erschaffen, die man anschließend mit einem Kältestrahl beschießt, wodurch der Strahl bricht und auf mehrere Gegner gestreut wird.

Nette Idee! Ein Highlight ist auch die brachial inszenierte Charakterauswahl, die alle Helden in kurzen, actiongeladenen Kampfsequenzen präsentiert: So martialisch und detailreich wurden eure Figuren bislang noch in keinem Diablo dargestellt.

Apropos: Erst kürzlich haben die Entwickler verraten, dass ihr erstmals zwischen den Klassen wechseln könnt, ohne euren Fortschritt zu verlieren. Das heißt, ihr müsst nicht jedes Mal wieder ganz von vorne anfangen, wenn ihr einen Zweit-oder Drittcharakter startet, sondern könnt eure erspielten Fortschritte (z.B. Beute oder Paragonlevels) einfach zur nächsten Klasse mitnehmen. Das Feature soll allerdings erst kurz nach Release eingebaut werden.

Online ist Pflicht

Das Gameplay wirkt trotz Touch-Steuerung sehr vertraut, auch wenn das Tempo insgesamt niedriger ausfällt als in anderen Diablo-Spielen.

Einer der größten Unterschiede ist aber die Spielwelt, die ist nämlich nicht mehr zufallsgeneriert, sondern besteht aus großen, von Hand gebaut Außenarealen. Das ist auch nötig, weil Diablo Immortal im Kern ein MMO ist, ein Always-On-Titel, in dem einem fast überall andere Spieler über den Weg laufen können. Hin und wieder betritt man aber auch instanzierte Einzelspielerbereiche oder auf Gruppen ausgelegte Dungeons, die dann wie gewohnt zufallsgeneriert sind.

Solo-Spieler dürften sich an dem Online-Konzept kaum stören, denn zumindest die Geschichte lässt sich problemlos alleine erleben. Lediglich das Spawn-Verhalten hat uns in der Beta öfter mal irritiert: Nicht nur besiegte Gegner werden schon nach kurzer Zeit wiederbelebt, oft erscheinen auch Schreine und Schatztruhen nur wenige Meter von unserer Spielfigur entfernt. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber auch notwendig. Schließlich müssen die Objekte regelmäßig für andere Spieler nachrücken.

Stimmungshäppchen

Auch wenn der Zufallsfaktor fehlt: Die Friedhöfe, Dschungel, Wüsten, Gebirge und Tempel sind ähnlich liebevoll gestaltet wie im dritten Serienteil und locken mit kleinen Ereignissen und Mini-Quests. Da muss man beispielsweise einem verwundeten Soldaten dabei helfen, seine getötete Familie zu bergen. Oder man befreit einen NPC aus den Fängen einer Riesenspinne. Das ist beim ersten Mal wirklich unterhaltsam, allerdings lassen sich die kleinen Events beliebig oft wiederholen, der Ablauf bleibt dabei immer gleich – dadurch verlieren sie auch schnell wieder an Reiz.

Anders als in früheren Diablo-Spielen wird diesmal aber nicht nur gekämpft: Für eine Aufgabe sollen wir uns beispielsweise auf ein Piratenschiff schleichen, für eine andere müssen wir einen Lichtstrahl über verstellbare Spiegel umlenken. Klingt für ein Diablo erst mal schräg, spielt sich aber überraschend kurzweilig. Außerdem gibt es in jeder Zone einen großen Story-Dungeon, den man im Rahmen der Hauptquest besucht und danach beliebig oft wiederholen kann. Vor allem hier bringen die Entwickler hübsche Skriptsequenzen und nette Ideen zum Einsatz, zum Beispiel ein Kampf in einem Aufzug oder ein kurzer Abschnitt auf einem Floß. Am Ende wartet natürlich immer ein imposanter Bosskampf – da kann Immortal ohne Weiteres mit Diablo 3 mithalten. Schade nur, dass diese Dungeons im Endgame so oft wiederholt werden und dabei immer statisch bleiben. Hier hätten wir uns definitiv ein paar Zufallselemente gewünscht.

Mobile? Merkt man!

Was man auch tut, alles ist mundgerecht portioniert und auf schnelle Erfolge zugeschnitten. Hat man eine Aufgabe abgehakt oder einen Elite-Gegner gekillt, erscheint zum Beispiel einfach eine große Schatztruhe und spuckt Beute und Erfahrungspunkte aus. Hier merkt man deutlich, dass Diablo Immortal nicht nur, aber eben auch auf Gelegenheitsspieler ausgelegt ist. Auch die Entwickler bestätigen im Interview, dass es ihnen sehr wichtig war, genügend Inhalte für kurze Sessions anzubieten: Je nachdem, worauf man Lust hat, können die Aktivitäten zwischen 3 und 20 Minuten in Anspruch nehmen. Wer’s eilig hat, spielt vielleicht nur einen Rift oder erledigt einen Kopfgeldauftrag – und legt das Spiel danach wieder weg. Und wer mehr Zeit mitbringt, macht sich stattdessen auf Erkundungstour oder nimmt die Hauptquest wieder in Angriff.

In jedem Areal gibt es außerdem noch Quests, die alle Spieler in der Zone betreffen. Auf dem Friedhof spawnt beispielsweise regelmäßig ein untoter Steuereintreiber, der mit seinem Karren samt Geisterpferden durch die Landschaft pflügt. Auf dem Berg Zavain erscheint dagegen ein uralter Riesendämon, der nur verletzt werden kann, wenn man magische Säulen in der Nähe aktiviert – das ist ein Job für mehrere Spieler und sorgt für ein wenig Abwechslung.

Viele neue Features

Wer Diablo 3: Reaper of Souls gespielt hat, wird sich an die gefallene Stadt Westmark erinnern, die von Malthaels Todesengeln plattgemacht wurde. In Diablo Immortal erlebt man den Ort in seiner Blütezeit, eine stimmungsvolle mittelalterliche Festung, in der noch das Leben tobt.

Westmark dient allen Spielern als zentraler Hub, das heißt, ein Stadtportal führt euch grundsätzlich immer hierher.

In dieser Stadt werdet ihr viel Zeit verbringen, denn hier entfalten sich nicht nur viele Ereignisse, es werden auch immer mehr Features und Fortschrittsmechaniken freigeschaltet. Denn in Diablo Immortal wimmelt es nur so von ineinander verzahnten Systemen, die etwas Eingewöhnungszeit brauchen. So könnt ihr eure Ausrüstung diesmal in Rängen aufwerten, das verschlingt irgendwann Unmengen an Ressourcen. Aber: Ränge lassen sich bequem auf neue Items übertragen, ihr verliert euren Fortschritt also nie. Das gilt auch für Set-Items und legendäre Gegenstände, die Modifikatoren für Talente mitbringen, wodurch sie im Grunde die Fähigkeitenrunen aus Diablo 3 ersetzen. Habt ihr den Höchstlevel erreicht, wird außerdem ein erweitertes Paragonsystem freigeschaltet, das mit mehreren kleinen Talentbäumen daherkommt.

Und natürlich gibt es auch wieder Edelsteine für Sockelfassungen, die in Diablo Immortal sogar noch wichtiger sind als früher. Ihr könnt die Dinger wie gewohnt in mehreren Stufen aufwerten. Das gilt besonders für die legendären Steinchen, die besondere Eigenschaften liefern. Und dann kommen noch die vielen Aktivitäten hinzu, mit denen ihr Ressourcen verdienen könnt.

Dazu zig verschiedene Runen, die ihr fürs Crafting braucht. Zauber (Charms), die man extrahieren und neu zusammenbasteln muss, um Talentboni freizuschalten. Freispielbare Slots auf legendären Items, in die ihr neue Affixe einsetzen könnt.

Steine mit eigenen Setboni, die zum Auswürfeln von Attributen verwendet werden. Ein Marktplatz, auf dem man das ganze Zeug handeln kann. (Keine Sorge, das Auktionshaus aus Diablo 3 kehrt nicht zurück!)

Später entdeckt man dann noch einen geheimen Horadrimtempel, wo weitere, dauerhafte Boni darauf warten, freigespielt zu werden. Und für hochstufigere Spieler wird nach einer Weile das Reliquiar der Hölle verfügbar, ein magisches Gerät, das sich – logisch – wieder mehrfach aufleveln lässt. Dazu müsst ihr allerdings Raid-Bosse bezwingen, für die ihr zwingend eine achtköpfige Spielergruppe braucht. Und das ist nicht mal alles. Es gibt noch mehr Währungen, Handwerksmaterialien und spezielle Händler, die erst nach der Hauptgeschichte wichtig werden.

Das alles kann gerade in den ersten Stunden ganz schön verwirren – aber zumindest dürfte man damit eine ganze Weile beschäftigt sein.

Dazu zählen auch die täglich wechselnden Herausforderungen und Erfolge, die in einem großen Journal vermerkt werden. Ihr könnt hier extra Ressourcen und viel Erfahrung einstreichen, indem ihr bestimmte Dungeons wiederholt, Gegner jagt, Aufgaben abarbeitet. Außerdem gibt’s jede Menge Belohnungen, wenn ihr zum Beispiel alle Zufallsbosse in einer Zone besiegt oder bestimmte Events abgeschlossen habt. Auch das ist nichts, was man an einem Wochenende erledigt.

Umfangreiches Endgame

Durch sein MMO-Fundament gibt es in Diablo Immortal auch deutlich mehr soziale Features. Ihr könnt beispielsweise schnell ein Team für einen Bosskampf suchen, euch zu zwanglosen Kampftrupps zusammenschließen oder ausgewachsene Gilden mit bis zu 150 Mitgliedern gründen. Auch für die Rifts und Elder Rifts, die ähnlich wie in Diablo 3 funktionieren, sucht ihr euch über ein Matchmaking-System flott ein paar Mitspieler. Danach könnt ihr die Gruppe sofort wieder verlassen, wenn ihr das wollt. (Einen Offlineoder Einzelspielermodus gibt es allerdings nicht!)

Ein zentrales Feature wartet dann im Endgame, das sich um die „Immortals“ dreht: Darin müssen sich zwei Fraktionen – Schatten und Unsterbliche – um eine Krone kloppen. Und das fällt viel komplexer aus, als man es von einem Diablo vermuten würde. Da müsst ihr euch erst mal einer Seite anschließen, Charaktere kennenlernen, Aufgaben erfüllen, im Rang aufsteigen, PvP-Kämpfe gegen die andere Seite austragen und an Raubzügen mit eigenen Spielregeln teilnehmen. So verdient ihr für euer Haus Punkte, bis ihr euch dann für einen großen Schlusskampf qualifizieren könnt. Die Siegergruppe erhält am Ende dann die Krone der Unsterblichen, wodurch sie mächtige Vorteile erhält – zumindest bis der Kreislauf wieder von vorne beginnt. Das Endgame ist aber nicht nur für gut vernetzte Vielspieler ausgelegt. Zwar sind einige Inhalte klar auf Gilden und PvP zugeschnitten, doch ihr könnt euch auch als Solospieler mit wenig Zeit einbringen und Fortschritte erzielen.

Risikofaktor Free2Play

Bei „Free2Play“ läuten bei vielen Spielern natürlich die Alarmglocken. Es ist wichtig, diese Systeme zu hinterfragen und genauer hinzuschauen. Im Fall von Diablo Immortal fällt das aber gar nicht so leicht.

Es gibt so viele Fortschrittsmechaniken, Ressourcen und Upgrades, dass es wie eine Mammutaufgabe scheint, das alles fair auszubalancieren. Schließlich soll am Ende keine Kluft zwischen zahlenden und nicht-zahlenden Spielern entstehen. Blizzard beruft sich hier auf seinen Grundsatz „Gameplay first“, das heißt, dass man auch als nicht-zahlender Spieler voll auf seine Kosten kommen soll. Es gibt zwar einen umfangreichen Shop, allerdings könnt ihr euch dort keine Items kaufen wie damals im Auktionshaus von Diablo 3. Stattdessen sind dort verschiedene Währungen, Ressourcen und Schatzkisten im Angebot, mit denen ihr euch zum Beispiel das Crafting etwas leichter machen könnt. Oder ihr erhaltet mehr Wappen, mit denen ihr Rifts aufwertet, um eure Dropchancen auf seltene Beute zu erhöhen. Allerdings stellt sich hier schon die Frage, ob man das Zeug als halbwegs fleißiger Normalspieler überhaupt braucht. So etwas kann erst das fertige Spiel zeigen.

Sicher ist aber: Es gibt einen Battlepass, den man durch verdiente Punkte aufleveln kann. Mit jeder Stufe werden dann verschiedenste Belohnungen freigeschaltet. Dieser Battlepass ist für jeden Spieler verfügbar, allerdings kann man sich für ein paar Euro auch eine Premium-Variante freischalten, die dann für eine Weile deutlich mehr Belohnungen ausspuckt.

Wir haben so einen Kauf während der Closed Beta ausprobiert und hatten nicht das Gefühl, dass uns da als nicht-zahlender Spieler etwas Spannendes entgeht. Was uns ohnehin wichtiger ist: Blizzard verspricht, dass alle neuen Updates und Inhalte immer kostenfrei verfügbar sein werden – ihr werdet laut Blizzard also nie für neue Klassen, Gebiete, Dungeons, Raids und so weiter bezahlen müssen.

Diabolische Zukunft

Trotz aller Stärken und neuer Features bleibt die Frage, ob Diablo Immortal auch bei den Fans seine Lücke finden wird. Blizzard ist mit der Ankündigung vor vier Jahren ein Risiko eingegangen, das Image der Firma hat damals eine tiefe Delle abbekommen. Für die Entwickler eine bittere Lektion. Doch nun muss das Spiel für sich selbst stehen und beweisen, dass es eben nicht „nur“ ein kleines Mobile-Game für Zwischendurch ist.

Rod Fergusson findet, dass sich die Stimmung bereits deutlich gebessert hat: „Unsere Ankündigung hat damals viel Kritik abbekommen.

Aber während wir dann durch unsere ganzen Testphasen gingen und über das Spiel sprachen und unsere Blogs machten, merkten wir, dass sich die Stimmung in den letzten vier Jahren wirklich gedreht hat.

Jetzt werden wir oft gefragt, wann das Spiel endlich rauskommt.“ Fergusson sieht in Diablo Immortal einen wichtigen Schritt nach vorn: „Wisst ihr, Diablo 2: Resurrected war toll, als wir es im September 2021 veröffentlicht haben. Aber es war eben ein Remaster eines 20 Jahre alten Spiels. Es gab seit fast zehn Jahren keine richtig neue Diablo-Erfahrung mehr. Wenn wir also mal das Franchise betrachten, ist der Release von Diablo Immortal für uns eine richtig große Sache. Wir gehen diesmal nicht nur auf die breite Masse zu, indem wir erstmals ein Mobile-Game machen. Es ist auch einfach das erste neue Diablo seit einer Dekade. Darum kann ich es kaum noch erwarten, die Spieler in Sanktuario wiederzusehen.“

Auch Wyatt Cheng freut sich auf den Release und lobt vor allem den Einsatz der Community: „Zuerst haben wir das Spiel jahrelang in Abgeschiedenheit entwickelt. Und als wir dann endlich in unsere Alpha-und Betaphasen starteten, als die Leute das Spiel ausprobieren und uns Feedback schicken konnten, das hat das Spiel wirklich beeinflusst. Es war fantastisch. Ich bin wirklich dankbar für diese Community, die uns ständig dabei geholfen hat, das Spiel durch die Testphasen besser zu machen. Wir freuen uns jetzt riesig darauf, das Spiel endlich zu veröffentlichen.“

Blizzard goes Mobile

Für Blizzard ist Diablo Immortal auch so etwas wie eine Feuertaufe. Zwar hat das Studio schon mit Hearthstone viele Mobile-Erfahrungen gesammelt, doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Hearthstone war zuerst ein PC-Titel, der erst später für Mobile portiert wurde. Diablo Immortal dagegen ist das erste „Mobile first“-Game aus der Kultschmiede, zugeschnitten auf Smartphones und Tablets. Und nebenbei ist es auch das erste Spiel, das Seite an Seite mit dem chinesischen Technikriesen Netease entwickelt wurde. Wenn Diablo Immortal also ein Erfolg wird, könnte es den Beginn eines völlig neuen Geschäftszweiges für Blizzard markieren. Schließlich haben die Kalifornier gerade erst ihr neues Warcraft-Spiel (siehe Seite 53) vorgestellt, das nur für Mobile-Geräte konzipiert wurde. Egal ob Diablo oder Warcraft, werden die Spiele ihren großen Namen gerecht? Sind sie auch für PC-Spieler gelungen? Und vor allem: Wird das Free2Play-Modell wirklich fair umgesetzt? Die Fans werden nun ganz genau hinschauen. Und das werden wir auch.

FELIX MEINT

„Diablo Immortal ist und bleibt ein Mobile-Game. Und das ist auch in Ordnung so.“

Da ich Diablo Immortal schon am Smartphone intensiv gespielt habe, erlaube ich mir ein vorsichtiges Urteil: Das Spiel ist gut, für ein Mobile-Game sogar richtig gut. Es sieht klasse aus und spielt sich sehr komfortabel. Die Fülle an neuen Features hat mich überrascht, allerdings muss ich hier auch einen Warnhinweis anbringen: Die neuen Systeme und Ressourcen wirken natürlich auch ins Bezahlmodell hinein, Blizzard will euch schließlich zum Kauf animieren. Wie fair das ist, kann erst der Test zeigen – denn gerade in einem Online-Spiel mit PvP muss die Balance für alle passen. An die PC-Fassung habe ich übrigens keine großen Erwartungen: Sie ist mir willkommen, allerdings hat Blizzard deutlich gesagt, dass sie hier auch nicht zuviel Energie reinstecken wollen. Letztendlich spart ihr euch vor allem den Emulator – aber das ist ja schon mal besser als nichts.